Archiv der Kategorie: Kritik

Kommentar: Ich verstehe die Welt nicht mehr…

Ich verstehe die Welt einfach nicht mehr.

Hier sitze ich also an meinem Laptop, umgeben von Lernzettel, Vorlesungen, Schoko-Lebkuchen (don’t judge me) und den Nachrichten im Fernseher. Man möge es kaum glauben, aber bis vor mehr als einem Jahr habe ich noch nicht einmal die Nachrichten geschaut, geschweige denn mehrmals am Tag verfolgt. Das Adjektiv politikverdrossen hat mich wirklich am besten beschrieben.

Jetzt aber muss ich mich davor zügeln Spiegel Online, die Welt etc. jede halbe Stunde zu checken und zu sehen, was so alles auf der Welt geschieht. Woher dieser Wandel kam? Ganz einfach: Ich habe ein ganzes Jahr in den Vereinigten Staaten mit einer politisch-aktiven republikanischen Familie verbracht. In diesem Jahr wurde ich so stark desillusioniert, dass ich schon gar nicht mehr verstehe, wie ich nur so abgekapselt von dem allgemeinen politischen Kima, nicht nur hier in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt, sein konnte. Meine komplette naive Weltanschauung hat sich von mir ohne eine Vorwarnung verabschiedet.

Und jetzt, wo ich endlich so informiert bin, frage ich einfach mal in die Runde:

What the fuck is going on?

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Diagnose: Völlig durchgeknallt!

Mit Pension Schöller bringt das Staatstheater Mainz eine besonders skurrile Komödie auf die Bühne und damit nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Schauspieler selbst zum Lachen.

pension-schoellerhttp://www.staatstheater-mainz.com/web/veranstaltungen/schauspiel1617/pension-schoeller

„Ein super unterhaltsames Stück mit skurrilen Outfits, toller Maske und einem guten Maß an Übertreibung“ – Völlig begeistert kommt Theaterbesucherin Johanna Feth aus dem Theatersaal. Auch die anderen Zuschauer verlassen das kleine Haus des Staatstheaters mit einem amüsierten Grinsen auf den Lippen. Was ist wohl die letzten drei Stunden auf der Bühne geschehen?

Die Komödie handelt von der Berliner Familienpension Schöller und deren Gäste: Eine im höchsten Maß aufdringliche Schriftstellerin, ein Schauspieler mit einem ultra-lustigen Sprachfehler, ein Major, der auch in der Pensionierung das Befehlen nicht lassen kann und ein Löwenjäger, der das Abenteuer sucht. Hinzu kommen der völlig verwirrte Pensionsbesitzer und dessen hübsche Tochter, die als Butler in Männerklamotten die Pension ihres verwirrten Vaters am Laufen zu halten versucht.

Besonderes Merkmal der Produktion: Kostüm, Maske und Bühnenbild sind in Comic-Design gestaltet und jeder Charakter begleitet ein unverkennbares Geräusch.

Alfred und sein wohlhabender Onkel Klapproth, der ebenfalls ein wenig verwirrt zu sein scheint, treffen sich in besagter Pension Schöller. Während sich Alfred mit einem Fotoatelier selbstständig machen will, verlangt sein Onkel im Gegensatz zu dessen finanzieller Unterstützung seinerseits einen Abend im Irrenhaus. Alfred präsentiert seinem Onkel den Gesellschaftsabend der Pension Schöller – und gibt vor, es handele sich um eine Irrenanstalt – nicht zuletzt aus dem Grund, dass er in die Tochter des Pensionsbesitzers verliebt ist. Sein Onkel ist begeistert und völlig überzeugt von den ihm präsentierten Irren: Vom Major, mit dem er sich zum Duell herausfordert, über den Löwenjäger, der ihm eine Giraffe und Tigerbabys zuschicken lässt und ihn zu seiner nächsten Reise mitnehmen will, bis hin zur verrückten Schriftstellerin und dem Schauspieler mit dem amüsanten Sprachfehler – Klapproth ist überzeugt, dass es sich hierbei tatsächlich um eine Irrenanstalt handelt.

Wenig später aber tauchen all diese Charaktere in seinem eigenen Haus auf und führen zu mehrfachen Verwicklungen. Klapproth wird seinerseits als verrückt erklärt.

