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Denn os Heimeat, die es jo su schien! Traben-Trarbach an der Mittelmosel

„Ich wohne in einer kleinen Stadt an der Mosel zwischen Trier und Koblenz!“ So oder so ähnlich lautet meine Antwort, wenn mich jemand nach meiner Heimatstadt fragt. Traben-Trarbach klingt für die meisten Menschen eher nach einem Sprachfehler, die Wenigsten verbinden damit eine Stadt an der Mittelmosel.

Traben-Trarbach von oben. Links im Bild Trarbach mit der Burgruine Grevenburg, rechts im Bild Traben)

Traben-Trarbach von oben. Links im Bild: Trarbach mit der Burgruine Grevenburg, rechts im Bild: Traben

 

Das kann man auch niemandem verübeln: Mit knapp 6000 Einwohnern zählt die Doppelstadt nicht gerade zu den größten Städten der Mosel, doch dafür vielleicht zu den historisch am meisten geprägten. Im neunten Jahrhundert schenkte Ludwig der Fromme, ein Sohn Karls des Großen mitunter den Stadtteil Traben dem Münster zu Aachen. Dies ist die erste urkundliche Erwähnung des Gebietes.

Die Grevenburg in ihrer Ursprungsform

Die Grevenburg in ihrer Ursprungsform

Ab 1350 diente die auf dem Berg oberhalb des heutigen Stadtteils Trarbach errichtete „Grevenburg“ als Residenz der hinteren Grafschaft Sponheim. 1734 wurde diese Burg jedoch von den Franzosen fast komplett zerstört und prägt heute noch als Ruine das Stadtbild.

Heute ist von der Grevenburg lediglich eine Ruine übrig

Heute ist von der Grevenburg lediglich eine Ruine übrig

 

Die berühmte Jugendstilbrücke, die die beiden Stadtteile einst miteinander verband wurde in den letzten Kriegstagen 1945 gesprengt

Die berühmte Jugendstilbrücke, die die beiden Stadtteile einst miteinander verband wurde in den letzten Kriegstagen 1945 gespreng

1889 wurde die erste Straßenbrücke zwischen Bernkastel und Koblenz zwischen den beiden Stadtteilen von Bruno Möhring, einem der „bedeutendsten“ Architekten des Jugendstils, erbaut. Diese von dort an räumliche Verbindung der beiden Stadtteile war vermutlich auch maßgeblich für die Vereinigung der beiden Stadtteile im Jahr 1904.

 
Jedoch ist Traben-Trarbach nicht nur für Historiker von großem Interesse, denn auch Weinfreunde dürften hier im wahrsten Sinne des Wortes auf ihre Kosten kommen. Nicht nur, dass die Stadt um neunzehnhundert der größte Weinhandelsplatz der Welt nach Bordeaux war, mit ca. 135ha Weinlage ist der Weinbau auch maßgeblich für den Tourismus der Stadt. Im gesamten Mittelmoselbereich wird mit ca. 62% hauptsächlich Riesling angebaut, 17% sind Müller-Thurgau und knapp 10% machen rote Rebsorten aus.

Der

Der „Trarbacher Hühnerberg“ ist ein Beispiel für eine typische Steillage an der Mosel und gilt als Renommierlage

Der größte Teil der Weinberge sind Steillagen, weshalb die Lese überwiegend von Hand erfolgt, denn „zum schaffe sin sich uch die Pänz von der Mussel net zu schad“. Das schmeckt man natürlich auch!

 

 

 

Einer der Keller des Mosel-Wein-Nachts-Marktes

Einer der Keller des Mosel-Wein-Nachts-Marktes

Seit einigen Jahren gibt es in Traben-Trarbach auch jährlich den sogenannten „Mosel-Wein-Nachts-Markt“. Dieser etwas andere Weihnachtsmarkt findet überwiegend unterirdisch in den großen Gewölbekellern unterhalb der Stadt statt und ist nicht nur für viele Touristen, sondern auch für die Einwohner der Gemeinde immer wieder ein Grund zur Freude.  Link zur Seite des Mosel-Wein-Nachts-Marktes: http://www.mosel-wein-nachts-markt.de/keller.html

Für Einheimische ist jedoch besonders die Mentalität der Menschen etwas ganz Besonderes. Die Moselaner „schwätzen“, wie ihnen „die Schnüss“ gewachsen ist. Selbstverständlich nicht in gestochenem Hochdeutsch, sondern „uff (Travener) Platt“. Für Besucher ist diese eigene Art des moselfränkischen Dialektes durchaus nicht immer nachvollziehbar, hat jedoch ihren ganz besonderen Charme. Schnell ist jedoch klar, „mir Moselaner sein der Mundart mächtig!“ Und wie das „uff’m Land“ so üblich ist, kennt Jeder Jeden, grüßt Jeder Jeden und redet Jeder über Jeden- so ist das nun mal. Doch zusammenhalten tun sie trotzdem, sei es gegen die selbstverständlich verfeindeten Einwohner der Nachbardörfer (wobei Moselaner zusammenhalten, wenn es gegen „die Hunsrücker“ geht) oder wenn es um Aussagen gegen den guten Moselwein geht, denn da verstehen Moselaner keinen Spaß.  Im Großen und Ganzen ist es in Traben-Trarbach wie in einer großen Familie. Es wird „dumm Zeuch geschwätzt“ und getratscht aber auch viel gelacht. Aber vor allem, wird dabei immer ein Glas Wein getrunken,
in diesem Sinne: „Prost alle Gare!“

Mein Musselland

Wat kann et wohl Schieneres gewe,
als en Mussellaner ze sein;
gebore em Land der Rewe,
verwehnt vom goldene Wein.

On en däm Land der Rewe,
wu meine Wieje mol stand.
Nor do allän well aich lewe
am herrliche Musselstrand.

Do kenne die Johre vergiehn,
der Herrgott wäs wohl die Zahl,
doch mecht aich von Bergeshiehn
oft noch ronnerblicke ent Dal.

Von do owe dat Glas dann erhewe
wu ringsum die Danne noch stiehn,
on en Prost off dä Fluß on die Rewe,
denn os Heimeat, die es jo su schien!

                                                                     Berthold Mitscher

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