Archiv der Kategorie: Persönlich

Kommentar: Ich verstehe die Welt nicht mehr…

Ich verstehe die Welt einfach nicht mehr.

Hier sitze ich also an meinem Laptop, umgeben von Lernzettel, Vorlesungen, Schoko-Lebkuchen (don’t judge me) und den Nachrichten im Fernseher. Man möge es kaum glauben, aber bis vor mehr als einem Jahr habe ich noch nicht einmal die Nachrichten geschaut, geschweige denn mehrmals am Tag verfolgt. Das Adjektiv politikverdrossen hat mich wirklich am besten beschrieben.

Jetzt aber muss ich mich davor zügeln Spiegel Online, die Welt etc. jede halbe Stunde zu checken und zu sehen, was so alles auf der Welt geschieht. Woher dieser Wandel kam? Ganz einfach: Ich habe ein ganzes Jahr in den Vereinigten Staaten mit einer politisch-aktiven republikanischen Familie verbracht. In diesem Jahr wurde ich so stark desillusioniert, dass ich schon gar nicht mehr verstehe, wie ich nur so abgekapselt von dem allgemeinen politischen Kima, nicht nur hier in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt, sein konnte. Meine komplette naive Weltanschauung hat sich von mir ohne eine Vorwarnung verabschiedet.

Und jetzt, wo ich endlich so informiert bin, frage ich einfach mal in die Runde:

What the fuck is going on?

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Indien – „Eine Realität, die schockiert und nachdenklich macht.“

Indien ist die bevölkerungsdichteste Demokratie der Welt, eine aufstrebende Wirtschaftsmacht und ein Land voller Gegensätze. Viele Reisende sind fasziniert von der kulturellen und sprachlichen Vielfalt des Landes, so auch Sara Hiller. Im zarten Alter von 16 Jahren hat die junge Schülerin ihr Heimatland Deutschland verlassen, um ein Schuljahr in Indien zu verbringen.

Farbenfröhlichkeit und pure Lebenslust - Ein indisches Tanzfestival

Ein farbenprächtiges Tanzfestival in einem Land voller Gegensätze.

Was hat dich dazu motiviert, ein Jahr im Ausland zu verbringen?

Die Idee, einfach mal für ein Jahr abzuhauen und etwas vollkommen Neues zu erleben, hat mich schon lange gereizt. Ein kleiner Anstoß war unsere brasilianische Austauschschülerin Renata, die zuvor bei uns gelebt hatte. Ich wäre an ihrem Abreisetag am liebsten mit nach Sao Paulo gegangen (lacht).

Warum hast du dich für Indien entschieden?

Ich wurde auf AFS aufmerksam, eine internationale Austauschorganisation mit vielen Partnerlänern. Warum es genau Indien wurde, weiß ich nicht. Vielleicht war es Hannah, meine beste Freundin in der Grundschule, durch deren Vater ich die indische Kultur schon früh kennenlernen durfte. Vielleicht war es pure Neugier und Abenteuerlust. Auf jeden Fall war es – eigentlich eher untypisch für mich – eine schnelle und überzeugte Entscheidung.

Hattest du Ängste, bevor du deine Reise angetreten hast?

Angst hatte ich in dem Sinn keine. Ich denke, mit Angst ein Jahr in einem uns so fremden Land zu verbringen, ist auf eine Art hinderlich. Denn Angst lässt einen oft voreingenomme Dinge tun und sagen. Ich hatte vielmehr großen Respekt vor dem, was mich dort erwarten sollte: Werde ich gut aufgenommen?  Wie verständige ich mich? Schmeckt mir das Essen?

Kulturschock Indien? Wie war dein erster Eindruck von dem Land und den Menschen?

Von Delhi nach Ahmedabad fuhr ich mit dem Zug und erlebte Indien pur: der völlig überfüllte Bahnhof, die schwüle, stinkende Luft, der ohrenbetäubende Lärm. Die unglaublich neugierigen Inder, die mich schon im Zug mit Fragen zu meiner Herkunft löcherten. Das Schmatzen beim Essen. Für uns ordnungsliebende Deutsche ist Indien natürlich Chaos pur. Für mich war nur das indische Klo eine Überwindung und erstmal ein Kulturschock: Ein Loch im Boden und ein Eimer Wasser als Klopapier – daran musste ich mich erst gewöhnen (lacht).

