Bo und Sunny ziehen um

Mit den Obamas verlassen auch ihre beiden Portugiesischen Wasserhunde das Weiße Haus

Als Barack Obama im November 2008 zum neuen amerikanischen Präsidenten gewählt wurde stand schnell fest, dass das Weiße Haus bald einen weiteren, in diesem Fall vierbeinigen Bewohner bekommen würde. Die Versprechen, die Obama während seines Wahlkampfes machte, waren nicht nur von politischer Natur. Seinen beiden Töchtern versprach er nämlich, einen Hund anzuschaffen, sollte er die Wahl für sich entscheiden.

Im April 2009 war es dann soweit. Die Familie erhielt den Hund als Geschenk des mittlerweile verstorbenen ehemaligen Senators Edward Kennedy. Dieser unterstützte Obama im Wahlkampf und wurde zu einem engen Vertrauten der Familie. Bo, so der Name des portugiesischen Wasserhundes, der am 9. Oktober 2008 zur Welt kam, wurde zum neuen „First Dog“. In kürzester Zeit stellte er nicht nur einen festen Bestandteil der ehemaligen „First Family“ dar, sondern eroberte auch die Herzen vieler Hundefans weltweit.

Die Rasse der Portugiesischen Wasserhunde, auf Portugiesisch „Cao de Agua Portugues“, erlangte schnell einen höheren Bekanntheitsgrad als noch in den Jahren zuvor. Aus eigener Erfahrung ist das Interesse an der Rasse in der Öffentlichkeit sehr groß, auch wenn die Hunde trotz allem eher eine Seltenheit bleiben. Wurde man nach April 2009 gefragt, um welche Rasse es sich denn handelt, konnte man sich sicher sein, dass die Leute mit: „Das ist ein Hund der Rasse, wie ihn Obamas auch haben“, etwas anfangen konnten.

Ab 2013 war Bo nicht mehr der einzige Vierbeiner im Weißen Haus, er bekam Sunny, ebenfalls Portugiesische Wasserhündin, an seine Seite gestellt. Gemeinsam hatte das Duo einen vielfältigen Dienstplan. Mit großer Freude standen sie für Fotos mit Fans bereit, Michelle Obama machte es sich zur Aufgabe, die Termine für die beiden Hunde zu koordinieren. Bo gilt als begeisterter Gärtner, immer wieder war er als Begleitung der Gartenbaufirma auf dem Gelände rund um das Weiße Haus zu sehen, wie er die Pflanzen mitbegutachtete. Auch bei offiziellen Terminen von Michelle Obama, wie dem jährlichen Besuch von Kindern in Krankenhäusern kurz vor Weihnachten oder dem Treffen mit verwundeten ehemaligen Soldaten, waren die Hunde anwesend und sorgten immer wieder für große Freude.

Die Geschichte der Portugiesischen Wasserhunde ist bemerkenswert. Als sehr arbeitswillige und intelligente Hunde halfen sie früher Familien in Portugal, den Lebensunterhalt mit der Fischerei zu ermöglichen, indem sie beispielsweise die Fischernetze wieder an Land zogen. Die wasserverrückten Tiere sind nicht nur treue Begleiter und eignen sich sehr gut als Familienhunde, sie haaren auch nicht. Dies war ein ausschlaggebender Punkt für die Obamas bei der Auswahl ihres Hundes, denn Michelle Obama leidet unter einer Tierhaarallergie.

Bo (links) und Sunny (rechts) im Herbst 2015

Bo (links) und Sunny (rechts) im Herbst 2015

Die Ära der „Portugiesen“ im Weißen Haus ist jetzt erst einmal vorüber. Fest steht, dass Bo und Sunny einen guten Job als „First Dogs“ abgeliefert haben und ihrer Rolle gerecht wurden. Nicht ohne Grund haben es die beiden Hunde auf Wikipedia, mehrfach auf Facebook und sogar als Besucher in zwei der größten US-Talkshows geschafft.  Nun bleibt es abzuwarten, ob die beiden Lieblinge unter Trump als neuer US-Präsident einen oder mehrere Nachfolger bekommen. Aus Regierungskreisen heißt es nur, dass darüber bisher keine endgültige Entscheidung getroffen wurde.

