Archiv der Kategorie: Wohnen

Interview: Alleine wohnen in Mainz

 

Hallo Alicia. Schön, dass du dir die Zeit nimmst uns von deinem Leben hier in Mainz zu erzählen .

Du wohnst in einer Einzimmer-Wohnung in Mainz-Bretzenheim. War das eine bewusste Entscheidung ?

Durch diverse Internetplattformen habe ich Einblicke in verschiedene Lebensweisen erhalten. Unterschiedliche Personen haben hier ihre Erfahrungen mit Wohngemeinschaften (auch Zweck-WGs) geteilt. Da die überwiegende Argumentation der User für eine Einzimmerwohnung sprach, habe ich mich damit auseinandergesetzt, was für mich am besten ist. Die endgültige Entscheidung traf ich allerdings gemeinsam mit meinen Eltern.

Wo siehst du Vorteile im alleine leben? Was vermisst du?

Die Vorteile einer Einzimmer-Wohnung sind für mich ganz klar: Ich als Frau brauche natürlich morgens etwas länger im Bad- da ist es angenehmer, sich morgens in Ruhe fertig machen zu können, ohne dass ungeduldige Mitbewohner das Badezimmer „stürmen“ möchten. Außerdem bin ich um einiges eigenständiger, da ich für mich alleine sorge, und alle anfälligen Hausarbeiten selbst erledige(n muss). Ich denke, dass mir das wirklich beim erwachsen werden hilft. Natürlich ist ein weiterer Pluspunkt insbesondere in der Klausurphase, dass ich jederzeit ungestört lernen kann.

Auf der anderen Seite kann es allerdings leicht dazu kommen, dass man sich schnell etwas einsam fühlt. Wenn man nach einem anstrengenden Uni-Tag nachhause kommt ist es schön, dass man sich Zeit für sich selbst nehmen kann. Jedoch wünsche ich mir manchmal eine Person, die mich abends mit einem Lächeln im Gesicht begrüßt und danach fragt, wie mein Tag war.

Denkst du, dass ,,alleine wohnen’’,vor allem während des Studiums schwieriger oder leichter ist als in einer Wohngemeinschaft? Warum ?

Ich denke, dass es gerade im Studium schwieriger ist,alleine zu wohnen. Einfach weil sich der Student in einer Lebensphase befindet, in der er sich selbst finden muss. Soziale Kontakte (Mitbewohner einbezogen) helfen einem jungen Menschen oft dabei den richtigen Weg zu finden.

.Viele „Neu-Mainzer“ lernen ja vor allem durch ihre Mitbewohner neue Freunde kennen. Welche anderen Möglichkeiten kannst du empfehlen,um auch außerhalb des Studiums Freundschaften zu schließen ?

Als ich eine „Neu-Mainzerin“ war, kannte ich kaum Leute in meiner neuen Wahlheimat. Es ist besonders wichtig,offen zu sein und auf andere zuzugehen. Sei es im neuen Minijob, im Fitnessstudio oder beim Unisport. Man hat überall die Möglichkeit tolle neue Menschen kennenzulernen, gerade weil in Mainz so viele junge Studenten leben.

Vielen lieben Dank für deine Zeit Alicia und weiterhin alles Gute für deine Zeit hier bei uns in Mainz.

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Eine ganz besondere Wohngemeinschaft

Weder WG noch Studentenwohnheim: Das Leben im Spener-Haus

Ich wache auf. Draußen auf dem Flur sind bereits Stimmen zu hören, eine Tür schlägt zu. Mein Wecker zeigt 07:10 Uhr an. – Ich bin mal wieder viel zu spät dran.
Schnell verschwinde ich im Bad, dann in der Küche. Hier treffe ich einen meiner Mitbewohner, der bereits am frühstücken ist. Es riecht nach Kaffee, der Baulärm von der gegenüber liegenden Baustelle erreicht trotz geschlossener Fester leise mein Ohr.
Leider habe ich keine Zeit, mich länger mit meinem Mitbewohner auszutauschen. Stattdessen esse ich schnell ein Brot mit Marmelade, putze mir die Zähne und renne aus dem Haus zur Straßenbahn-Haltestelle. Auch wenn diese in drei Minuten zu Fuß zu erreichen ist, habe ich jeden Morgen Mühe, meine Straßenbahn zur Universität rechtzeitig zu bekommen.

