Schlagwort-Archive: Uni Mainz

Das Phänomen „Couchsurfing“

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Stellen Sie sich vor: Heute Nachmittag klingelt ein fremder Reisender bei Ihnen und möchte für ein paar Nächte auf Ihrer Couch übernachten. Was wären Ihre ersten Gedanken?
Für Vanessa Schick aus Wiesbaden ist dies gar keine so fremde Situation. Sie hat jede Woche mehrere unterschiedliche Reisende aus der ganzen Welt in ihrem Wohnzimmer. Doch was ist dieses „Couchsurfing“ überhaupt? Für Frau Schick ist es etwas ganz Besonderes. Warum erklärt sie im folgenden Interview.

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Ulla Brede-Hoffmann: „Respekt beinhaltet die Akzeptanz von Vielfalt“

JUSO-Hochschulgruppe der Universität Mainz veranstaltet Diskussionsrunde zum Burka-Verbot

Mainz SPD Landtagsabgeordnete Ulla Brede-Hoffmann war am Donnerstag vergangener Woche von den Jungsozialisten (JUSOs) der Uni Mainz zu einer Diskussionsrunde eingeladen worden, die sich mit der Kernfrage „Burka-Verbot – Ja oder Nein?“ befasste. In einem kleinen, jedoch gut besuchten Hörsaal diskutierten Menschen verschiedenen Alters und unterschiedlicher Herkunft, Studenten und Parteimitglieder über das erst kürzlich wieder aufgekommene Thema.

Denn fast zeitgleich mit der Pegida-Bewegung in Dresden, der alle drei Landtagsfraktionen in Rheinland-Pfalz mit großer Ablehnung begegneten, verlangte CDU-Chefin Julia Klöckner ein Verbot gegen die Vollverschleierung muslimischer Frauen in der Öffentlichkeit. Im Parlament führte man daraufhin eine „leidenschaftliche Debatte“, so Brede-Hoffmann. Seitens der CDU sei die Burka (v.a. in Afghanistan und Pakistan verbreitet) oder auch der Niqab (u.a. Gesichtsverschleierung türkischer Frauen) ein Symbol für die Bevormundung der muslimischen Frau. Das öffentliche Tragen dieser religiösen Bekleidung sollte deswegen in Rheinland-Pfalz verboten werden. Die Debatte brachte es sogar in den Bundesparteitag. Man beriet sich dort über einen entsprechenden Antrag. Ein Gesetzentwurf wurde jedoch abgelehnt.

Brede-Hoffmann eröffnete die Diskussion mit einem kurzen Statement indem sie deutlich machte, dass sie ein solches Verbot strikt ablehne. Ihr sei bewusst, dass einige Frauen zum Tragen der Burka gezwungen würden, doch sei ein solches Verbot die falsche Herangehensweise diese Frauen zu schützen. Der „Job des Staates“ sei es „Rahmenbedingungen zu schaffen“, die „Bildung und wirtschaftliche Unabhängigkeit“ dieser Frauen zum Ziel machen sollten. Andernfalls würde der Staat die bevormundende Rolle einnehmen und zur Folge haben, dass unterdrückte muslimische Frauen „nicht mehr das Haus verlassen dürften um Bildungsangebote überhaupt anzunehmen“.

An der Diskussion beteiligten sich auch zwei junge, politisch engagierte Studentinnen. Sie gehören der muslimischen Glaubensgemeinschaft an und tragen beide Kopftücher – aus freien Stücken wie sie betonten. Fragen wie „Warum wird in Deutschland überhaupt über den Körper muslimischer Frauen diskutiert?“, „Warum liegt der Fokus immer auf dem Islam?“ kamen auf. Auch Nonnen, Mönche und Juden trügen bekanntlich religiöse Bekleidung aus Überzeugung, Glauben und Tradition. Sie prangerten den „Generalverdacht des Zwanges“, dem muslimische Frauen laut Frau Klöckner unterliegen, an. Ebenso den „White Saviour-Komplex“ der Deutschen (engl.: White Saviour, z.dt.: Weißer Retter). Sie bräuchten kein Mitleid und auch keine Hilfe bei der Emanzipation, auch wenn die westliche Bevölkerung immer davon auszugehen scheine.

