Archiv der Kategorie: Heimat

Mainz, das neue München?

Mainz. „Mit entsprechender finanziellen Grundlage lässt es sich in Mainz sehr schön wohnen.“. Diese Aussage der Internetseite Unicheck trifft die Mainzer Wohnsituation ganz gut .

Die Stadt hat viel zu bieten. Kulturelle Angebote, eine große studentische Szene und auch viele große Unternehmen locken junge Menschen in die Rheinmetropole. Das bleibt aber nicht ohne Folgen, denn Wohnen wird immer teurer. Laut der Allgemeinen Zeitung ist seit 2005 der Preis für Mieten im Neubau um 48% und im Bestand um 43% gestiegen. Mit so hohen Mietpreisen hat es Mainz auf Platz 8 der Großstädte mit den höchsten Mietpreisen geschafft, laut der Berliner Morgenpost und erschwert so vielen Studenten die Wohnungssuche. Weiterlesen

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Schlendern und Schlemmen am Domplatz

Der Wochenmarkt in Mainz hat schon lange Tradition. Dienstags, freitags und samstags kann man mehr oder weniger entspannt über den Markt schlendern und dabei viele verschiedene Sachen kaufen. Es gibt Obst- und Gemüsestände, Wurst- und Käseverkäufer und Bäcker, die frische Backwaren anbieten. Auch Blumen und Pflanzen kann man auf dem Wochenmarkt kaufen.

Der Mainzer Wochenmarkt an einem regnerischen Tag

Der Mainzer Wochenmarkt an einem regnerischen Tag

Bei 120 Ständen, an den besten Tagen, ist für jeden etwas dabei. Einige Stammkunden kommen jede Woche vorbei und kaufen ein, aber öfter trifft man auch neue Gesichter, die dem Angebot des Marktes nicht widerstehen konnten.

Eine Verkäuferin des Obsthofes Werner erzählt: „Bei uns ist der Wochenmarkt schon lange Tradition. Schon mein Opa hat hier früher an unserem Stand Obst verkauft. Heute macht das mein Vater und ich helfe oft aus.“

Nicht nur Äpfel werden an dem Stand verkauft, sondern auch Apfelwein, Gelee und Schnaps. Außerdem auch Aprikosen, Mirabellen, Quitten und jede Menge Marmeladen aus den Früchten. Zusätzlich gibt es noch Honig und Wallnüsse zu kaufen. Das Angebot variiert bei allen Ständen des Marktes stark. Besonders bei den Obst- und Gemüsehändlern gibt es viele Produkte nur saisonal. Hier wachse nicht alles und auch nicht zu jeder Jahreszeit, so die Erklärung der Verkäuferin. Weiterlesen

Zwischen Harmonie und Direktheit- das „WG-Leben“ mit meiner Schwester

Die meisten Studenten leben entweder zu Hause, in einem Wohnheim oder in einer WG. Entweder sind ihnen ihre Mitbewohner schon von Geburt an vertraut, oder sie lernen einander erst richtig kennen, wenn sie schon Küche und Badezimmer miteinander teilen. Bei mir ist das etwas anders. Ich lebe in vollster Vertrautheit in einem neuen Umfeld, denn ich lebe zusammen mit meiner ältesten Schwester.

Die Wohnung hat meine Schwester bereits vor zwei Jahren gemietet und teilte sie zunächst mit meiner zweitältesten Schwester. Diese zog es jedoch aus beruflichen Gründen wieder woanders hin und das Zimmer wurde frei.

Für mich, die ich mich gerade mit dem Thema studieren befasste, war dies das ausschlaggebende Kriterium, mich in Mainz zu bewerben und nachdem ich glücklicherweise an der JGU angenommen wurde, bezog ich das bis dato unbewohnte Zimmer. Das neue Leben und die neue Wohnsituation waren natürlich erst einmal ungewohnt. Es ist auf einmal ganz still. Da ist kein Tumult wie zu Hause, wo „immer was los ist“. Man ist auf einmal auch mal allein: eine Situation, die in meiner Familie nur äußerst selten auftritt. Man hat auf einmal nur einen direkten Ansprechpartner, wenn nicht gerade Besuch da ist. Es ist einfach deutlich stiller. Um diese Stille zu überbrücken, habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, erst einmal das Radio einzuschalten, sobald ich die Wohnung betrete und auch, wenn ich vielleicht nur mit einem Ohr so richtig hinhöre, vermittelt diese kleine Geräuschkulisse doch das Gefühl, da sei noch jemand da.

