Archiv der Kategorie: Kultur auf dem Campus

Universität im Rathaus

„Es ist wichtig, mit der Welt da draußen in Kontakt zu bleiben.“

Seit 37 Jahren öffnet der Mainzer Ratssaal im Wintersemester seine Pforten für die Veranstaltung „Universität im Rathaus“. In diesem Jahr wird die 6-teilige Veranstaltungsreihe unter dem Thema „Mensch und Medien“ vom Institut für Publizistik an der Johannes Gutenberg-Universität ausgerichtet. Ziel der Veranstaltung ist es, die Brücke vom Campus in die Stadt zu schlagen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Bereich der Medienforschung berichten aus ihren aktuellen Forschungsprojekten und geben einen Einblick in das komplexe Wechselspiel von Mensch, Medien und Gesellschaft.
Wir haben mit dem Programmkoordinator Herrn Reinecke vom Institut für Publizistik über Chancen für Forschung, Bürger und die Agenda der diesjährigen Vortragsreihe gesprochen. Weiterlesen

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Ab ins Ausland – mit ERASMUS in die Welt

Für viele Studenten ist es ein Traum, ein Semerster lang im Ausland zu studieren. Das von der EU geförderte Finanzierungsprogramm ERASMUS, macht dies möglich. Viele Studenten überlegen, nächstes Semester ihren Auslandsaufenthalt zu absolvieren,  doch wie läuft so etwas eigentlich ab?

Eine Studentin,die ein Semester lang in Frankreich war, ist Bianca. Die 25 jährige Jura Studentin aus Mainz war 2015 für sechs Monate im Ausland. Gegenüber dem Blog Onlinejournalismus, hat sie eifrig von Ihren Erfahrungen berichtet.

Wie würdest du kurz zusammengefasst deine Erfahrungen in Frankreich beschreiben?

Die Erfahrung in Frankreich war unbeschreiblich schön. Man wird vor so viele Herausforderungen gestellt, wie zum Beispiel ein Bankkonto im Ausland eröffnen, neue Freunde finden und sich ein Sozialleben aufbauen. Es ist fast so, als würde man in eine andere Welt geworfen werden. Als ich über Weihnachten nach Hause gefahren bin, hat sich das total fremd angefühlt, wie als würde man in zwei Welten leben. Das ist mir auch am Anfang echt schwer gefallen.

 

Was war für dich die größte Herausforderung in Frankreich?

Die größte Herausforderung war für mich die Sprache. Ich habe Nächte lang am Küchentisch gesessen und mit meiner Mitbewohnerin französisch geübt. Vor der Zeit in Frankreich hatte ich ein Sprachlevel von B1 und nach den sechs Monaten ein Sprachlevel von C1. Somit hatte sich mein französisch um eine ganze Stufe verbessert. Nach den ersten Monaten, konnte ich dann auch den Vorlesungen besser folgen sowie die Hausaufgeben einfacher erledigen. Das ist schön und motiviert einen sehr, wenn man bei sich selbst Fortschritte erkennt. Wenn es aber um Fachsprache geht, hatte ich auch nach dem Jahr noch einige Probleme, aber das hat sich zum Glück in Grenzen gehalten. Man wird aber in dieser Zeit so erwachsen, da man vor so viele neue Herausforderungen gestellt wird, was aber im Nachhinein total positiv war.

Du warst ja am Anfang ganz alleine dort. Wie hast du dort Anschluss gefunden? Weiterlesen

Von syrischen Routinen und deutschen Regeln – Wie unterschiedlich sind wir wirklich?

