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Ein Meisterwerk: „La La Land“

Mit 14 (!) Nominierungen gilt er als heißester Favorit der diesjährigen Oscars: Damien Chazelles „La La Land“ begeistert Publikum und Kritiker gleichermaßen. Dabei ist es erst die dritte Regiearbeit des Regisseurs, der 2014 mit „Whiplash“ bereits drei Auszeichnungen der Academy einheimsen konnte. Die Internet Movie Database führt den Film sogar schon auf Rang 34 der besten Filme aller Zeiten.

Bei „La La Land“ handelt es sich kurz gesagt um ein Filmmusical über Musik und Film. In Hollywood (wie der Titel schon vermuten lässt) begegnen sich die aufstrebende aber erfolglose Schauspielerin Mia (Emma Stone) und der leidenschaftliche Pianist Sebastian (Ryan Gosling) der von einem eigenen Jazzclub träumt, sich aber mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält. Die Handlung zeigt zum einen die Entwicklung der Beziehung der beiden Protagonisten, zum anderen wie beide ihre jeweiligen Träume verfolgen. Im Hintergrund vieler Szenen offenbart Chazelle zudem den Schein und Sein der „City of Stars“.

Eine ganz normale Liebesschnulze also – könnte man meinen! Was aber Emma Stone und Ryan Gosling aus ihren Rollen herausspielen, wie die Chemie zwischen den beiden förmlich greifbar wird und wie mitreißend die Geschichte erzählt wird, lässt die*en Zuschauer*in schlichtweg staunend im Kinositz zurück. Regissseur Chazelle zeigt, wie schon in „Whiplash“, dass Musik nicht nur Mittel zur Untermalung, sondern der eigentliche Star des Films sein kann.

Was einen Film letztlich auszeichnet ist vor allem die Fähigkeit das Publikum mitzureißen. Und das gelingt „La La Land“ auf voller Linie: Er rührt zu Tränen, fühlt sich an wie eine romantisch-melancholische Träumerei und will er lustig sein, bekommt sich das Publikum vor Lachen kaum wieder ein. Und dabei bleibt er in jedem Moment unvorhersehbar.

Auch handwerklich gibt es nicht das Geringste auszusetzen. Besonders fällt der herausragende, symbiotisch mit der Musik verbundene Schnitt auf, der trotzdem lange, anspruchsvolle Kamerafahrten und ungeschnittene Sequenzen zulässt. Genauso wie Protagonist Sebastian den traditionellen Jazz verehrt, setzt auch Chazelle gekonnt auf altmodische, fast vergessene Elemente wie Überblenden. Tatsächlich lässt sich die Faszination dieses Kunstwerks kaum in Worte fassen.

Vor allela-la-landm die Musik ist geradezu begeisternd! Gosling wirkt am Klavier so sehr in seinem Element, dass man meinen könnte, er habe nie etwas Anderes getan. Abgedeckt wird dabei nicht nur Chazelles Spezialgebiet – der Jazz, allerdings überzeugt er grade dabei doch besonders. So sehr sogar, dass manch ein*e Zuschauer*in womöglich ihre*seine Liebe zum Free Jazz entdecken wird.

Wem also ist dieser Film zu empfehlen? Für jeden Musicalfan ist „La La Land“ auf jeden Fall ein Muss. Genauso für Fans von Emma Stone oder Ryan Gosling. Außerdem für jede*n Jazzliebhaber*in, jede*n, die*en die „City of Stars“ fasziniert, jede*n Schauspielbegeisterte*n und insgesamt jede*n die*er eine Leidenschaft für irgendetwas empfindet. Kurz gesagt: Niemand sollte sich dieses Meisterwerk entgehen lassen! Chazelle hat mit „La La Land“ einen Film für die Ewigkeit geschaffen für das ich nicht weniger als 10 von 10 möglichen Punkten vergeben kann.

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„Es ist eine andere Welt.“

Ballett: Zwischen Hochleistungssport und Kunst, zwischen blutigen Füßen und Eleganz

sarah

Nach dem Abitur Studieren oder doch ein Auslandsjahr? Diese Frage stellt sich nicht jedem.
Sarah Altherr hat vor zwei Jahren parallel zum Abitur  ihre Ausbildung zur Balletttänzerin abgeschlossen. Sie berichtet vom etwas anderen Lebensweg.
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¡Viva el Carnaval! – die fünfte Jahreszeit mal anders

Schon bald ist es wieder so weit: die Mainzer Straßen füllen sich mit mehr als einer halben Million Menschen in quietschbunten, albernen Kostümen, nahezu alle sind in schnapsfröhlicher Stimmung, werfen Süßigkeiten durch die Gegend und schreien dabei „Helau“. Mit Büttenreden, Gardetänzen und Umzügen wird in der Mainzer Fastnacht der Winter vertrieben. Am Rosenmontagsumzug findet die Feierei ihren Höhepunkt, wenn man erst die für Mainz typischen „Schwellköpp“, überdimensionale Köpfe aus Pappmaché, die Persönlichkeiten der Stadt Mainz verkörpern, beim Umzug bestaunt und  danach von Kneipe zu Kneipe zieht. Hier werden Schlagerhits wieder rausgekramt, bis zum Umfallen gehört und dazu kräftig geschunkelt.

bunte und aufwändige traditionelle Kleider

Auch in Kolumbien werden bald wieder bunte Röcke gewirbelt, auf dem Carnaval de Barranquilla, dem laut der Zeitschrift „Forbes“ größten Fasching Südamerikas nach Río de Janeiro. Über eine Million Leute aus aller Welt kommen in die karibische Hafenstadt und beobachten staunend die farbenfrohen Kostüme. Mal bestehen diese aus riesigen Tierköpfen, mal aus aufwendig gestalteten, traditionellen Kleidern und mal wird auf kunstvolle Art möglichst viel nackte Haut gezeigt. Zu Cumbia und Salsa bewegen sich die vielen Tänzer rhythmisch durch die Straßen, jeden Tag treten Gruppen zu verschiedenen Themen in den Paraden auf.

zu Cumbia und Salsamusik werden auf den Paraden die Hüften geschwungen

Der erste Tag startet mit dem Höhepunkt des Carnavals, der Batalla de Flores, „Blumenschlacht“. Hier fällt neben den blumigen Tanzoutfits vor allem die Reina del Carnaval auf, die Faschingskönigin, die das ausgefallenste und prächtigste Kostüm von allen trägt. Es folgen die Gran Parada am Sonntag, ein Marsch mit vielen traditionell gestalteten Kostümen, und am Montag die „Parade der Fantasie“, in der sich die einzelnen Tanzgruppen mit ihren bunten und extravaganten Kostümen gegenseitig übertreffen. Doch die Umzüge sind nicht alles: die ganze Stadt besteht aus einem einzigen Fest, überall sieht man Leute voller Lebensfreude auf der Straße tanzen. Und natürlich fließt auch der Alkohol, vor allem kolumbianisches Bier und Aguardiente (kolumbianischer Anisschnaps) in Strömen. Weiterlesen