Archiv der Kategorie: Kritik

„Wir sind Kettcar und wir sind zurück!“

Seit Januar touren Kettcar nach fünfjähriger Pause mit ihrem neuen Album „Ich vs. Wir“ durch Deutschland. Am 2. Februar kamen sie für einen unvergesslichen Abend zurück in den Schlachthof Wiesbaden.

Wiesbaden. Die einen stehen noch am Bierstand, die anderen drängen sich am Wellen­brecher. Als die Vorband auf die Bühne kommt, quetschen sich die Ersten in die vordersten Reihen, um Schulter an Schulter auf Kettcar zu warten. Von Anfang Zwanzig bis Ende Vierzig ist alles vertreten in der großen Halle des Schlachthofs in Wiesbaden. Kettcar zieht ein buntes Publikum an, das nicht so richtig in eine gemeinsame Schublade passen mag. Die jüngeren Konzertbesucher verbinden mit Kettcar eine Band, der man häufiger bei Festivals begegnet ist – irgendwas zwischen Pop und Punk, die auch mal „So eine Chance kommt nie wieder“ auf „Du gehst tränenreich in eine höhere Liga“ reimen. Mit Liedern wie „48 Stunden“ oder „Nacht“ betäubten Verliebte ihren ersten Liebeskummer und hörten den Texten von Markus Wiebusch zu, als wären sie alte Weisheiten. In der Hoffnung, die Welt ein bisschen besser zu verstehen.

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„Ich bin ein wenig enttäuscht“ vom Tag der offenen Tür

Bei guten Wetter öffnet die Johannes Gutenberg-Universität Mainz am 30. Januar 2018 ihre Pforten für zukünftige Studenten. Es werden tausende Studenten aus Rheinlandpfalz und Hessen erwartet. Unter ihnen auch die 18-jährige Sabine aus Frankfurt, die nach einem FSJ in Großbritannien gerne Erziehungswissenschaften studieren möchte. Ich habe sie über den Campus begleitet und ein paar Fragen gestellt. Weiterlesen

Grotesk, irrwitzig, dramatisch: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Bei den Golden Globes hat der Film mit dem komplizierten Namen schon abgeräumt, nun darf er auf die Oscars hoffen: Nach der Premiere bei den Filmfestspielen Venedig hat Three Billboards Outside Ebbing, Missouri einen furiosen Start hingelegt und bereits eine beachtliche Anzahl an Preisen und Nominierungen in allen möglichen Kategorien eingeheimst, darunter den Golden Globe für den besten Film (Drama), die beste Hauptdarstellerin, das beste Drehbuch und den besten Nebendarsteller. Seit 25. Januar läuft der Film auch in den deutschen Kinos.  Weiterlesen

Preise aus dem nichts

Fatih Akin etabliert sich mit „Aus dem Nichts“ in Hollywood. Eine Kritik.

„Aus dem Nichts“ heißt sein aktueller Film, doch er selbst ist kein unbeschriebenes Blatt mehr.  Fatih Akin hat sich in Deutschland längst als Regisseur und Autor von Filmen etabliert, die sich oft mit deutsch-türkischen Charakteren und Themen befassen. Mit „Aus dem Nichts“, einem Film, der die NSU-Morde in Deutschland thematisiert, ist Akin nun auch in Hollywood angekommen.  Letzten Sonntag gab es bereits den Golden Globe für den Besten fremdsprachigen Film, am Donnerstag nun auch noch den Critics‘ Choice Award. Was aber macht diesen Film so herrausragend? Weiterlesen

Kommentar: Ich verstehe die Welt nicht mehr…

Ich verstehe die Welt einfach nicht mehr.

Hier sitze ich also an meinem Laptop, umgeben von Lernzettel, Vorlesungen, Schoko-Lebkuchen (don’t judge me) und den Nachrichten im Fernseher. Man möge es kaum glauben, aber bis vor mehr als einem Jahr habe ich noch nicht einmal die Nachrichten geschaut, geschweige denn mehrmals am Tag verfolgt. Das Adjektiv politikverdrossen hat mich wirklich am besten beschrieben.

Jetzt aber muss ich mich davor zügeln Spiegel Online, die Welt etc. jede halbe Stunde zu checken und zu sehen, was so alles auf der Welt geschieht. Woher dieser Wandel kam? Ganz einfach: Ich habe ein ganzes Jahr in den Vereinigten Staaten mit einer politisch-aktiven republikanischen Familie verbracht. In diesem Jahr wurde ich so stark desillusioniert, dass ich schon gar nicht mehr verstehe, wie ich nur so abgekapselt von dem allgemeinen politischen Kima, nicht nur hier in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt, sein konnte. Meine komplette naive Weltanschauung hat sich von mir ohne eine Vorwarnung verabschiedet.

