Archiv der Kategorie: Film und Fernsehen

Grotesk, irrwitzig, dramatisch: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Bei den Golden Globes hat der Film mit dem komplizierten Namen schon abgeräumt, nun darf er auf die Oscars hoffen: Nach der Premiere bei den Filmfestspielen Venedig hat Three Billboards Outside Ebbing, Missouri einen furiosen Start hingelegt und bereits eine beachtliche Anzahl an Preisen und Nominierungen in allen möglichen Kategorien eingeheimst, darunter den Golden Globe für den besten Film (Drama), die beste Hauptdarstellerin, das beste Drehbuch und den besten Nebendarsteller. Seit 25. Januar läuft der Film auch in den deutschen Kinos.  Weiterlesen

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Preise aus dem nichts

Fatih Akin etabliert sich mit „Aus dem Nichts“ in Hollywood. Eine Kritik.

„Aus dem Nichts“ heißt sein aktueller Film, doch er selbst ist kein unbeschriebenes Blatt mehr.  Fatih Akin hat sich in Deutschland längst als Regisseur und Autor von Filmen etabliert, die sich oft mit deutsch-türkischen Charakteren und Themen befassen. Mit „Aus dem Nichts“, einem Film, der die NSU-Morde in Deutschland thematisiert, ist Akin nun auch in Hollywood angekommen.  Letzten Sonntag gab es bereits den Golden Globe für den Besten fremdsprachigen Film, am Donnerstag nun auch noch den Critics‘ Choice Award. Was aber macht diesen Film so herrausragend? Weiterlesen

Von Nordic-Walkern, dem Leviathan, Sinnsuche und einem Wanderweg

Nachwuchs-Talente präsentieren ihre Drehbücher 

Thorsten Schlicht bei seinem Pitch; hinter ihm die anderen Kandidaten; rechts die Jury

MAINZ. Seit einigen Jahren gehören zum Mainzer FILMZ – Festival des Deutschen Kinos nicht mehr nur die Filme selbst, sondern auch das, was am Anfang eines jeden Films steht: das Drehbuch. Im Rahmen der Förderung neuer Talente findet jedes Jahr am Sonntag während des Festivals das so genannte Drehbuch-Pitching für Kurzfilme, mittellange Filme und Langfilme statt – so auch am vergangenen ersten Adventssonntag. Im Keller des Cafés LOMO, der als Veranstaltungsort dient, kommen dann das Publikum, eine vier-köpfige Jury und vier Pitcher zusammen. Ein Drehbuch pitchen, das bedeutet nichts anderes als eine Idee beziehungsweise den Inhalt eines Drehbuchs anderen Menschen möglichst spannend und interessant zu präsentieren. Gepitcht wird in der Filmbranche üblicherweise vor Produzenten, die dann hoffentlich das Drehbuch kaufen und den Film produzieren. Bei FILMZ wird vor einer Jury gepitcht, die über den Jurypreis entscheidet, der aus einem Preisgeld von 300 Euro und der Drehbuch-Software DramaQueen besteht. Außerdem stimmt das Publikum über den Gewinner des Publikumspreises ab, der ebenfalls die Software in einer abgespeckten Version als Preis erhält. Weiterlesen

Filmz

Festival des deutschen Kinos startet in Mainz

Gestern Abend war zum Start des Filmz Festivals in Mainz die Eröffnungsveranstaltung. Um 20 Uhr wurde der erste Film, „Der Mann aus dem Eis“, im Frankfurter Hof gezeigt. Der Eröffnungsabend war laut der Veranstalter ein voller Erfolg. Im Anschluss zur Eröffnungsveranstaltung fand noch um 22:30 Uhr im Lomo statt.

Die ganze Woche werden über den späten Nachmittag und Abend verteilt immer wieder mittellange Filme, Dokumentationen und Langfilme gezeigt. Am Samstag finden dann noch ein Kurzfilmwettbewerb für lokale Produktionen und am Sonntag das Drehbuch-Pitching statt. Am Sonntag Abend werden die Gewinner der Wettbewerbe bekannt gegeben.

