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Studentenleben im Wandel: Studieren in Mainz – damals und heute

Mainz 1984. Vor ungefähr 33 Jahren begann Dr. Karin Berner in Mainz Medizin zu studieren. Lernen, Erwachsenwerden, Freundschaften für’ s Leben knüpfen, Prüfungsstress, die erste eigene Wohnung … im Grunde dasselbe wie heute. Doch die Zeit hat wie immer ihre Finger im Spiel. Wie sehr verändert sich das Studentenleben von einer Generation zur nächsten?

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Unverändert – das Eingangstor der Johannes Gutenberg Universität Mainz.

Nach dem 1. Semester als Pendler, bewohnt die junge Studentin zunächst für ein Semester ein sehr spartanisches Zimmer unterm Dach im Forum der Universität, bevor sie in die ESG, die auch heute noch Studenten ein zu Hause bietet, umzieht. „Die Zeit in der ESG war sehr schön. Wir haben uns zu zehnt eine große Küche und zwei Duschen geteilt, man hat sich dort schnell zuhause gefühlt. Außerdem waren wir eine bunte Mischung an Nationalitäten, was eine schöne, interessante Erfahrung war.“ Insgesamt gab es damals weniger Wohnheimplätze als heute, viele kamen privat in einer Wohnung in der Stadt unter.

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Die „neue“ Mensa der Mainzer Universität

Und das Essen? Die Zentralmensa, wie wir sie heute kennen, gibt es noch nicht ewig. Zu Beginn der Studienzeit von Frau Berner aß man als Student vorne im Gebäude der alten Mensa. „Die alte Mensa ist nicht zu vergleichen mit der heutigen. Ich habe auch meistens mit meinen Mitbewohnern daheim gekocht, weil es in der Mensa oft viel zu voll war und es teilweise noch nicht mal Teller gab, sondern bloß Tabletts mit Kuhlen, in die dann das Essen gefüllt wurde.“

Heute findet man in diesem Gebäude Weiterlesen

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Vorfreude auf neue Leckereien im Big Easy in Mainz

bildschirmfoto-2017-01-16-um-19-26-12Sebastian Sander arbeitet inzwischen seit etwa einem Jahr als stellvertretender Geschäftsleiter im Big Easy in Mainz. In einem Interview gibt er mir einen Einblick in das Ladenkonzept und die bevorstehenden Änderungen der Speisekarte.

Was hast du gemacht, bevor du im Big Easy angefangen hast? Und wie kamst du zu dem Job?

Ich habe eine dreijährige Ausbildung zum Koch hinter mir. Anschließend habe ich in unterschiedlichen Bereichen der Gastronomie gearbeitet um vielseitige gastronomische Erfahrungen zu sammeln. Das Richtige für mich war damals allerdings noch nicht dabei. Über Kontakte bin ich dann glücklicherweise aufs Big Easy aufmerksam geworden und hier arbeite ich inzwischen seit einem Jahr.

Erzähl doch mal ein bisschen was über euren Laden und euer Konzept. Wer seid ihr und seit wann gibt es euch?

Das Big Easy ist noch ziemlich jung. Uns gibt es erst seit etwa zweieinhalb Jahren und wir sind auch das einzige Big Easy deutschlandweit. Das hat den Vorteil, dass wir nicht an andere Läden gebunden sind und unser Konzept frei gestalten können. Wir sind ein Franchise Unternehmen und gehören zur Enchilada Gruppe, das ist eine Kette von mehreren Restaurants. Das Aposto und das Besitos gehören zum Beispiel auch dazu. Bei uns gibt es hauptsächlich amerikanische Küche und am bekanntesten sind wir wohl für unsere Burger.

Wo in Mainz findet man euch?

Das Big Easy befindet sich im Gebäude der Rheingoldhalle und neben dem Mainzer Rathaus direkt am Rhein. Viele Leute kommen nicht nur wegen dem spitzenmäßigen Essen (lacht), sondern auch wegen dem schönen Ausblick zu uns. Das Big Easy ist in einem zweistöckigen Gebäude und auf beiden Stockwerken gibt es eine große Fensterfront Richtung Rhein.

