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Schneeflöckchen, Bikiniröckchen: Weihnachten mal brasilianisch

Weihnachten ohne Adventskranz, Tannenbaum und Schnee? In Deutschland kaum vorstellbar, doch für Brasilianer ist das selbstverständlich. Schließlich liegt Brasilien auf der Südhalbkugel und dort kann es im Dezember bis zu 35 Grad oder mehr werden. Die Brasilianer wissen sich aber zu helfen.
Wenn gerade keine Tanne zur Verfügung steht, dann reicht auch eine aus Plastik oder der Mangobaum im Garten. Der Schnee kommt aus der Dose und zur Not wird auch Watte als Schneedekoration genommen. Besonders beliebt sind Lichterketten, diese sind auf jedem Strauch und jedem Baum zu sehen.
Weihnachten ist ein ganz besonderer Feiertag für das katholisch geprägte Land und dementsprechend sind natürlich christliche Motive, wie die Krippe, in fast jedem Haushalt zu finden.

Gefeiert wird in der Nacht vom 24.12 auf den 25.12. Am 24.12 haben viele Geschäfte noch bis 18:00 offen und viele müssen noch arbeiten. Essen gibt es erst ab Mitternacht. Davor wird das Essen vorbereitet, sich zurechtgemacht und die Messe um 20:00 Uhr besucht. Dann schließlich um 24:00 Uhr heißt es: Ran ans Buffet. Der Tisch hat meistens kaum noch Platz für Teller und Besteck. Es gibt, je nach Region, Kabeljau oder, was bei vielen beliebt ist, gefüllter Truthahn. Hinzukommen verschiedene Beilagen. Reis entweder pur oder mit Gemüse zubereitet, dann Farofa (gewürztes Manjokmehl), und Salpicão (Hähnchen Salat). Wer anschließend immer noch Platz im Bauch hat, kann sich noch an der Rabanada endgültig satt essen. Rabanada ist ähnlich wie Armer Ritter und gehört für viele zu Weihnachten dazu. Andere hingegen servieren Maracuja Mousse, Früchte oder Pavê (Torte aus Keks-Creme-Schichten). Das Essen variiert natürlich je nach Region, aber das eben genannte ist bei den meisten bekannt und beliebt.

Brasilianer essen gerne und am liebsten mit anderen zusammen, somit kann sich die Bescherung bis mitten in der Nacht hinauszögern, denn anders als in Deutschland gibt es die Geschenke erst nach dem Essen.
Am nächsten Tag steht zunächst ausschlafen auf dem Programm. Danach wird zusammen mit Freunden und Familie weiter gefeiert. Was vom Vortag übrig blieb, wird gegessen und wenn nötig nochmal neu gekocht.
Viele Brasilianer kommen aus Großfamilien, leben sogar oft noch mit den Eltern und Großeltern zusammen. Aber egal wie voll das Haus ist, man findet immer ein Plätzchen für alle die dabei sein wollen. Wie die Brasilianer gerne sagen „nos damos um jeitinho“ (dt.: Wir finden schon einen Weg).
Für einen Tag werden alle Sorgen vergessen. Ob arm oder reich, jung oder alt, Bruder oder Nachbar. An Weihnachten kommen alle zusammen und feiern laut und fröhlich bis spät in die Nacht. Während in Deutschland am 26.12 immer noch Weihnachten gefeiert wird, müssen in Brasilien alle wieder arbeiten, bis zur nächsten großen Feier am 31.12.
Trotz einiger Unterschiede, wollen an Weihnachten Deutsche und Brasilianer das gleiche: Eine schöne Zeit mit den Menschen verbringen die man liebt.

Und falls ihr Lust habt, an Weihnachten mal was Neues auszuprobieren, hier eine der vielen Variationen meines Lieblingssalats:

Salpicão

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Salpicão

Zutaten
Hähnchenbrust
1-2 Karotten
Rosinen
Batata palha (gesalzene Kartoffelsticks)
Salz nach Geschmack
1 Hühner Brühwürfel
Petersilie
Mayonaise

Zubereitung:
1. In einem Topf Hähnchenbrust , Hühnerbrühwürfel und Salz zum Kochen bringen
2. Währenddessen die Karotten raspeln anschließend mit den Rosinen und der Petersilie vermengen
3. Wenn die Hähnchenbrust fertig und abgekühlt ist, wird sie auseinander gezogen
(sozusagen pulled chicken)
4. Hähnchen und Karotten werden zusammen mit der Mayonnaise vermischt

In diesem Sinne: Feliz Natal e um próspero ano novo!