Man hört in diesen Tagen vieles darüber, wie groß doch die Unterschiede seien zwischen „uns“ und „denen“. Gemeint sind Deutsche und Geflüchtete. Viele reden über Unterschiede, darüber, wie das denn funktionieren soll mit dem Zusammenleben. Die Wenigsten allerdings können sich dabei auf praktische Erfahrungen berufen. Jemand, der diese Erfahrungen hat ist Prof. Dr. Anton Escher. Deshalb lud das Studierendenwerk Mainz am Freitag, den 09.12.2016 zu Vortrag und Podiumsdiskussion mit syrischen Studierenden und Flüchtlingsberaterinnen in die Mainzer Universität ein. Vor über 150 Interessierten berichtete Escher, Sprecher des Zentrums für Interkulturelle Studien der JGU, von seinen 16 persönlichen Verständisregeln, die er bei jährlichen Aufenthalten in Syrien in über 25 Jahren entwickelt hat.

Auf fast schon symbolische Weise endete der insgesamt ausgesprochen herzliche Abend mit einer Umarmung.
Das Studierendenwerk beschrieb den Abend als gelungenen Schritt in die richtige Richtung. Man habe gemerkt, „dass es für die deutschen und syrischen Anwesenden eine Herzensangelegenheit war, die andere Kultur besser zu verstehen, voneinander zu lernen und miteinander zu kommunizieren.“

Professor Escher begann seine Ausführungen mit einer kurzen Vorstellung von Syrien im Allgemeinen: dem autoritativen Staat, der besonderen Wichtigkeit der Familie als eine Art Sozialsystem, der stark heterogenen Bevölkerung auf kozentriertem Lebensraum.
Vor diesem Hintergrund waren viele der anschließend aufgezeigten Regeln weitaus besser zu verstehen.
So erklären sie zum Beispiel die Erfahrung, dass individuelle Lösungen staatlichen meist vorgezogen werden. Der autoritative Staat begründe auch die Akzeptanz eines Lebens mit Widersprüchen, wie es im aufgeklärten Europa nicht mehr denkbar wäre. Ebenfalls ergebe sich aus der Assad-Herrschaft ein anderes Verständnis von Wahrheit: Die syrische Lebenswelt teile sich auf in ein „Außen“ und ein „Innen“, so Escher. Diese Trennung sei zum Selbstschutz notwendig:
Als Außenstehende*r werde man stets mit Respekt behandelt, so gehöre zum Beispiel das gegenseitige Grüßen bei jeder Begegnung einfach dazu. Die syrische Höflichkeit sehe außerdem kein „Nein“ vor. Stattdessen sage man „Inschallah“ – „So Gott will“ werde man etwas also tun oder bleiben lassen.
Man könne allerdings nicht erwarten, von seiner*m Gesprächspartner*in die Wahrheit zu hören. Da das dem Adressaten auch immer bewusst sei, handle es sich auch nicht um eine Lüge.
Benötigt man eine verlässliche Antwort, so müsse man ins „Innen“, die erweiterte Familie vorstoßen. Daher müsse man für eine authentische Aussage den Anderen mit „Bruder“ ansprechen.
Was so unter vier Augen besprochen wird, ist damit aber noch keine Wirklichkeit: Diese enstehe erst durch das Öffentlichwerden.
Prof. Escher konnte hier auch aus eigener Erfahrung sprechen: Auf einer Busfahrt, so berichtete er, habe er seinen syrischen Begleitern einen Wortwitz auf Kosten Assads erzählt. Diese hätten daraufhin getobt und versucht, die Äußerung zu überspielen. Abdulkadar Baki, syrischer Doktorand in Nanotechnologie an der JGU, sagte dazu, derjenigen, von dem er diesen Witz hatte, hätte ihm damit „vertraut bis zum Tod“.
In Syrien herrsche außerdem eine Gewisse Mythengläubigkeit. Assad ist ein solcher Mythos. Mache man sich über den Herrscher lustig, greife man diesen Mythos an und stelle damit seine Macht infrage. Diese Macht aber sei nicht verhandelbar. Assad ist der Staat. Ein Rücktritt, so Escher sei somit garnicht möglich.
Vor diesem Hintergrund lässt sich auch erkennen, warum ein Staat mit Folter gegen kritische Graffitis vorgeht. Dies hat allerdings auch noch einen zweiten Grund, der sich in einer weiteren Regel findet: Das Wort ist die Tat! Kündigt man an etwas zu tun, hat man es damit schon getan. So erklärt sich, wie aus einen harmlosen Schriftzug „Nieder mit dem Präsidenten“, gesprayt von ein paar Jugendlichen, ein Bürgerkrieg erwachsen kann.
Ein weiterer Grundsatz, um in der Assad’schen Gesellschaft nicht unter Verdacht zu geraten, laute „Stelle immer eine Situation her, in der du kontrolliert werden kannst!„. Dieser lasse sich auch am typischen offenen Baustil ablesen. Die Gemeinschaft kontrolliere so die gesellschaftlichen Regeln und Gesetze. Diese Gestze im Übrigen könne man nicht etwas übertreten, sondern nur ganz oder garnicht. Abstufungen seien nicht vorgesehen. Außerdem gelten für Frauen andere Regeln. In Teilen der Gesellschaft soll sich ihr Leben auf das „Innen“ des erweiterten Familienkreises begrenzen.
Zwei Erfahrungen hatte Prof. Escher noch speziell aus seiner wissenschaftlichen Tätigkeit zu bieten: Man versteife sich nicht zu sehr auf Genauigkeit – auf Kosten der wissenschaftlichen Exaktheit. Außerdem sei kritisches Reflektieren nicht vorgesehen – dafür könnten Syrer*innen allerdings beeindruckend gut auswendiglernen. Da das auch für Sprachen gilt, seien sie auch überall auf der Welt so fantastisch integriert. All das untermauerte er mit Beispielen aus seinem reichen Erfahrungsschatz.