Geschrieben von den Mainzer Autoren Carl Laufs und Wilhelm Jacoby bietet die Komödie Pension Schöller alles für einen gelungenen Abend: Irrwitzige Dialoge, amüsante Verwechslungen und publikumsbezogene Szenen, die nicht nur die fast ausverkauften Zuschauerreihen zum Kichern bringen, sondern auch die mitwirkendenden Schauspieler auf der Bühne in ungewolltes Gelächter ausbrechen lassen.

Absolut sehenswert!

Chiara Hiller

„Wohl eher ins Zaubereiministerium!“ – Toilettengeflüster an der JGU

Von Isabel Knippel und Milan Schröder

Bei gewissen natürlichen Bedürfnissen neigen Manche dazu, stets einen festen Ort aufzusuchen. Als Student*in an der Johannes Gutenberg-Universität lohnt es sich allerdings beim Toilettengang etwas zu variieren. Lesestoff wird nicht benötigt, die Kabinen selbst bieten davon ausreichend. Und es wird jeden Tag mehr.

zeichnungen

Unter anderem Zeichnungen zieren die Wände der Toiletten auf dem Campus

Von politischen Debatten über chemische Formeln und Kontaktanzeigen bis hin zu Fußballrivalitäten – Die Keramikabteilung der JGU hält so Einiges zu entdecken bereit. Denn abgesehen vom praktischen Nutzen des Örtchens ist sie nicht nur Rückzugsort und Ort des In-Sich-Gehens, sondern auch soziales Medium. An Wänden und Türen verewigt findet man (fast) alles: Weiterlesen

Bibi und Tina – Ein Remake für… wen eigentlich?

Die seit 1991 laufende Hörspielserie „Bibi und Tina“ ist für viele mittlerweile Erwachsene eine Kindheitserinnerung. Seit 2014 versucht die Produktionsfirma Kiddinx mit bald vier Kinoabenteuern auch die nächste Generation für die Geschichte rund um Hexe Bibi Blocksberg, ihre Freundin Tina und natürlich die Pferde auf dem Martinshof zu begeistern. Allerdings unterscheiden sich die Filme in ihrer Machart doch deutlich von den Vorgängern und werfen eine Frage auf: Für wen ist dieser Film eigentlich gemacht?

Die Geschichte ist schnell erzählt: Graf von Falkenstein richtet ein großes Pferderennen aus, ein windiger Geschäftsmann namens Kakmann will Fohlen Socke kaufen und schließlich wird auch noch Tinas Beziehung zu ihrem Freund Alexander auf die Probe gestellt als dessen alte Freundin Sophia (Ruby O. Fee) für die Ferien nach Falkenstein kommt. Als Bibi diese Probleme mit ihrer Hexerei zu lösen versucht, gerät dadurch auch die Freundschaft der beiden Mädchen in Gefahr.

Einiges an Detlev Bucks Neuauflage entspricht genau dem alten Muster der Kinderserie: knallbunte Farben, eine einfache Geschichte mit klarem Gut-Böse-Schema und immer wieder seichte Popsongs. Letztere, von den Darsteller*innen selbst eingesungen, sind nötig um den Film überhaupt erst auf Spielfilmlänge zu strecken und stehen dabei teilweise kaum im Zusammenhang mit der Handlung. Fans der Hörspiele werden wohl auch vom bekannten Titelsong eher enttäuscht sein. Castingshowgewinner und Sänger Fabian Buch als Tinas großer Bruder Felix Martin scheint allein hierfür gecastet worden zu sein und liefert hier eine poppige aber vor allem fade und monotone Interpretation.

Auf der anderen Seite ist der Großteil des Humors eher auf ein frühpubertäres Publikum ausgelegt und auch die Besetzung der Hauptdarstellerinnen Lina Larissa Strahl und Lisa-Marie Koroll, beide zum Zeitpunkt des Drehs erst 16 und damit drei Jahre älter als ihre Rollen, soll auch ein junges männliches Publikum anziehen. Insbesondere fällt dies in einer Szene auf, in der Ruby O. Fee alias Sophia ohne jeden weiteren Grund nur in Bademantel und High-Heels auftritt. Der Humor charakterisiert sich sehr anschaulich, als Kakmann (der natürlich regelmäßig für Versprecher sorgt) mit dem Grafen (der alle paar Sekunden sein Monokel verliert) Zusammenarbeit anbietet und dabei von einem „gegenseitigen Befruchten“ spricht.