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Weihnachtsempfehlungen: Die vier besten Bücher zur Winterzeit

Ach, die Weihnachtszeit. Die schönste Zeit – besonders für Bücherwürmer, die sich endlich in ihre Höhlen verkriechen und mit atemberaubenden Büchern die magischen Festtage verbringen können. Am prasselnden Feuer, mit einer Tasse heißer Schokolade, unter einer kuschelig-weichen Decke und mit einem Buch…Was kann es noch Entspannteres geben? Gehören Sie selbst zu der Gruppe der selbsternannten Bücherwürmer? Oder kennen Sie jemanden, der Ihnen nahesteht und den Winter gerne so verbringen würde? Dann sind Sie genau richtig hier, denn mit diesen Büchern machen Sie jedem Leser die größte Freude zu Weihnachten.

Für die besonders Romantischen ist „Die Liebenden von Leningrad“ von Paullina Simons genau das Richtige. Die junge Tatiana begegnet im Sommer 1941 auf den Straßen von LeningradDie Liebenden von Leningrad von Paullina Simons der Liebe ihres Lebens Alexander, einem sowjetischen Offizier. So eine leidenschaftliche Liebe wäre für jeden ein Segen– doch wie kann etwas so Wertvolles gefährliche Geheimnisse, Hungersnot, Krieg und den Tod überstehen? Ein historischer Roman, der zudem auch die Schrecken des zweiten Weltkrieges aufzeigt und ihre Auswirkung auf die damalige Sowjetunion. Mit fesselnder Prosa und Leidenschaft kommt der Leser von der ersten Seite an in einen Lesefluss und hört nicht auf zu lesen, bis zum Ende. Machen Sie sich bereit für eine emotionale Achterbahn und viele schlaflose Nächte, denn dieser Roman lässt einen sogar nach dem Ende nicht los!

„Ein menschlicher Körper beginnt fünf Minuten nach dem Tod zu verwesen. Der Körper, einst die Hülle des Lebens, macht nun die letzte Metamorphose durch. Er beginnt sich selbst zu verdauen.“

Na, wurde Ihre Aufmerksamkeit erweckt? Gut, denn dieser Thriller ist nichts für schwache Nerve978-3-499-24197-0n. Mit diesen Worten beginnt „Die Chemie des Todes“ von Simon Beckett und handelt von David Hunter, dem besten forensischen Anthropologen Englands. Jedenfalls ist er das einmal gewesen, bis ein tragischer Unfall sein Leben für immer veränderte. Um dem Tod zu entfliehen, zieht er sich zurück und lebt ein einfaches Leben in einem kleinen Dörfchen in Devonshire. Doch wenn die kleinen Kinder des Dorfes eine obszön zugerichtete Frauenleiche entdecken, wird David klar, dass er sich irgendwann seiner Vergangenheit und dem Tod stellen muss…Ein schamlos deskriptiver Thriller, der für einen Adrenalinstoß sorgt und zittrige Spannung garantiert.

Kennen Sie das, wenn Sie in ein Buch komplett blind hineingehen, es nicht mehr aus den Händen lassen können, in einer Nacht komplett fertiglesen und am Ende so sehr am Weinen sind, dass Sie schon aussehen wie ein roter rotziger Grinch? Dann empfiehlt es sich seh9783868826524r „Maude: Die wahre Geschichte einer außergewöhnlich starken Frau“ zu lesen. Geschrieben von Donna Foley Mabry, die sich der Geschichte von Nola Maude Clayborn widmet – dem wahren Leben ihrer eigenen Großmutter. Die Leser verfolgen ihr Leben von ihrer Geburt an, im Jahre 1892, bis hin zu ihrem Tod. Erzählt von der Ich-Perspektive bietet das Buch eine tiefe emotionale Bindung zu Maudes Charakter und eine unvergessliche Zeitreise. Sie werden in ein Leben voller glücklicher Momente und tiefster Schicksalsschläge katapultiert und leiden mit der Protagonistin auf jeder einzelnen Seite. Eine unglaubliche Geschichte, die die Leser mit den harten Realitäten des Lebens konfrontiert und sie Demut gegenüber dieser besonderen Frau, Mutter und Großmutter empfinden lässt.