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„Es ist eine andere Welt.“

Ballett: Zwischen Hochleistungssport und Kunst, zwischen blutigen Füßen und Eleganz

sarah

Nach dem Abitur Studieren oder doch ein Auslandsjahr? Diese Frage stellt sich nicht jedem.
Sarah Altherr hat vor zwei Jahren parallel zum Abitur  ihre Ausbildung zur Balletttänzerin abgeschlossen. Sie berichtet vom etwas anderen Lebensweg.
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„Sie sind überall und umkreisen mich“-ein Besuch bei den Kannibalen

Es ist der 20.01.2017, der Tag, an dem ich mich mit drei Freunden auf den Weg zu einem Konzert von Kannibalen mache. Genauer gesagt: Es geht zu KIZ, den Kannibalen in Zivil. Die Jungs Tarek, Maxim, Nico und ihr DJ, alle vier geliebt und gefürchtet für ihren satirischen Hip-Hop-Rap, geben ein Zusatzkonzert. Anlässlich ihrer Tour „Hurra, die Welt geht immernoch unter“ zieht es sie in die Stadthalle nach Offenbach.

Aliengehirn und Zwergkanninchen-ein langer Weg zu den Kannibalen

Die Zugverbindung von Mainz nach Offenbach dauert ohne Umstieg circa eine Stunde.
Wer seine Konzertkarten für knapp 35€ bei Eventim () gekauft hat, der kann sich über eine kostenlose An-und Abreise am Tag des Events freuen (Vorausgesetzt, man liest das Kleingedruckte auf den Karten.) Nachdem wir die Deutsche Bahn unterstützt haben, kommen wir schließlich am Marktplatz in Offenbach an. Wir treffen Menschen, die den gleichen Weg wie wir vor uns haben und nutzen den Supermarkt Rewe, um uns für den Weg zur Stadthalle einzudecken. Ich bin begeistert vom Tomatenangebot und erstatte eine seltsam geformte Tomate, die wir liebevoll „Aliengehirn“ nennen.
Der Fußweg vom Bahnhof zur Stadthalle dauert dreißig Minuten und führt an diversen Tierhandlungen mit süßen Zwerkanninchen vorbei. Zum Glück gibt es Google Maps und einen Menschen mit vollem Datenvolumen, denn keinerlei Wegschilder weisen uns den Weg zu KIZ. Immerhin, man muss nirgendwo abbiegen sondern läuft der Nase nach zur Stadthallen, falls, wie gestern, alle Buslinien streiken.

„Soll ich hier vor die Bühne pinkeln?“ „Klar, mach doch“

Vor der Stadthalle finden wir glücklicherweise keine Riesenschlange vor und kommen nach Vorzeigen des Tickets und einer kurzen Taschenkontrolle schnell in die Halle. Die Garderobe kostet 1,50€. Sowohl dort, als auch vor der Toilette sieht man keine Riesenschlange.
Die Riesenschlange ist im eigentlichen Konzertraum. Sie hat blondgefärbte Haare und trägt einen Nasenpiercing. Noch vor dem Konzert lässt sie keinen Menschen vorbei und beschwert sich, wenn Konzertbesucher sich an ihr vorbeidrängen, um auf die Toilette zu gehen. Dabei ist der Konzertsaal nicht einmal allzu voll und viele KIZ Fans sitzen auf bereitgestellten Stühlen.
Die Infrastruktur in der Stadthalle ist theoretisch ideal, leider kann man mit der Höflichkeit der Fans nicht immer rechnen. Dazu später mehr.

Der Papst reist an

Pünktlich um 19 Uhr beginnt die Vorgruppe Audio 88 und Yassin mit ihrer Show. Die Artists sind als kirchliche Oberhäupter wie Papst und Bischof verkleidet und unterhalten das Publikum mit Songs, die alle mitsingen können. Die Kostüme passen zu ihrem aktuellen Hit „Halleluja“ und stimmen die Menge, die offenbar nicht streng katholisch ist, ein.
Nach einer viertelstündigen Pause nach den Kirchenleuten sind sie schließlich da, die Kannibalen.