Insgesamt sind alle Figuren genretypisch extrem überzeichnet. Etwas anstrengend, aber dennoch zur Rolle passend ist Bibis piepsiges Dauergeplapper. Positiv stechen bei den Schauspielern höchstens noch Regisseur Detlev Buck selbst als Tierarzt Dr. Eichhorn und Ruby O. Fee als Sophia heraus, die ihre arrogante, selbstbezogene und erfolgsfixierte Figur überzeugend verkörpert. Inhaltlich kann man immerhin noch eine unterschwellige Kritik an einer übertriebenen Leistungs- und Geldfixierung schon im Kindesalter loben, allerdings fühlt sich der Film trotz grade einmal 101 Minuten erstaunlich lang an.

Wem also soll man „Bibi und Tina“ nun empfehlen? Vielleicht Fans der Originalserie, allerdings mit sehr abgeschwächten Erwartungen. Vielleicht Pferdeliebhaber*innen, Familien oder Kindern? Jein – Pferde spielen eine eher untergeordnete Rolle, die Eltern werden nicht allzu viel Spaß mit dem Film haben und auch für Kinder gibt es bei weitem bessere Filme (mit mehr Botschaft). Am ehesten wäre er wohl Trash-Film-Liebhabern zu empfehlen, am besten mit Freunden und ordentlich Alkohol oder ähnlichem. Zu Lachen hat man dann auf jeden Fall genug, was allerdings kaum an gelungenen Gags liegt. Allen anderen würde ich eher abraten und vergebe auf einer persönlichen Skala 1,5/10 Punkten.

Songempfehlung: Ed Sheeran+×÷Shape of You

Endlich ist es wieder soweit! Das Jahr 2017 ist nicht einmal sechs Tage alt und Ed Sheeran überrascht uns mit einem unglaublichen Song, welcher einem nicht mehr aus dem Kopf geht.

Clicke auf Play, lehne dich zurück und genieße die Musik, denn der Song beginnt mit ganz sanften Tönen und Gitarrenspiel – perfekt, um eine kleine Auszeit von der Außenwelt zu nehmen. Nach nur wenigen Sekunden fängt Ed endlich an zu singen und es formt sich der Gedanke, dass das neue Jahr wenigstens so wunderschön melodisch begonnen hat. Nicht nur zeichnet sich Ed mit seiner sanften und zugleich mächtigen Stimme aus, sondern auch seine Lyrik spiegelt dies wieder.  Er singt von der Begegnung mit einer zunächst unbekannten Frau und wie er sich nicht nur in ihre Persönlichkeit verliebt, sondern sich auch in ihren Körper verliebt hat. Der Fokus im Song bleibt beim Körper der Frau, was auch im Refrain deutlich wird.

Ganz wichtig zu erwähnen ist, dass die Frau und ihr Körper im Song nicht als bloßes Objekt dargestellt und degradiert werden, sondern ganz im Gegenteil, dass er die Frau im Song in allem, was sie ausmacht liebt und auch gerne ihre Liebe hätte. Dieses Bild entsteht auch dadurch, dass Sheeran während des Songs die Perspektiven alterniert, nämlich einmal die Stimme der Frau übernimmt und dann die des Mannes. So entsteht ein Hin und Her, eine wechselwirkende spielerische Konversation, die die Zuhörer zum träumerische Seufzen bringt.

Des Weiteren wirken seine Worte echt und ehrlich und wie bei jedem seiner Songs, wissen seine Fans, dass sie einen kleinen Blick in seine Gedanken bekommen. Es folgt jedes Mal nach dem Zuhören, zu einem die Erkenntnis, was für ein besonderer Ort es in seinem Kopf sein muss und zum anderen, eine gewisse Ehrfurcht vor ihm und die Transformation seiner persönlichen Erlebnisse in bewegende Musik.

„Shape of You“ aus Ed Sheerans neuen Album „Divide“ (erscheint am 3. März) ist ein bittersüßer Ohrwurm, in dem nicht nur die Melodik und die Töne miteinander harmonieren, sondern auch die wunderschönen Worte, mit denen Ed Sheeran nicht nur mich, sondern auch viele andere Millionen in den ersten Tagen der Veröffentlichung verzaubert hat.

