Archiv der Kategorie: Politik

Kommentar: Ich verstehe die Welt nicht mehr…

Ich verstehe die Welt einfach nicht mehr.

Hier sitze ich also an meinem Laptop, umgeben von Lernzettel, Vorlesungen, Schoko-Lebkuchen (don’t judge me) und den Nachrichten im Fernseher. Man möge es kaum glauben, aber bis vor mehr als einem Jahr habe ich noch nicht einmal die Nachrichten geschaut, geschweige denn mehrmals am Tag verfolgt. Das Adjektiv politikverdrossen hat mich wirklich am besten beschrieben.

Jetzt aber muss ich mich davor zügeln Spiegel Online, die Welt etc. jede halbe Stunde zu checken und zu sehen, was so alles auf der Welt geschieht. Woher dieser Wandel kam? Ganz einfach: Ich habe ein ganzes Jahr in den Vereinigten Staaten mit einer politisch-aktiven republikanischen Familie verbracht. In diesem Jahr wurde ich so stark desillusioniert, dass ich schon gar nicht mehr verstehe, wie ich nur so abgekapselt von dem allgemeinen politischen Kima, nicht nur hier in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt, sein konnte. Meine komplette naive Weltanschauung hat sich von mir ohne eine Vorwarnung verabschiedet.

Und jetzt, wo ich endlich so informiert bin, frage ich einfach mal in die Runde:

What the fuck is going on?

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‚Ready for Boarding‘

Die perfiden Foltermethoden der CIA

Das Licht geht aus und es ist still im U17 des Staatstheaters in Mainz. Jeder spürt die bedrückende Stimmung und niemand weiß, ob und wann man mit dem Applaus beginnen soll. Ist es jetzt vorbei?

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Das Werbebild des Projektes gibt eine dunkle Vorahnung auf das, was den Zuschauer erwartet. (Foto: Dominik Breuer)

Dieses eindrucksvolle Ende nahm die Inszenierung des Brachland Ensembles am vergangenen Dienstagabend. In einem Live-Hörspiel wurde der 2014 veröffentlichte CIA-Folterreport vertont – und das schonungslos, aber auf eine faszinierende Art und Weise. Im Anschluss brauchte man Zeit zum Nachdenken. Weiterlesen

Deutscher Rap-eine Frage der Intelligenz oder der Dummheit? -So asozial muss man sein

08.01.2017

Alle Deutsch Rap-Hörer werden früher oder später auf sie stoßen: Begriffe, die, wenn man sie im Alltag verwendet, nicht selten zu einer Strafanzeige wegen Beleidigung führen.
Die Künstler selbst sind davor auch nicht geschützt. Der Berliner Rapper Bushido kann selbst ein Lied davon singen (oder rappen). Er wurde wegen dem Song „Stress ohne Grund“ im Jahr 2014 wegen Volksverhetzung angezeigt. Gewaltfantasien und schwulenfeindliche Parolen wurden von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien kritisiert (Lyrics zu „Stress ohne Grund“ unter: http://www.lyricsmania.com/stress_ohne_grund_lyrics_bushido.html).
Sido verteidigt Bushido in einer Talkshow von Markus Lanz am 24.11.2014: Bushidos Beleidigungen seien „ganz normales Geschimpfe“ (Talkshow ersichtlich unter: https://www.youtube.com/watch?v=jOolAfjv3xg). Trotzdem entschuldigte sich Bushido für seine Worte.
Die Frage, die dabei aufkommt ist: Ist es korrekt eine Kunstform zu kritisieren und sind alle Beleidigungen so gemeint, wie sie ausgesprochen werden?

Rap macht es uns nicht leicht

Zugegeben, machen es uns Vertreter des Deutschen Raps nicht leicht, ihn als moralisch wertvoll zu betrachten.
Die Rapgruppe „Trailerpark“ veranstaltete beispielsweise eine Ü 18- Show. Dort wurden unter anderem Prostituierte zur Schau gestellt, die mit Zuschauern Livesex auf der Bühne hatten. Des Weiteren fanden Liveactst statt, die weit in die Fetischszene der Pornografie hineinreichen. Videos zu der Show sind nur auf Pornoseiten ersichtlich (diese werden hier nicht verlinkt).
Der Rapper Bushido machte zudem Schlagzeilen wegen Körperverletzung an seiner Ehefrau.
Der Künstlername des Rappers Sido (Superintelligentes Drogenopfer) spricht für sich.
All diese Attribute einiger deutscher Rapper führen zu einem vornherein negativ konnotierten Bild des Deutschen Raps. Doch was haben die Skandale mit der eigentlichen Musik zu tun?
Nichts.