Zu meinem ersten Eindruck gehörte natürlich auch die Frontalität der Extremen, die man so nur in Indien erlebt. Die ärmsten der Armen leben in einfachen, zerrissenen Zelten neben den große und modernen Hochhäusern der Stadt. Eine der Realitäten, die sowohl schockieren, als auch nachdenklich machen.

Und dein langfristiger Eindruck?

Was mich das gesamte Jahr über begleitet hat, war definitiv die indische Gastfreundlichkeit und Neugierde.

Ein junges, hellhäutiges Mädchen allein in Indien. Ein Land, von dem man ununterbrochen von der Unterdrückung und von Missbrauchsfällen an Frauen hört…

Für mich als europäisches Mädchen ist das Thema Gleichberechtigung sehr wichtig. Mein Glück war es, als Familienmitglied tiefe Einblicke in die indische Gesellschaft zu bekommen. Mir fällt dazu sofort eine Szene in den ersten Wochen meines Aufenthaltes ein:
Als mein kleiner Gastbruder und ich uns abends in unser kleines, gemeinsames Familienbett schlafen legen wollten, nahm meine Gastmutter ihre Decke und legte sich draußen im Flur auf den kalten Steinboden. Auf meine überraschte Frage, warum sie nun nicht neben uns liege, erklärte mir mein Gastvater, dass sie ihre Periode habe und daher als unrein gelte. Es war uns für die nächsten Tage untersagt, sie anzufassen. Für mich als Frau hieß das: All die Haushaltsaufgaben mussten nun von mir übernommen werden.

Ist die Ungleichheit zwischen Mann und Frau auch in anderen Teilen des Alltags zu finden?

Tatsache ist, dass man tagtäglich in indischen Tageszeitungen von neuen Missbrauchsfällen an Frauen liest, auch innerhalb Familien. Die Polizei ist korrupt, nur die wenigsten Frauen melden überhaupt den Missbrauch. Die Dunkelziffer ist weitaus höher. Fakt ist außerdem, dass Frauen ihre Haare im Tempel verdecken müssen; dass den Söhnen höhere Bildung finanziert wird – ganz im Gegensatz zu den Töchtern, die nur im Haushalt funktionieren müssen.

Frauen in Indien sind also auch heute noch Männern in allen Bereichen unterstellt?

Naja, vor allem in den Städten gibt es immer mehr Frauen in Führungspositionen. Was mich immer wieder aufs Neue überrascht hat: Innerhalb der Familie hat die Frau das Sagen. Sei es in der Erziehung der Kinder oder im Haushalt. Ebenso ist die Küche das Reich der Frau – in dieser Hinsicht ist der Mann mehr als abhängig. Dass Frauen Männern in der indischen Gesellschaft unterstellt sind, hat religiösen Hintergrund. Ebenso lässt das – leider immer noch sehr präsente – Kastensystem nur schwer ein Umdenken in den Köpfen der Menschen zu.

Vielen Dank für deine Antworten!

Von Chiara Hiller

Eine Geschichte vom Leben

Es ist Nachmittag und ich sitze in einem Zug.
Draußen ist es noch hell, aber der Himmel ist grau. Ich schaue aus dem Fenster. Alles zieht in einer rasenden Geschwindigkeit an mir vorbei. Ich sehe einen Streifen. Einen Streifen aus flackernd ineinander übergehenden Farben. Nichts hat Struktur, doch ich starre weiter aus dem Fenster, als gäbe es dort etwas interessantes zu sehen. Menschen verlassen den Zug und neue steigen hinzu. Ein leichter Windhauch streift jedes mal meinen Arm wenn die Tür sich öffnet. In mir macht sich ein Gefühl der Schwere breit. Der Zug fährt weiter, das Gefühl lässt nach. Es ist stickig im Zug. Die Luft steht. Es ist wenig los, der Platz neben mir ist frei. Ich bin hier alleine und ich weiß nicht wo es hin geht. Dies ist eine Reise ohne Ziel, denn wo soll man hingehen, wenn man nirgends hingehört. Es wird immer dunkler. regentropenDicke Wolken hängen traurig vom Himmel. Es beginnt zu regnen. Erst nur ganz leicht. Einzelne Tropfen verirren sich auf die Fensterscheibe. Dann immer stärker. Der Fahrtwind bringt die Tropfen von ihrem eigentlich Weg ab. Im Augenwinkel kann ich sehen wie einige von ihnen mein Blickfeld langsam verlassen. Der Zug hält. Ich starre auf die Fensterscheibe. Ein Tropfen beginnt seinen Weg vom oberen Fensterrand nach unten. Langsam zieht er eine dünne Wasserspur hinter sich her, bis ein anderer Tropfen kommt und diese überdeckt. Es gibt nichts, was dieser Tropfen dauerhaft hinterlässt. Das Schauspiel an der Scheibe gefällt mir. Jeder Wassertropfen kommt mit einer rasenden Geschwindigkeit vom Himmel gefallen und beginnt seinen Weg alleine, bis er durch Zufall auf einen anderen trifft. Zusammen mit diesem nimmt er dann seinen Weg fort, bis er am unteren Rand des Fensters ankommt und verschwindet. Was danach aus ihm wird kann ich nicht sehen. Das kann niemand sehen. So ist das auch mit dem Leben.
Es ist Abend und ich sitze in einem Zug.