Die anschließende Diskussionsrunde begann mit Stellungnahmen der Podiumsgäste zum Vortrag. Omar Ez Eddin, Geflüchteter und angehender Student an der JGU, konnte nur zustimmen. Speziell zum Thema Lernen gab er Escher in beeindruckend gutem Deutsch Recht. Das Sprachenlernen fiele Syrern so oft leichter, allerdings seien die deutschen Lehrmethoden eine große Umstellung. Zum Punkt der Mythengläubigkeit merkte er noch an, auch das Familienbild sei ein solcher Mythos.
Abdulkadar Baki lobte die Beschreibung, insbesondere die der Vorsicht bei Gesprächen – Die Situation in Syrien vor dem Bürgerkrieg sei vergleichbar mit dem Film „Das Leben der Anderen“. Auch die syrische Höflichkeit entspräche genau der Beschreibung. Ein „Nein“ sei in der Tat eine Frechheit. Er betonte allerdings, die Sicht Eschers sei eher eine dörfliche und treffe in den Städten nur bedingt zu.
Medizinstudentin Yara Al-Zamel erklärte, aufgrund der vielen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen sei es eigentlich nicht korrekt über Syrien als Ganzes zu sprechen. Abhängig von Ethnie, Lebensort, aber auch Geshlecht befinde man sich in ganz unterschiedlichen Lebenswelten. Sie stellte außerdem fest, dass sich vor allem in den Städten eine Entwicklung hin zur Kleinfamilie erkennen ließe. Auch die Mythengläubigkeit habe stark abgenommen – zu Gunsten von Bildung. In einem Punkt musste sie Escher allerdings doch widersprechen: Dort, wo es tatsächlich nötig sei, arbeiteten Syrer durchaus exakt. Man müsse allerdings eine Hühnerfarm nicht genauso aufwendig planen wie eine Brücke. Sie bemühte sich außerdem klar zu machen, dass sexuelle Übergriffe in Syrien ebenso gesellschaftlich geächtet sind wie in Deutschland.