Hier eine kleine Songauswahl der Vorgruppe:
„Halleluja“
„Schellen“
„Asia Box“

Mein erster Moshpit

Zugegeben muss man sagen, dass Konzerte nicht der Ort sind, den man aufsuchen sollte, wenn man klaustrophobisch veranlagt ist. Wenn die Stimmung bei Audio 88 und Yassin schon brodelte, kocht sie über bei der Ankunft von KIZ. Vier riesige Statuen der Band stehen auf der Bühne, vornedran ihre menschlichen Versionen. Währen ich versuche, das simple und beeindruckende Bühnenbild auf mich wirken zu lassen und gerade anfangen will, die erste Line mitzurappen, springt mir ein Fremder ins Kreuz. Ich drehe mich um und sehe, dass ich umringt von einigen Leuten bin, die sich anrempeln. Sie sind überall und umkreisen mich. Ich denke mir: „Gut, das ist also ein Moshpit, du rempelst mal zurück.“ Ich habe den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, da hüpft ein übergewichtiger Mann ohne T-Shirt auf mich zu. „Urlaub fürs Gehirn“- der Song, der gerade gespielt wird, spiegelt meine geistige Lage. Ich hüpfe ihm entgegen und habe das Gefühl wie Harry Potter gegen eine Wand zu laufen. Leider lande ich nicht am Gleis 9 ¾ sondern auf dem Boden. Der Hänkel meiner Handtasche ist gerissen und Leute trampeln darauf herum. Ich habe das Gefühl, dass gleich noch eine wichtige Sehne von mir reißt und ich krabbel auf dem Boden, um meine Tasche zu suchen. Nun gut, jetzt ist die Tasche ja schon hinüber, dann kann ich ja auch weitermachen.“Spast“, das ist der nächste Song. Ja, ich weiß, auch mit diesem Song kann ich mich im Moment identifizieren. Ich halte meine Tasche in den Händen und springe gegen fremde Menschen.

Hier eine Auswahl an Songs, die KIZ gespielt hat:
„Urlaub fürs Gehirn“
„Spast“
„Geld essen“
„Verrückt nach dir“
„Hurra, die Welt geht unter“
„Boom, Boom, Boom“
„Kannibalenlied“
„Wir“
„Käfigbett“

Nackte Frauen, Terroristen und ein Baby

Wie schon erwähnt stehen während dem gesamten Auftritt vier Statuen der Rapper im Hintergrund.
Zum „Kannibalenlied“ treten vier weitere Männer auf die Bühne, die Plastikkanonen in den Händen halten und aussehen, als würden sie gleich die Halle sprengen. Angesichts der zeitigen Lage ist diese Inszenierung sehr, fast schon zu provokant. Vielleicht ist dies aber auch die Taktik, die KIZ ausmacht.
Beim Song „Käfigbett“ werden überdimensionale gespreizte Beine einer Frau aus Pappe aufgebaut. Einer der Rapper trägt eine Windel und ist mit Blut verschmiert, quasi wie ein Säugling der gerade auf die Welt kommt.
Während des Konzerts ertönen des Öfteren Kanonengeschosse und orange-weiße Fäden regnen von der Decke.
Die Rapper verhalten sich so, als seien sie unter Freunden und nicht unter Fans: Nico, einer der Rapper, steckt sich mehrfach Zigaretten trotz des Rauchverbotes an und kippt Bier und Sekt in die Menge. Auch sagt er: „Ich will im Moshpit endlich mal Verletzte sehen.“ Ich kann nur hoffen, dass diese Bitte ein schlechter Scherz ist und eine ungünstige Formulierung für : „Ihr dürft ruhig ein bisschen wilder sein.“ Glücklicherweise kommt es nicht zu Verletzten.
Von Seiten der Zuschauer regnet es Bier und es riecht vermehrt nach Marihuana. Man bekommt das Gefühl, als wollen sie die Zuschauer der Gesetzlosigkeit des Konzertes anpassen.
Nun gut, Geschmäcker sind verschieden, aber eins muss man festhalten: KIZ hat keine Show gemacht, um ihren Auftritt besonders zu machen, Provokanz macht sie aus und das spiegeln sie auch in ihrem Bühnenbild und ihren Fans wider.

Die Jan Böhmermann Krise

Sind KIZ wirklich durch und durch Rebellen? Jein. Tarek von KIZ entschuldigte sich offiziell bei den Gästen für eine Phrase, die er auf einem vergangenen Konzert gesagt habe.
Er bezeichnete Jan Böhmermann, den Satiriker, als pädophil. Diese Aussage nimmt Tarek zurück.
Leider wird seine Entschuldigung etwas entschärft. Beim Song „Hurra, die Welt geht unter“ rappt er anstelle „Die Kinder gruseln sich, denn ich erzähle vom Papst“: „Die Kinder gruseln sich, denn ich erzähle von Jan Böhmermann“.
Gut, ob es jetzt schlimmer ist, den Papst oder einen ZDF Moderator zu beleidigen, das kann jetzt jeder für sich selbst entscheiden.

