Schlagwort-Archive: Theater

„Es ist eine andere Welt.“

Ballett: Zwischen Hochleistungssport und Kunst, zwischen blutigen Füßen und Eleganz

sarah

Nach dem Abitur Studieren oder doch ein Auslandsjahr? Diese Frage stellt sich nicht jedem.
Sarah Altherr hat vor zwei Jahren parallel zum Abitur  ihre Ausbildung zur Balletttänzerin abgeschlossen. Sie berichtet vom etwas anderen Lebensweg.
Weiterlesen

Advertisements

Alan Rickman – Ein stoischer Kerl verlässt die Bühne

Alan Rickman (21.02.1946 – 14.01.2016)


Das Jahr 2016 steckt noch in den Kinderschuhen und dennoch hat die Welt der Künste erneut einen herben Verlust zu verbuchen: Der britische Schauspieler Alan Rickman ist tot.
Der heutigen Generation allgemein bekannt als der fiese, wenn auch tragische Professor Severus Snape in den „Harry Potter“-Verfilmungen, bleibt er den 90ern insbesondere als ikonischer „Stirb Langsam“-Bösewicht Hans Gruber oder gemeiner Sheriff von Nottingham in Erinnerung. Alan Rickman, das generationenübergreifende Phänomen mit der einzigartigen Stimme, hat seine letzte Vorstellung gegeben und erlag laut Medienberichten am 14. Januar seinem Krebsleiden. Er wurde 69 Jahre alt. Weiterlesen

Schwarzes Mutterherz – Staatstheater schockt mit „Die Ratten“

Featured image

Die Finsternis mit der Hauptmanns Tragikomödie „Die Ratten“ im Staatstheater Mainz in die Premiere ging, lässt einem die Knie schlottern.

Die Leiden Frau Johns (Anika Baumann) durch den Tod ihres geliebten Sohnes verwandeln sich in Jan-Christoph Gockels Inszenierung von „Die Ratten“ in einen dunklen Alptraum. Wenn mütterliche Obsession in tödlichen Wahnsinn umschlägt, bleibt nämlich nichts und niemand verschont. Weiterlesen

„Lenz“ – einmal anders

Geheimtipp

Rezension des Theaterstückes „Lenz“ nach der Erzählung von Georg Büchner

Mainz. Die Inszenierung von „Lenz“, wie sie seit Ende Oktober am Mainzer Staatstheater aufgeführt wird, ist eher spartanisch – aber genau das ist ihre Stärke. Dem Stück, nach der gleichnamigen Erzählung von Georg Büchner, reichen gerade mal zwei Schauspielern auf der Bühne aus und eine dieser Person kommt in dem Werk selbst nicht einmal vor – der Autor Georg Büchner.

Sein „Lenz“ entstand nach dessen Tod 1839 und beschreibt den geistigen wie körperlichen Verfall des Schriftstellers Jakob Michael Reinhold Lenz, einem bedeutenden Vertreter des Sturm und Drangs.

„Ich habe mir hier allerhand interessante Notizen über einen Freund Goethes, einen unglücklichen Poeten Namens Lenz verschafft, der sich gleichzeitig mit Goethe hier aufhielt und halb verrückt wurde“, so beschreibt Büchner den ihm vorliegenden Stoff.

Statt einer meist originalgetreuen Wiedergabe des Inhalts entschied sich der Mainzer Hausregisseur K.D. Schmidt dafür, den Entstehungsprozess des „Lenz“ zu inszenieren. Der ehemalige Schauspieler ist erst Anfang des Jahres vom Oldenburgischen Staatstheater nach Mainz gewechselt.

Autor und Protagonist liefern sich in der Inszenierung ein packendes Duell. Während Büchner versucht die Gedanken von Lenz nachzuvollziehen, ist dieser stetig bemüht von selbigem Besitz zu ergreifen. Äußerst fesselnd wird der Zuschauer Zeuge, wie Büchner mehr und mehr der Gedankenwelt des Lenz‘ verfällt und sich seinem Wahnsinn nicht mehr entziehen kann.