Die Lage direkt am Rhein ist bestimmt ein Kundenmagnet, oder?

Das kann man leider so pauschal nicht sagen.
Im Sommer trifft das sicher zu. Sobald das Wetter gut ist und es wärmer wird ist der Laden randvoll. Vor allem am Wochenende hat man dann ohne Reservierung schlechte Chancen, aber auch unter der Woche kann es eng werden. Viele Leute gehen im Sommer am Rhein spazieren und schauen dann unterwegs mal bei uns im Laden vorbei.
Im Winter hingegen fällt die ganze Laufkundschaft weg. Wenn es draußen kalt und nass ist macht sich das auch sofort an den ausbleibenden Reservierungen bemerkbar. Unseren Hauptumsatz machen wir deshalb im Sommer. Da bieten wir auch mehr als doppelt so viele Sitzplätze an.
Die Rheinlage ist sozusagen Fluch und Segen zur gleichen Zeit.

Kommen wir nochmal zurück zum Essen. Du hast bereits erwähnt, dass ihr hauptsächlich für eure Burger bekannt seid. Was bietet ihr denn sonst noch so an?

Also prinzipiell bieten wir Frühstück, Mittagessen, Kaffe und Kuchen und Abendessen an. Am Wochenende sind wir rund um die Uhr für unsere Kunden da, unter der Woche nur Abends. Bei den Hauptmahlzeiten gibt es hauptsächlich Burger, Wraps, Salate und Barbecues. Alle zwei Wochen erstellen wir eine neue „Wochenkarte“ mit saisonalen Gerichten. Wer also keine Lust auf amerikanische Küche hat kann bei uns trotzdem fündig werden. Seit letztem Jahr haben wir auch einen Smoker und werden die Gäste auch diesen Sommer wieder mit attraktiven Grillspecials locken. Wir sind allerdings momentan dabei unser Konzept etwas zu ändern.

Wie wird die zukünftige Speisekarte des Big Easy dann voraussichtlich aussehen?

Wir werden unsere Karte etwas verkleinern um mehr Liebe und Energie ins Detail, anstatt in die breite Masse, stecken zu können. Außerdem wollen wir weg vom Fastfood Image. Wir möchten mit frischen und gesunden Gerichten punkten und auch mehr Auswahl für Vegetarier und Veganer bieten. Unsere Burger wird es natürlich trotzdem noch geben, nur eben etwas umgestaltet. Ziel ist es, sie ausgefallener werden zu lassen. Wir wollen schließlich nicht im immer größer werdenden Angebot an Burgern untergehen.

Wenn du jetzt von gesunden Gerichten sprichst, kannst du da konkrete Beispiele nennen?

Völlig neu auf der Kimg_1936arte werden die „Bowls“ sein. Simple ausgedrückt handelt es sich dabei um Essen in Schüsseln. Dabei wird das Essen allerdings noch nicht vermischt, sondern nach dem „Baukastensystem“ separat voneinander angeordnet. Soßen und Dips werden auch separat serviert, sodass der Gast später alles so mischen kann wie er es möchte. Dabei wird unter anderem auch viel mit Gemüse und Rohkost gearbeitet. Außerdem werden einige Gerichte die aus der Fritteuse kommen gestrichen.

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img_1925 erste Entwürfe für die neuen Waffeln

Auf was können sich eure Kunden bezüglich der neuen Speisekarte besonders freuen ?

Ich denke unser zukünftiges Highlight wird unsere neue Waffelkarte. Die Waffeln werden an die Tellaballshakes angelehnt sein, die ja auch ziemlich durch die Decke gegangen sind. In Mainz gibt es bis jetzt keinen anderen Laden, der etwas vergleichbares anbietet. Die Waffeln werden nicht nur durch ihren Geschmack, sondern vor allem auch durch ihr Aussehen überzeugen. Eins ist klar: Die Dinger werden eine riesen Kalorienbombe und wer das Teil alleine verdrückt, könnte eventuell einen Zuckerschock erleiden. Aber man muss sich eben auch mal was gönnen.