Aber das ist ja zum Glück nicht immer so, denn meistens ist meine Schwester bereits zu Hause, wenn ich aus der Uni komme. Sie musste und muss vermutlich immer noch einiges aushalten, besonders mein Redebedürfnis. Es ist einfach unheimlich schön, wenn die eigene Schwester die „Mitbewohnerin“ ist. Man kennt sich in- und auswendig, man muss sich nicht verstellen, man hat die gleichen Gewohn- und Gepflogenheiten und (was besonders meine Eltern freuen dürfte) die Familie muss nur in eine Stadt fahren, wenn sie mal zu Besuch kommt.

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„Bassd scho“ – ein Abstecher in die unterfränkische Mainmetropole Würzburg

„Bassd scho“ – wenn ein Franke diesen Ausdruck (hochdeutsch: Das ist in Ordnung. ) verwendet, ist er wohl außerordentlich begeistert von der Stadt, denn diese Bemerkung gilt in Franken als höchstes Lob, das man bekommen kann. Die fränkische Herzlichkeit ist eben etwas ganz besonderes, jedoch lange nicht das Einzige, was Würzburg zu bieten hat:

Obwohl es die Stadt im 2. Weltkrieg schwer getroffen hat und so einiges zerstört wurde, gibt es zahlreiche schöne, mit Stuckarbeiten verzierte Häuser in der Altstadt. Hier fallen vor allem die vielen Kirchen auf, allen voran der Dom, von dessen Spitze man sogar bis zur Nordsee schauen kann (sagt man zumindest). Zu jeder vollen Stunde tönt Glockengeläut aus allen Ecken der Stadt.

Bekannt aber ist Würzburg vor allem durch seine barocke Residenz, die vom berühmten Architekten Balthasar Neumann erbaut wurde und zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Über der Stadt thront die Festung Marienberg – nicht wie von vielen Fremden angenommen die „Würzburg“. Wenn man hier durch die Burganlagen schreitet, fühlt man sich fast wieder wie im Mittelalter. Oder man breitet die Picknickdecke aus und setzt sich mit einem Glas Wein zum Festungsflimmern, einem Openairkino am Festungsberg.

Nicht nur die Festung sieht man schon von weitem, eingerahmt wird Würzburg auch durch die vielen Weinberge mit ihren je nach Jahreszeit unterschiedlichen Farben. Im Sommer werden in Würzburg und Umgebung dann viele Weinfeste veranstaltet. Es herrscht eine gemütliche Atmosphäre, wenn Bierbänke in den Gassen der Dörfer aufgestellt werden und junge Mädchen mit Tragekörben voller unterschiedlichster Weinsorten umherlaufen. Oder man sitzt zwischen Weinreben über den Dächern der Stadt, lauscht angenehmer Musik und tauscht sich über den neuesten Klatsch und Tratsch aus.

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Die Festung Marienberg thront über Würzburg, darunter der Main mit der Alten Mainbrücke

Wenn man also nicht gerade auf einem der Weinfeste unterwegs ist, solle man bei einem Streifzug durch die Stadt auf jeden Fall Halt auf der Alten Mainbrücke machen: Jeden Abend versammeln sich dort die Leute, um bei einem Blick auf den Main und die untergehende Sonne mit einem Glas Brückenschoppen den Tag ausklingen zu lassen.

 

Doch auch sportlich zeigt sich Würzburg: 2016 verfolgten die Würzburger den Aufstieg der Würzburger Kickers in die 2. Liga und jede Woche fiebert man bei den Spielen der s. Oliver Baskets mit (1. Liga). Besonders stolz sind die Würzburger auf Dirk Nowitzki, der in Würzburg aufgewachsen ist und als Profibasketballspieler der NBA Bekanntheit erlangte.

Außerdem ist Würzburg mit seinen  über 35 000 Studenten (insgesamt: 127 000 Einwohner) sehr vom Universitätsflair und den vielen jungen Leuten geprägt. An einem typischen Sommertag sieht man viele Studenten auf den weitläufigen Mainwiesen liegen, Volleyball spielen, Fahrrad fahren oder einfach die Wärme genießen.

Auch zu Fasching ist in Würzburg einiges los: Faschingsumzüge, Prunksitzungen und andere Veranstaltungen – und die Fastnacht in Franken. Bayerische Politiker in den ulkigsten Kostümen lassen sich von Kabarettisten zurechtweisen  – schon allein dafür lohnt es sich, die unterfränkische Prunksitzung mit Kultstatus anzuschauen. Nicht nur die Politik, auch die ewigen Kabbeleien zwischen Bayern und Franken sind Thema. Während die Bayern die Franken mit ihrem „weichen und harten D“ (hochdeutsch: D und T) und dem gerollten R nicht so richtig ernst nehmen wollen, ist den Franken ihre eigene Identität sehr wichtig. Man darf also einen Franken nie als Bayern bezeichnen, außer man will es sich mit demjenigen verscherzen.