Rap ist Bildung

Um ehrlich zu sein, ist an manchen Parolen des Deutschen Raps kein weiterführender Hintergrund zu sehen. Die Line „Ich schieß auf Claudia Roth und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz“ (aus „Stress ohne Grund“) ist eine klare Beleidigung, die nicht rechtens ist und nicht gerechtfertigt werden darf.
Analog dazu sollte jede Form von Gewalt verurteilt werden, insbesondere dann, wenn sie in der Realität stattfindet und im Rap genauso gemeint ist, wie sie ausgesprochen wird.
Darin befindet sich der Knackpunkt des Raps: Man muss jede Line hinterfragen und zwischen den Zeilen lesen.
Die Band KIZ ist ebenfalls bekannt für sexistische und provokante Texte voll schwarzem Humor, Ironie, Sarkasmus und Zynismus. Doch sie nutzen diese Kombination aus Stilmitteln um Kritik an der Gesellschaft auszuüben, die auf großflächigen Anklang trifft.
Mit der Line „Ihr Partypatrioten seid nur weniger konsequent als diese Hakenkreuzidioten“ kritisiert KIZ nicht nur Rechtsradikale, sondern auch die Gesellschaftsschicht, die rechtsradikales Gedankengut hat und zu feige ist, offen dazu zu stehen.
In dem Video zum Song „Geld essen“ strippt unter anderem eine Frau in einer KIZ Uniform, die an die Uniform der SS angelehnt ist.
Dabei ist KIZ nicht frauenfeindlich. Sie machen nur darauf aufmerksam, dass die Nationalsozialisten es waren.
Zudem sind manche „Frauenfeindlichkeiten“ Kritik an übersteigertem Feminismus.
KC-Rebel rappt in seinem Song „Anhörung“: „Zu viele Männer haben an Frauen ihren Stolz verkauft.“
Des Weiteren ist die Inszenierung eines Raps oft missverständlich: Mo Trip rappt in seinem Song „Triptheorie“ über die drogenhaftige Verbreitung des Raps. Im Musikvideo hat er die Rolle des Dealers inne, der in einer Drogen verschickt, umringt von Models in Unterwäsche
Man warf ihm Verherrlichung von Drogen vor, dabei handelte es sich bei dem Video um eine Metapher.

Ihr seid cool, aber nicht kühl – das Prinzip der erregten Teekanne

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Durch metaphorische Darstellungen wie bei „Triptheorie“ wird klar, welche Rolle Rapper in ihrem Beruf haben: Sie sind moderne Dichter. Beim Rappen wandeln sie ihre Gedichte in Sprechgesang um. Dies gelingt ihnen mit Stilmitteln, die schon Goethe, Schiller und viele mehr verwendet haben.
„Nach der Morgenröte kam das Tagesgelb
in der Nacht warn wir blauer als die Farbe selbst,
jetzt ist alle monochrom,
der Mensch ist elektrisch,
seit du weg bist,
bin ich ohne Strom.“
Diese Lines stammen vom Rapper Prinz Pi aus dem Song „Laura“. Was er darstellen möchte, ist logisch: Leere, Sehnsucht und Einsamkeit. Doch macht er Gebrauch von Metaphern und verleiht dadurch dem Rap Lebendigkeit.
Auf seine Weise macht dies auch Bushido mit einem Wortspiel:
Er rappt „ Ich bin Asi, aber dein Gesicht ist asy-mmetrisch“ (aus „Stress ohne Grund“).
Allgemein muss man daher feststellen, dass sich der Aufwand der Rapschreibung schlichtweg nicht lohnen würde, wenn Rapper nur „pöbeln“ und beleidigen wollten.
Zudem muss man sagen, dass Begriffe, die homosexuellenfeindlich oder frauenfeindlich scheinen, oft mit einer anderen Bedeutung konnotiert sind.
Man kann dieses Phänomen mit den Begriffen „cool“ oder „geil“ vergleichen.
„Cool“ wird in unserer Gesellschaft nicht als „kalt“ aufgefasst, man bezeichnet etwas als cool, wenn es hip ist. Zudem meint man mit der Bezeichnung „Das ist aber eine geile Teekanne“ nicht, dass die Teekanne sexuell erregt ist, sondern dass sie schön anzusehen ist.
Leider wird im Rap anstelle der Begriffe „geil“ und „cool“ häufig Wörter verwendet, die sich gegen Minderheiten richten und Negatives konnotieren sollen, sodass es zu Missverständnissen kommt.
Dazu muss hinzugefügt werden, dass hinter jedem Dichter (und Rapper) eine Privatperson steht.
Rapper haben fast immer Künstlernamen und sind Kunstfiguren. Die Einstellungen der Kunstfigur sind nicht immer deckungsgleich mit den Einstellungen der Menschen.