Ein Mann trat der Diskussion bei und erzählte von einer Begegnung, die er mit zwei verschleierten Frauen hatte. Sie waren in den gleichen Bus gestiegen wie er. „Es war sehr befremdlich. Schon allein weil ich die Gesichter der Frauen nicht sehen konnte. Ich fand das nicht gut“. Über die Unkenntlichkeit der Gesichter verschleierter Frauen wurde lange und heftig diskutiert. Darf man aus einem Gefühl der Befremdlichkeit ein solches Gesetz ableiten?  Letztendlich entspricht es nicht den westlichen Normen. Gerade in den letzten Jahren wurde das öffentliche Zurschaustellen des eigenen Körpers immer weiter auf die Spitze getrieben. Eine Ganzkörperverhüllung widerspricht diesem Körperkult in der westlichen Welt gänzlich.

Vor Jahren gab es ähnliche politische Debatten schon über das Kopftuch. Damit schienen die meisten Befürworter des Burka-Verbots in der Runde kein Problem zu haben. Man habe sich daran gewöhnt. Eine Ganzkörperverschleierung sei jedoch nun mal nicht Teil der deutschen Kultur.

Aber was versteht man heutzutage unter „deutscher Kultur“? Es gehört wohl einiges mehr dazu als deutsches Bier und Bratwurst. Nicht umsonst ist der Döner die Lieblingsspeise der Deutschen für zwischendurch. Deutschland ist vielfältig. Dies ist ein Fakt, den man nicht bestreiten kann. Hier leben Menschen verschiedenster Herkunft, Kultur und Religion miteinander. Soll das funktionieren, muss man sich mit Respekt begegnen. Und „Respekt beinhaltet die Akzeptanz von Vielfalt“, wie Brede-Hoffmann am Ende der Diskussion klarstellte. Obwohl bei einigen der Anwesenden immer noch Redebedarf bestand, wurde die Diskussion nach fast zwei Stunden beendet. Das letzte Wort hatte eine weitere Studentin. Ihre Eltern sind Migranten und stammen ursprünglich aus Afrika. Die junge Frau selbst ist jedoch in Deutschland aufgewachsen und christlich getauft. Auch sie hat schon Ablehnung und Rassismus erfahren, allein aufgrund ihrer Hautfarbe. „Ohne Kommunikation untereinander kommen wir nicht voran“. Es sollte nicht so sein, dass man Dingen, die einem nicht vertraut sind sofort mit Ablehnung begegnet. „Man muss aufeinander zugehen und nicht zumachen“.

Der Mann, der zu Beginn seine Ablehnung gegenüber der Burka kundtat, bedankte sich schließlich auch noch in der Diskussionsrunde: „Es war sehr aufschlussreich, mal alles aus einem anderen Blickwinkel zu sehen“. Weiterer Redebedarf herrscht wohl nicht nur in dieser Diskussionsrunde.

StudyCheck.de – Uni Mannheim und Medizin führen das Feld an

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Mainz. Mit einer Durchschnittsnote von 4,2 ist die Universität Mannheim die beliebteste unter den allgemeinen Hochschulen. Unter den Studiengängen setzt sich Medizin mit einer Note von 4,5 klar an die Spitze des Feldes.

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Mainz. Tag & Nacht – Was meenzt du?: Todesfalle: Zivilcourage