Das letzte Buch und mein persönlicher Favorit des Jahres 2016 ist „It Ends With Us“ von Colleen Hoover (welches hoffentlich bald auch auf Deutsch verfügbar ist). Sie handelt von Lily Bloom, einer ambitionierten jungen Frau, die in Boston ein neues Leben beginnt und ihr eigenes Unternehmen gründen möchte. Als sie dann auch den talentierten Chirurg Ryle Kincaid trifft und es zwischen den beiden funkt, scheint das Leben zu schön um wahr zu sein. Je mehr ihre Liebe zueinander wächst, desto größer werden jedoch die Herausforderungen mit denen sie als Paar konfrontiert werden. Sollte die Liebe in harten Zeiten nicht standhafter sein, je stärker sie ist? Aber manchmal ist der eine, der dich am meisten liebt, auch derjenige, der dir am schlimmsten wehtut…Durch Erfahrungen aus ihrem eigenen Leben behandelt Hoover furchtlos ein sehr empfindliches Thema und liefert eine herzzerreißende Geschichte, die einen ganz besonderen Platz in den Herzen der Leser einnimmt.

Jetzt haben Sie alle vier Empfehlungen und sie bieten Ihnen hoffentlich weitere Geschenkideen an, falls Sie am Verzweifeln sind!

Links:

„Die Liebenden von Leningrad“ von Paullina Simons, 9,95 € auf Thalia:

http://www.thalia.de/shop/home/suche/?sq=die+liebenden+von+leningrad&sswg=ANY&timestamp=1481828068780

Cover mit freundlicher Genehmigung von der Verlagsgruppe Randomhouse Bertelsmann:

https://service.randomhouse.de/Presse/Taschenbuch/Die-Liebenden-von-Leningrad-Roman/Paullina-Simons/pr161669.rhd?mid=5&showpdf=false&per=108828&pub=1#tabbox

Website abgerufen am 16.12.2016.

„Die Chemie des Todes“ von Simon Beckett, 9,99 € auf Thalia:

http://www.thalia.de/shop/home/suchartikel/die_chemie_des_todes/simon_beckett/EAN9783499241970/ID14267292.html?jumpId=37166097&suchId=dd0fc4ad-bdb1-4809-8a16-aa65f721bc79

Cover mit freundlicher Genehmigung vom Rowohlt Verlag:

http://www.rowohlt.de/taschenbuch/simon-beckett-die-chemie-des-todes.html

Website abgerufen am 16.12.2016.

„Maude: Die wahre Geschichte einer außergewöhnlich starken Frau“ von Donna Foley Mabry, 19,99 € auf Thalia:

http://www.thalia.de/shop/home/suchartikel/maude/donna_mabry/EAN9783868826524/ID44440936.html?jumpId=37161995&suchId=18b2b5c1-4c52-49d9-a96e-b4b6aad127fb

Cover mit freundlcher Genehmigung von der Münchner Verlagsgruppe GmbH:

https://www.m-vg.de/mvg/shop/article/6449-maude/

Website abgerufen am 16.12.2016.

„It Ends With Us“ von Collen Hoover, 8,99 € auf Thalia:

http://www.thalia.de/shop/home/suchartikel/it_ends_with_us/colleen_hoover/EAN9781501110368/ID44293343.html?jumpId=37167238&suchId=0520a25c-3810-41b0-bde0-074bcf58ada9

Weihnachtsgeschenkeberatung der BUNDjugend

img_20161217_103318Mainz, 17. Dezember. Wer heute die Ludwigsstraße entlanglief wurde mit den Worten „Wissen sie schon was sie zu Weihnachten verschenken?“ oder „Möchten sie umsonst ein paar Plätzchen probieren“ an den Stand der BUNDjugend Ortsgruppe Mainz gelockt. Unter dem Thema Weihnachtsgeschenkberatung schlugen sie Passanten selbstgebastelte Geschenkideen vor um Freunde und Familie zu beglücken. Weiterlesen