Würzburg hat also einiges zu bieten. Gerade in  der Innenstadt findet man zudem viele schöne Geschäfte, ob individuelle Klamottenläden, kleine, süße Cafés oder Bars und Clubs in alten Gewölbekellern. Hier sind ein paar kulinarische und kulturelle Tipps, falls es euch mal in die unterfränkische Mainmetropole verschlägt:

Wunschlos Glücklich –  Der Name ist Programm in diesem Café, indem man sich wie in Omas Wohnzimmre fühlt: gemütliche Ohrensessel und Sofas laden zu Verweilen ein und ein heißer Tee einer ungewöhnlichen Sorte und eine der süßen oder deftigen Waffeln, die hier angeboten werden, tun ihr Übriges zum Wohlergehen der Gäste. http://wunschlos-gluecklich.net/home/

Backöfele – Wer mal so richtig nach einheimischer Tradition essen gehen will, ist hier genau richtig. In der urigen Stube kriegt man von gebackenem Camembert bis zum Fränkischen Hochzeitsessen (Tafelspitz mit Meerrettichsoße und Nudeln) alles, was das (fränkische) Herz begehrt. http://www.backoefele.de/main/index.php

Wohnzimmer – Dank günstiger Preise und ganztäglichem Frühstück ist das Wohnzimmer vor allem für Studenten ein beliebter Aufenthaltsort. Abends wird es durch täglich variierende Getränkespecials und Fernsehliveübertragung zum geselligen Treffpunkt. http://www.geilste-bar.com/wohnzimmer-wuerzburg

Bombe – Eine Gewölbekellerbar, in der man sich in gemütliche Sessel lümmeln kann und mit dem Barkeeper fast allein ist – das ist die Bombe vor 12 Uhr. Nach Mitternacht „explodiert“ sie dann, die „Bombe“: die Musik wird aufgedreht, Studenten strömen die schmalen Stufen hinunter und die Leute erheben sich aus ihren Sesseln und tanzen bis in die frühen Morgenstunden. http://www.bombe-wuerzburg.de/

Das Käuzle – Die Würzburger Kultkneipe mit der größten Altersvariation wird von allen nur noch die „Uschi“ genannt, nach dem Namen der Besitzerin. Ob Junggesellenabschiede, Studenten oder Mallorcafans, so manche/r hat in der „Uschi“ schon unvergessliche Nächste erlebt und zu der Ballermann- Musik mitgegrölt. https://de-de.facebook.com/K%C3%A4uzle-W%C3%BCrzburg-453729454790925/

Das Boot – Die beliebte Studentendisko befindet sich, wie schon der Name sagt, nicht an Land, sondern zu Wasser. Über einen Steg gelangt man auf die drei Decks mit unterschiedlicher Musikausrichtung, die von Donnerstag bis Samstag immer gut gefüllt sind. http://www.das-boot.com/

 

Denn os Heimeat, die es jo su schien! Traben-Trarbach an der Mittelmosel

„Ich wohne in einer kleinen Stadt an der Mosel zwischen Trier und Koblenz!“ So oder so ähnlich lautet meine Antwort, wenn mich jemand nach meiner Heimatstadt fragt. Traben-Trarbach klingt für die meisten Menschen eher nach einem Sprachfehler, die Wenigsten verbinden damit eine Stadt an der Mittelmosel.

Traben-Trarbach von oben. Links im Bild Trarbach mit der Burgruine Grevenburg, rechts im Bild Traben)

Traben-Trarbach von oben. Links im Bild: Trarbach mit der Burgruine Grevenburg, rechts im Bild: Traben

 

Das kann man auch niemandem verübeln: Mit knapp 6000 Einwohnern zählt die Doppelstadt nicht gerade zu den größten Städten der Mosel, doch dafür vielleicht zu den historisch am meisten geprägten. Im neunten Jahrhundert schenkte Ludwig der Fromme, ein Sohn Karls des Großen mitunter den Stadtteil Traben dem Münster zu Aachen. Dies ist die erste urkundliche Erwähnung des Gebietes.

Die Grevenburg in ihrer Ursprungsform

Die Grevenburg in ihrer Ursprungsform

Ab 1350 diente die auf dem Berg oberhalb des heutigen Stadtteils Trarbach errichtete „Grevenburg“ als Residenz der hinteren Grafschaft Sponheim. 1734 wurde diese Burg jedoch von den Franzosen fast komplett zerstört und prägt heute noch als Ruine das Stadtbild.

