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Weihnachten und Silvester in der Welt, gleicher Tag, aber gleiches Fest?

Die Dezember Festtage haben eine große Relevanz in der westliche Kultur und man konnte denken dass es überall gleich gefeiert wird, aber das stimmt nicht ganz. Zwischen jeder Kultur, Land und sogar jeder Stadt kann man verschiedene Traditionen und Rituale beobachten.

Es ist fast ein Jahr seit ich in Deutschland lebe und in dieser Zeit vor Weihnachten und Silvester kann man schon viele Unterschiede zwischen meiner Kultur (aus Ecuador) und der deutschen Kultur behaupten, wie die Traditionen, Glauben und Rituale.

Weihnachten in Ecuador, so wie in Deutschland bedeutet, mit der Familie zusammen zu  sein, zusammen zu essen und Geschenke zu geben und dankbar zu sein. Man geht auch in die Kirche und hilft armen Leuten und verbringt Zeit mit ihnen. Aber in Ecuador und in Südamerika allgemein ist die Religion einer der wichtigsten Faktoren von Weihnachten.

In Südamerika spielt das Christkind eine sehr wichtige Rolle, wichtiger als der Weihnachtsmann, da viele Kinder glauben, dass das Christkind  Geschenke für sie am 25. Dezember bringt (trotzdem ist der Weihnachtsman auch wichtig). Die Mehrheit der Bevölkerung  in Ecuador ist katholisch oder christlich und deswegen ist die Geburt des Christkinds der wichtigste Teil von Weihnachten. Neun Tage vor dem 24. Dezember betet man jeden Tag,  um der Ankunft des Christkinds zu gedenken, diese Zeit wird „Novena“ genannt und normalerweise treffen sich alle mit der Familie und singen zusammen Weihnachtslieder und essen. Es gibt auch Paraden, die versuchen, die Geburt des Christkinds nachzubliden.

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In Deutschland und Ecuador dekoriert man die Häuser, Straßen und Einkaufzentren mit prächtigen Lichtern, Ornamenten und Figuren. Aber in Ecuador gibt es auch die Tradition, Dekoration für die Geburt des Christkinds zu haben, in manchen Einkaufshäusern oder Häusern sind diese Figuren riesig und sehr detailiert.

Die Weihnachtsmärkte und Adventskalender sind leider in Südamerika keine richtige „Urtradition“, in Ecuador sind die Weihnachtsmärkte, die man findet, deutsch oder von Deutschen konzipiert. Trotzdem sind die Weihnachstmärkte sehr beliebt und jedes Jahr wird diese fremde Tradition berühmter. Dasselbe passiert mit dem Adventskalender, die meisten Kalender, die man in Ecuador kaufen kann, sind von Deutschen bzw. Europäern angeboten. In Ecuador gibt es die Tradition, einen dekorierten Beutel zu verschenken, der voll mit Süßigkeiten, Keksen und Nüssen ist. Man schenkt diesen normalerweise den Nachbarn, Freunden, usw. In Ecuador gilt: Je mehr man schenkt, desto größer das Wohlgefühl.

Auch einige Weihnachtstraditionen in Ecuador stammen von Traditionen der USA oder Europa (Pute als Hauptgericht, an Heiligabend zu feiern, Geschenke am 25. Dezember auspacken, Tannenbaum, Weihnachtslieder, usw.) ab und am wichtigsten, die Beudeutung der Familie.

viudasWeltweit symbolisiert Silvester einen neuen Anfang. Und in Ecuador wird dieser Glauben sehr ernstgenohmen. Fast alle Traditionen und Rituale haben als Ziel, einen neuen Anfang voll mit Erflog und Glück zu bilden und die schlechten Sachen des letzten Jahres hinter sich zu lassen. Die wichtigste Tradition ist deswegen das Verbrennen des „Año Viejo“ (alten Jahres). Das ist eine Puppe, die die schlechte Sachen symbolisiert, die passiert sind. Diese Puppe tragen manchmal Masken von Präsidenten oder gehasste Persönlichkeiten in der Welt oder Formen von Figuren von Tv Shows. Manche Männer verkleiden sich als verwitwete Frauen, die weinen weil das Jahr schon zu Ende ist und kriegen auf den Straßen Geld dafür. monigote