Von guten Mächten unter den Nationalsozialisten-die SS als Wunscherfüller

„Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr;
noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das Du uns geschaffen hast.
Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern,
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus Deiner guten und geliebten Hand.
Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wollen wir des Vergangenen gedenken, und dann gehört Dir unser Leben ganz.
Laß warm und hell die Kerzen heute flammen
die Du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen! Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.
Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all Deiner Kinder hohen Lobgesang.
Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiß an jedem neuen Tag“

Dieses Gedicht aus dem Jahr 1944 ist das Weihnachtsgeschenk eines Mannes an seine Verlobte und seine Kinder.
Der Theologe Dietrich Bonhoeffer verfasste es im Konzentrationslager in Flossenburg. Drei Monate später wurde er als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus gehängt.
Genauso wie er verbrachten viele Häftlinge Weihnachtsfeste in Konzentrationslagern.

Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht

Die Eindrücke der Häftlinge gleichen sich in der Ansicht, dass das Weihnachtsfest im Konzentrationslager ein Lichtblick war. Ein Lichtblick in der wohl schlimmsten und dunkelsten Zeit ihres Lebens.
Doch wie ist es wirklich, das Fest des Lichtes an einem düsteren und erdrückenden Ort wie einem Konzentrationslager zu verbringen?
Werfen wir einen Blick auf die vergangenen Weihnachtsfeste zur Zeit des zweiten Weltkrieges (1933-1945).
In vielen Konzentrationslagern steht ein großer Weihnachtsbaum auf dem Appellplatz. So groß, dass man ihn schon von weit außerhalb des Konzentrationslagers sehen kann.
Im Konzentrationslager in Neuengamme lassen sich die Häftlinge eine zusätzliche Kartoffel zu den sonstigen Mahlzeiten schmecken.
Der 14-jährige Häftling Maria Köster freut sich über die Milchsuppe mit Haferflocken, die sie an Weihnachten 1943 im Konzentrationslager Ravensbrück anstatt der dünnen Kohlsuppe bekam.
Im Konzentrationslager in Dachau setzt man Häftling Edgar Kupfer-Koberwitz an Weihnachten 1942 sogar Kartoffelsalat und rote Wurst vor. Die Häftlinge freuen sich auf drei freie Tage und eine Stunde mehr Schlaf.
Der Blockschreiberhäftling seiner Baracke trägt einen bunten Hut, spielt Lieder auf der Gitarre und muntert die Mithäftlinge mit einer Ansprache auf.
Sie seien Kameraden und alle in derselben Situation. Danach werden Witze erzählt.

Dann wollen wir des Vergangenen gedenken

„Es herrschte eine oberflächliche Lustigkeit, keine aus dem Innern, keine, die die Menschen beschwingt und befreit hätte. Der Mund lachte, aber das Herz blieb leer.“ So nimmt Edgar Kupfer- Koberwitz den „Auftritt“ des Blockschreiberhäftlings wahr.
„Trotz einiger zusätzlicher Kartoffeln war Weihnachten der Schmerz am größten“, so die Häftlinge in Neuengamme.
Viele erinnert der Weihnachtsbaum auf dem Appellplatz an vergangene Weihnachten im Kreise der Familie. Einige Häftlinge macht dies wütend und sie schimpfen beim Anblick des Baumes.
„Jetzt zünden sie zu Hause den Christbaum an und denken an mich und weinen. Und die Geschenke für mich legen sie unter den Baum und sind traurig, dass sie mir gar nichts schicken dürfen, nicht einmal einen Brief. Es wird ein trauriges Fest bei ihnen sein, viel trauriger als für mich hier. Die armen Kinder, die arme Frau.“- so die Worte eines Mithäftlings von Kupfer-Koberwitz. Nach diesen Worten bricht er zusammen. Weinen aber kann er nicht mehr.