Die beiden Flüchtlingsberaterinnen Astrid Becker und Christine Skwara sahen in vielen der angesprochenen Punkte auch Gründe für die einfache Zusammenarbeit. So erkläre das syrische Bildungssystem, warum Vielen das Auswendiglernen so leicht falle. Auch die Höflichkeit sei oft erfahrbar: Man bekomme tatsächlich so gut wie nie ein „Nein“ zu hören, weshalb auch Konfrontationen sehr selten seien. Außerdem sei auch der Wert des Wortes offensichtlich. So habe der Satz „Bitte Hausschuhe mitbringen!“ auf der Gebrtstagseinladung ihres Sohnes eine der betreuten Familien veranlasst, diese extra zu kaufen.
Nach Schwierigkeiten durch die unterschiedlichen Lebensweisen gefragt, wurde zuerst die deutsche Direktheit genannt. Diese sei zuerst als Unfreundichkeit verstanden worden. Außerdem nannten alle die anstrengende Bürokratie und übertriebene Exaktheit. Deutsche seien oft versessen auf das Begleichen von Kleinstschulden, allerdings habe diese Exaktheit auch positive Seiten, lobten doch alle drei insbesondere die Verlässlichkeit der Deutschen Bahn.
Aus deutscher Sicht sprach eine der Beraterinnen an, der Dialog mit den Übersetzern sei oft sehr viel länger als die Antwort, die schließlich herauskomme. Man bekomme so fast das Gefühl, dabei würde die eigentliche Beratung stattfinden. Yara Al-Zamel erklärte dies als Missverständnis. Man führe einfach bei jeder Gelegenheit Smalltalk und dieser brauche nun wirklich nicht übersetzt zu werden.
Auch auf die Frage, was Deutsche von Syrern lernen könnten, gab es viele Antworten. Vor allem offene Herzlichkeit, Lockerheit und Respekt wurden dabei oft genannt. In Syrien hätte man oft nach zwei Minuten im Bus neue Freunde gefunden. Auch das große Familiennetzwerk von etwa 500 Verwandten habe viele Vorteile. „Egal was du brauchst, irgendjemand kann dir immer weiterhelfen“. Außerdem könnten die Deutschen viel lernen, was das Essen angeht.
Die Beraterinnen hoben vor allem die besondere Freundlichkeit, speziell bei der Begrüßung, und den Humor auch bei schweren Themen heraus. Doktorand Baki merkte – übrigens in nahezu akzentfreiem Deutsch – dazu  an, die Hauptsache sei zu lachen, am besten über sich selbst.

Den ganzen Abend fasste schließlich eine Szene fast symbolisch zusammen: Ein syrischer Hörer umaramte Professor Escher zum Dank für seinen Beitrag zur Verstädigung der Kulturen aufs Herzlichste. Eine Hörerin wies noch auf die Möglichkeit hin zum Beispiel über welcomedinnermainz selbst ins Gespräch zu kommen und sich so besser kennen zu lernen.

Pasta vs. Käsebrot

Luca Filosi (23) aus Italien verbringt mit dem europaweiten Erasmus-Programm ein Semester in Mainz und berichtet über seine Erfahrungen, Begegnungen und amüsante Essenstraditionen.

Von Chiara Hiller

Luca, du wohnst nun schon seit zwei Monaten in Mainz. Wo kommst du ursprünglich her und was studierst du?

Ich wohne mit meiner Familie in Trient, das liegt zwischen Bozen und Verona und ist die Hauptstadt von Trentino-Südtirol. Ich studiere Geschichte und bin jetzt im letzten Masterjahr.

Warum hast du dich dafür entschieden in Deutschland zu studieren?

Um mein Deutsch zu verbessern. Ich werde meine Masterarbeit über den Ersten Weltkrieg schreiben. Trient war zu dieser Zeit unter österreichischer Herrschaft, darum sind die meisten für mich relevanten Texte auf Deutsch. Außerdem ist es schön, Deutsch sprechen zu können.

Und warum Mainz?

Eine Freundin von mir hat hier vor zwei Jahren studiert und hat mir davon erzählt. Auch meine Professorin hatte mir die Universität Mainz empfohlen.