„Es liegt an eurem geistigen Fassungsvermögen, wenn ihr bei KIZ nicht lacht, ihr Amöben“ (aus
„ Wir“ von KIZ)

Some amoebas like this one form shells. Shell is composed of bits of rock (sand), diatom shells, and other debris. Live specimen. Wet mount, 40X objective, transmitted brightfield illumination. Note - motion blur of live animal, very shallow depth of field, chromatic aberration and uneven focus are inherent in light microscopy.

Letzten Endes muss man feststellen, dass viele Rap eine Form des Entertainments ist.
Wer in dieser Branche tätig ist, möchte Massen mitreißen und sie unterhalten.
Dabei helfen natürlich Hits, die polarisieren. Beispielhaft sind dabei Hits wie „F*** dein Abitur“ von Metrickz oder „F*** die Uni“ von Antilopengang.
Zuhörer vertreten die Einstellung des Songs meist nur situationsbedingt und erreichen durch den Rap eine Bestätigung ihres Grolls. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie deswegen aufhören zu studieren oder zu lernen.
Sollte dies der Fall sein, kann man nicht den Rap dafür verantwortlich machen. Denn wer gebildet ist, wird wegen eines Songs nicht seine Zukunft gefährden. Umgekehrt ist es nicht die Schuld des Rappers, wenn ihnen die Worte im Mund herumgedreht werden.
Damit ist bewiesen, dass Rapverständis den Intellekt des Zuhörers bedarf.

Und falls es doch mal eng wird: „Unter den Pflastersteinen wartet der Sandstrand,
wenn nicht mit Rap,
dann mit der Pumpgun.“ (aus „Hurra, die Welt geht unter“ von KIZ)

Ankündigung

Am 20.Januar 2017 findet ein Konzert von KIZ der Tour „Hurra, die Welt geht unter“ in Offenbach statt. Dort möchte ich zurechnungsfähige Zuschauer befragen, ob sie sich mit den Texten der Band auseinander gesetzt haben und um die Satirehaftigkeit dieser wissen. Zudem schaue ich mir die Inszenierung von KIZ an und überprüfe, ob diese von den eigentlichen Texten ablenkt.
Fotos wird es auch geben, falls mein Handy (und meine Knochen) den Moshpit überleben.
Dazu folgt ein Bericht auf dem Blog des Seminars.

#OscarsSoWhite – Die Academy lenkt ein

Los Angeles, 28.01.2015. Die Rassismusdebatte im Vorfeld der diesjährigen Oscarverleihung nimmt kein Ende. Nachdem von verschiedenen Seiten beklagt wurde, dass erneut keine farbigen Filmschaffenden für den begehrten Goldjungen nominiert wurden (wir berichteten), reagierte nun auch die Academy of Motion Picture Arts and Science. Diese kündige „radikale Veränderungen“ an, um die Diversitätsthematik zumindest im Ansatz beim Schopfe zu packen. “Die Academy wird führen, statt nur zu warten bis die Industrie aufholt“, erklärt Academy Präsidentin Cheryl Boone Isaacs. Weiterlesen

„Koblenz ist bunt“: Protest gegen AfD-Wahlkampf

KOBLENZ. 21.01.2016. Mehrere Hundert Menschen demonstrierten am Donnerstagabend auf dem Zentralplatz gegen eine Wahlkampfveranstaltung der Alternative für Deutschland (AfD).

Mit Schildern wie diesem wehrten sich die Koblenzer gegen die AfD.

Während die AfD in den Räumen des Forum Confluentes ihr Programm für die kommende Landtagswahl vorstellte, versammelten sich draußen etwa 500 Menschen, um insbesondere gegen die Flüchtlingspolitik der Partei zu demonstrieren. Aufgerufen zum Protest hatten „Die Partei“ sowie Jugendorganisationen der SPD und Linke.

„Menschenrechte statt rechter Menschen“, war etwa auf Schildern zu lesen, oder auch: „Die AfD legt das Feuer – wer ihr nachläuft, reicht das Benzin.“ Trotz eisigen Wetters fanden sich auch zahlreiche Musiker auf dem Zentralplatz ein, so etwa von der Rheinischen Philharmonie. Gemeinsam mit den Demonstranten sangen und spielten sie Beethovens „Ode an die Freude“, die spätestens seit ähnlichen Demonstrationen in Mainz und Dresden als Hymne für Solidarität und gegen rechtes Gedankengut gilt.

