Archiv der Kategorie: International

Kommentar: Ich verstehe die Welt nicht mehr…

Ich verstehe die Welt einfach nicht mehr.

Hier sitze ich also an meinem Laptop, umgeben von Lernzettel, Vorlesungen, Schoko-Lebkuchen (don’t judge me) und den Nachrichten im Fernseher. Man möge es kaum glauben, aber bis vor mehr als einem Jahr habe ich noch nicht einmal die Nachrichten geschaut, geschweige denn mehrmals am Tag verfolgt. Das Adjektiv politikverdrossen hat mich wirklich am besten beschrieben.

Jetzt aber muss ich mich davor zügeln Spiegel Online, die Welt etc. jede halbe Stunde zu checken und zu sehen, was so alles auf der Welt geschieht. Woher dieser Wandel kam? Ganz einfach: Ich habe ein ganzes Jahr in den Vereinigten Staaten mit einer politisch-aktiven republikanischen Familie verbracht. In diesem Jahr wurde ich so stark desillusioniert, dass ich schon gar nicht mehr verstehe, wie ich nur so abgekapselt von dem allgemeinen politischen Kima, nicht nur hier in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt, sein konnte. Meine komplette naive Weltanschauung hat sich von mir ohne eine Vorwarnung verabschiedet.

Und jetzt, wo ich endlich so informiert bin, frage ich einfach mal in die Runde:

What the fuck is going on?

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Bäume pflanzen mit einem Klick

Wie viele Bäume hast du heute schon gepflanzt?

Google, Bing, Yahoo und Co – die meisten von uns nutzen wahrscheinlich täglich eine dieser Suchmaschinen. Ob für die Schule, die Uni oder einfach nur aus Neugierde, um Wissenslücken zu decken. „Ich google mal“ gehört zum allgemeinen Wortschatz und das Wort „googeln“ steht sogar im Duden. Doch was, wenn man diese Alltagstätigkeit für einen guten Zweck nutzen könnte? Weiterlesen

Trumps Amtseinführung

Donald Trump wird 45. Präsident der Vereinigten Staaten.

Washington, 20.01.2017. Diesen Morgen ist Trump offiziell als 45. US-Präsident ins Weiße Haus eingezogen. Präsident Barack Obama begleitet seinen Amtsnachfolger zum Kapitol. Dort beginnen die Feierlichkeiten mit Musik. Die Nachwuchssängerin Jackie Evancho singt die Nationalhymne. Um 18:00 Uhr legt Donald Trump auf den Stufen des Kapitols den Amtseid ab und hält seine Eröffnungsrede. In seiner Rede sagt er, dass Amerika bei seinen Entscheidungen an erster Stelle käme und auch innenpolitisch richtet er sich ganz nach seinem Wahlkampfspruch „Make America Great Again“. Im Anschluss wird Trumps Vize Mike Pence ins Amt geschworen.  Am Abend wurde dann die Parade zum Weißen Haus durchgeführt, in der es zu vielen Protesten von Demonstranten kam.

Bo und Sunny ziehen um

Mit den Obamas verlassen auch ihre beiden Portugiesischen Wasserhunde das Weiße Haus

Als Barack Obama im November 2008 zum neuen amerikanischen Präsidenten gewählt wurde stand schnell fest, dass das Weiße Haus bald einen weiteren, in diesem Fall vierbeinigen Bewohner bekommen würde. Die Versprechen, die Obama während seines Wahlkampfes machte, waren nicht nur von politischer Natur. Seinen beiden Töchtern versprach er nämlich, einen Hund anzuschaffen, sollte er die Wahl für sich entscheiden.

Im April 2009 war es dann soweit. Die Familie erhielt den Hund als Geschenk des mittlerweile verstorbenen ehemaligen Senators Edward Kennedy. Dieser unterstützte Obama im Wahlkampf und wurde zu einem engen Vertrauten der Familie. Bo, so der Name des portugiesischen Wasserhundes, der am 9. Oktober 2008 zur Welt kam, wurde zum neuen „First Dog“. In kürzester Zeit stellte er nicht nur einen festen Bestandteil der ehemaligen „First Family“ dar, sondern eroberte auch die Herzen vieler Hundefans weltweit.

Die Rasse der Portugiesischen Wasserhunde, auf Portugiesisch „Cao de Agua Portugues“, erlangte schnell einen höheren Bekanntheitsgrad als noch in den Jahren zuvor. Aus eigener Erfahrung ist das Interesse an der Rasse in der Öffentlichkeit sehr groß, auch wenn die Hunde trotz allem eher eine Seltenheit bleiben. Wurde man nach April 2009 gefragt, um welche Rasse es sich denn handelt, konnte man sich sicher sein, dass die Leute mit: „Das ist ein Hund der Rasse, wie ihn Obamas auch haben“, etwas anfangen konnten.