Um Glück, Liebe oder Geld zu bringen, gibt es unendliche Rituale, wie zum Beispiel in 12 Kerzen verschiedene Wünsche aufzuschreiben; 12 Trauben um 12 Uhr zu essen, damit man Zufriedenheit in jedem Monat kriegt;  durch die Straße mit eine Rucksack zu rennen, um viel zu reisen; Wünsche in Luftballons zu schreiben; von Treppen springen wenn es schon 12 Uhr ist, Geld in die Schuhe zu stellen, oder Gold in Champagnergläser zu stellen. Es gibt auch Rituale wie das Haus mit Heilkräutern zu fegen oder nur neue Klamotten und gelbe Unterwäsche (Gelb symbolisiert Geld) in der Silvesternacht zu tragen.

Religion hat mit dieser Festivität nicht mehr viel zu tun, da einige Rituale von einheimischen Glauben abstammen, die schon lange existieren, bevor das Christentum nach Ecuador kamm. Trotzdem gibt es spezielle Gottesdienste für Silvester.

Auch gibt es europäische Einflusse in die Silvestertraditionen, wie Feuerwerk, Champagner oder Sekt zu trinken, den Countdown bis 12 zu zählen oder der Kuss um Mitternacht. Aber man kann sagen, dass die Rituale und Traditionen in Ecuador an Silvester eher altmodisch sind.

Der Schwerpunkt der ecuadorianischen Traditionen liegt auf dem Beisammensein mit der Familie, da Silvester in Ecuador nur mit Familie gefeiert wird.

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Der alljährliche Weihnachtsmarktbesuch – Freude oder Leid?

Man sehnt ihn fast ein Jahr lang herbei, fiebert dem Aufbau entgegen und nun ist es soweit: Der alljährliche, seit 200 Jahren bestehende Weihnachtsmarkt am Dom hat wieder eröffnet und läutet somit die Weihnachtszeit in Mainz ein. Doch wer kennt es nicht, kaum war man einmal da, weicht der traumhafte Geruch nach Glühwein und Gewürzen sowie der Schein des Lichterzeltes dem ständigen Gedrängel der Menschenmassen und teilweise ewigen Anstehen an den Ständen.

Doch muss das sein?

 

Wir haben uns auf die Suche nach alternativen Weihnachtsmärkten in Mainz gemacht, an denen der Genuss vorweihnachtlicher Stunden auch ohne negative Erfahrungen möglich ist.

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Kommentar: Ich verstehe die Welt nicht mehr…

Ich verstehe die Welt einfach nicht mehr.

Hier sitze ich also an meinem Laptop, umgeben von Lernzettel, Vorlesungen, Schoko-Lebkuchen (don’t judge me) und den Nachrichten im Fernseher. Man möge es kaum glauben, aber bis vor mehr als einem Jahr habe ich noch nicht einmal die Nachrichten geschaut, geschweige denn mehrmals am Tag verfolgt. Das Adjektiv politikverdrossen hat mich wirklich am besten beschrieben.

Jetzt aber muss ich mich davor zügeln Spiegel Online, die Welt etc. jede halbe Stunde zu checken und zu sehen, was so alles auf der Welt geschieht. Woher dieser Wandel kam? Ganz einfach: Ich habe ein ganzes Jahr in den Vereinigten Staaten mit einer politisch-aktiven republikanischen Familie verbracht. In diesem Jahr wurde ich so stark desillusioniert, dass ich schon gar nicht mehr verstehe, wie ich nur so abgekapselt von dem allgemeinen politischen Kima, nicht nur hier in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt, sein konnte. Meine komplette naive Weltanschauung hat sich von mir ohne eine Vorwarnung verabschiedet.