Link zu Ed Sheerans Facebook-Seite:

https://www.facebook.com/EdSheeranMusic

Deutscher Rap-eine Frage der Intelligenz oder der Dummheit? -So asozial muss man sein

08.01.2017

Alle Deutsch Rap-Hörer werden früher oder später auf sie stoßen: Begriffe, die, wenn man sie im Alltag verwendet, nicht selten zu einer Strafanzeige wegen Beleidigung führen.
Die Künstler selbst sind davor auch nicht geschützt. Der Berliner Rapper Bushido kann selbst ein Lied davon singen (oder rappen). Er wurde wegen dem Song „Stress ohne Grund“ im Jahr 2014 wegen Volksverhetzung angezeigt. Gewaltfantasien und schwulenfeindliche Parolen wurden von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien kritisiert (Lyrics zu „Stress ohne Grund“ unter: http://www.lyricsmania.com/stress_ohne_grund_lyrics_bushido.html).
Sido verteidigt Bushido in einer Talkshow von Markus Lanz am 24.11.2014: Bushidos Beleidigungen seien „ganz normales Geschimpfe“ (Talkshow ersichtlich unter: https://www.youtube.com/watch?v=jOolAfjv3xg). Trotzdem entschuldigte sich Bushido für seine Worte.
Die Frage, die dabei aufkommt ist: Ist es korrekt eine Kunstform zu kritisieren und sind alle Beleidigungen so gemeint, wie sie ausgesprochen werden?

Rap macht es uns nicht leicht

Zugegeben, machen es uns Vertreter des Deutschen Raps nicht leicht, ihn als moralisch wertvoll zu betrachten.
Die Rapgruppe „Trailerpark“ veranstaltete beispielsweise eine Ü 18- Show. Dort wurden unter anderem Prostituierte zur Schau gestellt, die mit Zuschauern Livesex auf der Bühne hatten. Des Weiteren fanden Liveactst statt, die weit in die Fetischszene der Pornografie hineinreichen. Videos zu der Show sind nur auf Pornoseiten ersichtlich (diese werden hier nicht verlinkt).
Der Rapper Bushido machte zudem Schlagzeilen wegen Körperverletzung an seiner Ehefrau.
Der Künstlername des Rappers Sido (Superintelligentes Drogenopfer) spricht für sich.
All diese Attribute einiger deutscher Rapper führen zu einem vornherein negativ konnotierten Bild des Deutschen Raps. Doch was haben die Skandale mit der eigentlichen Musik zu tun?
Nichts.

Rap ist Bildung

Um ehrlich zu sein, ist an manchen Parolen des Deutschen Raps kein weiterführender Hintergrund zu sehen. Die Line „Ich schieß auf Claudia Roth und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz“ (aus „Stress ohne Grund“) ist eine klare Beleidigung, die nicht rechtens ist und nicht gerechtfertigt werden darf.
Analog dazu sollte jede Form von Gewalt verurteilt werden, insbesondere dann, wenn sie in der Realität stattfindet und im Rap genauso gemeint ist, wie sie ausgesprochen wird.
Darin befindet sich der Knackpunkt des Raps: Man muss jede Line hinterfragen und zwischen den Zeilen lesen.
Die Band KIZ ist ebenfalls bekannt für sexistische und provokante Texte voll schwarzem Humor, Ironie, Sarkasmus und Zynismus. Doch sie nutzen diese Kombination aus Stilmitteln um Kritik an der Gesellschaft auszuüben, die auf großflächigen Anklang trifft.
Mit der Line „Ihr Partypatrioten seid nur weniger konsequent als diese Hakenkreuzidioten“ kritisiert KIZ nicht nur Rechtsradikale, sondern auch die Gesellschaftsschicht, die rechtsradikales Gedankengut hat und zu feige ist, offen dazu zu stehen.
In dem Video zum Song „Geld essen“ strippt unter anderem eine Frau in einer KIZ Uniform, die an die Uniform der SS angelehnt ist.
Dabei ist KIZ nicht frauenfeindlich. Sie machen nur darauf aufmerksam, dass die Nationalsozialisten es waren.
Zudem sind manche „Frauenfeindlichkeiten“ Kritik an übersteigertem Feminismus.
KC-Rebel rappt in seinem Song „Anhörung“: „Zu viele Männer haben an Frauen ihren Stolz verkauft.“
Des Weiteren ist die Inszenierung eines Raps oft missverständlich: Mo Trip rappt in seinem Song „Triptheorie“ über die drogenhaftige Verbreitung des Raps. Im Musikvideo hat er die Rolle des Dealers inne, der in einer Drogen verschickt, umringt von Models in Unterwäsche
Man warf ihm Verherrlichung von Drogen vor, dabei handelte es sich bei dem Video um eine Metapher.