Ab 2013 war Bo nicht mehr der einzige Vierbeiner im Weißen Haus, er bekam Sunny, ebenfalls Portugiesische Wasserhündin, an seine Seite gestellt. Gemeinsam hatte das Duo einen vielfältigen Dienstplan. Mit großer Freude standen sie für Fotos mit Fans bereit, Michelle Obama machte es sich zur Aufgabe, die Termine für die beiden Hunde zu koordinieren. Bo gilt als begeisterter Gärtner, immer wieder war er als Begleitung der Gartenbaufirma auf dem Gelände rund um das Weiße Haus zu sehen, wie er die Pflanzen mitbegutachtete. Auch bei offiziellen Terminen von Michelle Obama, wie dem jährlichen Besuch von Kindern in Krankenhäusern kurz vor Weihnachten oder dem Treffen mit verwundeten ehemaligen Soldaten, waren die Hunde anwesend und sorgten immer wieder für große Freude.

Die Geschichte der Portugiesischen Wasserhunde ist bemerkenswert. Als sehr arbeitswillige und intelligente Hunde halfen sie früher Familien in Portugal, den Lebensunterhalt mit der Fischerei zu ermöglichen, indem sie beispielsweise die Fischernetze wieder an Land zogen. Die wasserverrückten Tiere sind nicht nur treue Begleiter und eignen sich sehr gut als Familienhunde, sie haaren auch nicht. Dies war ein ausschlaggebender Punkt für die Obamas bei der Auswahl ihres Hundes, denn Michelle Obama leidet unter einer Tierhaarallergie.

Bo (links) und Sunny (rechts) im Herbst 2015

Bo (links) und Sunny (rechts) im Herbst 2015

Die Ära der „Portugiesen“ im Weißen Haus ist jetzt erst einmal vorüber. Fest steht, dass Bo und Sunny einen guten Job als „First Dogs“ abgeliefert haben und ihrer Rolle gerecht wurden. Nicht ohne Grund haben es die beiden Hunde auf Wikipedia, mehrfach auf Facebook und sogar als Besucher in zwei der größten US-Talkshows geschafft.  Nun bleibt es abzuwarten, ob die beiden Lieblinge unter Trump als neuer US-Präsident einen oder mehrere Nachfolger bekommen. Aus Regierungskreisen heißt es nur, dass darüber bisher keine endgültige Entscheidung getroffen wurde.

¡Viva el Carnaval! – die fünfte Jahreszeit mal anders

Schon bald ist es wieder so weit: die Mainzer Straßen füllen sich mit mehr als einer halben Million Menschen in quietschbunten, albernen Kostümen, nahezu alle sind in schnapsfröhlicher Stimmung, werfen Süßigkeiten durch die Gegend und schreien dabei „Helau“. Mit Büttenreden, Gardetänzen und Umzügen wird in der Mainzer Fastnacht der Winter vertrieben. Am Rosenmontagsumzug findet die Feierei ihren Höhepunkt, wenn man erst die für Mainz typischen „Schwellköpp“, überdimensionale Köpfe aus Pappmaché, die Persönlichkeiten der Stadt Mainz verkörpern, beim Umzug bestaunt und  danach von Kneipe zu Kneipe zieht. Hier werden Schlagerhits wieder rausgekramt, bis zum Umfallen gehört und dazu kräftig geschunkelt.

bunte und aufwändige traditionelle Kleider

Auch in Kolumbien werden bald wieder bunte Röcke gewirbelt, auf dem Carnaval de Barranquilla, dem laut der Zeitschrift „Forbes“ größten Fasching Südamerikas nach Río de Janeiro. Über eine Million Leute aus aller Welt kommen in die karibische Hafenstadt und beobachten staunend die farbenfrohen Kostüme. Mal bestehen diese aus riesigen Tierköpfen, mal aus aufwendig gestalteten, traditionellen Kleidern und mal wird auf kunstvolle Art möglichst viel nackte Haut gezeigt. Zu Cumbia und Salsa bewegen sich die vielen Tänzer rhythmisch durch die Straßen, jeden Tag treten Gruppen zu verschiedenen Themen in den Paraden auf.