Und jetzt, wo ich endlich so informiert bin, frage ich einfach mal in die Runde:

What the fuck is going on?

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Wonder Waffel – Ein Paradies für Erwachsene?

Wonder Waffeln – wer Waffeln liebt, ist bei Wonder Waffel genau richtig aufgehoben.

Das Logo

Das Logo

Das Original aus Berlin hat sich als Franchiseunternehmen mittlerweile an vielen Standorten in Deutschland aufgestellt. Ich durfte am Wochenende mit meiner besten Freundin zusammen in Köln nun endlich selber testen, ob die Waffeln ihre Bekanntheit nur wegen ihres Aussehens erlangen haben oder auch geschmacklich punkten können.

Bunt, schrill und laut.

Bunt, schrill und laut.

Als wir im Laden ankamen war es bereits extrem voll und wir mussten an der Schlange anstehen. Der Laden ist sehr bunt und alternativ eingerichtet – eben typisch berlinerisch. Während wir an der Schlange anstanden, konnten wir uns die Karte anschauen. Dort findet man bereits zusammengestellte Waffeln, die „Favourites“, oder man kann sich eine selber zusammen-stellen. Der Preis einer Waffel fing ab 4,90 Euro an. In dieser konnte man zuerst eine Soße        ( Nutella, Bitterschokolade, …) wählen,       dann durfte man zwei bis drei Früchte (Banane, Erdbeeren + 60 Cent) aussuchen und zum Schluss noch ein bis zwei Toppings (Schokoraspeln, Kokosraspeln, Krokant, …) nehmen.       Wenn man aus der Kategorie Specials etwas auswählen wollte, sowie bei wenigen anderen Ausnahmen, musste man jeweils 60 Cent draufzahlen. Wer kein Freund von Waffeln ist, der könnte sich ansonsten auch einen Shake, Heiß- bzw. Kaltgetränk oder Eis bestellen.

Eine Besonderheit: Jede Waffel wird für den Kunden personalisiert.

Eine Besonderheit: Jede Waffel wird für den Kunden personalisiert.

Fazit: Insgesamt finde ich es ein cooles Konzept und die schrille Einrichtung hat ein gewisses Etwas. Mir fiel auf, dass vor allem junge Leute den Laden frequentieren. Das ganze Konzept muss man sagen ist sehr amerikanisiert. Wer auf Süßes steht, der wird auch Wonder Waffel lieben; die Auswahl ist wirklich wie ein Paradies für Erwachsene. Die Waffeln waren sehr lecker und frisch zubereitet. Der Preis ist nicht günstig, aber die Portion ist gut serviert und könnte daher eine süße Hauptspeise für manchen sein. Daher kann ich auch gut nachvollziehen warum diese Waffeln von so vielen „gehyped“ werden, sie sehen nicht nur toll aus, sondern schmecken auch noch sehr lecker! Bleibt zu hoffen, dass vielleicht bald einer in Mainz eröffnen wird… ;-)

Trumps Amtseinführung

Donald Trump wird 45. Präsident der Vereinigten Staaten.

Washington, 20.01.2017. Diesen Morgen ist Trump offiziell als 45. US-Präsident ins Weiße Haus eingezogen. Präsident Barack Obama begleitet seinen Amtsnachfolger zum Kapitol. Dort beginnen die Feierlichkeiten mit Musik. Die Nachwuchssängerin Jackie Evancho singt die Nationalhymne. Um 18:00 Uhr legt Donald Trump auf den Stufen des Kapitols den Amtseid ab und hält seine Eröffnungsrede. In seiner Rede sagt er, dass Amerika bei seinen Entscheidungen an erster Stelle käme und auch innenpolitisch richtet er sich ganz nach seinem Wahlkampfspruch „Make America Great Again“. Im Anschluss wird Trumps Vize Mike Pence ins Amt geschworen.  Am Abend wurde dann die Parade zum Weißen Haus durchgeführt, in der es zu vielen Protesten von Demonstranten kam.

