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Terror ist nie privat- dürfen wir das deswegen auch nicht mehr sein?

Ich stehe an einem Gleis im Mainzer Hauptbahnhof und warte auf meinen Zug. Es ist kalt. Ungeduldig laufe ich auf und ab. Blick aufs Handy: Mein Zug hat Verspätung. Ich beschließe, mich nochmal in einem der Geschäfte im Bahnhofsgebäude aufzuwärmen und verlasse das Gleis, um mir einen Kaffee zu kaufen.

„Sicherheit ist das wichtigste Gut einer Demokratie“ – Moment, war das nicht mal die Freiheit? Spätestens seit den Berliner Anschlägen im Dezember 2016, beansprucht die „Sicherheit“ diesen Stellenwert immer mehr für sich. Die Diskussion um mehr Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen, sorgt bei vielen für Entrüstung.

Kein Wunder, wenn man sich vorstellt, welche Fülle an Informationen man dafür von sich selbst preisgeben muss. Die Technologie von Überwachungskameras hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert. Während früher kaum Details auf den Bildern erkennbar waren, können diese mittlerweile stark fokussieren und verfügen sogar über eine Gesichtserkennungsfunktion. Es erfolgt ein direktes Abgleichen der Bilder mit denen einer Datenbank, im Zweifelsfall Weiterlesen

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Mainzer Carneval-Verein: Freiheit statt Angst

Der Kölner Karneval verabschiedet sich von Plänen eines Charlie-Hebdo-Motivwagens. Man wolle ja nicht das fröhliche Treiben mit Furcht, Tod und Trauer überschatten. Und wie steht der MCV (Mainzer Carneval-Verein) dazu?

Die Nachricht von den Anschlägen auf Charlie Hebdo in Paris verbreitet sich wie ein Lauffeuer um die Welt, die Menschen trauern um die Opfer des Terrors. „Je suis Charlie“ heißt es fortan rund um den Erdball. Für Meinungs-, Presse- und Glaubensfreiheit, Solidarität und Furchtlosigkeit ergießen sich die Massen auf die Straßen. In einer befreiten Gesellschaft muss man nun mal spotten dürfen.

Karneval treibt es als König des Hohns, Spotts und närrischen Treibens jedes Jahr auf die Spitze. Hier wird ausgelassen gefeiert und jeder, Politiker, Institutionen, und auch Religionen, kriegt einen auf den Deckel. Ach ja? Wirklich jeder? Hat die Angst vor dem Terror nicht jetzt auch Fasching erreicht?

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Ein Jeck stopft einem Terroristen einen Buntstift in den Waffenlauf (Quelle: koelnerkarneval.de)

Der Kölner Karneval hat seine Pläne für einen satirischen Motivwagen, den Anschlägen auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo gewidmet, zurückgezogen. Das Motiv (siehe Teaserbild) sollte den Schutz der Meinungsfreiheit symbolisieren. In einer Abstimmung um einzelne Motiventwürfe bei Facebook erhielt der besagte Entwurf ca. 2500 der mehr als 7000 Stimmen und wurde vom Festkomitee letztlich mit der Begründung, die „Freiheit und leichte Art des Karnevals“ nicht einschränken zu wollen, fallengelassen. Einige sehen in diesem Fall eine furchtgetriebene Selbstzensur, gegen die die Menschen nach den Anschlägen auf die Pariser Redaktion warnten und protestierten.

Der Mainzer Carneval-Verein äußert in einer Stellungnahme, die Entscheidung der „Kölner Fastnachtskollegen“ zu respektieren, aber auch, dass sich an der bisherigen Aufstellung der Parade nichts ändern wird. Die Aufstellung eines neuen Motivwagens als eine Art Tribut an Charlie Hebdo nach den Anschlägen ist nicht möglich, weil Bau und Organisation in der kurzen Zeit nicht möglich wären.

Es gibt aber einen Motivwagen, der sich dennoch mit den freiheitlichen Werten einer Demokratie befasst: der freien Meinungsäußerung. Dieter Nuhr wurde nach seiner Koran-Kritik wegen Volksverhetzung angezeigt – das Ermittlungsverfahren aber mittlerweile eingestellt, weil offensichtlich die fremdenfeindliche Gesinnung fehlt. Aus diesem Anlass gibt es einen Wagen mit der Überschrift: „Hier gelte nu(h)r ich.“ Das Grundgesetz und der Ausruf „Herzlich willkommen: Glaubensfreiheit, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit“ sind mit folgendem Vers zu sehen:

Ein steiniger Weg, den man sehr spät erst fand
Bis nach Kriegen und Willkür das Grundgesetz stand.
Es verteidigt die Freiheit für Dich und für mich:
„was hier gilt und was nicht, das bestimme nur ich!“

Die Erläuterung für den Motivwagen hat der MCV ebenfalls veröffentlicht. Die Kernaussage wurde so formuliert: „Unabhängig von Herkunft, Kultur und Religion heißen wir all jene Menschen in unserem Land willkommen, die unsere Werteordnung mittragen. Die Akzeptanz unseres Grundgesetzes soll die allein gültige Richtschnur sein.“

Damit positioniert sich der Mainzer Carneval-Verein im Gegensatz zum Kölner Festkomitee deutlich für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität und scheut sich nicht davor, auch weiterhin alles und jeden aufs Korn zu nehmen.