Mit welchen drei Worten würdest du das Big Easy beschreiben?

Hipp, frisch und einzigartig

Vielen Dank für das nette Interview!

Eine ganz besondere Wohngemeinschaft

Weder WG noch Studentenwohnheim: Das Leben im Spener-Haus

Ich wache auf. Draußen auf dem Flur sind bereits Stimmen zu hören, eine Tür schlägt zu. Mein Wecker zeigt 07:10 Uhr an. – Ich bin mal wieder viel zu spät dran.
Schnell verschwinde ich im Bad, dann in der Küche. Hier treffe ich einen meiner Mitbewohner, der bereits am frühstücken ist. Es riecht nach Kaffee, der Baulärm von der gegenüber liegenden Baustelle erreicht trotz geschlossener Fester leise mein Ohr.
Leider habe ich keine Zeit, mich länger mit meinem Mitbewohner auszutauschen. Stattdessen esse ich schnell ein Brot mit Marmelade, putze mir die Zähne und renne aus dem Haus zur Straßenbahn-Haltestelle. Auch wenn diese in drei Minuten zu Fuß zu erreichen ist, habe ich jeden Morgen Mühe, meine Straßenbahn zur Universität rechtzeitig zu bekommen.

Von außen ganz unscheinbar: Das Spener-Haus

Von außen ganz unscheinbar: Das Spener-Haus

Das Philipp-Jakob-Spener-Studienhaus
Ich wohne im Philipp-Jakob-Spener-Studienhaus in der Neustadt in Mainz. Vor etwas mehr als drei Monaten bin ich dort eingezogen, jetzt ist es mein Zuhause.
Das Spener-Haus ist mehr als eine WG. Der Verein Philipp-Jakob-Spener-Haus wurde 1983 gegründet und steht unter der Leitung von Pfarrer Eberhard Hoppe, Pfarrer Jochen Roth und Pfarrer Andreas Nose. Von 1993 bis 2013 besaß der Verein ein Haus in Mainz-Marienborn, das allerdings verkauft werden musste. Daher ist die Wohngemeinschaft 2013 in die Neustadt in zwei Mietwohnungen umgezogen, wo sie bis heute zu finden ist. Auf zwei Stockwerke verteilt leben neun junge Erwachsene zusammen, unter ihnen vor allem Studenten, aber auch Auszubildende und ein Doktorand aus Nigeria. Ziel des Vereins ist es, vor allem jungen Theologiestudenten aber auch anderen jungen Erwachsenen nicht nur ein gemütliches und bezahlbares Zuhause zu bieten, sondern auch eine Gemeinschaft zu ermöglichen, in der Platz für Austausch und Diskussion über Gott und die Welt ist.
Für die Koordination des Lebens in der Wohngemeinschaft ist die Studienleitung verantwortlich, die selbst mit in der WG lebt und Ansprechpartner sowohl für die Bewohner als auch für den Verein ist.

Jeden Donnerstag ist Spener-Abend, sonntags Konvent
Jeden Donnerstag wird zusammen für die WG gekocht. Im Anschluss kommt ein Referent für einen Vortrag oder die Bewohner lesen zusammen einen theologischen Text und diskutieren in gemütlicher Runde.
Sonntags treffen sich alle zum Konvent, um anstehende Dinge zu planen und die Woche zu besprechen. Anschließend gibt es eine kurze Andacht.

Es ist später Nachmittag und ich schließe die Haustür auf. Schon im Treppenhaus begegne ich einer meiner Mitbewohnerinnen, die gerade auf dem Sprung zu einem Termin ist. Als ich die obere Wohnung betrete, höre ich jemanden in der Bibliothek Klavier spielen, aus der Küche dringen Stimmen zu mir. Ich bin ziemlich müde von dem langen Tag und brauche erst einmal meine Ruhe. Also gehe ich in mein Zimmer und nutze die Zeit für mich.