„Es ist eine andere Welt.“

Ballett: Zwischen Hochleistungssport und Kunst, zwischen blutigen Füßen und Eleganz

sarah

Nach dem Abitur Studieren oder doch ein Auslandsjahr? Diese Frage stellt sich nicht jedem.
Sarah Altherr hat vor zwei Jahren parallel zum Abitur  ihre Ausbildung zur Balletttänzerin abgeschlossen. Sie berichtet vom etwas anderen Lebensweg.
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„Sie sind überall und umkreisen mich“-ein Besuch bei den Kannibalen

Es ist der 20.01.2017, der Tag, an dem ich mich mit drei Freunden auf den Weg zu einem Konzert von Kannibalen mache. Genauer gesagt: Es geht zu KIZ, den Kannibalen in Zivil. Die Jungs Tarek, Maxim, Nico und ihr DJ, alle vier geliebt und gefürchtet für ihren satirischen Hip-Hop-Rap, geben ein Zusatzkonzert. Anlässlich ihrer Tour „Hurra, die Welt geht immernoch unter“ zieht es sie in die Stadthalle nach Offenbach.

Aliengehirn und Zwergkanninchen-ein langer Weg zu den Kannibalen

Die Zugverbindung von Mainz nach Offenbach dauert ohne Umstieg circa eine Stunde.
Wer seine Konzertkarten für knapp 35€ bei Eventim () gekauft hat, der kann sich über eine kostenlose An-und Abreise am Tag des Events freuen (Vorausgesetzt, man liest das Kleingedruckte auf den Karten.) Nachdem wir die Deutsche Bahn unterstützt haben, kommen wir schließlich am Marktplatz in Offenbach an. Wir treffen Menschen, die den gleichen Weg wie wir vor uns haben und nutzen den Supermarkt Rewe, um uns für den Weg zur Stadthalle einzudecken. Ich bin begeistert vom Tomatenangebot und erstatte eine seltsam geformte Tomate, die wir liebevoll „Aliengehirn“ nennen.
Der Fußweg vom Bahnhof zur Stadthalle dauert dreißig Minuten und führt an diversen Tierhandlungen mit süßen Zwerkanninchen vorbei. Zum Glück gibt es Google Maps und einen Menschen mit vollem Datenvolumen, denn keinerlei Wegschilder weisen uns den Weg zu KIZ. Immerhin, man muss nirgendwo abbiegen sondern läuft der Nase nach zur Stadthallen, falls, wie gestern, alle Buslinien streiken.

„Soll ich hier vor die Bühne pinkeln?“ „Klar, mach doch“

Vor der Stadthalle finden wir glücklicherweise keine Riesenschlange vor und kommen nach Vorzeigen des Tickets und einer kurzen Taschenkontrolle schnell in die Halle. Die Garderobe kostet 1,50€. Sowohl dort, als auch vor der Toilette sieht man keine Riesenschlange.
Die Riesenschlange ist im eigentlichen Konzertraum. Sie hat blondgefärbte Haare und trägt einen Nasenpiercing. Noch vor dem Konzert lässt sie keinen Menschen vorbei und beschwert sich, wenn Konzertbesucher sich an ihr vorbeidrängen, um auf die Toilette zu gehen. Dabei ist der Konzertsaal nicht einmal allzu voll und viele KIZ Fans sitzen auf bereitgestellten Stühlen.
Die Infrastruktur in der Stadthalle ist theoretisch ideal, leider kann man mit der Höflichkeit der Fans nicht immer rechnen. Dazu später mehr.