Mainz. Tag & Nacht: Was meenzt du Todesfalle: Zivilcourage Ein Kommentar zum Tod von Tugce A. . Deutschland trauert um die 22-jährige Lehramtsstudentin Tugce A. . Am 15. November 2014 wurde die junge Frau vor einem Fast-Food-Restaurant in Offenbach Opfer einer Prügelattacke. Der 18-jährige Tatverdächtige soll Tugce mit einem Schlag nieder gestreckt haben. Daraufhin erlitt diese schwere Schädelverletzungen, die zum Hirntod führten. Der mutmaßliche Täter sitzt zurzeit in U-Haft und schweigt. Offenbar war sein Motiv Rache. Denn kurz zuvor griff Tugce ein, als mehrere Männer zwei minderjährige Mädchen auf der Toilette des Schnellrestaurants belästigten. Darunter auch der Tatverdächtige. Augenscheinlich warten die Männer bis Tugce die Lokalität verlässt. Auf dem Parkplatz soll der 18-Jährige dann zugeschlagen haben. Das Schicksal der 22-Jährigen zieht eine massive Solidaritätswelle in ganz Deutschland nach sich: Mehrere Mahnwachen werden am Tatort abgehalten und in sozialen Netzwerken finden sich unzählige Kommentare, die Tugces Zivilcourage rühmen. Tausende fordern in einer Petition das Bundesverdienstkreuz. Sie hat den Einsatz für ihre Mitmenschen mit dem Leben bezahlt. Da stellt sich die Frage, ob der Preis für die gezeigte Zivilcourage zu hoch war. Ist es ein Eingreifen wert, wenn man dadurch sogar mit dem eigenen Leben spielt? Weiterlesen

Mainz. Tag & Nacht – Vorgemerkt: Geschi Party!!!

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Mainz. Ihr möchtet schon vor Freitagabend gebührend ins Wochendende starten? Diesen Donnerstag habt ihr dGeschiPartyie Gelegenheit dazu: die Fachschaft Geschichte nimmt euch mit auf eine musikalische Reise durch die Zeit.

Ab 21 Uhr sollten sich alle Zeitreisenden im Q-Kaff auf dem Campusgelände der Johannes Gutenberg-Universität Mainz versammeln. Die Expedition startet zunächst im Rückwärtsgang durch die Jahrzehnte und geht dann in großen Sprüngen zurück in die Gegenwart – und wer weiß, vielleicht sogar darüber hinaus. Lasst euch überraschen!

Denise

Geschichten erzählen viele, Journalisten zuerst…

Im Frühjahr 1999 leistete ich während meiner Ausbildung zum Fernsehredakteur im ZDF Landesstudio Hessen eine Station ab. Die Landesstudios des ZDF bestehen aus Teams, die regional bezogen recherchieren und die aufbereiteten Themen den aktuellen Sendungen (heute, heute-journal, Drehscheibe Deutschland, Hallo Deutschland, logo etc.) als Beiträge anbieten. Die Arbeit „vor Ort“ in einem Studio ist für einen noch nicht sehr erfahrenen Hospitanten, Trainee oder Volontär eine gute Möglichkeit, journalistische Realität zu erleben: Wer schneller recherchiert und als Erster anbietet, bekommt den Auftrag zur Produktion des Beitrags. Den Zweiten beißen die Hunde.

Recherche im Internet bringt Zeitvorteil
Ich war in dieser Zeit im Dienst und auch nach Feierabend intensiv im Internet unterwegs: Internationale Nachrichtenseiten, mehr oder weniger „unbekannte“ Fachforen mit Insiderwissen, Webseiten, auf denen man die Standorte von Ü-Wagen (SNG) national und international verfolgen und buchen konnte – ich spürte den Puls der Zeit und war fasziniert davon, mich endlich im realen Wettbewerb messen zu können.

Auf einem meiner Streifzüge stieß ich irgendwann spät in der Nacht auf eine Nachricht, die mich aufmerken ließ: Es war Krieg im Kosovo – und die Info lautete, dass morgen die ersten Flüchtlinge nach Deutschland gebracht werden sollten. Deutschland – das heißt Frankfurt, da nur ein Flieger als Transportmittel in Betracht kam. Und Frankfurt liegt in Hessen, befindet sich also im Einzugsgebiet unseres Studios. Meine Story! Soviel war klar: Die Nachfrage nach Material wird bei demjenigen, der als Erster anbietet, riesig sein. Für mich als Trainee wäre das ein unvorstellbarer Glücksfall. Oder eine wirklich gute Recherche, je nach Sichtweise. Die restlichen Stunden bis zum nächsten Morgen konnte ich trotzdem erstaunlich gut schlafen.