Es ist 19 Uhr. Ein Teil der Wohngemeinschaft sitzt zusammen am Tisch in der Küche. Alle tauschen sich über ihren Tag aus oder diskutieren lebhaft über die verschiedensten Themen. Auch der nächste gemeinsame Ausflug wird geplant.
Ich genieße die Gemeinschaft und freue mich schon auf morgen, denn morgen ist Donnerstag.

Ein Teil der Bibliothek

Ein Teil der Bibliothek

Die Küche als WG-Treffpunkt

Die Küche als WG-Treffpunkt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was macht das Spener-Haus besonders?
Im Spener-Haus kann man nicht nur günstig als Student in Mainz leben. Das Haus selbst und die Wohngemeinschaft bieten noch viel mehr Vorteile:
Erstens befinden sich die Mietwohnungen in der Nähe des Hauptbahnhofes und der Uni, sodass man mit dem Fahrrad innerhalb von 15 Minuten am Campus ist.
Zweitens besitzt das Spener-Haus eine eigene Bibliothek mit circa 4500 Büchern. So kann man beispielsweise für eine Hausarbeit gemütlich von zu Hause aus recherchieren.
Des Weiteren ermöglicht die Wohngemeinschaft genau das richtige Maß an gemeinsamem Leben und Privatsphäre. Wer lieber seine Ruhe haben möchte, kann sich zurückziehen, wer die Gemeinschaft sucht, braucht nur in die Bibliothek oder die Küche zu gehen.
Viertens schweißt das gemeinsame Programm zusammen. Die Bewohner der WG bilden nicht nur eine bloße Zweckgemeinschaft. Häufig entwickeln sich tiefe Freundschaften, die auch noch nach der WG-Zeit Bestand haben.
Zwar sind Außenstehende oft durch das Programm zweimal in der Woche abgeschreckt, doch ermöglicht gerade dies einen engen Zusammenhalt und die Gemeinschaft, die alle in der WG so sehr schätzen.
Außerdem hat man einen Ansprechpartner, an den man sich jederzeit wenden kann. Die Studienleitung, die selbst im Haus wohnt, steht in allen Lagen zur Seite und hilft nicht nur in der Anfangszeit bei großen und kleinen Problemen. So wird man durch das Studium hindurch begleitet und unterstützt.
Und schließlich bietet das Spener-Haus einen guten Rahmen für einen bereichernden Austausch. Wo junge Menschen mit vielen Idee und Ansichten aufeinander treffen, wird diskutiert. Gerde das Spener-Haus bietet Raum, sich mit anderen jungen Erwachsenen auszutauschen.
Das Spener-Haus ist also nicht nur eine Wohngemeinschaft: Es ist ein Zuhause!

Ich bin müde. In den anderen Zimmern sind immer noch Stimmen zu hören, eine Tür schlägt zu. Mein Wecker zeigt 00:15 Uhr an. – Ich bin mal wieder viel zu spät dran.
Schnell schlüpfe ich ins Bett unter die Decke und mache meine Nachttischlampe aus.

http://www.spener-haus.de/

Die erste eigene Wohnung

Thomas Rast (26) entschloss sich nach Abschuss seiner Ausbildung endlich in eine eigene Wohnung zu ziehen. In einem Interview gab er mir unter anderem einen Einblick in seine Wohnungssuche und die Vor- und Nachteile, die das Ausziehen mit sich bringt.

Wo kommst du denn ursprünglich her und wie alt warst du, als du in deine erste eigene Wohnung gezogen bist?

Ursprünglich komme ich aus Bubenheim und dort habe ich auch bis zu meinem 25. Lebensjahr gewohnt. Das ist ein ziemlich kleines Dorf in der Nähe von Mainz, mit etwa 890 Einwohnern.