Stress lass nach – Ideen zur Erholung in den Ferien

Das Semester neigt sich langsam dem Ende. Nur noch ein paar Wochen, bis endlich die lang ersehnten Semesterferien beginnen. Wer nicht gerade Prüfungen schreibt, oder die Tage in der Bibliothek verbringt, um eine Hausarbeit zu schreiben, hat massig freie Zeit.  Was fängt man mit der gewonnenen Freiheit an? Entspannten Urlaub – oder doch lieber die ganze Zeit im Bett verbringen und die Lieblingsserie zum vierten Mal durchgucken?

 

Ein bisschen Planung tut gut

Ein guter Plan hilft bei der Freizeitgestaltung der Ferien. Egal ob Planung für den Urlaub, oder der Termin mit der alten Clique. Natürlich sollte man nicht direkt die kompletten Tage komplett durchstrukturieren und verplanen. Ein bisschen Struktur dagegen, kann ganz guttun. Oft nimmt man sich vor, wen man alles trifft. Im Endeffekt sitzt man dann doch jeden Tag Zuhause und langweilt sich. Bei Semester Beginn stellt man dann fest, dass es vielen Kommilitonen ähnlich ging.  Der ein oder andere Termin, der im Voraus geplant wird, hilft sicherlich. Alle alten Freunde wollen sich nach der stressigen Klausurenphase verabreden. Die Anfragen überschlagen sich, und eigentlich wollte man ja noch andere Sachen erledigen. Wie wäre es denn dann mit einem Gruppentreffen, anstatt jeden aus der alten Schule einzeln zu treffen. Schafft Platz im Terminkalender und macht direkt doppelt so viel Spaß.

 

Ein Urlaub schadet niemandem

Endlich abschalten und den Kopf frei kriegen! Ob es nun ein Camping Urlaub mit den besten Freunden, ein Luxus Urlaub in Italien, oder doch nur der Familienbesuch in Bayern ist – Hauptsache man kann entspannen.

Entspannte Tage am Meer wirken Wunder

Entspannte Tage am Meer wirken Wunder

Wohin die Reise geht, entscheidet letztendlich der Geldbeutel. Mit Aushilfsjobs in den Semesterferien ist schnell ein bisschen Geld zusammen, selbst wenn es nur für ein Wochenende in einer anderen Stadt reicht. Für Studenten, die sich nur noch von Wasser und Brot ernähren, manchmal reicht auch der Ausflug in den Park. Man kann überall abschalten, Hauptsache nicht auf dem ungemütlichen Stuhl am Schreibtisch. Freunde im Auslandssemester? Wie wäre es mit einem Besuch. Eine Schlafcouch und ein kostenloser Stadtführer inklusive! Zusammen Urlaub machen, macht immer noch am meisten Spaß. Weiterlesen

Songempfehlung: Ed Sheeran+×÷Shape of You

Endlich ist es wieder soweit! Das Jahr 2017 ist nicht einmal sechs Tage alt und Ed Sheeran überrascht uns mit einem unglaublichen Song, welcher einem nicht mehr aus dem Kopf geht.

Clicke auf Play, lehne dich zurück und genieße die Musik, denn der Song beginnt mit ganz sanften Tönen und Gitarrenspiel – perfekt, um eine kleine Auszeit von der Außenwelt zu nehmen. Nach nur wenigen Sekunden fängt Ed endlich an zu singen und es formt sich der Gedanke, dass das neue Jahr wenigstens so wunderschön melodisch begonnen hat. Nicht nur zeichnet sich Ed mit seiner sanften und zugleich mächtigen Stimme aus, sondern auch seine Lyrik spiegelt dies wieder.  Er singt von der Begegnung mit einer zunächst unbekannten Frau und wie er sich nicht nur in ihre Persönlichkeit verliebt, sondern sich auch in ihren Körper verliebt hat. Der Fokus im Song bleibt beim Körper der Frau, was auch im Refrain deutlich wird.