Ihr seid cool, aber nicht kühl – das Prinzip der erregten Teekanne

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Durch metaphorische Darstellungen wie bei „Triptheorie“ wird klar, welche Rolle Rapper in ihrem Beruf haben: Sie sind moderne Dichter. Beim Rappen wandeln sie ihre Gedichte in Sprechgesang um. Dies gelingt ihnen mit Stilmitteln, die schon Goethe, Schiller und viele mehr verwendet haben.
„Nach der Morgenröte kam das Tagesgelb
in der Nacht warn wir blauer als die Farbe selbst,
jetzt ist alle monochrom,
der Mensch ist elektrisch,
seit du weg bist,
bin ich ohne Strom.“
Diese Lines stammen vom Rapper Prinz Pi aus dem Song „Laura“. Was er darstellen möchte, ist logisch: Leere, Sehnsucht und Einsamkeit. Doch macht er Gebrauch von Metaphern und verleiht dadurch dem Rap Lebendigkeit.
Auf seine Weise macht dies auch Bushido mit einem Wortspiel:
Er rappt „ Ich bin Asi, aber dein Gesicht ist asy-mmetrisch“ (aus „Stress ohne Grund“).
Allgemein muss man daher feststellen, dass sich der Aufwand der Rapschreibung schlichtweg nicht lohnen würde, wenn Rapper nur „pöbeln“ und beleidigen wollten.
Zudem muss man sagen, dass Begriffe, die homosexuellenfeindlich oder frauenfeindlich scheinen, oft mit einer anderen Bedeutung konnotiert sind.
Man kann dieses Phänomen mit den Begriffen „cool“ oder „geil“ vergleichen.
„Cool“ wird in unserer Gesellschaft nicht als „kalt“ aufgefasst, man bezeichnet etwas als cool, wenn es hip ist. Zudem meint man mit der Bezeichnung „Das ist aber eine geile Teekanne“ nicht, dass die Teekanne sexuell erregt ist, sondern dass sie schön anzusehen ist.
Leider wird im Rap anstelle der Begriffe „geil“ und „cool“ häufig Wörter verwendet, die sich gegen Minderheiten richten und Negatives konnotieren sollen, sodass es zu Missverständnissen kommt.
Dazu muss hinzugefügt werden, dass hinter jedem Dichter (und Rapper) eine Privatperson steht.
Rapper haben fast immer Künstlernamen und sind Kunstfiguren. Die Einstellungen der Kunstfigur sind nicht immer deckungsgleich mit den Einstellungen der Menschen.

„Es liegt an eurem geistigen Fassungsvermögen, wenn ihr bei KIZ nicht lacht, ihr Amöben“ (aus
„ Wir“ von KIZ)

Some amoebas like this one form shells. Shell is composed of bits of rock (sand), diatom shells, and other debris. Live specimen. Wet mount, 40X objective, transmitted brightfield illumination. Note - motion blur of live animal, very shallow depth of field, chromatic aberration and uneven focus are inherent in light microscopy.

Letzten Endes muss man feststellen, dass viele Rap eine Form des Entertainments ist.
Wer in dieser Branche tätig ist, möchte Massen mitreißen und sie unterhalten.
Dabei helfen natürlich Hits, die polarisieren. Beispielhaft sind dabei Hits wie „F*** dein Abitur“ von Metrickz oder „F*** die Uni“ von Antilopengang.
Zuhörer vertreten die Einstellung des Songs meist nur situationsbedingt und erreichen durch den Rap eine Bestätigung ihres Grolls. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie deswegen aufhören zu studieren oder zu lernen.
Sollte dies der Fall sein, kann man nicht den Rap dafür verantwortlich machen. Denn wer gebildet ist, wird wegen eines Songs nicht seine Zukunft gefährden. Umgekehrt ist es nicht die Schuld des Rappers, wenn ihnen die Worte im Mund herumgedreht werden.
Damit ist bewiesen, dass Rapverständis den Intellekt des Zuhörers bedarf.