Von außen ganz unscheinbar: Das Spener-Haus

Von außen ganz unscheinbar: Das Spener-Haus

Das Philipp-Jakob-Spener-Studienhaus
Ich wohne im Philipp-Jakob-Spener-Studienhaus in der Neustadt in Mainz. Vor etwas mehr als drei Monaten bin ich dort eingezogen, jetzt ist es mein Zuhause.
Das Spener-Haus ist mehr als eine WG. Der Verein Philipp-Jakob-Spener-Haus wurde 1983 gegründet und steht unter der Leitung von Pfarrer Eberhard Hoppe, Pfarrer Jochen Roth und Pfarrer Andreas Nose. Von 1993 bis 2013 besaß der Verein ein Haus in Mainz-Marienborn, das allerdings verkauft werden musste. Daher ist die Wohngemeinschaft 2013 in die Neustadt in zwei Mietwohnungen umgezogen, wo sie bis heute zu finden ist. Auf zwei Stockwerke verteilt leben neun junge Erwachsene zusammen, unter ihnen vor allem Studenten, aber auch Auszubildende und ein Doktorand aus Nigeria. Ziel des Vereins ist es, vor allem jungen Theologiestudenten aber auch anderen jungen Erwachsenen nicht nur ein gemütliches und bezahlbares Zuhause zu bieten, sondern auch eine Gemeinschaft zu ermöglichen, in der Platz für Austausch und Diskussion über Gott und die Welt ist.
Für die Koordination des Lebens in der Wohngemeinschaft ist die Studienleitung verantwortlich, die selbst mit in der WG lebt und Ansprechpartner sowohl für die Bewohner als auch für den Verein ist.

Jeden Donnerstag ist Spener-Abend, sonntags Konvent
Jeden Donnerstag wird zusammen für die WG gekocht. Im Anschluss kommt ein Referent für einen Vortrag oder die Bewohner lesen zusammen einen theologischen Text und diskutieren in gemütlicher Runde.
Sonntags treffen sich alle zum Konvent, um anstehende Dinge zu planen und die Woche zu besprechen. Anschließend gibt es eine kurze Andacht.

Es ist später Nachmittag und ich schließe die Haustür auf. Schon im Treppenhaus begegne ich einer meiner Mitbewohnerinnen, die gerade auf dem Sprung zu einem Termin ist. Als ich die obere Wohnung betrete, höre ich jemanden in der Bibliothek Klavier spielen, aus der Küche dringen Stimmen zu mir. Ich bin ziemlich müde von dem langen Tag und brauche erst einmal meine Ruhe. Also gehe ich in mein Zimmer und nutze die Zeit für mich.

Es ist 19 Uhr. Ein Teil der Wohngemeinschaft sitzt zusammen am Tisch in der Küche. Alle tauschen sich über ihren Tag aus oder diskutieren lebhaft über die verschiedensten Themen. Auch der nächste gemeinsame Ausflug wird geplant.
Ich genieße die Gemeinschaft und freue mich schon auf morgen, denn morgen ist Donnerstag.