Noch drückt uns böser Tage schwere Last

Der einzige, der an diesem Abend im Konzentrationslager Dachau weint, ist ein junger tschechischer Häftling, ein Kind, das die Einsamkeit fürchtet.
Er wird des Brotdiebstahls überführt. Ein Stück rote Wurst und ein Löffel Kartoffelsalat nach Wochen der Unterernährung reichen ihm nicht.
Seine Mithäftlinge verprügeln und beschimpfen ihn zum Fest der Liebe. Man forderte Todesstrafe. Er muss Weihnachten allein im Schlafsaal verbringen und weint. Auch das machte man ihm zum Vorwurf.
Im Konzentrationslager noch weinen zu können, sei eine Schande.
Die einzige Sanktion des Heiligen Abends bleibt dieses Ereignis nicht.
Ein Häftling stielt Holz, um die Baracken seiner Mithäftlinge zu beheizen. Er wird von den Aufsehern erwischt und muss 25 Tage in einem Bunker verbringen. Die Mithäftlinge seiner Baracke frieren entsetzlich.
Die 14-jährige Maria Köster erfährt die Kälte in einem noch erbärmlicheren Ausmaß. Wie jeden Morgen muss sie am Weihnachtstag barfuß und in Unterwäsche zum Appellplatz gehen.
Zudem werden diverse Häftlinge neben dem Weihnachtsbaum auf dem Appellplatz für weitere Vergehen von Aufsehern ausgepeitscht und erhängt.
Im Gegensatz zum großen Weihnachtsbaum sieht man die Folter nicht von weit außerhalb des Konzentrationslagers.
In Flossenburg verlangen die Aufseher von den Häftlingen, bei den Sanktionen und Morden auf dem Appellplatz zuzuschauen und verbieten ihnen, traurig zu schauen. Wer traurig schaut, wird bestraft.
„Über unsere Seele wuchs langsam eine Nilpferdhaut. Diese Nilpferdhaut über meiner Seele war noch sehr dünn. Ich wurde nicht einmal mit dem Erlebnis dieses ersten Dachauer Weihnachtsfestes fertig. Schließlich schlief auch ich ein. Vielleicht begann ich langsam ein wirklicher Häftling zu werden. Ich schien es doch zu lernen, keine Gefühle mehr zu haben.
Die Nilpferdhaut wuchs.“, so Kupfer-Koberwitz.

Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das Du uns geschaffen hast

„Manche Texte übermittelten einem sogar das Gefühl, einige Häftlinge hätten die Nazis während der Weihnachtszeit als großzügig angesehen“, so eine Schülerin, die Zeitzeugenberichte von Weihnachtsfesten im Konzentrationslager Neuengamme gelesen hat.
Doch wirft man einen genauen Blick hinter die scheinbaren Großzügigkeiten, so sind es die Nationalsozialisten selbst, die sich großzügig darstellen möchten. Sie legen Wert auf Prestigeobjekte wie einen großen gut sichtbaren Tannenbaum.
Wenn ein Mensch über Wochen hinweg Hunger leiden muss, nimmt er natürlich nahrhafteres Essen dankend an.
Die Frage ist hier aber nicht, wer den Häftlingen das Weihnachtsmahl ermöglicht, sondern aus welchem Grund sie überhaupt hungern müssen. Warum sie das Weihnachtsfest nicht im Kreise ihrer Familie feiern dürfen.
Allein die Hoffnung, dies könne das letzte Weihnacht im Konzentrationslager sein, ermutigt und entmutigt die Häftlinge zugleich, so stellt es Kupfer-Koberwitz dar.
Denn die Vorstellung, noch ein Jahr im Konzentrationslager zu verbringen, scheint unerträglich. Emotionslosigkeit und Innere Kälte schützen die Häftlinge vor dem Wahnsinn und der emotionalen Verwundbarkeit.
Was die SS-Aufseher des Konzentrationslagers allerdings nicht wissen, ist, dass sie am Heiligen Abend vielen Häftlingen ihren größten Wunsch erfüllen: Sterben.
„Ist nicht der Tod das Tor zum Leben?“, fragt ein Häftling.
Manchen Häftlingen erfüllt die SS ihren Weihnachtswunsch nicht.
Wen die Hoffnungslosigkeit erfüllt, wer nicht schon verhungert oder von den Hunden der SS zerfleischt worden ist, wer nicht in einem Streit mit Mithäftlingen um Kartoffelschalen ermordet wird, der nimmt sich am elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun selbst das Leben.
Nach den Feiertagen werden die Leichen mit langen Stangen von den Zäunen abgehangen und im Krematorium zu Asche verbrannt. Diese walzen die Überlebenden auf Lagerstraßen flach, als Grundlage für neue Transportwege im Konzentrationslager.