Was für Erwartungen hattest du von Deutschland?

Ich dachte, dass es viel kälter wird (lacht). Deutschland gilt in Italien als sehr starker europäischer Staat mit einer stabilen Politik und vielen guten Universitäten. Und die Menschen sollen sehr zielstrebig sein. Angst hatte ich nur vor dem deutschen Essen. Bei uns in Italien heißt es: „Die Deutschen essen nur Kartoffeln“ (lacht).

Wie war deine Ankunft in Mainz? Hast du schnell Anschluss gefunden?

In meiner ersten Woche habe ich nur etwas mit anderen Erasmus-Studenten unternommen, weil meine Mitbewohner noch nicht zurück in Mainz waren. Ich wohne mit drei anderen Studenten in einer WG im Wohnheim Kisselberg. Durch das Erasmus-Programm und gemeinsame Ausflüge an den Wochenenden habe ich schnell Leute kennengelernt.

Wie findest du Mainz als Studentenstadt?

Mainz ist toll! Einfach eine schöne Stadt und ideal für Studenten, mit vielen Bars, Clubs und einem schönen Weihnachtsmarkt. Und sehr gutem Glühwein (lacht). Der große Unicampus ist wirklich cool, weil fast alle Fakultäten an einem Ort sind und mit dem Semesterticket kommt man überall hin.

Haben sich deine Vorstellungen über die Deutschen bestätigt?

Die Deutschen sind wirklich sehr zielgerichtet und vor allem pünktlich. Und sie essen nur Brot mit Käse. (lacht)

Gibt es Unterschiede zwischen dir und deinen deutschen Freunden?

Ja, vor allem beim Essen! Für uns Italiener ist das Abendessen die wichtigste Mahlzeit am Tag und das wird erst ab 21 Uhr gekocht, während meine Mitbewohner pünktlich um 18 Uhr ihr Abendbrot essen. Aber auch ich habe neue Dinge für mich entdeckt: Müsli, Butter mit Marmelade und Spekulatius.

Zum Schluss: Würdest du anderen Studenten ein Erasmus-Programm weiterempfehlen?

Auf jeden Fall! Jeder, der die Möglichkeit dazu hat, sollte das ausprobieren. Man lernt dabei unglaublich viel und verbessert seine Sprachkenntnisse. Man lernt einerseits viel über Selbstständigkeit und andererseits Leute und Kulturen aus der ganzen Welt kennen.

Vielen Dank für deine Antworten!

Studieren in Mainz – Wie ausländische Studierende es erleben

Ariadna Blanch Lópes ist Studentin der Johannes-Gutenberg Universität Mainz. Sie studiert Publizistik im ersten Semester, mit Soziologie im Beifach. Ursprünglich kommt sie aus Barcelona. In einem Interview berichtet sie über ihre Erfahrungen in Deutschland und vor allem an der Universität in Mainz.

Du bist jetzt schon eine ganze Weile hier in Deutschland. Wie gefällt es dir hier?

Ariadna: Es gefällt mir bisher sehr gut. Die Leute hier sind alle total lieb und ich fühle mich gut integriert. Bisher sind mir alle offen und ohne  Vorurteile begegnet.

Wie bist du auf die Johannes-Gutenberg Universität in Mainz gekommen?

Ariadna: Ich habe mich bei verschiedenen Universitäten in ganz Deutschland beworben. Neben Mainz auch in Stuttgart, Berlin und Karlsruhe. Eigentlich wollte ich nach Berlin, aber mein Vater wollte, dass ich nach Mainz gehe. Wir haben hier in Mainz Freunde, bei denen ich dann anfangs auch gewohnt habe. Jetzt wohne ich in einem Wohnheim in Weisenau. Außerdem war Berlin die einzige Uni, die mich nicht angenommen hat.