Alles hat ein Ende, nur die Schlange hat keins

Nach dem dreistündigen Konzert mit etlichen Zugaben, unter anderem mit dem Papst (von Audio 88), drängte sich die Menge zu den Garderoben. Ein Securitymann steht Spalier vor der Tür zur Garderobe und lässt eine geringe Anzahl von Leuten in den Raum. Die Konsequenz: Menschen stehen dicht gedrängt aneinander und drücken in Richtung Tür. Ich muss sagen, diese Erfahrung war schlimmer als im Moshpit. Hiermit appelliere ich offiziell an die Vernunft von einigen Konzertbesuchern: Es geht nicht schneller, wenn man sich beschimpft, anrempelt oder schubst. Die Veranstalter haben ein System vorgegeben, aber ein System ist nutzlos, wenn es nicht angenommen wird.
Leider muss ich aber auch die Veranstalter kritisieren. Ein Wasser für 5 € zu verlangen grenzt an einer Unverschämtheit. Allerdings kann man sich über frisch belegte Brötchen freuen, wenn man nach dem Konzert noch ein bisschen Hunger hat.

Bin ich zum Partypatriot geworden?

Alles in allem kann ich sagen, dass ich mit dem Auftritt von KIZ sehr zufrieden war. Sie haben sich genauso gezeigt, wie ihre Songs sind: frech, ehrlich, talentiert und lustig.
Ich würde ein KIZ Konzert nur den Leuten empfehlen, die keine Berührungsängste haben und sich nicht über jeden Vekalausdruck aufregen. Nehmt nicht alle Aussagen zu ernst und fühlt euch persönlich angegriffen. Dass KIZ ihre Fans am Herzen liegen, erkennt man schon daran, dass sie uns keine Minute haben warten lassen und pünktlich mit der Show begonnen haben. Hart aber herzlich-so würde ich die Jungs beschreiben.Wer nicht unbedingt Teil eines Moshpits sein möchte, sucht sich am besten einen Sitzplatz oder einen Stehplatz am Rand.
Nach dem Konzert postet KIZ folgendes Statement auf Instagram: „Offenbach, das war ganz in Ordnung“.

Danke, Jungs, für diese Erfahrung. Ich fand euch mehr als in Ordnung.

Ein Gruß aus der Küche

6000 Essen, 650 Liter Linsensuppe, 100 Kilo Pommes und 100 Liter Grießbrei. Das verputzen die Studenten der Johannes Gutenberg Universität Mainz jeden Tag. Doch wer kocht diese Unmengen an leckerem Essen? Wer stellt den Speiseplan zusammen und sorgt bei Studierenden und Mitarbeitern für volle Bäuche? Herr Rast vom Gastronomiebetrieb des Studierendenwerkes gewährt mir einen Blick hinter die Kulissen.

Herr Rast, Sie betreiben ja mehrere Mensas. Wird zentral in einer großen Küche gekocht?

Insgesamt betreibt das Studierendenwerk Mainz 10 Mensas, 5 davon werden von der Zentralmensa bekocht, die GFG Mensa zum Beispiel. Eine der Mensas ist aber zum Beispiel in Bingen, die wird natürlich nicht von hier bekocht.

Okay, das bedarf ja dann einiges an Organisation. Welche Arbeitsschritte geschehen, bevor der Student sein Essen an der Theke abholen kann?

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Einer der Köche bei der Arbeit.