Erste Bestätigung und eine Spur nach Gießen
Um kurz vor sieben klingelte der Wecker und ich schnappte mir sofort das Telefon. Der Anruf beim Flughafen brachte einen direkten Treffer: Die Pressestelle war um diese Zeit schon besetzt – ein sicheres Zeichen dafür, das „was im Busch“ ist. Ein sehr zögerlicher Mensch am anderen Ende der Leitung wollte wissen, woher ich denn die Information hätte? Ein innerliches Grinsen: Kein Dementi bedeutet eine Bestätigung. Ich ging auf die Frage nicht ein und konterte, ob wir Journalisten uns irgendwo zentral bei der Landesregierung anmelden müssen oder ob die Akkreditierung beim Flughafen ausreiche? „Dürfen wir nur bei der Ankunft filmen oder auch anschließend?“ Natürlich hatte ich keine Ahnung, wo oder was „anschließend“ sein würde – ein Schuss ins Blaue. Anmeldung beim Flughafen sein nötig, bestätigte mir nach nochmals kurzem Zögern der Pressemensch. Wenn ich in Gießen noch filmen möchte, dann müsse ich das mit den örtlichen Stellen abklären.

Gießen? Moment, da gab es doch ein Auffanglager für Asylanten, das nur zum Teil ausgelastet war. Kenn‘ ich, hatten wir erst vor kurzem in der Recherche über Asylmissbrauch. Mist – die Telefonnummer liegt im Studio in meinem Ordner und ich habe keinen eigenen Schlüssel! Also direkt die zentrale Telefonauskunft der Landesregierung angerufen, im Anschluss die so erhaltenen Telefonnummer in Gießen. In der Leitung dann der Chef des Auffanglagers – um diese Uhrzeit ein weiteres Indiz für den richtigen Riecher – der mir bestätigte, dass gegen 22 Uhr die Maschine in Frankfurt landen und die Flüchtlinge im Anschluss nach Gießen gebracht würden. Wir erhielten als erstes Team die Drehgenehmigung. Ich schrieb schnell die Themenanmeldung und schickte sie an meine ZDF-Mailadresse, duschte, machte mich fertig und fuhr zum Studio. Nach zehn Minuten kam der Frühredakteur und ließ mich rein. Fünf Minuten später ging die Themenmeldung über den Mail- und Faxverteiler raus, weitere fünfzehn Minuten später kamen die ersten Bestellungen bei uns an. An Ende des Vormittags wollten über zwanzig aktuelle Sendungen mein Material.

Wesen des Journalisten
Der Journalist lebt am Puls der Zeit, sagt man. Die ersten drei Monate im Berufsleben eines aktuellen Journalisten werden oft als sehr hart empfunden. Irgendwie hat man immer zu wenig Schlaf, muss tausend Dinge gleichzeitig machen, hat das Gefühl, man schwimmt mehr als dass man festen Boden unter den Füßen hat – und tritt doch ständig auf der Stelle. Eine permanente Reizüberflutung an Informationen lässt einen abends noch länger wach liegen und raubt den ohnehin knappen Schlaf. Überwindet man diese Phase, hat man sich an das „Pulsieren“ schnell gewöhnt: Es vergeht kein Tag, auch nicht im Urlaub, an dem man nicht schnell noch mal die Agenturen „checkt“ oder „seine“ Website besucht. Das kleine Wiesel in einem ist immer irgendwie auf der Suche nach Nahrung, schnüffelt nach Informationen, hetzt der ultimativen Geschichte hinterher. Tatsächlich gewinnt man dadurch nur einen kurzen Wissensvorsprung – man will ja Publizieren, will, dass wenige Stunden später alle davon sprechen: Die Nachricht von eben wird langweilig – „kenn ich schon“.

Journalist sein bedeutet eben nicht, etwas zu wissen, was andere nicht wissen. Man weiß es einfach nur zuerst…