Der Papst reist an

Pünktlich um 19 Uhr beginnt die Vorgruppe Audio 88 und Yassin mit ihrer Show. Die Artists sind als kirchliche Oberhäupter wie Papst und Bischof verkleidet und unterhalten das Publikum mit Songs, die alle mitsingen können. Die Kostüme passen zu ihrem aktuellen Hit „Halleluja“ und stimmen die Menge, die offenbar nicht streng katholisch ist, ein.
Nach einer viertelstündigen Pause nach den Kirchenleuten sind sie schließlich da, die Kannibalen.

Hier eine kleine Songauswahl der Vorgruppe:
„Halleluja“
„Schellen“
„Asia Box“

Mein erster Moshpit

Zugegeben muss man sagen, dass Konzerte nicht der Ort sind, den man aufsuchen sollte, wenn man klaustrophobisch veranlagt ist. Wenn die Stimmung bei Audio 88 und Yassin schon brodelte, kocht sie über bei der Ankunft von KIZ. Vier riesige Statuen der Band stehen auf der Bühne, vornedran ihre menschlichen Versionen. Währen ich versuche, das simple und beeindruckende Bühnenbild auf mich wirken zu lassen und gerade anfangen will, die erste Line mitzurappen, springt mir ein Fremder ins Kreuz. Ich drehe mich um und sehe, dass ich umringt von einigen Leuten bin, die sich anrempeln. Sie sind überall und umkreisen mich. Ich denke mir: „Gut, das ist also ein Moshpit, du rempelst mal zurück.“ Ich habe den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, da hüpft ein übergewichtiger Mann ohne T-Shirt auf mich zu. „Urlaub fürs Gehirn“- der Song, der gerade gespielt wird, spiegelt meine geistige Lage. Ich hüpfe ihm entgegen und habe das Gefühl wie Harry Potter gegen eine Wand zu laufen. Leider lande ich nicht am Gleis 9 ¾ sondern auf dem Boden. Der Hänkel meiner Handtasche ist gerissen und Leute trampeln darauf herum. Ich habe das Gefühl, dass gleich noch eine wichtige Sehne von mir reißt und ich krabbel auf dem Boden, um meine Tasche zu suchen. Nun gut, jetzt ist die Tasche ja schon hinüber, dann kann ich ja auch weitermachen.“Spast“, das ist der nächste Song. Ja, ich weiß, auch mit diesem Song kann ich mich im Moment identifizieren. Ich halte meine Tasche in den Händen und springe gegen fremde Menschen.

Hier eine Auswahl an Songs, die KIZ gespielt hat:
„Urlaub fürs Gehirn“
„Spast“
„Geld essen“
„Verrückt nach dir“
„Hurra, die Welt geht unter“
„Boom, Boom, Boom“
„Kannibalenlied“
„Wir“
„Käfigbett“

Nackte Frauen, Terroristen und ein Baby

Wie schon erwähnt stehen während dem gesamten Auftritt vier Statuen der Rapper im Hintergrund.
Zum „Kannibalenlied“ treten vier weitere Männer auf die Bühne, die Plastikkanonen in den Händen halten und aussehen, als würden sie gleich die Halle sprengen. Angesichts der zeitigen Lage ist diese Inszenierung sehr, fast schon zu provokant. Vielleicht ist dies aber auch die Taktik, die KIZ ausmacht.
Beim Song „Käfigbett“ werden überdimensionale gespreizte Beine einer Frau aus Pappe aufgebaut. Einer der Rapper trägt eine Windel und ist mit Blut verschmiert, quasi wie ein Säugling der gerade auf die Welt kommt.
Während des Konzerts ertönen des Öfteren Kanonengeschosse und orange-weiße Fäden regnen von der Decke.
Die Rapper verhalten sich so, als seien sie unter Freunden und nicht unter Fans: Nico, einer der Rapper, steckt sich mehrfach Zigaretten trotz des Rauchverbotes an und kippt Bier und Sekt in die Menge. Auch sagt er: „Ich will im Moshpit endlich mal Verletzte sehen.“ Ich kann nur hoffen, dass diese Bitte ein schlechter Scherz ist und eine ungünstige Formulierung für : „Ihr dürft ruhig ein bisschen wilder sein.“ Glücklicherweise kommt es nicht zu Verletzten.
Von Seiten der Zuschauer regnet es Bier und es riecht vermehrt nach Marihuana. Man bekommt das Gefühl, als wollen sie die Zuschauer der Gesetzlosigkeit des Konzertes anpassen.
Nun gut, Geschmäcker sind verschieden, aber eins muss man festhalten: KIZ hat keine Show gemacht, um ihren Auftritt besonders zu machen, Provokanz macht sie aus und das spiegeln sie auch in ihrem Bühnenbild und ihren Fans wider.