Heute ist von der Grevenburg lediglich eine Ruine übrig

Heute ist von der Grevenburg lediglich eine Ruine übrig

 

Die berühmte Jugendstilbrücke, die die beiden Stadtteile einst miteinander verband wurde in den letzten Kriegstagen 1945 gesprengt

Die berühmte Jugendstilbrücke, die die beiden Stadtteile einst miteinander verband wurde in den letzten Kriegstagen 1945 gespreng

1889 wurde die erste Straßenbrücke zwischen Bernkastel und Koblenz zwischen den beiden Stadtteilen von Bruno Möhring, einem der „bedeutendsten“ Architekten des Jugendstils, erbaut. Diese von dort an räumliche Verbindung der beiden Stadtteile war vermutlich auch maßgeblich für die Vereinigung der beiden Stadtteile im Jahr 1904.

 
Jedoch ist Traben-Trarbach nicht nur für Historiker von großem Interesse, denn auch Weinfreunde dürften hier im wahrsten Sinne des Wortes auf ihre Kosten kommen. Nicht nur, dass die Stadt um neunzehnhundert der größte Weinhandelsplatz der Welt nach Bordeaux war, mit ca. 135ha Weinlage ist der Weinbau auch maßgeblich für den Tourismus der Stadt. Im gesamten Mittelmoselbereich wird mit ca. 62% hauptsächlich Riesling angebaut, 17% sind Müller-Thurgau und knapp 10% machen rote Rebsorten aus.

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Der „Trarbacher Hühnerberg“ ist ein Beispiel für eine typische Steillage an der Mosel und gilt als Renommierlage

Der größte Teil der Weinberge sind Steillagen, weshalb die Lese überwiegend von Hand erfolgt, denn „zum schaffe sin sich uch die Pänz von der Mussel net zu schad“. Das schmeckt man natürlich auch!

 

 

 

Einer der Keller des Mosel-Wein-Nachts-Marktes

Einer der Keller des Mosel-Wein-Nachts-Marktes

Seit einigen Jahren gibt es in Traben-Trarbach auch jährlich den sogenannten „Mosel-Wein-Nachts-Markt“. Dieser etwas andere Weihnachtsmarkt findet überwiegend unterirdisch in den großen Gewölbekellern unterhalb der Stadt statt und ist nicht nur für viele Touristen, sondern auch für die Einwohner der Gemeinde immer wieder ein Grund zur Freude.  Link zur Seite des Mosel-Wein-Nachts-Marktes: http://www.mosel-wein-nachts-markt.de/keller.html

Für Einheimische ist jedoch besonders die Mentalität der Menschen etwas ganz Besonderes. Die Moselaner „schwätzen“, wie ihnen „die Schnüss“ gewachsen ist. Selbstverständlich nicht in gestochenem Hochdeutsch, sondern „uff (Travener) Platt“. Für Besucher ist diese eigene Art des moselfränkischen Dialektes durchaus nicht immer nachvollziehbar, hat jedoch ihren ganz besonderen Charme. Schnell ist jedoch klar, „mir Moselaner sein der Mundart mächtig!“ Und wie das „uff’m Land“ so üblich ist, kennt Jeder Jeden, grüßt Jeder Jeden und redet Jeder über Jeden- so ist das nun mal. Doch zusammenhalten tun sie trotzdem, sei es gegen die selbstverständlich verfeindeten Einwohner der Nachbardörfer (wobei Moselaner zusammenhalten, wenn es gegen „die Hunsrücker“ geht) oder wenn es um Aussagen gegen den guten Moselwein geht, denn da verstehen Moselaner keinen Spaß.  Im Großen und Ganzen ist es in Traben-Trarbach wie in einer großen Familie. Es wird „dumm Zeuch geschwätzt“ und getratscht aber auch viel gelacht. Aber vor allem, wird dabei immer ein Glas Wein getrunken,
in diesem Sinne: „Prost alle Gare!“

Mein Musselland

Wat kann et wohl Schieneres gewe,
als en Mussellaner ze sein;
gebore em Land der Rewe,
verwehnt vom goldene Wein.

On en däm Land der Rewe,
wu meine Wieje mol stand.
Nor do allän well aich lewe
am herrliche Musselstrand.

Do kenne die Johre vergiehn,
der Herrgott wäs wohl die Zahl,
doch mecht aich von Bergeshiehn
oft noch ronnerblicke ent Dal.

Von do owe dat Glas dann erhewe
wu ringsum die Danne noch stiehn,
on en Prost off dä Fluß on die Rewe,
denn os Heimeat, die es jo su schien!

                                                                     Berthold Mitscher