zu Cumbia und Salsamusik werden auf den Paraden die Hüften geschwungen

Der erste Tag startet mit dem Höhepunkt des Carnavals, der Batalla de Flores, „Blumenschlacht“. Hier fällt neben den blumigen Tanzoutfits vor allem die Reina del Carnaval auf, die Faschingskönigin, die das ausgefallenste und prächtigste Kostüm von allen trägt. Es folgen die Gran Parada am Sonntag, ein Marsch mit vielen traditionell gestalteten Kostümen, und am Montag die „Parade der Fantasie“, in der sich die einzelnen Tanzgruppen mit ihren bunten und extravaganten Kostümen gegenseitig übertreffen. Doch die Umzüge sind nicht alles: die ganze Stadt besteht aus einem einzigen Fest, überall sieht man Leute voller Lebensfreude auf der Straße tanzen. Und natürlich fließt auch der Alkohol, vor allem kolumbianisches Bier und Aguardiente (kolumbianischer Anisschnaps) in Strömen. Weiterlesen

Indien – „Eine Realität, die schockiert und nachdenklich macht.“

Indien ist die bevölkerungsdichteste Demokratie der Welt, eine aufstrebende Wirtschaftsmacht und ein Land voller Gegensätze. Viele Reisende sind fasziniert von der kulturellen und sprachlichen Vielfalt des Landes, so auch Sara Hiller. Im zarten Alter von 16 Jahren hat die junge Schülerin ihr Heimatland Deutschland verlassen, um ein Schuljahr in Indien zu verbringen.

Farbenfröhlichkeit und pure Lebenslust - Ein indisches Tanzfestival

Ein farbenprächtiges Tanzfestival in einem Land voller Gegensätze.

Was hat dich dazu motiviert, ein Jahr im Ausland zu verbringen?

Die Idee, einfach mal für ein Jahr abzuhauen und etwas vollkommen Neues zu erleben, hat mich schon lange gereizt. Ein kleiner Anstoß war unsere brasilianische Austauschschülerin Renata, die zuvor bei uns gelebt hatte. Ich wäre an ihrem Abreisetag am liebsten mit nach Sao Paulo gegangen (lacht).

Warum hast du dich für Indien entschieden?

Ich wurde auf AFS aufmerksam, eine internationale Austauschorganisation mit vielen Partnerlänern. Warum es genau Indien wurde, weiß ich nicht. Vielleicht war es Hannah, meine beste Freundin in der Grundschule, durch deren Vater ich die indische Kultur schon früh kennenlernen durfte. Vielleicht war es pure Neugier und Abenteuerlust. Auf jeden Fall war es – eigentlich eher untypisch für mich – eine schnelle und überzeugte Entscheidung.

Hattest du Ängste, bevor du deine Reise angetreten hast?

Angst hatte ich in dem Sinn keine. Ich denke, mit Angst ein Jahr in einem uns so fremden Land zu verbringen, ist auf eine Art hinderlich. Denn Angst lässt einen oft voreingenomme Dinge tun und sagen. Ich hatte vielmehr großen Respekt vor dem, was mich dort erwarten sollte: Werde ich gut aufgenommen?  Wie verständige ich mich? Schmeckt mir das Essen?

Kulturschock Indien? Wie war dein erster Eindruck von dem Land und den Menschen?

Von Delhi nach Ahmedabad fuhr ich mit dem Zug und erlebte Indien pur: der völlig überfüllte Bahnhof, die schwüle, stinkende Luft, der ohrenbetäubende Lärm. Die unglaublich neugierigen Inder, die mich schon im Zug mit Fragen zu meiner Herkunft löcherten. Das Schmatzen beim Essen. Für uns ordnungsliebende Deutsche ist Indien natürlich Chaos pur. Für mich war nur das indische Klo eine Überwindung und erstmal ein Kulturschock: Ein Loch im Boden und ein Eimer Wasser als Klopapier – daran musste ich mich erst gewöhnen (lacht).

Zu meinem ersten Eindruck gehörte natürlich auch die Frontalität der Extremen, die man so nur in Indien erlebt. Die ärmsten der Armen leben in einfachen, zerrissenen Zelten neben den große und modernen Hochhäusern der Stadt. Eine der Realitäten, die sowohl schockieren, als auch nachdenklich machen.

Und dein langfristiger Eindruck?

Was mich das gesamte Jahr über begleitet hat, war definitiv die indische Gastfreundlichkeit und Neugierde.

Ein junges, hellhäutiges Mädchen allein in Indien. Ein Land, von dem man ununterbrochen von der Unterdrückung und von Missbrauchsfällen an Frauen hört…

Für mich als europäisches Mädchen ist das Thema Gleichberechtigung sehr wichtig. Mein Glück war es, als Familienmitglied tiefe Einblicke in die indische Gesellschaft zu bekommen. Mir fällt dazu sofort eine Szene in den ersten Wochen meines Aufenthaltes ein:
Als mein kleiner Gastbruder und ich uns abends in unser kleines, gemeinsames Familienbett schlafen legen wollten, nahm meine Gastmutter ihre Decke und legte sich draußen im Flur auf den kalten Steinboden. Auf meine überraschte Frage, warum sie nun nicht neben uns liege, erklärte mir mein Gastvater, dass sie ihre Periode habe und daher als unrein gelte. Es war uns für die nächsten Tage untersagt, sie anzufassen. Für mich als Frau hieß das: All die Haushaltsaufgaben mussten nun von mir übernommen werden.