Die Jan Böhmermann Krise

Sind KIZ wirklich durch und durch Rebellen? Jein. Tarek von KIZ entschuldigte sich offiziell bei den Gästen für eine Phrase, die er auf einem vergangenen Konzert gesagt habe.
Er bezeichnete Jan Böhmermann, den Satiriker, als pädophil. Diese Aussage nimmt Tarek zurück.
Leider wird seine Entschuldigung etwas entschärft. Beim Song „Hurra, die Welt geht unter“ rappt er anstelle „Die Kinder gruseln sich, denn ich erzähle vom Papst“: „Die Kinder gruseln sich, denn ich erzähle von Jan Böhmermann“.
Gut, ob es jetzt schlimmer ist, den Papst oder einen ZDF Moderator zu beleidigen, das kann jetzt jeder für sich selbst entscheiden.

Alles hat ein Ende, nur die Schlange hat keins

Nach dem dreistündigen Konzert mit etlichen Zugaben, unter anderem mit dem Papst (von Audio 88), drängte sich die Menge zu den Garderoben. Ein Securitymann steht Spalier vor der Tür zur Garderobe und lässt eine geringe Anzahl von Leuten in den Raum. Die Konsequenz: Menschen stehen dicht gedrängt aneinander und drücken in Richtung Tür. Ich muss sagen, diese Erfahrung war schlimmer als im Moshpit. Hiermit appelliere ich offiziell an die Vernunft von einigen Konzertbesuchern: Es geht nicht schneller, wenn man sich beschimpft, anrempelt oder schubst. Die Veranstalter haben ein System vorgegeben, aber ein System ist nutzlos, wenn es nicht angenommen wird.
Leider muss ich aber auch die Veranstalter kritisieren. Ein Wasser für 5 € zu verlangen grenzt an einer Unverschämtheit. Allerdings kann man sich über frisch belegte Brötchen freuen, wenn man nach dem Konzert noch ein bisschen Hunger hat.

Bin ich zum Partypatriot geworden?

Alles in allem kann ich sagen, dass ich mit dem Auftritt von KIZ sehr zufrieden war. Sie haben sich genauso gezeigt, wie ihre Songs sind: frech, ehrlich, talentiert und lustig.
Ich würde ein KIZ Konzert nur den Leuten empfehlen, die keine Berührungsängste haben und sich nicht über jeden Vekalausdruck aufregen. Nehmt nicht alle Aussagen zu ernst und fühlt euch persönlich angegriffen. Dass KIZ ihre Fans am Herzen liegen, erkennt man schon daran, dass sie uns keine Minute haben warten lassen und pünktlich mit der Show begonnen haben. Hart aber herzlich-so würde ich die Jungs beschreiben.Wer nicht unbedingt Teil eines Moshpits sein möchte, sucht sich am besten einen Sitzplatz oder einen Stehplatz am Rand.
Nach dem Konzert postet KIZ folgendes Statement auf Instagram: „Offenbach, das war ganz in Ordnung“.

Danke, Jungs, für diese Erfahrung. Ich fand euch mehr als in Ordnung.