Ganz wichtig zu erwähnen ist, dass die Frau und ihr Körper im Song nicht als bloßes Objekt dargestellt und degradiert werden, sondern ganz im Gegenteil, dass er die Frau im Song in allem, was sie ausmacht liebt und auch gerne ihre Liebe hätte. Dieses Bild entsteht auch dadurch, dass Sheeran während des Songs die Perspektiven alterniert, nämlich einmal die Stimme der Frau übernimmt und dann die des Mannes. So entsteht ein Hin und Her, eine wechselwirkende spielerische Konversation, die die Zuhörer zum träumerische Seufzen bringt.

Des Weiteren wirken seine Worte echt und ehrlich und wie bei jedem seiner Songs, wissen seine Fans, dass sie einen kleinen Blick in seine Gedanken bekommen. Es folgt jedes Mal nach dem Zuhören, zu einem die Erkenntnis, was für ein besonderer Ort es in seinem Kopf sein muss und zum anderen, eine gewisse Ehrfurcht vor ihm und die Transformation seiner persönlichen Erlebnisse in bewegende Musik.

„Shape of You“ aus Ed Sheerans neuen Album „Divide“ (erscheint am 3. März) ist ein bittersüßer Ohrwurm, in dem nicht nur die Melodik und die Töne miteinander harmonieren, sondern auch die wunderschönen Worte, mit denen Ed Sheeran nicht nur mich, sondern auch viele andere Millionen in den ersten Tagen der Veröffentlichung verzaubert hat.

Link zu Ed Sheerans Facebook-Seite:

https://www.facebook.com/EdSheeranMusic

Kulturschock Stadt?

Von einem 500-Seelen-Ort in die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt. Zwischen Anonymität und studentischem Miteinander.

Landleben (chi)

Samstagmorgen. Ich schaue aus dem Fenster, das ganze Dorf liegt unter einer weißen Schneedecke. Die hügelige Alblandschaft um die Burgruine Hohenneuffen ist umhüllt von dichtem Nebel. Die Nachbarn schippen Schnee von der Straße. Ich ziehe mich warm an und geselle mich zu ihnen. Wie es im Studium geht? Ob ich schon Freunde gefunden habe? Ich freue mich über das ehrliche Interesse. Später mache ich mich auf den Weg zu der einzigen Bushaltestelle in Balzholz und muss feststellen: der nächste Bus fährt erst wieder in einer Stunde. Dann gehe ich eben zu Fuß. Balzholz hat Natur zu bieten, viel Natur, öffentliche Verkehrsmittel eher nicht. Ich erinnere mich daran, wie oft meine Eltern Taxi spielen durften, wenn die Minibahn in die nächste Stadt mal wieder nicht fuhr. Oder an Radtouren, sei es zum Abschalten oder ganz einfach: weil ich sonst nicht vom Fleck gekommen wäre. Segen oder Fluch – ohne Auto ist man auf dem Land aufgeschmissen.

Stolze 499 Einwohner hat Balzholz, davon sind 223 über 50 Jahre alt. Auf dem Haldenhof kaufe ich frische Eier und Milch. Der Bär steppt hier nicht, dafür besitzt der örtliche Bauernhof mehr Kühe, Pferde und Hühner als Balzholz Einwohner zählt. Keine Traumvorstellungen für junge Studenten. Aber hier kennt und grüßt man sich. Das ist Landleben, so kenne ich das.

„Mainz ist eine offene Studentenstadt.“

Samstagmorgen. Ich schaue aus dem Fenster. Das gegenüberliegende HDI-Gebäude, der Uni-Campus und die stark befahrene Bundesstraße liegen unter einer weißen Schneedecke. Ich ziehe mich warm an und verlasse meine 15 Quadratmeter. Die Gänge im Wohnheim wirken fast ausgestorben, so leise und leer ist es. Im Aufzug begegne ich endlich einer anderen Studentin und grüße sie lächelnd – und bekomme keine Antwort.  Willkommen in der städtischen Anonymität?