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Das richte ‚Thing‘ für den Serienwinter

Am 27. Oktober 2017 startete die zweite Staffel der Netflix-Original Serie „Stranger Things“. Wer am Ende der ersten Staffel an Happy End dachte, wird schon beim Angucken des neuen Trailers enttäuscht. Dieser gleicht einer dunklen Prophezeiung und es scheint, als werde die Kleinstadt Hawkins, im US-Bundesstaat Indiana, abermals heimgesucht. Weiterlesen

Ein Meisterwerk: „La La Land“

Mit 14 (!) Nominierungen gilt er als heißester Favorit der diesjährigen Oscars: Damien Chazelles „La La Land“ begeistert Publikum und Kritiker gleichermaßen. Dabei ist es erst die dritte Regiearbeit des Regisseurs, der 2014 mit „Whiplash“ bereits drei Auszeichnungen der Academy einheimsen konnte. Die Internet Movie Database führt den Film sogar schon auf Rang 34 der besten Filme aller Zeiten.

Bei „La La Land“ handelt es sich kurz gesagt um ein Filmmusical über Musik und Film. In Hollywood (wie der Titel schon vermuten lässt) begegnen sich die aufstrebende aber erfolglose Schauspielerin Mia (Emma Stone) und der leidenschaftliche Pianist Sebastian (Ryan Gosling) der von einem eigenen Jazzclub träumt, sich aber mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält. Die Handlung zeigt zum einen die Entwicklung der Beziehung der beiden Protagonisten, zum anderen wie beide ihre jeweiligen Träume verfolgen. Im Hintergrund vieler Szenen offenbart Chazelle zudem den Schein und Sein der „City of Stars“.

Eine ganz normale Liebesschnulze also – könnte man meinen! Was aber Emma Stone und Ryan Gosling aus ihren Rollen herausspielen, wie die Chemie zwischen den beiden förmlich greifbar wird und wie mitreißend die Geschichte erzählt wird, lässt die*en Zuschauer*in schlichtweg staunend im Kinositz zurück. Regissseur Chazelle zeigt, wie schon in „Whiplash“, dass Musik nicht nur Mittel zur Untermalung, sondern der eigentliche Star des Films sein kann.

Was einen Film letztlich auszeichnet ist vor allem die Fähigkeit das Publikum mitzureißen. Und das gelingt „La La Land“ auf voller Linie: Er rührt zu Tränen, fühlt sich an wie eine romantisch-melancholische Träumerei und will er lustig sein, bekommt sich das Publikum vor Lachen kaum wieder ein. Und dabei bleibt er in jedem Moment unvorhersehbar.

Auch handwerklich gibt es nicht das Geringste auszusetzen. Besonders fällt der herausragende, symbiotisch mit der Musik verbundene Schnitt auf, der trotzdem lange, anspruchsvolle Kamerafahrten und ungeschnittene Sequenzen zulässt. Genauso wie Protagonist Sebastian den traditionellen Jazz verehrt, setzt auch Chazelle gekonnt auf altmodische, fast vergessene Elemente wie Überblenden. Tatsächlich lässt sich die Faszination dieses Kunstwerks kaum in Worte fassen.

Vor allela-la-landm die Musik ist geradezu begeisternd! Gosling wirkt am Klavier so sehr in seinem Element, dass man meinen könnte, er habe nie etwas Anderes getan. Abgedeckt wird dabei nicht nur Chazelles Spezialgebiet – der Jazz, allerdings überzeugt er grade dabei doch besonders. So sehr sogar, dass manch ein*e Zuschauer*in womöglich ihre*seine Liebe zum Free Jazz entdecken wird.

Wem also ist dieser Film zu empfehlen? Für jeden Musicalfan ist „La La Land“ auf jeden Fall ein Muss. Genauso für Fans von Emma Stone oder Ryan Gosling. Außerdem für jede*n Jazzliebhaber*in, jede*n, die*en die „City of Stars“ fasziniert, jede*n Schauspielbegeisterte*n und insgesamt jede*n die*er eine Leidenschaft für irgendetwas empfindet. Kurz gesagt: Niemand sollte sich dieses Meisterwerk entgehen lassen! Chazelle hat mit „La La Land“ einen Film für die Ewigkeit geschaffen für das ich nicht weniger als 10 von 10 möglichen Punkten vergeben kann.

Bibi und Tina – Ein Remake für… wen eigentlich?