Inwiefern hatte deine Wahl der Universität auch etwas mit dem Studiengang zu tun?

Ariadna: Ich habe mich an jeder der Universitäten für den gleichen oder sehr ähnlichen Studiengang beworben. Die Richtung stand schon seit dem letzten Jahr fest, ich wusste genau was ich studieren wollte. Medien und Kommunikation sind in Barcelona sehr beliebte Studiengänge. Viele wollen in diese Richtung. Ich habe nur gehofft, dass ich genommen werde. Mainz war dabei eigentlich nicht meine erste Wahl. Jetzt bin ich aber sehr glücklich hier zu sein.

Wieso wolltest du gerne in Deutschland studieren, gerade weil es in Spanien ja eigentlich nicht üblich ist, dass man zum Studieren weggeht?

Ariadna: Ich bin in Barcelona auf eine deutsche Schule gegangen. Dort habe ich sowohl das deutsche, als auch das spanische Abitur abgelegt. Für mich ist es jetzt wichtig, dass ich die deutsche Sprache nicht verliere. Ein Studium in Deutschland hilft mir dabei. Außerdem wollte ich ein bisschen eigenständiger werden und es wäre mir zu langweilig geworden, wenn ich weiterhin in Barcelona geblieben wäre. Im Vergleich zu Spanien sind auch die Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland viel besser. Es ist in Barcelona wirklich sehr schwierig einen Minijob neben dem Studium zu bekommen und das Studium ist sehr teuer.

Möchtest du für immer in Deutschland bleiben?

Ariadna: Das weiß ich noch nicht. Für mein Studium auf jeden Fall, aber danach bin ich mir nicht sicher. Meine Abschlüsse, die ich hier mache sind auch in Spanien gültig, da es ein sehr internationaler Studiengang ist. Außerdem gibt es viele deutsche Unternehmer in Barcelona. Da habe ich gute Aussichten auf einen Job.

Gibt es etwas, das du besonders vermisst?

Ariadna: Mir fehlt das Großstadtleben. In Barcelona gibt es so vieles zu unternehmen. Man kann durch die Straßen laufen und an jeder Ecke etwas erleben. Für jeden ist etwas dabei. Deshalb wollte ich auch eigentlich nach Berlin. Die meisten meiner Freunde und Mitschüler sind aus Barcelona weggegangen. Viele sind auch nach Deutschland gezogen zum Studieren. Das ist sehr modern an den deutschen Schulen in Spanien. Wir stehen alle in Kontakt.

Du sprichst wirklich sehr gut deutsch. Bereitet dir die Sprache trotzdem manchmal noch Probleme?

Ariadna: Ich verstehe fast alles. Manchmal fällt es mir schwer sehr lange Texte mit vielen Nebensätzen zu lesen. Auch beim Schreiben von Texten muss ich immer über die Grammatik nachdenken. Die habe ich nicht automatisch, richtig im Kopf. Das Sprechen und Verstehen fällt mir aber viel leichter.

Nutzt du eines der verschiedenen Programme, welche die Uni für ausländische Studierende anbietet? Zum Beispiel das Sprachcafé?

Ariadna: Nein bisher nicht, aber ich fühle mich auch nicht wirklich fremd hier. Dadurch, dass ich in einer deutschen Schule war habe ich viel weniger Schwierigkeiten mit der Sprache. Ich fühle mich nicht  wie eine Ausländerin, eher wie einfach nur in einer neuen Stadt. Ich denke so geht es auch den meisten Deutschen hier. Ganz viele Studierende kommen aus anderen Städten, zum Beispiel Frankfurt oder Hanau. Ich war auch mit der Schule schon sehr oft in Deutschland und kenne die Kultur.

Vielen Dank für deine Zeit und die Antworten. Ich wünsche dir weiterhin alles Gute in Deutschland und bei deinem Studium.