Zuerst tagt die sogenannte Speiseplankommission, das heißt meine Kollegen aus der Verwaltung und ich setzen uns mit den Köchen zusammen und stellen den Speiseplan für einige Wochen im Voraus auf. Wir denken uns zum Beispiel auch Sonderaktionen wie die „Burger-Woche“ aus. Der Plan wird dann an den Koch weitergegeben, der analysiert wie oft ein Gericht im Durchschnitt verkauft wird und macht dementsprechend eine Bestellung beim Lager. Die einzelnen Speisen werden nach Stammrezepten gekocht, sodass sich ganz einfach berechnen lässt, wie viel von welcher Zutat zum Beispiel für 300 Portionen Gulaschsuppe benötigt wird. Das Lager wiederum schaut nach, wie viel sie noch vorrätig haben und ändert dementsprechend die Bestellmenge.
In der Küche wird die Arbeit dann zwischen Köchen und Küchenhilfen aufgeteilt. Die Küchenhilfen sind hauptsächlich für die Ausgabetheke zuständig, die Köche teilen sich ihre Arbeit untereinander auf, so gibt es zum Beispiel einen der für Suppen zuständig ist, ein anderer für Saucen, einer wiederum für Fleisch oder Salat, … damit das nicht zu langweilig wird, rotieren wir jede Woche.

Wo kaufen Sie ein?

Wir beziehen unsere Lebensmittel von regionalen Herstellern. Für uns heißt regional, dass wir Fleisch, Kartoffeln und Molkereiprodukte bei Bauern und Betrieben im Umkreis von 50 km einkaufen. Im Winter ist das bei Obst zum Beispiel jedoch sehr schwierig, deswegen müssen wir da eine Ausnahme machen, wenn wir nicht darauf verzichten wollen.

Achten Sie ansonsten sehr auf Nachhaltigkeit?

Ja und wir arbeiten ständig daran, noch besser zu werden. Wenn wir etwas machen, wollen wir das auch richtig machen! Wir verkaufen zum Beispiel fairtrade Kaffee und nur nachhaltig gefischten Fiscimg_4369h. Außerdem fördern wir veganes und vegetarisches Essen und wurden erst kürzlich von der deutschen Tierrechtsorganisation Peta mit 3 von 3 Sternen für vegan-freundliche Mensas in Deutschland ausgezeichnet.

Bleibt jeden Tag viel Essen übrig und werfen Sie viel weg? Weiterlesen

¡Viva el Carnaval! – die fünfte Jahreszeit mal anders

Schon bald ist es wieder so weit: die Mainzer Straßen füllen sich mit mehr als einer halben Million Menschen in quietschbunten, albernen Kostümen, nahezu alle sind in schnapsfröhlicher Stimmung, werfen Süßigkeiten durch die Gegend und schreien dabei „Helau“. Mit Büttenreden, Gardetänzen und Umzügen wird in der Mainzer Fastnacht der Winter vertrieben. Am Rosenmontagsumzug findet die Feierei ihren Höhepunkt, wenn man erst die für Mainz typischen „Schwellköpp“, überdimensionale Köpfe aus Pappmaché, die Persönlichkeiten der Stadt Mainz verkörpern, beim Umzug bestaunt und  danach von Kneipe zu Kneipe zieht. Hier werden Schlagerhits wieder rausgekramt, bis zum Umfallen gehört und dazu kräftig geschunkelt.

bunte und aufwändige traditionelle Kleider

Auch in Kolumbien werden bald wieder bunte Röcke gewirbelt, auf dem Carnaval de Barranquilla, dem laut der Zeitschrift „Forbes“ größten Fasching Südamerikas nach Río de Janeiro. Über eine Million Leute aus aller Welt kommen in die karibische Hafenstadt und beobachten staunend die farbenfrohen Kostüme. Mal bestehen diese aus riesigen Tierköpfen, mal aus aufwendig gestalteten, traditionellen Kleidern und mal wird auf kunstvolle Art möglichst viel nackte Haut gezeigt. Zu Cumbia und Salsa bewegen sich die vielen Tänzer rhythmisch durch die Straßen, jeden Tag treten Gruppen zu verschiedenen Themen in den Paraden auf.

zu Cumbia und Salsamusik werden auf den Paraden die Hüften geschwungen

Der erste Tag startet mit dem Höhepunkt des Carnavals, der Batalla de Flores, „Blumenschlacht“. Hier fällt neben den blumigen Tanzoutfits vor allem die Reina del Carnaval auf, die Faschingskönigin, die das ausgefallenste und prächtigste Kostüm von allen trägt. Es folgen die Gran Parada am Sonntag, ein Marsch mit vielen traditionell gestalteten Kostümen, und am Montag die „Parade der Fantasie“, in der sich die einzelnen Tanzgruppen mit ihren bunten und extravaganten Kostümen gegenseitig übertreffen. Doch die Umzüge sind nicht alles: die ganze Stadt besteht aus einem einzigen Fest, überall sieht man Leute voller Lebensfreude auf der Straße tanzen. Und natürlich fließt auch der Alkohol, vor allem kolumbianisches Bier und Aguardiente (kolumbianischer Anisschnaps) in Strömen. Weiterlesen