Die seit 1991 laufende Hörspielserie „Bibi und Tina“ ist für viele mittlerweile Erwachsene eine Kindheitserinnerung. Seit 2014 versucht die Produktionsfirma Kiddinx mit bald vier Kinoabenteuern auch die nächste Generation für die Geschichte rund um Hexe Bibi Blocksberg, ihre Freundin Tina und natürlich die Pferde auf dem Martinshof zu begeistern. Allerdings unterscheiden sich die Filme in ihrer Machart doch deutlich von den Vorgängern und werfen eine Frage auf: Für wen ist dieser Film eigentlich gemacht?

Die Geschichte ist schnell erzählt: Graf von Falkenstein richtet ein großes Pferderennen aus, ein windiger Geschäftsmann namens Kakmann will Fohlen Socke kaufen und schließlich wird auch noch Tinas Beziehung zu ihrem Freund Alexander auf die Probe gestellt als dessen alte Freundin Sophia (Ruby O. Fee) für die Ferien nach Falkenstein kommt. Als Bibi diese Probleme mit ihrer Hexerei zu lösen versucht, gerät dadurch auch die Freundschaft der beiden Mädchen in Gefahr.

Einiges an Detlev Bucks Neuauflage entspricht genau dem alten Muster der Kinderserie: knallbunte Farben, eine einfache Geschichte mit klarem Gut-Böse-Schema und immer wieder seichte Popsongs. Letztere, von den Darsteller*innen selbst eingesungen, sind nötig um den Film überhaupt erst auf Spielfilmlänge zu strecken und stehen dabei teilweise kaum im Zusammenhang mit der Handlung. Fans der Hörspiele werden wohl auch vom bekannten Titelsong eher enttäuscht sein. Castingshowgewinner und Sänger Fabian Buch als Tinas großer Bruder Felix Martin scheint allein hierfür gecastet worden zu sein und liefert hier eine poppige aber vor allem fade und monotone Interpretation.

Auf der anderen Seite ist der Großteil des Humors eher auf ein frühpubertäres Publikum ausgelegt und auch die Besetzung der Hauptdarstellerinnen Lina Larissa Strahl und Lisa-Marie Koroll, beide zum Zeitpunkt des Drehs erst 16 und damit drei Jahre älter als ihre Rollen, soll auch ein junges männliches Publikum anziehen. Insbesondere fällt dies in einer Szene auf, in der Ruby O. Fee alias Sophia ohne jeden weiteren Grund nur in Bademantel und High-Heels auftritt. Der Humor charakterisiert sich sehr anschaulich, als Kakmann (der natürlich regelmäßig für Versprecher sorgt) mit dem Grafen (der alle paar Sekunden sein Monokel verliert) Zusammenarbeit anbietet und dabei von einem „gegenseitigen Befruchten“ spricht.

Insgesamt sind alle Figuren genretypisch extrem überzeichnet. Etwas anstrengend, aber dennoch zur Rolle passend ist Bibis piepsiges Dauergeplapper. Positiv stechen bei den Schauspielern höchstens noch Regisseur Detlev Buck selbst als Tierarzt Dr. Eichhorn und Ruby O. Fee als Sophia heraus, die ihre arrogante, selbstbezogene und erfolgsfixierte Figur überzeugend verkörpert. Inhaltlich kann man immerhin noch eine unterschwellige Kritik an einer übertriebenen Leistungs- und Geldfixierung schon im Kindesalter loben, allerdings fühlt sich der Film trotz grade einmal 101 Minuten erstaunlich lang an.

Wem also soll man „Bibi und Tina“ nun empfehlen? Vielleicht Fans der Originalserie, allerdings mit sehr abgeschwächten Erwartungen. Vielleicht Pferdeliebhaber*innen, Familien oder Kindern? Jein – Pferde spielen eine eher untergeordnete Rolle, die Eltern werden nicht allzu viel Spaß mit dem Film haben und auch für Kinder gibt es bei weitem bessere Filme (mit mehr Botschaft). Am ehesten wäre er wohl Trash-Film-Liebhabern zu empfehlen, am besten mit Freunden und ordentlich Alkohol oder ähnlichem. Zu Lachen hat man dann auf jeden Fall genug, was allerdings kaum an gelungenen Gags liegt. Allen anderen würde ich eher abraten und vergebe auf einer persönlichen Skala 1,5/10 Punkten.