Allen, die dies hier lesen, wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest und viele fröhliche Wünsche zu Weihnachten, die sich erfüllen.
Mich schockiert es zutiefst, auf welche Realität sich im Alltag eines Konzentrationslagers berufen wird.
Mein Wunsch ist es, dass aus dieser historischen Reportage niemals eine Nachrichtenmeldung wird

Die Magie der Werbung

Nichts wurde in den vergangen Tagen so sehr diskutiert, wie dieser eine Werbespot. Während diesen 3 Minuten scheinen auf einmal alle anderen Themen, die uns die ganze Zeit beschäftigt haben, so unwichtig zu sein. Das können selbst die Kritiker des Werbespots nicht bestreiten. Ist es ein geschmackloser Marketingtrick der großen Lebensmittelfirma, oder wollen sie damit die heutige Stressgesellschaft aus ihrem Vorweihnachtszeitalbtraum aufwecken? Weiterlesen

Mainz. Tag & Nacht – Geheimtipp: „Werde Weihnachtsengel im Awake!“

Geheimtipp Kein Thema wird in Deutschland derzeit kontroverser diskutiert als die Flüchtlingspolitik. Ein Café in Mainz greift diese Thematik in der Vorweihnachtszeit nun auf – jedoch aus einem, in politischen Diskussionen meist vernachlässigtem, Blickwinkel: dem der Flüchtlingskinder.

Mainz. Unter dem Motto „Werde Weihnachtsengel im awake!“ ruft das Fairtrade-Café „Awake“, in der Steinsgasse, dazu auf, Geschenke für Kinder in Mainzer Flüchtlingsheimen zu spenden. In dem Café selbst befindet sich ein Weihnachtsbaum, an dem Sterne mit Namen, Alter und Geschlecht eines Kindes hängen. Die Gäste dürfen sich einen solchen Stern aussuchen und besagtem Mädchen oder Jungen ein Geschenk im Wert von zehn Euro kaufen. Bis zum 14. Dezember läuft die Weihnachtsaktion des „Awake’s“.

Das „Awake“ organisiert diese Weihnachtskampagne bereits im vierten Jahr. Anfangs konnten nur die Kinder eines Flüchtlingsheimes mit weihnachtlichen Geschenken überrascht werden, doch mittlerweile umfasst die Aktion zwei weitere Einrichtungen.

Kathrin Arnold, die Managerin des Cafés, brachte sich über die Kirche bereits früh in der Flüchtlingsarbeit ein und trug eben jenes Engagement ins „Awake“. Doch das soziale Verantwortungsgefühl der Mitarbeiter ist nicht nur auf dieses Projekt beschränkt. Sie unterstützen auch andere Aktionen tatkräftig: So hat zum Beispiel jedes Teammitglied ein Patenkind bei „Helping Hands“, einer christliche Initiative für Entwicklungs- und Katastrophenhilfe.

Quelle: Facebook-Seite "Awake Mainz"

Quelle: Facebook-Seite „Awake Mainz“

Ziel der Weihnachtskampagne ist es, jedem der 80 Flüchtlingskinder, im Alter von 0 bis 21 Jahren, ein Geschenk überreichen zu können. Dazu gibt es im „Awake“ ein sogenanntes „Kunstfenster“ mit Gegenständen, die gegen kleine Spenden erworben werden können. Der Ertrag des „Kunstfensters“ fließt dann in den Kauf weiterer Geschenke. Aber auch die „Kirche in Aktion“ hilft im Notfall aus und ersteht übriggebliebene Sterne des Weihnachtsbaumes, sodass das Café – bis jetzt – in jedem Jahr allen Kindern eine Freude bereiten konnte.

Nach Ablauf der Frist werden die Geschenke auf zwei Weihnachtsfeiern, am 16. sowie am 19. Dezember, durch einen, als Weihnachtsmann verkleideten, Mitarbeiter des Cafés an die Flüchtlingskinder überreicht.

Gerade im Kontext des öffentlichen Diskurses setzt diese Kampagne ein Zeichen, dass die Menschen im Hintergrund politischer Entscheidungen nicht vergessen werden dürfen!

Denise