Was waren die Gründe für deinen Auszug von Zuhause und wieso fiel deine Wahl auf Mainz als Standort?

Naja, irgendwann wird es für jeden mal Zeit „Hotel-Mama“ zu verlassen, oder nicht (lacht)? Mit 25 wurde es für mich jedenfalls langsam mal Zeit. Über einen Standort musste ich gar nicht lange nachdenken, da ich in Mainz arbeite und es somit von Anfang an fest stand, dass ich früher oder später mal dort hin ziehen werde. Ich würde allerdings auch jeder Zeit gerne nochmal in einer anderen Stadt wohnen, falls es sich ergibt, da ich in der Nähe von Mainz groß geworden bin und hier eigentlich schon alles kenne.

Wie erging es dir denn bei der Wohnungssuche in Mainz? Viele Studenten suchen bekanntlich recht lange bis sie etwas geeignetes finden.

Ja, das kann man wohl sagen. Die Wohnungssuche hat sich bei mir auch ewig hingezogen. Insgesamt habe ich bestimmt ein dreiviertel Jahr regelmäßig online nach Wohnungen geschaut. Bei jeder Besichtigung gab es allerdings neben mir noch so viele andere Interessenten, sodass es einfach nicht klappen wollte. Außerdem sind viele Wohnungen meiner Meinung nach auch total überteuert. Ich habe meine Wohnung letzten Endes auch nur über Kontakte bekommen.

Bist du denn jetzt zufrieden mit deiner Wohnsituation?

Ja, definitiv! Ich wohne mitten in der Neustadt. Die Lage ist top und der Preis bezahlbar. Ich wohne alleine und habe eine Zweizimmerwohnung, die absolut ausreichend ist. Außerdem kann ich von hier aus alles zu Fuß erreichen, hier wohnen super viele junge Leute und es gibt genügend Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Bars und Cafés. Gerade wenn man vom Dorf kommt, weiß man sowas wahrscheinlich besonders schätzen. Zuhause werden um 18 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt (lacht).

Kam für dich ein WG Leben von Anfang an nicht in Frage? Oder wieso hast du dich dazu entschlossen in eine eigene Wohnung zu ziehen?

Ehrlich gesagt habe ich nie groß darüber nachgedacht in eine WG zu ziehen. Ich genieße es total auf niemanden Rücksicht nehmen zu müssen und meine eigenen vier Wände so gestalten zu können wie es mir gefällt. Außerdem arbeite ich in der Gastronomie und habe dementsprechend auch sehr unregelmäßige Arbeitszeiten und komme Abends oft erst sehr spät nach Hause und schlafe morgens länger. In einer WG würde ich wahrscheinlich total an meinen Mitbewohnern vorbei leben.

Was gefällt dir denn am alleine Wohnen am Besten?

Mir gefällt es wahnsinnig gut endlich mal in einer größeren Stadt zu wohnen und mein eigenes kleines Reich zu haben und auch das Verhältnis zu meinen Eltern ist wesentlich entspannter geworden. Außerdem wird man viel selbstständiger und lernt sein eigenes Geld so zu kalkulieren, dass es bestenfalls bis zum Ende des Monats reicht.

Gibt es auch Dinge die du von Zuhause vermisst?

Klar, die gibt es auf jeden Fall! Zum Beispiel muss ich jetzt den ganzen Haushalt selbst schmeißen. Ich muss alles alleine sauber machen, einkaufen und dabei alles, von der Zahnbürste bis zum Klopapier, selbst bezahlen. Da kommen Kosten auf, über die man früher nie groß nachgedacht hat. Aber am meisten vermisse ich wahrscheinlich den stets gut gefüllten Kühlschrank.
Wieder zurück nach Hause zu ziehen kommt trotzdem nicht mehr in Frage!