Ein Teil der Bibliothek

Ein Teil der Bibliothek

Die Küche als WG-Treffpunkt

Die Küche als WG-Treffpunkt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was macht das Spener-Haus besonders?
Im Spener-Haus kann man nicht nur günstig als Student in Mainz leben. Das Haus selbst und die Wohngemeinschaft bieten noch viel mehr Vorteile:
Erstens befinden sich die Mietwohnungen in der Nähe des Hauptbahnhofes und der Uni, sodass man mit dem Fahrrad innerhalb von 15 Minuten am Campus ist.
Zweitens besitzt das Spener-Haus eine eigene Bibliothek mit circa 4500 Büchern. So kann man beispielsweise für eine Hausarbeit gemütlich von zu Hause aus recherchieren.
Des Weiteren ermöglicht die Wohngemeinschaft genau das richtige Maß an gemeinsamem Leben und Privatsphäre. Wer lieber seine Ruhe haben möchte, kann sich zurückziehen, wer die Gemeinschaft sucht, braucht nur in die Bibliothek oder die Küche zu gehen.
Viertens schweißt das gemeinsame Programm zusammen. Die Bewohner der WG bilden nicht nur eine bloße Zweckgemeinschaft. Häufig entwickeln sich tiefe Freundschaften, die auch noch nach der WG-Zeit Bestand haben.
Zwar sind Außenstehende oft durch das Programm zweimal in der Woche abgeschreckt, doch ermöglicht gerade dies einen engen Zusammenhalt und die Gemeinschaft, die alle in der WG so sehr schätzen.
Außerdem hat man einen Ansprechpartner, an den man sich jederzeit wenden kann. Die Studienleitung, die selbst im Haus wohnt, steht in allen Lagen zur Seite und hilft nicht nur in der Anfangszeit bei großen und kleinen Problemen. So wird man durch das Studium hindurch begleitet und unterstützt.
Und schließlich bietet das Spener-Haus einen guten Rahmen für einen bereichernden Austausch. Wo junge Menschen mit vielen Idee und Ansichten aufeinander treffen, wird diskutiert. Gerde das Spener-Haus bietet Raum, sich mit anderen jungen Erwachsenen auszutauschen.
Das Spener-Haus ist also nicht nur eine Wohngemeinschaft: Es ist ein Zuhause!

Ich bin müde. In den anderen Zimmern sind immer noch Stimmen zu hören, eine Tür schlägt zu. Mein Wecker zeigt 00:15 Uhr an. – Ich bin mal wieder viel zu spät dran.
Schnell schlüpfe ich ins Bett unter die Decke und mache meine Nachttischlampe aus.

http://www.spener-haus.de/

Die erste eigene Wohnung

Thomas Rast (26) entschloss sich nach Abschuss seiner Ausbildung endlich in eine eigene Wohnung zu ziehen. In einem Interview gab er mir unter anderem einen Einblick in seine Wohnungssuche und die Vor- und Nachteile, die das Ausziehen mit sich bringt.

Wo kommst du denn ursprünglich her und wie alt warst du, als du in deine erste eigene Wohnung gezogen bist?

Ursprünglich komme ich aus Bubenheim und dort habe ich auch bis zu meinem 25. Lebensjahr gewohnt. Das ist ein ziemlich kleines Dorf in der Nähe von Mainz, mit etwa 890 Einwohnern.

Was waren die Gründe für deinen Auszug von Zuhause und wieso fiel deine Wahl auf Mainz als Standort?

Naja, irgendwann wird es für jeden mal Zeit „Hotel-Mama“ zu verlassen, oder nicht (lacht)? Mit 25 wurde es für mich jedenfalls langsam mal Zeit. Über einen Standort musste ich gar nicht lange nachdenken, da ich in Mainz arbeite und es somit von Anfang an fest stand, dass ich früher oder später mal dort hin ziehen werde. Ich würde allerdings auch jeder Zeit gerne nochmal in einer anderen Stadt wohnen, falls es sich ergibt, da ich in der Nähe von Mainz groß geworden bin und hier eigentlich schon alles kenne.

Wie erging es dir denn bei der Wohnungssuche in Mainz? Viele Studenten suchen bekanntlich recht lange bis sie etwas geeignetes finden.

Ja, das kann man wohl sagen. Die Wohnungssuche hat sich bei mir auch ewig hingezogen. Insgesamt habe ich bestimmt ein dreiviertel Jahr regelmäßig online nach Wohnungen geschaut. Bei jeder Besichtigung gab es allerdings neben mir noch so viele andere Interessenten, sodass es einfach nicht klappen wollte. Außerdem sind viele Wohnungen meiner Meinung nach auch total überteuert. Ich habe meine Wohnung letzten Endes auch nur über Kontakte bekommen.

Bist du denn jetzt zufrieden mit deiner Wohnsituation?

Ja, definitiv! Ich wohne mitten in der Neustadt. Die Lage ist top und der Preis bezahlbar. Ich wohne alleine und habe eine Zweizimmerwohnung, die absolut ausreichend ist. Außerdem kann ich von hier aus alles zu Fuß erreichen, hier wohnen super viele junge Leute und es gibt genügend Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Bars und Cafés. Gerade wenn man vom Dorf kommt, weiß man sowas wahrscheinlich besonders schätzen. Zuhause werden um 18 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt (lacht).