Mit Hass und Wut sei keine Politik zu machen, äußerte sich einer der Demonstranten im Interview. „Da bin ich lieber Gutmensch als Wutbürger“, fährt er fort und nimmt damit Bezug auf das Unwort des Jahres. Vor allem gegen die Anti-Asyl-Politik der AfD wolle man ein Zeichen setzen. „Wir alle müssen zeigen, dass die AfD eben nicht das Volk ist, sondern dass unser Volk bunt und weltoffen ist“, sagte eine andere Teilnehmerin. Nur so sei tatsächlich etwas zu bewirken.

"Ode an die Freude": Musiker der Rheinischen Philharmonie und Demonstanten musizieren gemeinsam.

„Ode an die Freude“: Musiker der Rheinischen Philharmonie und Demonstranten musizieren gemeinsam.

Während draußen demonstriert wurde, lauschten im Inneren des Kulturbaus etwa 200 Zuhörer den Reden des rheinland-pfälzischen AfD-Chefs Uwe Junge, der Bundesvorsitzenden Frauke Petry und des NRW-Landesvorsitzenden Marcus Pretzell.

Junge – der fordere, man solle „stolz sein, Deutscher zu sein“ – konzentrierte sich in seiner Rede ebenfalls auf die Flüchtlingsproblematik. Die derzeit „massenhaft einreisenden Analphabeten“ bezeichnete er dabei als „unkalkulierbare Belastung“ für Deutschland. Neben Kanzlerin Merkel (CDU) und ihrer Asylpolitik griff er auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) an, weil diese eine Diskussion mit der AfD in der Elefantenrunde des SWR abgelehnt hatte. Dies zeuge von „mangelndem demokratischen Selbstverständnis und bodenloser Arroganz“. Die Demonstranten vor der Tür beschimpfte er zudem als „von der SPD gemietete Wirrköpfe“.

Auch Petry kritisierte in ihrer Rede die „Willkommenskultur“ von SPD und CDU: Hinter dieser verberge sich nichts als eine „Auflösung unserer Wertegemeinschaft“. Es sei an der AfD, die demokratische Kultur Deutschlands in dieser Situation aufrecht zu erhalten. Des Weiteren beklagte sie die zahlreichen Angriffe auf ihre Partei innerhalb der letzten Monate – immer wieder sei es zu Störungen, Sachbeschädigungen, Diebstählen und Bedrohungen gekommen. Dies wolle man nicht weiter hinnehmen.

Der Protest auf dem Zentralplatz verläuft friedlich.

Der Protest auf dem Zentralplatz verläuft friedlich.

In Koblenz hingegen blieb der Protest friedlich. Die Organisatoren selbst bewerten die Demonstration als vollen Erfolg. „Wir waren sehr zufrieden, alleine schon, weil die AfD wegen uns den Hintereingang nehmen musste“, erklärte „Die Partei“-Mitglied und Veranstalter Johannes Thon. „Es waren über 500 Menschen an einem scheißkalten frühen Donnerstagabend da, wir hatten eine Live-Schalte in die Landesschau, Presse ohne Ende, was will man mehr?“. Der Erfolg zeige, dass man in der Lage sei, solche Veranstaltungen innerhalb kürzester Zeit auf die Beine zu stellen – und dies will man auch in Zukunft tun: „Der Wahlkreis Mayen-Koblenz war zur Reichstagswahl 1933 der einzige Wahlkreis, in dem die NSDAP nicht gewonnen hat – das verpflichtet“.

 

 

Weiter Streit um Südumfliegung- Bundesgericht hebt vorheriges Urteil auf

LEIPZIG, 10.12.2015. Die Südumfliegung am Frankfurter Flughafen ist doch nicht rechtswidrig- das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am 10.12.2015 entschieden. Das Gericht hat damit das Urteil des hessischen Verwaltungsgerichthofes von 2013 aufgehoben, in dem die Flugroute für rechtswidrig erklärt worden war. Nun legten die Richter in Leipzig fest, dass die Südumfliegung nur rechtswidrig sei, wenn es eine andere Variante der Flugrouten gebe, die zu einer geringeren Lärmbelastung führen würde. Damit wurde das Verfahren zurückverwiesen an den hessischen Verwaltungsgerichtshof. Dort sollen die Flugrouten nun noch einmal neu verhandelt werden.

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