Ist die Ungleichheit zwischen Mann und Frau auch in anderen Teilen des Alltags zu finden?

Tatsache ist, dass man tagtäglich in indischen Tageszeitungen von neuen Missbrauchsfällen an Frauen liest, auch innerhalb Familien. Die Polizei ist korrupt, nur die wenigsten Frauen melden überhaupt den Missbrauch. Die Dunkelziffer ist weitaus höher. Fakt ist außerdem, dass Frauen ihre Haare im Tempel verdecken müssen; dass den Söhnen höhere Bildung finanziert wird – ganz im Gegensatz zu den Töchtern, die nur im Haushalt funktionieren müssen.

Frauen in Indien sind also auch heute noch Männern in allen Bereichen unterstellt?

Naja, vor allem in den Städten gibt es immer mehr Frauen in Führungspositionen. Was mich immer wieder aufs Neue überrascht hat: Innerhalb der Familie hat die Frau das Sagen. Sei es in der Erziehung der Kinder oder im Haushalt. Ebenso ist die Küche das Reich der Frau – in dieser Hinsicht ist der Mann mehr als abhängig. Dass Frauen Männern in der indischen Gesellschaft unterstellt sind, hat religiösen Hintergrund. Ebenso lässt das – leider immer noch sehr präsente – Kastensystem nur schwer ein Umdenken in den Köpfen der Menschen zu.

Vielen Dank für deine Antworten!

Von Chiara Hiller

Songempfehlung: Ed Sheeran+×÷Shape of You

Endlich ist es wieder soweit! Das Jahr 2017 ist nicht einmal sechs Tage alt und Ed Sheeran überrascht uns mit einem unglaublichen Song, welcher einem nicht mehr aus dem Kopf geht.

Clicke auf Play, lehne dich zurück und genieße die Musik, denn der Song beginnt mit ganz sanften Tönen und Gitarrenspiel – perfekt, um eine kleine Auszeit von der Außenwelt zu nehmen. Nach nur wenigen Sekunden fängt Ed endlich an zu singen und es formt sich der Gedanke, dass das neue Jahr wenigstens so wunderschön melodisch begonnen hat. Nicht nur zeichnet sich Ed mit seiner sanften und zugleich mächtigen Stimme aus, sondern auch seine Lyrik spiegelt dies wieder.  Er singt von der Begegnung mit einer zunächst unbekannten Frau und wie er sich nicht nur in ihre Persönlichkeit verliebt, sondern sich auch in ihren Körper verliebt hat. Der Fokus im Song bleibt beim Körper der Frau, was auch im Refrain deutlich wird.

Ganz wichtig zu erwähnen ist, dass die Frau und ihr Körper im Song nicht als bloßes Objekt dargestellt und degradiert werden, sondern ganz im Gegenteil, dass er die Frau im Song in allem, was sie ausmacht liebt und auch gerne ihre Liebe hätte. Dieses Bild entsteht auch dadurch, dass Sheeran während des Songs die Perspektiven alterniert, nämlich einmal die Stimme der Frau übernimmt und dann die des Mannes. So entsteht ein Hin und Her, eine wechselwirkende spielerische Konversation, die die Zuhörer zum träumerische Seufzen bringt.

Des Weiteren wirken seine Worte echt und ehrlich und wie bei jedem seiner Songs, wissen seine Fans, dass sie einen kleinen Blick in seine Gedanken bekommen. Es folgt jedes Mal nach dem Zuhören, zu einem die Erkenntnis, was für ein besonderer Ort es in seinem Kopf sein muss und zum anderen, eine gewisse Ehrfurcht vor ihm und die Transformation seiner persönlichen Erlebnisse in bewegende Musik.

„Shape of You“ aus Ed Sheerans neuen Album „Divide“ (erscheint am 3. März) ist ein bittersüßer Ohrwurm, in dem nicht nur die Melodik und die Töne miteinander harmonieren, sondern auch die wunderschönen Worte, mit denen Ed Sheeran nicht nur mich, sondern auch viele andere Millionen in den ersten Tagen der Veröffentlichung verzaubert hat.

Link zu Ed Sheerans Facebook-Seite:

https://www.facebook.com/EdSheeranMusic