Kam für dich ein WG Leben von Anfang an nicht in Frage? Oder wieso hast du dich dazu entschlossen in eine eigene Wohnung zu ziehen?

Ehrlich gesagt habe ich nie groß darüber nachgedacht in eine WG zu ziehen. Ich genieße es total auf niemanden Rücksicht nehmen zu müssen und meine eigenen vier Wände so gestalten zu können wie es mir gefällt. Außerdem arbeite ich in der Gastronomie und habe dementsprechend auch sehr unregelmäßige Arbeitszeiten und komme Abends oft erst sehr spät nach Hause und schlafe morgens länger. In einer WG würde ich wahrscheinlich total an meinen Mitbewohnern vorbei leben.

Was gefällt dir denn am alleine Wohnen am Besten?

Mir gefällt es wahnsinnig gut endlich mal in einer größeren Stadt zu wohnen und mein eigenes kleines Reich zu haben und auch das Verhältnis zu meinen Eltern ist wesentlich entspannter geworden. Außerdem wird man viel selbstständiger und lernt sein eigenes Geld so zu kalkulieren, dass es bestenfalls bis zum Ende des Monats reicht.

Gibt es auch Dinge die du von Zuhause vermisst?

Klar, die gibt es auf jeden Fall! Zum Beispiel muss ich jetzt den ganzen Haushalt selbst schmeißen. Ich muss alles alleine sauber machen, einkaufen und dabei alles, von der Zahnbürste bis zum Klopapier, selbst bezahlen. Da kommen Kosten auf, über die man früher nie groß nachgedacht hat. Aber am meisten vermisse ich wahrscheinlich den stets gut gefüllten Kühlschrank.
Wieder zurück nach Hause zu ziehen kommt trotzdem nicht mehr in Frage!

Zwischen Harmonie und Direktheit- das „WG-Leben“ mit meiner Schwester

Die meisten Studenten leben entweder zu Hause, in einem Wohnheim oder in einer WG. Entweder sind ihnen ihre Mitbewohner schon von Geburt an vertraut, oder sie lernen einander erst richtig kennen, wenn sie schon Küche und Badezimmer miteinander teilen. Bei mir ist das etwas anders. Ich lebe in vollster Vertrautheit in einem neuen Umfeld, denn ich lebe zusammen mit meiner ältesten Schwester.

Die Wohnung hat meine Schwester bereits vor zwei Jahren gemietet und teilte sie zunächst mit meiner zweitältesten Schwester. Diese zog es jedoch aus beruflichen Gründen wieder woanders hin und das Zimmer wurde frei.

Für mich, die ich mich gerade mit dem Thema studieren befasste, war dies das ausschlaggebende Kriterium, mich in Mainz zu bewerben und nachdem ich glücklicherweise an der JGU angenommen wurde, bezog ich das bis dato unbewohnte Zimmer. Das neue Leben und die neue Wohnsituation waren natürlich erst einmal ungewohnt. Es ist auf einmal ganz still. Da ist kein Tumult wie zu Hause, wo „immer was los ist“. Man ist auf einmal auch mal allein: eine Situation, die in meiner Familie nur äußerst selten auftritt. Man hat auf einmal nur einen direkten Ansprechpartner, wenn nicht gerade Besuch da ist. Es ist einfach deutlich stiller. Um diese Stille zu überbrücken, habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, erst einmal das Radio einzuschalten, sobald ich die Wohnung betrete und auch, wenn ich vielleicht nur mit einem Ohr so richtig hinhöre, vermittelt diese kleine Geräuschkulisse doch das Gefühl, da sei noch jemand da.

Aber das ist ja zum Glück nicht immer so, denn meistens ist meine Schwester bereits zu Hause, wenn ich aus der Uni komme. Sie musste und muss vermutlich immer noch einiges aushalten, besonders mein Redebedürfnis. Es ist einfach unheimlich schön, wenn die eigene Schwester die „Mitbewohnerin“ ist. Man kennt sich in- und auswendig, man muss sich nicht verstellen, man hat die gleichen Gewohn- und Gepflogenheiten und (was besonders meine Eltern freuen dürfte) die Familie muss nur in eine Stadt fahren, wenn sie mal zu Besuch kommt.

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Kulturschock Stadt?