Das Buch hinter den Aufklebern

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Langeweile? Lies doch mal! Ist auch kurz…“ Dem ein oder anderen mögen dieses Aufkleber, die hier und da Toilettentüren auf dem Universitätsgelände zieren, aufgefallen sein. Doch was steckt dahinter? In unseren Köpfen war Frau Schwarz ein Schwan ist das Erstlingswerk eines Mainzer Studenten, der sich hinter dem Pseudonym Hauke Wenzel versteckt. Weiterlesen

Von syrischen Routinen und deutschen Regeln – Wie unterschiedlich sind wir wirklich?

Man hört in diesen Tagen vieles darüber, wie groß doch die Unterschiede seien zwischen „uns“ und „denen“. Gemeint sind Deutsche und Geflüchtete. Viele reden über Unterschiede, darüber, wie das denn funktionieren soll mit dem Zusammenleben. Die Wenigsten allerdings können sich dabei auf praktische Erfahrungen berufen. Jemand, der diese Erfahrungen hat ist Prof. Dr. Anton Escher. Deshalb lud das Studierendenwerk Mainz am Freitag, den 09.12.2016 zu Vortrag und Podiumsdiskussion mit syrischen Studierenden und Flüchtlingsberaterinnen in die Mainzer Universität ein. Vor über 150 Interessierten berichtete Escher, Sprecher des Zentrums für Interkulturelle Studien der JGU, von seinen 16 persönlichen Verständisregeln, die er bei jährlichen Aufenthalten in Syrien in über 25 Jahren entwickelt hat.

Auf fast schon symbolische Weise endete der insgesamt ausgesprochen herzliche Abend mit einer Umarmung.
Das Studierendenwerk beschrieb den Abend als gelungenen Schritt in die richtige Richtung. Man habe gemerkt, „dass es für die deutschen und syrischen Anwesenden eine Herzensangelegenheit war, die andere Kultur besser zu verstehen, voneinander zu lernen und miteinander zu kommunizieren.“