Ich mache mich auf den Weg zur nächsten Bushaltestelle. Dort treffe ich Freunde aus meinem Studiengang. Gemeinsame Kneipentouren, Uni-Partys und Kulturveranstaltungen haben uns nähergebracht. Der nächste Bus fährt in fünf Minuten. In der Mainzer Innenstadt überlegen wir zwischen einem italienischen, einem deutschen und einem afrikanischen Restaurant und entscheiden uns schließlich doch für Sushi. Später beschließen wir spontan, den Fliegenden Holländer im Staatstheater anzuschauen – wie gut, dass die Karten für Studenten kostenlos sind.

Bei rund 35.000 Studenten kommt das studentische Miteinander in Mainz nicht zu kurz. Gemeinsame Uni-Partys, Barabende und studentische Sport- und Kulturveranstaltungen verbinden auch fächer- und semesterübergreifend. Auch die Stadt ermöglicht durch das Semesterticket, kostenlose Theaterkarten und zahlreiche Studentenjobs ein tolles Studentenleben und macht den Einstieg in eine (neue) Stadt leichter.

Chiara Hiller

Eine Geschichte über kleine Gesten, die viel bewirken

Die besinnliche Zeit des Jahres ist fast vorbei und 2017 steht so gut wie vor der Tür. Die letzten Geschenke werden ausgepackt und mehr oder weniger ehrlich, wird sich bei Familie und Freunden bedankt. Die Spielzeuge für viel Geld, werden nach einigen Wochen nicht mehr beachtet und das Bild, was die Tante stundenlang gemalt hat, landet auf dem Dachboden. Das besinnliche Fest Weihnachten verliert mehr und mehr an Glanz. Die Menschen meckern: Da lag doch allen Ernstes neben dem PC und der Spielkonsole nicht noch das neue Handy und die Designer Tasche unter dem Baum, die man sich doch unbedingt gewünscht hat.

Dabei ist Weihnachten nicht die Zeit der teuren Geschenke, sondern der Nächstenliebe. Und man vergisst schnell, dass man nicht unbedingt viel Geld braucht, um anderen Menschen zu helfen, und sie glücklich zu machen. Es sind die kleinen Gesten im Alltag, die Menschen zeigen, wie wichtig sie sind. Man kann auch ohne viel Aufwand viel bewirken.

In Frankfurt an der Hauptwache wurden die Plätzchen verteilt

In Frankfurt an der Hauptwache wurden die Plätzchen verteilt

Unsere Nachbarn kamen dieses Jahr auf die Idee, an Weihnachten etwas Gutes zu tun und bedürftigen Menschen eine Freude zu machen. Tonnenweise Bleche voll Plätzchen wurden gebacken und in kleine Tüten verpackt um damit nach Frankfurt zu fahren. Bevor die ersten Plätzchen an Obdachlose verteilt wurden, waren sie sich unsicher. Freuen sich die Menschen darüber, oder wünschen sie sich vielleicht lieber Geld?

Die anfängliche Unsicherheit war schnell verblasst. Die Menschen waren mehr als dankbar über die Plätzchen und freuten sich, an Weihnachten auch etwas Kleines zu bekommen. Viele lachten und scherzten, die Stimmung war jedes Mal aufs Neue ausgelassen. Eine Dame sagte sogar, sie hätte bereits zwei Geschenke erhalten in dieser Zeit und hätte sie beide ebenfalls verschenkt, an Menschen, die noch ärmer dran seien als sie.

img-20161226-wa0004Der letzte sprach sogar von einem Weihnachtswunder. Der Mann war Diabetiker, freute sich natürlich über die Geste, war aber enttäuscht, da er die Plätzchen nicht essen könne. Nach wenigen Minuten kamen meine Freundin und ihr Bruder wieder, mit einem heißen Gulasch in der Hand. Damit hatte der Mann nicht mehr gerechnet, er war sichtlich gerührt und dankte den beiden von ganzem Herzen.

Nach der gelungenen Aktion wurde sofort beschlossen, daraus eine Familien Tradition zu machen.

Es war schön dieses Lächeln bei den Menschen zu sehen und auch zu sehen, dass sie sich wirklich darüber freuen, dass man an sie denkt und ihnen etwas gibt.“

Und anstatt der Vorsätze, wie ein bisschen mehr Sport machen, viel fürs Studium lernen und ein wenig gesünder ernähren, die jedes Jahr aufs Neue auf der Liste landen, einfach mal eine neue Liste schreiben. Auf der dann steht:

  1. Menschen ein gutes Gefühl geben
  2. Dem Obdachlosen bei der kalten Jahreszeit einen Kaffee kaufen
  3. Die Dame von gegenüber grüßen

Einfach mal Danke sagen.