Von einem 500-Seelen-Ort in die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt. Zwischen Anonymität und studentischem Miteinander.

Landleben (chi)

Samstagmorgen. Ich schaue aus dem Fenster, das ganze Dorf liegt unter einer weißen Schneedecke. Die hügelige Alblandschaft um die Burgruine Hohenneuffen ist umhüllt von dichtem Nebel. Die Nachbarn schippen Schnee von der Straße. Ich ziehe mich warm an und geselle mich zu ihnen. Wie es im Studium geht? Ob ich schon Freunde gefunden habe? Ich freue mich über das ehrliche Interesse. Später mache ich mich auf den Weg zu der einzigen Bushaltestelle in Balzholz und muss feststellen: der nächste Bus fährt erst wieder in einer Stunde. Dann gehe ich eben zu Fuß. Balzholz hat Natur zu bieten, viel Natur, öffentliche Verkehrsmittel eher nicht. Ich erinnere mich daran, wie oft meine Eltern Taxi spielen durften, wenn die Minibahn in die nächste Stadt mal wieder nicht fuhr. Oder an Radtouren, sei es zum Abschalten oder ganz einfach: weil ich sonst nicht vom Fleck gekommen wäre. Segen oder Fluch – ohne Auto ist man auf dem Land aufgeschmissen.

Stolze 499 Einwohner hat Balzholz, davon sind 223 über 50 Jahre alt. Auf dem Haldenhof kaufe ich frische Eier und Milch. Der Bär steppt hier nicht, dafür besitzt der örtliche Bauernhof mehr Kühe, Pferde und Hühner als Balzholz Einwohner zählt. Keine Traumvorstellungen für junge Studenten. Aber hier kennt und grüßt man sich. Das ist Landleben, so kenne ich das.

„Mainz ist eine offene Studentenstadt.“

Samstagmorgen. Ich schaue aus dem Fenster. Das gegenüberliegende HDI-Gebäude, der Uni-Campus und die stark befahrene Bundesstraße liegen unter einer weißen Schneedecke. Ich ziehe mich warm an und verlasse meine 15 Quadratmeter. Die Gänge im Wohnheim wirken fast ausgestorben, so leise und leer ist es. Im Aufzug begegne ich endlich einer anderen Studentin und grüße sie lächelnd – und bekomme keine Antwort.  Willkommen in der städtischen Anonymität?

Ich mache mich auf den Weg zur nächsten Bushaltestelle. Dort treffe ich Freunde aus meinem Studiengang. Gemeinsame Kneipentouren, Uni-Partys und Kulturveranstaltungen haben uns nähergebracht. Der nächste Bus fährt in fünf Minuten. In der Mainzer Innenstadt überlegen wir zwischen einem italienischen, einem deutschen und einem afrikanischen Restaurant und entscheiden uns schließlich doch für Sushi. Später beschließen wir spontan, den Fliegenden Holländer im Staatstheater anzuschauen – wie gut, dass die Karten für Studenten kostenlos sind.

Bei rund 35.000 Studenten kommt das studentische Miteinander in Mainz nicht zu kurz. Gemeinsame Uni-Partys, Barabende und studentische Sport- und Kulturveranstaltungen verbinden auch fächer- und semesterübergreifend. Auch die Stadt ermöglicht durch das Semesterticket, kostenlose Theaterkarten und zahlreiche Studentenjobs ein tolles Studentenleben und macht den Einstieg in eine (neue) Stadt leichter.

Chiara Hiller

Kein One-Way-Ticket für mich!

4.30Uhr, der Wecker klingelt und reißt mich aus dem Schlaf. Noch deutlich benommen tapse ich ins Bad und beginne mich fertig zu machen. 5.15Uhr: Weiter geht’s, die Treppe nach unten und Richtung Kühlschrank. Nächster Punkt: Frühstück. 5.45Uhr: Wieder nach oben, Zähne putzen und Sachen schnappen. Um 6.00Uhr geht’s los. Ich laufe zum Bahnhof um die Bahn um 6.31Uhr zu bekommen.
Das alles, ein festgelegter Ablauf, bei dem ich geistig vermutlich nicht wirklich anwesend bin. Zu früh für mich! Besonders, um klare Gedanken zu fassen.