Professor Escher begann seine Ausführungen mit einer kurzen Vorstellung von Syrien im Allgemeinen: dem autoritativen Staat, der besonderen Wichtigkeit der Familie als eine Art Sozialsystem, der stark heterogenen Bevölkerung auf kozentriertem Lebensraum.
Vor diesem Hintergrund waren viele der anschließend aufgezeigten Regeln weitaus besser zu verstehen.
So erklären sie zum Beispiel die Erfahrung, dass individuelle Lösungen staatlichen meist vorgezogen werden. Der autoritative Staat begründe auch die Akzeptanz eines Lebens mit Widersprüchen, wie es im aufgeklärten Europa nicht mehr denkbar wäre. Ebenfalls ergebe sich aus der Assad-Herrschaft ein anderes Verständnis von Wahrheit: Die syrische Lebenswelt teile sich auf in ein „Außen“ und ein „Innen“, so Escher. Diese Trennung sei zum Selbstschutz notwendig:
Als Außenstehende*r werde man stets mit Respekt behandelt, so gehöre zum Beispiel das gegenseitige Grüßen bei jeder Begegnung einfach dazu. Die syrische Höflichkeit sehe außerdem kein „Nein“ vor. Stattdessen sage man „Inschallah“ – „So Gott will“ werde man etwas also tun oder bleiben lassen.
Man könne allerdings nicht erwarten, von seiner*m Gesprächspartner*in die Wahrheit zu hören. Da das dem Adressaten auch immer bewusst sei, handle es sich auch nicht um eine Lüge.
Benötigt man eine verlässliche Antwort, so müsse man ins „Innen“, die erweiterte Familie vorstoßen. Daher müsse man für eine authentische Aussage den Anderen mit „Bruder“ ansprechen.
Was so unter vier Augen besprochen wird, ist damit aber noch keine Wirklichkeit: Diese enstehe erst durch das Öffentlichwerden.
Prof. Escher konnte hier auch aus eigener Erfahrung sprechen: Auf einer Busfahrt, so berichtete er, habe er seinen syrischen Begleitern einen Wortwitz auf Kosten Assads erzählt. Diese hätten daraufhin getobt und versucht, die Äußerung zu überspielen. Abdulkadar Baki, syrischer Doktorand in Nanotechnologie an der JGU, sagte dazu, derjenigen, von dem er diesen Witz hatte, hätte ihm damit „vertraut bis zum Tod“.
In Syrien herrsche außerdem eine Gewisse Mythengläubigkeit. Assad ist ein solcher Mythos. Mache man sich über den Herrscher lustig, greife man diesen Mythos an und stelle damit seine Macht infrage. Diese Macht aber sei nicht verhandelbar. Assad ist der Staat. Ein Rücktritt, so Escher sei somit garnicht möglich.
Vor diesem Hintergrund lässt sich auch erkennen, warum ein Staat mit Folter gegen kritische Graffitis vorgeht. Dies hat allerdings auch noch einen zweiten Grund, der sich in einer weiteren Regel findet: Das Wort ist die Tat! Kündigt man an etwas zu tun, hat man es damit schon getan. So erklärt sich, wie aus einen harmlosen Schriftzug „Nieder mit dem Präsidenten“, gesprayt von ein paar Jugendlichen, ein Bürgerkrieg erwachsen kann.
Ein weiterer Grundsatz, um in der Assad’schen Gesellschaft nicht unter Verdacht zu geraten, laute „Stelle immer eine Situation her, in der du kontrolliert werden kannst!„. Dieser lasse sich auch am typischen offenen Baustil ablesen. Die Gemeinschaft kontrolliere so die gesellschaftlichen Regeln und Gesetze. Diese Gestze im Übrigen könne man nicht etwas übertreten, sondern nur ganz oder garnicht. Abstufungen seien nicht vorgesehen. Außerdem gelten für Frauen andere Regeln. In Teilen der Gesellschaft soll sich ihr Leben auf das „Innen“ des erweiterten Familienkreises begrenzen.
Zwei Erfahrungen hatte Prof. Escher noch speziell aus seiner wissenschaftlichen Tätigkeit zu bieten: Man versteife sich nicht zu sehr auf Genauigkeit – auf Kosten der wissenschaftlichen Exaktheit. Außerdem sei kritisches Reflektieren nicht vorgesehen – dafür könnten Syrer*innen allerdings beeindruckend gut auswendiglernen. Da das auch für Sprachen gilt, seien sie auch überall auf der Welt so fantastisch integriert. All das untermauerte er mit Beispielen aus seinem reichen Erfahrungsschatz.

Die anschließende Diskussionsrunde begann mit Stellungnahmen der Podiumsgäste zum Vortrag. Omar Ez Eddin, Geflüchteter und angehender Student an der JGU, konnte nur zustimmen. Speziell zum Thema Lernen gab er Escher in beeindruckend gutem Deutsch Recht. Das Sprachenlernen fiele Syrern so oft leichter, allerdings seien die deutschen Lehrmethoden eine große Umstellung. Zum Punkt der Mythengläubigkeit merkte er noch an, auch das Familienbild sei ein solcher Mythos.
Abdulkadar Baki lobte die Beschreibung, insbesondere die der Vorsicht bei Gesprächen – Die Situation in Syrien vor dem Bürgerkrieg sei vergleichbar mit dem Film „Das Leben der Anderen“. Auch die syrische Höflichkeit entspräche genau der Beschreibung. Ein „Nein“ sei in der Tat eine Frechheit. Er betonte allerdings, die Sicht Eschers sei eher eine dörfliche und treffe in den Städten nur bedingt zu.
Medizinstudentin Yara Al-Zamel erklärte, aufgrund der vielen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen sei es eigentlich nicht korrekt über Syrien als Ganzes zu sprechen. Abhängig von Ethnie, Lebensort, aber auch Geshlecht befinde man sich in ganz unterschiedlichen Lebenswelten. Sie stellte außerdem fest, dass sich vor allem in den Städten eine Entwicklung hin zur Kleinfamilie erkennen ließe. Auch die Mythengläubigkeit habe stark abgenommen – zu Gunsten von Bildung. In einem Punkt musste sie Escher allerdings doch widersprechen: Dort, wo es tatsächlich nötig sei, arbeiteten Syrer durchaus exakt. Man müsse allerdings eine Hühnerfarm nicht genauso aufwendig planen wie eine Brücke. Sie bemühte sich außerdem klar zu machen, dass sexuelle Übergriffe in Syrien ebenso gesellschaftlich geächtet sind wie in Deutschland.