Auch international kann Mainz mithalten

Dass die Johannes-Gutenberg-Universität sich vor allem durch ihr umfassendes Studienangebot auszeichnet, ist längst bekannt. So rangiert sie mit den Unis in München, Frankfurt oder Berlin in den Top 20 der größten Hochschulen Deutschlands und bietet Studierenden aktuell 236 Studiengänge. Doch auch was die internationale Struktur der JGU angeht, kann Mainz durchaus mithalten. Zur Zeit sind etwa 12% der Studierenden ausländischer Herkunft. Das sind bei ca. 33.000 Studenten immerhin fast 4.000. In dieser Größenordnung befindet sich der Anteil bereits seit längerem: So lag laut der Stabsstelle ‚Planung und Controlling‘ (PuC) der JGU im letzten Jahrzehnt „der Anteil Studierender mit ausländischer Nationalität stets zwischen 11% und 15%“.

Unter anderem entsteht daraus auch ein breit gefäscreenshot-36chertes Angebot an Kulturkursen, das von jedem genutzt werden kann. Von persischer Kalligraphie über Russisch für Anfänger bis hin zu südamerikanischem Spanisch ist einiges dabei. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den Nationalitäten der Studierenden wieder: An der JGU sind Studenten von jedem Kontinent der Erde vertreten. Dabei stammen die meisten aus Europa. Ein Grund dafür ist, das viele ausländische Studenten bereits in Deutschland ihr Abitur erworben haben und jetzt hier studieren. Außerdem haben Studenten in 33 Ländern Europas die Möglichkeit, mit dem ERASMUS-Programm im Ausland zu studieren. Auch Auslands-Praktika können hier absolviert werden. Gerade in Bezug auf ERASMUS engagiert sich die JGU besonders. So erhielt sie erst 2013 das ‚ERASMUS Qualitätssiegel‘, welches für besondere Verdienste in der Umsetzung des Programms verliehen wird.

Doch auch aus anderen Nationen zieht es Studierende an die Uni in Mainz. Gründe für ein Studium in Deutschland sind für sie unter anderem die große Vielfalt an Universitäten und deren guter Ruf im Ausland. Besonders der technische Zweig deutscher Unis genießt in anderen Ländern hohes Ansehen. In Mainz schätzen die Studenten vor allem die freundliche Art der Menschen und ihre Offenheit.

Quelle: http://www.puc.verwaltung.uni-mainz.de/210.php

In Klammern stehen diejenigen Studenten mit ausländischer Herkunft, die ihr Abitur in Deutschland gemacht haben

 

Hin und zurück – Die Entbehrungen einer Pendlerin

Kommentar

Es entbehrt wohl einer gewissen Ironie, dass Ich noch während des Verfassens dieser Zeilen mit den ennervierendsten Ärgernissen einer Pendlerin konfrontiert wurde und Stunde um Stunde mit Umleitungen und Verspätungen zu tun hatte. Die Entbehrungen einer Pendlerin sozusagen. Und das soll erst der Anfang sein…
Studentsein bietet gänzlich neue Möglichkeiten. Es ist ein neuer Lebensabschnitt, der mit großen Veränderungen einhergeht. Viele davon sind unbestreitbar fantastisch. Sie bestehen aus durchzechten Nächten, unter Umständen aus vollmundigen Mittagspausen in der Mensa oder wenn es denn der Fall sein kann, auch aus spannenden Vorlesungen.
„Der Student ist faul und feiert ohne Unterlass“ ist schon beinahe ein ungeschriebenes Gesetz und ebenso im Volksmund gängig, wie die Meinung zum öffentlichen Personenverkehr. Ob nah oder fern spielt dabei kaum eine Rolle. Und da mag etwas dran sein. Doch neben den erfreulichen Dingen des Studentenlebens gibt es eben auch einige Schattenseiten, die im Vergleich dessen gerne untergehen. Denn wie lebt es sich, wenn man jeden Tag zur Universität pendeln muss? Von Darmstadt nach Mainz – hin und zurück? Weiterlesen