Archiv der Kategorie: Kommentare

Jede Woche die aktuellen Kommentar der CvDs.

„Wohl eher ins Zaubereiministerium!“ – Toilettengeflüster an der JGU

Von Isabel Knippel und Milan Schröder

Bei gewissen natürlichen Bedürfnissen neigen Manche dazu, stets einen festen Ort aufzusuchen. Als Student*in an der Johannes Gutenberg-Universität lohnt es sich allerdings beim Toilettengang etwas zu variieren. Lesestoff wird nicht benötigt, die Kabinen selbst bieten davon ausreichend. Und es wird jeden Tag mehr.

zeichnungen

Unter anderem Zeichnungen zieren die Wände der Toiletten auf dem Campus

Von politischen Debatten über chemische Formeln und Kontaktanzeigen bis hin zu Fußballrivalitäten – Die Keramikabteilung der JGU hält so Einiges zu entdecken bereit. Denn abgesehen vom praktischen Nutzen des Örtchens ist sie nicht nur Rückzugsort und Ort des In-Sich-Gehens, sondern auch soziales Medium. An Wänden und Türen verewigt findet man (fast) alles: Weiterlesen

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Wir glauben das, was wir sehen-blind vor Hass, sichtbar durch Leid

Ein kleines asiatisches Mädchen rennt schreiend und weinend einen Weg entlang. Splitternackt und mit verbrannten Armen, scheinbar völlig in Panik, scheint sie zu fliehen. Flüssiger Brennstoff hat die Haut an ihrem Rücken größtenteils verätzt.
Im Jahr 1972 wurde das Foto der 9-jährige in vielen Zeitschriften, Reportagen und anderen medialen Darstellungsformen gezeigt. Das Mädchen ist Kim Phuk. Ihr Dorf Trang Bang wurde im Vietnamkrieg aus der Luft angegriffen.
Die Fotografie zeigt den Konsumenten in allen Einzelheiten die Grausamkeit und Ungerechtigkeit des Krieges. Doch die Medien machen Kim zudem zu einem Symbol des Vietnamkriegs, zum Sinnbild aller Kriegesopfer.
Genau diese bildliche Darstellung von Gewalt und Leid in Medien wird im Pressekodex (Ziffer 11), der seit 1973 Bestand hat, kritisiert:

„Unangemessen sensationell ist eine Darstellung, wenn in der Berichterstattung der Mensch zum Objekt, zu einem bloßen Mittel, herabgewürdigt wird. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn über einen sterbenden oder körperlich oder seelisch leidenden Menschen in einer über das öffentliche Interesse und das Informationsinteresse der Leser hinausgehenden Art und Weise berichtet wird. Bei der Platzierung bildlicher Darstellungen von Gewalttaten und Unglücksfällen auf Titelseiten beachtet die Presse die möglichen Wirkungen auf Kinder und Jugendliche.“