Die beiden Flüchtlingsberaterinnen Astrid Becker und Christine Skwara sahen in vielen der angesprochenen Punkte auch Gründe für die einfache Zusammenarbeit. So erkläre das syrische Bildungssystem, warum Vielen das Auswendiglernen so leicht falle. Auch die Höflichkeit sei oft erfahrbar: Man bekomme tatsächlich so gut wie nie ein „Nein“ zu hören, weshalb auch Konfrontationen sehr selten seien. Außerdem sei auch der Wert des Wortes offensichtlich. So habe der Satz „Bitte Hausschuhe mitbringen!“ auf der Gebrtstagseinladung ihres Sohnes eine der betreuten Familien veranlasst, diese extra zu kaufen.
Nach Schwierigkeiten durch die unterschiedlichen Lebensweisen gefragt, wurde zuerst die deutsche Direktheit genannt. Diese sei zuerst als Unfreundichkeit verstanden worden. Außerdem nannten alle die anstrengende Bürokratie und übertriebene Exaktheit. Deutsche seien oft versessen auf das Begleichen von Kleinstschulden, allerdings habe diese Exaktheit auch positive Seiten, lobten doch alle drei insbesondere die Verlässlichkeit der Deutschen Bahn.
Aus deutscher Sicht sprach eine der Beraterinnen an, der Dialog mit den Übersetzern sei oft sehr viel länger als die Antwort, die schließlich herauskomme. Man bekomme so fast das Gefühl, dabei würde die eigentliche Beratung stattfinden. Yara Al-Zamel erklärte dies als Missverständnis. Man führe einfach bei jeder Gelegenheit Smalltalk und dieser brauche nun wirklich nicht übersetzt zu werden.
Auch auf die Frage, was Deutsche von Syrern lernen könnten, gab es viele Antworten. Vor allem offene Herzlichkeit, Lockerheit und Respekt wurden dabei oft genannt. In Syrien hätte man oft nach zwei Minuten im Bus neue Freunde gefunden. Auch das große Familiennetzwerk von etwa 500 Verwandten habe viele Vorteile. „Egal was du brauchst, irgendjemand kann dir immer weiterhelfen“. Außerdem könnten die Deutschen viel lernen, was das Essen angeht.
Die Beraterinnen hoben vor allem die besondere Freundlichkeit, speziell bei der Begrüßung, und den Humor auch bei schweren Themen heraus. Doktorand Baki merkte – übrigens in nahezu akzentfreiem Deutsch – dazu  an, die Hauptsache sei zu lachen, am besten über sich selbst.

Den ganzen Abend fasste schließlich eine Szene fast symbolisch zusammen: Ein syrischer Hörer umaramte Professor Escher zum Dank für seinen Beitrag zur Verstädigung der Kulturen aufs Herzlichste. Eine Hörerin wies noch auf die Möglichkeit hin zum Beispiel über welcomedinnermainz selbst ins Gespräch zu kommen und sich so besser kennen zu lernen.

Die Mainzelbahn: Nur Denkmal und Prestigeobjekt?

Seit Sonntag tollen die kleinen runden Männchen nicht nur auf dem Mainzer Lerchenberg, sondern auch bis in die Innenstadt: Die Mainzelbahn fährt! Vor allem für Studenten sollte das neue Straßenbahnnetz eine Erleichterung darstellen, da sie nun schneller vom Hauptbahnhof an den Campus gelangen. Doch viele zeigen sich zu Beginn der Woche verärgert: Weiterlesen