Und falls es doch mal eng wird: „Unter den Pflastersteinen wartet der Sandstrand,
wenn nicht mit Rap,
dann mit der Pumpgun.“ (aus „Hurra, die Welt geht unter“ von KIZ)

Ankündigung

Am 20.Januar 2017 findet ein Konzert von KIZ der Tour „Hurra, die Welt geht unter“ in Offenbach statt. Dort möchte ich zurechnungsfähige Zuschauer befragen, ob sie sich mit den Texten der Band auseinander gesetzt haben und um die Satirehaftigkeit dieser wissen. Zudem schaue ich mir die Inszenierung von KIZ an und überprüfe, ob diese von den eigentlichen Texten ablenkt.
Fotos wird es auch geben, falls mein Handy (und meine Knochen) den Moshpit überleben.
Dazu folgt ein Bericht auf dem Blog des Seminars.

Humor altert nicht

Charlie Chaplins „City Lights“ – Eine Rezension

Viele Filme geraten mit der Zeit in Vergessenheit. Nicht so Charlie Chaplins „Lichter der Großstadt“, der auch nach mehr als 85 Jahren nichts von seinem Charme eingebüßt. Das American Film Institute prämierte ihn 2008 sogar als bedeutendste romantische Komödie und führt ihn auf Platz 11 der besten amerikanischen Filme aller Zeiten.
Der Film zeigt das amerikanische Großstadtleben des frühen 20. Jahrhunderts anhand von Chaplins Paraderolle, dem „Tramp“ auf eine ironische, sozialkritische, aber auch optimistische Art – Stets begleitet durch seine typische pantomimische Komik. Dieser verliebt sich in ein blindes Blumenmädchen (gespielt von Virginia Cherrill), die ihn durch einen Zufall für wohlhabend hält. Der Tramp müht sich fortan mit Glück und Anstrengung diese Rolle durchzuhalten und das dafür nötige Geld aufzutreiben. Obwohl Chaplins erster Tonfilm typischerweise vor allem durch die Komik seines Hauptdarstellers begeistert, überzeugt er auch in den ernsten Momenten, ohne dabei jemals den Humor zu verlieren.
Vieles an dem Film wäre heute kaum noch denkbar: So übernahm Chaplin nicht nur Hauptrolle, Regie, Drehbuch, Produktion und Schnitt, sondern komponierte auch erstmals die Filmmusik. Möglicherweise erklärt sich dadurch die lange Produktionsdauer von mehr als drei Jahren. Auch die langen, teils höchst anspruchsvollen Schnittsequenzen findet man heute allenfalls noch bei Alejandro G. Iñárritu. Der Perfektionismus, mit dem der dreifache Oscarpreisträger seine Ideen verfolgte führte dazu, dass einzelne Szenen über 100 Mal gedreht werden mussten, weshalb er sich mit Hauptdarstellerin Cherrill überwarf. Diese Perfektion merkt man dem Film allerdings auch klar an, der mitunter frustrierende Aufwand geht dagegen in der Leichtigkeit und dem Slapstick unter.

chaplin

Charlie Chaplin in seiner Paraderolle als Tramp

Einige der Szenen, insbesondere der Boxkampf, durch den der Protagonist versucht an Geld zu kommen, sind aus gutem Grund zu Klassikern der Filmgeschichte avanciert. Chaplins riskante Entscheidung, einen mit Geräuschen untermalten Stummfilm mitten in den Siegeszug des Tonfilms hineinzuwerfen ging auf und bescherte ihm den bis dato größten Erfolg seiner Karriere. Die Auftaktszene parodiert den „Sprechfilm“ sogar so weit, dass Reden die zwar gezeigt, aber nur als quakende Saxophongeräusche sarkastischvertont werden.

 

Fazit
Auch für ein modernes Publikum bietet der Film Unterhaltung pur und eignet sich wunderbar um Skepsis gegenüber Stummfilmen abzulegen. Lediglich die sehr einfach gestrickte Rolle des Blumenmädchens als bloßes Objekt der Begierde stößt aus heutiger Sicht etwas auf. Dennoch vergebe ich auf einer persönlichen Skala 8/10 Punkten und damit eine absolute Empfehlung.