Indien – „Eine Realität, die schockiert und nachdenklich macht.“

Indien ist die bevölkerungsdichteste Demokratie der Welt, eine aufstrebende Wirtschaftsmacht und ein Land voller Gegensätze. Viele Reisende sind fasziniert von der kulturellen und sprachlichen Vielfalt des Landes, so auch Sara Hiller. Im zarten Alter von 16 Jahren hat die junge Schülerin ihr Heimatland Deutschland verlassen, um ein Schuljahr in Indien zu verbringen.

Farbenfröhlichkeit und pure Lebenslust - Ein indisches Tanzfestival

Ein farbenprächtiges Tanzfestival in einem Land voller Gegensätze.

Was hat dich dazu motiviert, ein Jahr im Ausland zu verbringen?

Die Idee, einfach mal für ein Jahr abzuhauen und etwas vollkommen Neues zu erleben, hat mich schon lange gereizt. Ein kleiner Anstoß war unsere brasilianische Austauschschülerin Renata, die zuvor bei uns gelebt hatte. Ich wäre an ihrem Abreisetag am liebsten mit nach Sao Paulo gegangen (lacht).

Warum hast du dich für Indien entschieden?

Ich wurde auf AFS aufmerksam, eine internationale Austauschorganisation mit vielen Partnerlänern. Warum es genau Indien wurde, weiß ich nicht. Vielleicht war es Hannah, meine beste Freundin in der Grundschule, durch deren Vater ich die indische Kultur schon früh kennenlernen durfte. Vielleicht war es pure Neugier und Abenteuerlust. Auf jeden Fall war es – eigentlich eher untypisch für mich – eine schnelle und überzeugte Entscheidung.

Hattest du Ängste, bevor du deine Reise angetreten hast?

Angst hatte ich in dem Sinn keine. Ich denke, mit Angst ein Jahr in einem uns so fremden Land zu verbringen, ist auf eine Art hinderlich. Denn Angst lässt einen oft voreingenomme Dinge tun und sagen. Ich hatte vielmehr großen Respekt vor dem, was mich dort erwarten sollte: Werde ich gut aufgenommen?  Wie verständige ich mich? Schmeckt mir das Essen?

Kulturschock Indien? Wie war dein erster Eindruck von dem Land und den Menschen?

Von Delhi nach Ahmedabad fuhr ich mit dem Zug und erlebte Indien pur: der völlig überfüllte Bahnhof, die schwüle, stinkende Luft, der ohrenbetäubende Lärm. Die unglaublich neugierigen Inder, die mich schon im Zug mit Fragen zu meiner Herkunft löcherten. Das Schmatzen beim Essen. Für uns ordnungsliebende Deutsche ist Indien natürlich Chaos pur. Für mich war nur das indische Klo eine Überwindung und erstmal ein Kulturschock: Ein Loch im Boden und ein Eimer Wasser als Klopapier – daran musste ich mich erst gewöhnen (lacht).

Zu meinem ersten Eindruck gehörte natürlich auch die Frontalität der Extremen, die man so nur in Indien erlebt. Die ärmsten der Armen leben in einfachen, zerrissenen Zelten neben den große und modernen Hochhäusern der Stadt. Eine der Realitäten, die sowohl schockieren, als auch nachdenklich machen.

Und dein langfristiger Eindruck?

Was mich das gesamte Jahr über begleitet hat, war definitiv die indische Gastfreundlichkeit und Neugierde.