Clemens Dönicke, als Lenz, und sein Gegenspieler Daniel Friedl, als Büchner, verkörpern eindrucksvoll das Machtspiel zwischen Autor und Romanfigur. Sie ziehen mit ihrem Spiel das Publikum zunehmend in ihren Bann.

Vor Vorstellungsbeginn haben die Zuschauer die Möglichkeit eine Einführung in den „Lenz“ zu erhalten. Dies geschieht meist durch einen Schauspieler des Hauses. Dort werden kurz die Handlung und der Entstehungskontext des Werkes zusammengefasst.

Am 21. Februar 2015 hat man zum letzten Mal die Gelegenheit Zeuge dieses fulminanten wie asketischen Schauspiels am Mainzer StDeniseaatstheater zu werden.

Rihanna, Rigoletto und Robbie an einem Abend

 

Mainz. Tag & Nacht: Was meenzt du

Standing Ovations bei dem musikalischen Schauspiel „Querbeat“ im Staatstheater in Mainz

MAINZ. Zur Zeit zeigt sich das Mainzer Staatstheater mal von einer ganz anderen Seite. Das große Orchester ist nicht in den für sich typischen Orchestergraben unter der Bühne verbannt. Nein, die Bühne gehört viel mehr dem Orchester. Für das nahezu ausgebuchte Schauspiel „Querbeat“ werden große Geschütze aufgefahren: Die Streicher sitzen vorne in der Mitte beim Dirigenten Sebastian Hernandez-Laverny. Nahezu jedes Streichinstrument ist zu finden, von der Bratsche über Geige und Violine bis hin zum Kontrabass. Das „Querbeat“- Orchester beherbergt außer den üblichen Instumenten auch ein Schlagzeug, ein Klavier und eine Harfe.

Weiterlesen

Schmerz, Intrigen und ganz viel Amore

NEU_Durch's SchlüsselllochMainz Tag &Nacht – Durch’s Schlüsselloch: Vera Nemirovas Inszenierung von Guiseppe Verdis Oper „La Traviata“ begeistert die Zuschauer des Mainzer Staatstheaters

MAINZ. Bevor wir den Saal betreten, atmen wir noch einmal tief durch. Zweieinhalb Stunden italienischer Operngesang liegen vor uns. Mein Vater holt sich noch schnell ein Glas Wein, „damit er gleich besser einschlafen kann.“ Das Weihnachtsgeschenk für meinen Opa sollte dieses Jahr etwas ganz Besonderes sein; ein Ausflug ins Staatstheater Mainz zu seiner Lieblingsoper „La Traviata“. Und es wurde etwas ganz Besonderes. Gelegenheit zum Schlafen hatten wir nicht, dafür spielte vor Allem die Protagonistin ihre Rolle zu packend. Weiterlesen

17 Meter unter der Erde: Himmelsklänge und Vodka-O

Schier endlos viele Treppen hinuntersteigen. Das bunte Poltern von Schuhen auf 73 steinernen Stufen. Dieser Geruch von frischer Wandfarbe. Und das alles 17 Meter unter dem Bürgersteig der Mainzer Innenstadt. Ein neues Geheimlabor für brutale Experimente an mutierten Kreaturen? Nein. Was gestern, am Donnerstag, dem 26. November feierlich eingeweiht worden ist, steht auf der Coolness-Skala noch viel weiter oben.

Denn das Studiotheater U17 unter dem Kleinen Haus des Staatstheater Mainz ist nun ganz champagnerkronkorkenknallerigoffiziell eröffnet! Die Ehre erweisen dem alkoholgetränkten Eröffnungsabend Oberbürgermeister Michael Ebling, Dr. Michael Coridaß von der Stiftung Mainzer Theaterkultur, architektonischer Schöpfer Harald Faerber, Intendant Markus Müller und Andere mit bedeutungsschwangeren Reden. Zum Ausgleich umspielt der frisch aus Hamburg gelieferte Pianist Samuel Hogarth die Worte mit jazzigen Sounds, dramatisch belichtet im Hintergrund.