Und jetzt, wo ich endlich so informiert bin, frage ich einfach mal in die Runde:

What the fuck is going on?

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Diagnose: Völlig durchgeknallt!

Mit Pension Schöller bringt das Staatstheater Mainz eine besonders skurrile Komödie auf die Bühne und damit nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Schauspieler selbst zum Lachen.

pension-schoellerhttp://www.staatstheater-mainz.com/web/veranstaltungen/schauspiel1617/pension-schoeller

„Ein super unterhaltsames Stück mit skurrilen Outfits, toller Maske und einem guten Maß an Übertreibung“ – Völlig begeistert kommt Theaterbesucherin Johanna Feth aus dem Theatersaal. Auch die anderen Zuschauer verlassen das kleine Haus des Staatstheaters mit einem amüsierten Grinsen auf den Lippen. Was ist wohl die letzten drei Stunden auf der Bühne geschehen?

Die Komödie handelt von der Berliner Familienpension Schöller und deren Gäste: Eine im höchsten Maß aufdringliche Schriftstellerin, ein Schauspieler mit einem ultra-lustigen Sprachfehler, ein Major, der auch in der Pensionierung das Befehlen nicht lassen kann und ein Löwenjäger, der das Abenteuer sucht. Hinzu kommen der völlig verwirrte Pensionsbesitzer und dessen hübsche Tochter, die als Butler in Männerklamotten die Pension ihres verwirrten Vaters am Laufen zu halten versucht.

Besonderes Merkmal der Produktion: Kostüm, Maske und Bühnenbild sind in Comic-Design gestaltet und jeder Charakter begleitet ein unverkennbares Geräusch.

Alfred und sein wohlhabender Onkel Klapproth, der ebenfalls ein wenig verwirrt zu sein scheint, treffen sich in besagter Pension Schöller. Während sich Alfred mit einem Fotoatelier selbstständig machen will, verlangt sein Onkel im Gegensatz zu dessen finanzieller Unterstützung seinerseits einen Abend im Irrenhaus. Alfred präsentiert seinem Onkel den Gesellschaftsabend der Pension Schöller – und gibt vor, es handele sich um eine Irrenanstalt – nicht zuletzt aus dem Grund, dass er in die Tochter des Pensionsbesitzers verliebt ist. Sein Onkel ist begeistert und völlig überzeugt von den ihm präsentierten Irren: Vom Major, mit dem er sich zum Duell herausfordert, über den Löwenjäger, der ihm eine Giraffe und Tigerbabys zuschicken lässt und ihn zu seiner nächsten Reise mitnehmen will, bis hin zur verrückten Schriftstellerin und dem Schauspieler mit dem amüsanten Sprachfehler – Klapproth ist überzeugt, dass es sich hierbei tatsächlich um eine Irrenanstalt handelt.

Wenig später aber tauchen all diese Charaktere in seinem eigenen Haus auf und führen zu mehrfachen Verwicklungen. Klapproth wird seinerseits als verrückt erklärt.

Geschrieben von den Mainzer Autoren Carl Laufs und Wilhelm Jacoby bietet die Komödie Pension Schöller alles für einen gelungenen Abend: Irrwitzige Dialoge, amüsante Verwechslungen und publikumsbezogene Szenen, die nicht nur die fast ausverkauften Zuschauerreihen zum Kichern bringen, sondern auch die mitwirkendenden Schauspieler auf der Bühne in ungewolltes Gelächter ausbrechen lassen.

Absolut sehenswert!

Chiara Hiller

„Wohl eher ins Zaubereiministerium!“ – Toilettengeflüster an der JGU

Von Isabel Knippel und Milan Schröder

Bei gewissen natürlichen Bedürfnissen neigen Manche dazu, stets einen festen Ort aufzusuchen. Als Student*in an der Johannes Gutenberg-Universität lohnt es sich allerdings beim Toilettengang etwas zu variieren. Lesestoff wird nicht benötigt, die Kabinen selbst bieten davon ausreichend. Und es wird jeden Tag mehr.

zeichnungen

Unter anderem Zeichnungen zieren die Wände der Toiletten auf dem Campus

Von politischen Debatten über chemische Formeln und Kontaktanzeigen bis hin zu Fußballrivalitäten – Die Keramikabteilung der JGU hält so Einiges zu entdecken bereit. Denn abgesehen vom praktischen Nutzen des Örtchens ist sie nicht nur Rückzugsort und Ort des In-Sich-Gehens, sondern auch soziales Medium. An Wänden und Türen verewigt findet man (fast) alles: Weiterlesen