Die Frage, die sich hierbei stellt ist: Wenn Journalisten als objektive Faktenvermittler gelten und Leid und Gewalt Fakten im Weltgeschehen sind, sollte Ziffer 11 nicht verändert werden?
Zunächst einmal ist es wichtig, dass die Persönlichkeitsrechte jeglicher (!) „Fotoobjekte“ gewahrt werden-Menschen sollen das Recht haben, zu entscheiden, ob sie auf Covern und Ähnlichem auftauchen. Menschen haben selbst als Leichen noch Persönlichkeitsrechte, die weder von der Presse noch von andern Instanzen gebrochen werden dürfen.
Zudem sollte nicht ein einziges Gesicht zum Sinnbild für das Leiden ganzer Nationen gemacht werden. Erinnern wir und an das Bild des dreijährigen Syrers Aylan Kurdi. Seine Leiche wurde mehrfach am Strand von Bodrum abgelichtet und in den Medien gezeigt. Im Sommer 2015 ist er bei seiner Flucht aus Syrien über das Mittelmeer ertrunken. Anstatt, dass man ihn beispielhaft für das Schicksal anderer Flüchtlingskinder erwähnt, wurde seine persönliche Geschichte in den Vordergrund gestellt. Die Berichterstattung ging sogar so weit, dass man geglaubt hat, sein Tod sei geschickt eingesetzt worden, um Mitleid bei westlichen Ländern zu erzeugen. Seelenfrieden nach dem Tod? Für den kleinen Aylan wohl kaum.
Ich hätte mir mehr Schlagzeilen wie „Mehr Hilfe für Flüchtlingskinder“ anstatt „Die Lüge um den Jungen im roten T-shirt-jetzt spricht der Vater“ gewünscht. Fakt ist, dass Aylan ertrunken ist, so wie viele andere Syrer auch. Wilde Spekulationen retten keinen, Hilfsbereitschaft und Aufmerksamkeitslenkung durch genaue faktische Berichterstattung umso mehr. Hierbei wird zudem klar, wie wichtig die Botschaft ist, die um das Foto herum verschriftlicht wird.
Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich der Bezug zum Jugendschutz. Natürlich sollen Kinder nicht regelmäßig mit Darstellung von Gewalt und Leid in Verbindung kommen.
Dieser Ansatz ist aber rein normativ. Man kann Kinder in der Realität nicht davor schützen. Wenn Sie keine Computerspiele mit gewaltvollem Inhalt spielen, dann erfahren sie Gewalt in einem Actionfilm. Wenn dem nicht so ist, gelangen sie auf Pornoseiten im Internet oder durchstöbern den Playboy des älteren Bruders.
Wie kann es sein Kinder Gewalt fiktional oder schauspielerisch konsumieren, aber die Gewalt und das Leid, das in der Realität da ist, nicht visualisiert wird?
Kinder müssen abgehärtet und sensibilisiert werden. Abgehärtet dahingehend, dass sie wissen: Es gibt Terror und Leid in der Welt, das über ein verschütteten Becher Kakao hinausgeht. Sensibilisiert dahingehend, dass sie wissen, dass dies nicht richtig oder moralisch gut ist.
Im Gegensatz zum Pressekodex halte ich von enormer Bedeutung, dass Kinder wissen, was in der Welt tatsächlich los ist. Sie werden keinen vollständigen Zeitungsartikel lesen, aber wie heißt es so schön: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“
Mit den Kindern ist es manchmal wie mit den Erwachsenen. Sie machen sich teilweise nicht die Mühe, einen Fernsehbericht aufmerksam zu Ende zu verfolgen. Parallel wir telefoniert, gekocht und am Ende heißt es: „Ach, da ist ein LKW in eine Menschenmenge reingerast und hat 12 Weihnachtsmarktbesucher getötet, wie schrecklich“. Dann wird vielleicht ein Bildchen auf Instagram gepostet (#prayforberlin) und dann weiter die Kartoffeln geschält.
Diese überspitzte Darstellung soll das Hauptproblem des Kodex aufzeigen. Der Satz des Nachrichtensprechers „Es gibt circa 50 Verletzte“ ist nicht so eindrucksvoll wie ein Bild der Verletzten.
So wie unsere Gesellschaft geartet ist, hilft nur noch die „Schockvariante“, nur noch darauf reagieren wir.
Ich bin mir sicher, dass so manchem Hobbypolitiker beim Anblick des Bildes die Worte fehlen würden und die unüberlegten Kommentare im Halse stecken bleiben.
Hier mein Kompromissvorschlag für den Pressekodex: Zu drastische Gewaltfotos sind meiner Ansicht nach zwar sinnvoll, wenn sie der Realität entsprechen, können aber zu Abnahme des Medienkonsums führen, da sich Menschen fürchten oder ekeln, vor dem was sie sehen. Gerade die jüngere Generation sollte sich aber informieren über das, was in der Welt passiert. Daher kann man im Anblick dieser Gefahr darauf verzichten.
Zudem erzeugt Gewalt Gegengewalt, was auch nicht von Vorteil ist, wenn Täter noch nicht gefasst sind und sich die Wut aus der Unwissenheit heraus bildet.
Man sollte differenzieren: Gewalt kann vielseitig sein und löst verschiedenste Reaktionen bei Konsumenten aus: Aggression, Trauer, Ekel und vieles mehr.
Leid, das aus Gewalt heraus entsteht, verbindet dagegen alle Menschen. Wir verstehen die Gewalt nicht, die hinter der Tat in Berlin stand, wir verstehen aber das Leid der Angehörigen der Opfer und der Verletzten.
Die Medien müssen es schaffen, durch Bilder des Leidens internationalen Konsens zu schaffen und am anderen Ende des Terrors ansetzen. So können wir nicht unbedingt Weltfrieden, aber das Einheitsgefühl einer Weltgesellschaft entstehen lassen und eine Einheit gegen die Stifter des Leidens bilden.

Mainz. Mainz Tag & Nacht – Durch’s Schlüsselloch: Räuber und Gendarm für die Yolo-Generation

NEU_Durch's Schlüssellloch

Räuber und Gendarm für die „Yolo – Generation“

Lasertag – von der Kriegsvorbereitung zum Freizeitspaß

 „Solo“, „Retro Zed“, „King of hill“ – das klingt nach neumodischen Cocktails oder ausgefallenen Kamasutrastellungen. Falsch gedacht. Es handelt sich um verschiedene Spielformen des Simulationsspiels Lasertag. Nicht zuletzt durch Barney Stinson aus der  US-Serie „How I met your mother“ wurde das Spiel nun auch in Deutschland zum beliebten Freizeitspaß. In zahlreichen deutschen Städten, unter Anderem in Mainz, gibt es bereits Lasertag-Zentren, die häufig schon frühzeitig ausgebucht sind.

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