10634020_746311232091296_3785363062755352075_o
Dramatisch, dunkel, dupersupermusikalisch: Pianist Samuel Hogarth aus Hamburg auf der Bühne im U17

Die Damen und Herren des edlen Personenkreises aus Spendern und Unterstützern tauchen kurz ins Blitzlichtgewitter der beiden Fotografen, ehe es losgeht.

Als Intendant Markus Müller dann ans Rednerpult tritt, erstirbt das verhaltene Getuschel. Er heißt alle Besucher ganz herzlich willkommen, freut sich „endlich feiern“ und eine neue Spielstätte „für sehr viele junge Menschen“ verkünden zu dürfen. Besondere Danksagungen gehen hierbei an die Sponsoren, denn: Die Finanzierung des außergewöhnlich schnell fertiggestellten 7-Wochen-Baus der U17 wurde nur und ausschließlich durch Spendengelder eingeholt. Sage und schreibe 250.000€ konnte Intendant Markus Müller mit vermutlich meisterlicher Schauspielerei den Geldgebern entlocken.

Man fühlt sich im U17 wie in einer schwarzen Schuhschachtel, die von innen mit einer Lichterkette ausgeleuchtet wird. Das Studiotheater ist fast ausgefüllt von einem riesigen, mit zahllosen Lichtanlagen bestückten Bühnengerüst aus solidem Stahl, das es möglich macht, Theaterproduktionen endlich bis zur Perfektion hin zu inszenieren. Perfekt ist es übrigens auch, dass das Kinder- und Jugendtheater „justmainz“ endlich eine neue Heimat gefunden hat, wo es sich ungestört mit neuen Stücken austoben kann. Sich mit einen Loch in den Bauch freuen tut das Ensemble des Tanz- und Musiktheaters, das nun auch 17 Meter darüber in Räumen des Glashauses proben darf. Intendant Markus Müller erklärt stolz wie Oscar: Die verglasten Proberäume gehören zu den weltweit schönsten auf der ganzen Welt.

Durch das Erschließen einer neuen Spielstätte im Kleinen Haus des Staatstheaters Mainz können sich nun 50% mehr Leute am munteren Mienenspiel ergötzen. Und zwar ganz nah, denn die Tribüne nimmt die Hälfte vom U17 ein und es gibt kaum Distanz zum Publikum.

Apropos ganz nah: ganz nah an den Tränen sind Besucher des Eröffnungsabends, als Kristina Gorjanowa „Someone Like You“ von Adele zum Besten gibt. Mit klarer, reiner Stimme hypnotisiert Kristina vom Ensemble das Publikum, das kollektiv in diese Körperhaltung rutscht, wenn man sich unbewusst an etwas festgestarrt hatte. Normalerweise erwacht man nach ein paar Sekunden aus dieser Paralyse. Diesmal erst, als der Applaus am Ende aufwallt. Aus Israel bringt Ensemble-Mitglied Gili Goverman ein bisschen Schwung in die Schuhschachtel: „Royals“ von Lorde performt sie spielerisch mit einem flotten Schnipsen und ihrer kräftigen Stimme. Mit unverkennbarem Opernfeeling und dem Lied des Torreros aus „Carmen“ beendet Brett Carter die Performancereihe.

Zum Schluss gibt es Alkohol und aufwendig dekoriertes Essen. Prost!

Tipp: Mainzer Studenten können innerhalb von 3 Tagen vor der jeweiligen Vorstellung kostenlos Karten zu jedem gewünschten Stück im Staatstheater anfordern. Doppel- und Dreifachprost!