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Das Leben in einer Wohngemeinschaft

 

Mainz 03.12.2015 Das Zusammenleben mit anderen Studenten in einer Wohngemeinschaft ist unter deutschen Studenten die beliebteste Wohnform. Mehr als 25% der Studenten wohnen in einer WG. Doch warum entscheiden sich so viele Studenten gegen Hotel Mama, oder gegen die erste eigenen 4 Wände und ziehen das Zusammenleben mit Kommilitonen vor? Was macht ein WG Leben aus? Welches sind die Vor-und Nachteile im Vergleich zu anderen Wohnmöglichkeiten?

Die meisten Studenten ziehen für ihr Studium in eine neue Stadt,  in der sie zunächst noch keinen kennen. In einer WG fühlt man sich nicht so einsam in der neuen Stadt, man knüpft schnell neue Kontakte und kann sich den einen oder anderen Tipp von älteren Studenten holen.Wenn man nicht gerade eine Zweck-WG erwischt, dann unternimmt man viel gemeinsam und nicht selten entstehen echte Freundschaften. Man ist nicht allein wie in einer eigenen Wohnung, hat aber trotzdem mehr Privatsphäre als im Wohnheim oder bei den Eltern zu Hause.Wer in eine WG zieht,  hat meistens Leute um sich, mit denen er kochen, oder abends gemütlich ein Bier trinken kann und spart dabei sogar noch Geld. Ein WG Leben erweist sich als eine kostengünstige Alternative im Vergleich zur eigenen Wohnung.Mit desto mehr Menschen man sich eine WG teilt, umso geringer fällt meistens die Miete aus.Da können auch viele Studentenwohnheime nicht mithalten, in denen Einzel-Apartments und 2er WGs mittlerweile häufig genauso viel oder sogar mehr kosten als normale Wohnungen.Doch nicht nur an den Mietkosten spart man, auch Kosten für Strom, Heizung und Internet wird geteilt.Viele Anschaffungen wie Küchenmöbel und Waschmaschine werden zusammen getätigt und wenn man Glück hat und nicht gerade eine neue WG gründet, dann kann mann nicht selten eine komplett eingerichtete Wohnung übernehmen.Ein weiterer Vorteil, die eine WG aufweist, ist dass man sich seine Mitbewohner meistens aussuchen kann, entweder durch WG Castings, oder in dem man beschließt mit guten Freunden zusammenzuziehen.In Wohnheimen wird man meisten in ein Zimmer zugewiesen und weiß gar nicht wer einen erwartet.Viele Studenten entscheiden sich auch aus Platzgründen für diese Wohnform. Man hat in einer WG meisten die Chance auf ein Zimmer, das größer ausfällt als die üblichen 10 qm im Studentenwohnheim und kann sich die auch nach eigenem Wunsch einrichten. Die möblierten Zimmer in den meisten Wohnheimen sind vielleicht praktisch, aber sorgen eher für Jugendherberge- Feeling, statt für Wohlfühlatmosphäre. Allerdings hat das WG Leben auch Schattenseiten.Wer sich dafür entscheidet, muss sich der elend langen Wohnungssuche auf Facebook und WG Gesucht stellen und damit rechnen, dass er vielleicht einer unter 60 Bewerbern auf ein WG Zimmer ist. Unter so vielen Bewerbern aufzufallen gestaltet sich da schwierig. Kompliziert ist es auch bei einer WG Neugründung. Die Vermieter haben meistens Vorbehalte gegen WGs und verlangen nach Schufa Auskünften und Bürgschaft der Eltern. Gegen Bewerber mit geregeltem Einkommen haben Studenten da eher schlechte Chancen. Hat man die Wohnungssuche endlich erfolgreich überstanden, dann kommt das Zusammenleben, wo man oft Kompromisse schließen muss. Obwohl in den meisten WGs nicht so viele Partys gefeiert werden wie in den Wohnheimen, kann es trotzdem passieren, dass das es sehr laut wird, wenn man mal seine Ruhe haben möchte. Leider kommt es nicht selten, dass man eine andere Vorstellung von Sauberkeit hat, als seine Mitbewohner. Daher ist es sehr wichtig rücksichtsvoll zu sein und so gut es geht nach gleichgesinnten Mitbewohner zu suchen, um solche Konflikte zu vermeiden. (Anna Stier)