Ein junges, hellhäutiges Mädchen allein in Indien. Ein Land, von dem man ununterbrochen von der Unterdrückung und von Missbrauchsfällen an Frauen hört…

Für mich als europäisches Mädchen ist das Thema Gleichberechtigung sehr wichtig. Mein Glück war es, als Familienmitglied tiefe Einblicke in die indische Gesellschaft zu bekommen. Mir fällt dazu sofort eine Szene in den ersten Wochen meines Aufenthaltes ein:
Als mein kleiner Gastbruder und ich uns abends in unser kleines, gemeinsames Familienbett schlafen legen wollten, nahm meine Gastmutter ihre Decke und legte sich draußen im Flur auf den kalten Steinboden. Auf meine überraschte Frage, warum sie nun nicht neben uns liege, erklärte mir mein Gastvater, dass sie ihre Periode habe und daher als unrein gelte. Es war uns für die nächsten Tage untersagt, sie anzufassen. Für mich als Frau hieß das: All die Haushaltsaufgaben mussten nun von mir übernommen werden.

Ist die Ungleichheit zwischen Mann und Frau auch in anderen Teilen des Alltags zu finden?

Tatsache ist, dass man tagtäglich in indischen Tageszeitungen von neuen Missbrauchsfällen an Frauen liest, auch innerhalb Familien. Die Polizei ist korrupt, nur die wenigsten Frauen melden überhaupt den Missbrauch. Die Dunkelziffer ist weitaus höher. Fakt ist außerdem, dass Frauen ihre Haare im Tempel verdecken müssen; dass den Söhnen höhere Bildung finanziert wird – ganz im Gegensatz zu den Töchtern, die nur im Haushalt funktionieren müssen.

Frauen in Indien sind also auch heute noch Männern in allen Bereichen unterstellt?

Naja, vor allem in den Städten gibt es immer mehr Frauen in Führungspositionen. Was mich immer wieder aufs Neue überrascht hat: Innerhalb der Familie hat die Frau das Sagen. Sei es in der Erziehung der Kinder oder im Haushalt. Ebenso ist die Küche das Reich der Frau – in dieser Hinsicht ist der Mann mehr als abhängig. Dass Frauen Männern in der indischen Gesellschaft unterstellt sind, hat religiösen Hintergrund. Ebenso lässt das – leider immer noch sehr präsente – Kastensystem nur schwer ein Umdenken in den Köpfen der Menschen zu.

Vielen Dank für deine Antworten!

Von Chiara Hiller

Vom Koch zum Meme: Wie der Türke Nusret Gökçe viral ging

Nusret Gökçe hat in seinem Leben schon einiges erreicht. Mit 16 Jahren fing der heute neunfache Vater seine Ausbildung zum Metzger an und besitzt heute, 16 Jahre später, sechs noble Restaurants im arabischen Raum.
Seine Leidenschaft zum Fleisch spiegelt sich auch in der Menüführung seiner sogenannten „Nusr-Et Restaurants“ wieder, denn Qualität steht für ihn an oberster Stelle.
Das zeigt er auch gerne in seinen Social Media-Kanälen. Dort gibt er besondere Einblicke in die Zubereitung seiner Gerichte und präsentiert in eleganter Manier seine einzigartige „Würztechnik“.

Vom Koch zum Meme #saltbae

Angefangen hat alles mit einem ganz normalen Video. Auf seiner Instagram Seite veröffentlichte Gökçe ein Video, dass ihn bei der Zubereitung von Spareribs zeigt. Was für Nusret ein ganz normaler Post war, wurde durch die Internetgemeinde zum viralen Hit. Anlass für diesen „Hype“ war nicht die Zubereitung des Fleischs, sondern die elegante Würztechnik. Im Fokus steht dabei seine schwungvolle und grazile Handbewegung. Sein Markenzeichen sind aber nicht nur seine Gesten, sondern auch sein Erscheinungsbild. Seine ernste Miene versteckt der Chefkoch hinter einer runden, schwarzen Sonnenbrille, wohingegen seine langen, zurückgegelten Haare eine „Prise“ Coolness vermitteln.

Genau diese Besonderheiten nutzte die Internetgemeinde aus. Innerhalb von Stunden veröffentlichten weltweit User unter dem „Hashtag“ #saltbae zahlreiche Memes mit einer ganz neuen Interpretation seiner Würztechnik. Ob in Zusammenhang mit alltäglichen, politischen oder schulischen Themen- ihre Kreativität kennt keine Grenzen.

Wie es bei so einem Hit eben ist, gibt es natürlich auch Nachahmer. Ob „vegetarian- saltbae“ oder „Cooking in 2017 be like…“, für alle „Geschmäcker“ ist etwas dabei. Die App „Bitmoji“ nutzte den Hype aus und erstellte das passende Emoji. Weiterlesen