Archiv der Kategorie: Film und Fernsehen

Von Nordic-Walkern, dem Leviathan, Sinnsuche und einem Wanderweg

Nachwuchs-Talente präsentieren ihre Drehbücher 

Thorsten Schlicht bei seinem Pitch; hinter ihm die anderen Kandidaten; rechts die Jury

MAINZ. Seit einigen Jahren gehören zum Mainzer FILMZ – Festival des Deutschen Kinos nicht mehr nur die Filme selbst, sondern auch das, was am Anfang eines jeden Films steht: das Drehbuch. Im Rahmen der Förderung neuer Talente findet jedes Jahr am Sonntag während des Festivals das so genannte Drehbuch-Pitching für Kurzfilme, mittellange Filme und Langfilme statt – so auch am vergangenen ersten Adventssonntag. Im Keller des Cafés LOMO, der als Veranstaltungsort dient, kommen dann das Publikum, eine vier-köpfige Jury und vier Pitcher zusammen. Ein Drehbuch pitchen, das bedeutet nichts anderes als eine Idee beziehungsweise den Inhalt eines Drehbuchs anderen Menschen möglichst spannend und interessant zu präsentieren. Gepitcht wird in der Filmbranche üblicherweise vor Produzenten, die dann hoffentlich das Drehbuch kaufen und den Film produzieren. Bei FILMZ wird vor einer Jury gepitcht, die über den Jurypreis entscheidet, der aus einem Preisgeld von 300 Euro und der Drehbuch-Software DramaQueen besteht. Außerdem stimmt das Publikum über den Gewinner des Publikumspreises ab, der ebenfalls die Software in einer abgespeckten Version als Preis erhält. Weiterlesen

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Filmz

Festival des deutschen Kinos startet in Mainz

Gestern Abend war zum Start des Filmz Festivals in Mainz die Eröffnungsveranstaltung. Um 20 Uhr wurde der erste Film, „Der Mann aus dem Eis“, im Frankfurter Hof gezeigt. Der Eröffnungsabend war laut der Veranstalter ein voller Erfolg. Im Anschluss zur Eröffnungsveranstaltung fand noch um 22:30 Uhr im Lomo statt.

Die ganze Woche werden über den späten Nachmittag und Abend verteilt immer wieder mittellange Filme, Dokumentationen und Langfilme gezeigt. Am Samstag finden dann noch ein Kurzfilmwettbewerb für lokale Produktionen und am Sonntag das Drehbuch-Pitching statt. Am Sonntag Abend werden die Gewinner der Wettbewerbe bekannt gegeben.

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Das richte ‚Thing‘ für den Serienwinter

Am 27. Oktober 2017 startete die zweite Staffel der Netflix-Original Serie „Stranger Things“. Wer am Ende der ersten Staffel an Happy End dachte, wird schon beim Angucken des neuen Trailers enttäuscht. Dieser gleicht einer dunklen Prophezeiung und es scheint, als werde die Kleinstadt Hawkins, im US-Bundesstaat Indiana, abermals heimgesucht. Weiterlesen

Ein Meisterwerk: „La La Land“

Mit 14 (!) Nominierungen gilt er als heißester Favorit der diesjährigen Oscars: Damien Chazelles „La La Land“ begeistert Publikum und Kritiker gleichermaßen. Dabei ist es erst die dritte Regiearbeit des Regisseurs, der 2014 mit „Whiplash“ bereits drei Auszeichnungen der Academy einheimsen konnte. Die Internet Movie Database führt den Film sogar schon auf Rang 34 der besten Filme aller Zeiten.

Bei „La La Land“ handelt es sich kurz gesagt um ein Filmmusical über Musik und Film. In Hollywood (wie der Titel schon vermuten lässt) begegnen sich die aufstrebende aber erfolglose Schauspielerin Mia (Emma Stone) und der leidenschaftliche Pianist Sebastian (Ryan Gosling) der von einem eigenen Jazzclub träumt, sich aber mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält. Die Handlung zeigt zum einen die Entwicklung der Beziehung der beiden Protagonisten, zum anderen wie beide ihre jeweiligen Träume verfolgen. Im Hintergrund vieler Szenen offenbart Chazelle zudem den Schein und Sein der „City of Stars“.

Eine ganz normale Liebesschnulze also – könnte man meinen! Was aber Emma Stone und Ryan Gosling aus ihren Rollen herausspielen, wie die Chemie zwischen den beiden förmlich greifbar wird und wie mitreißend die Geschichte erzählt wird, lässt die*en Zuschauer*in schlichtweg staunend im Kinositz zurück. Regissseur Chazelle zeigt, wie schon in „Whiplash“, dass Musik nicht nur Mittel zur Untermalung, sondern der eigentliche Star des Films sein kann.

Was einen Film letztlich auszeichnet ist vor allem die Fähigkeit das Publikum mitzureißen. Und das gelingt „La La Land“ auf voller Linie: Er rührt zu Tränen, fühlt sich an wie eine romantisch-melancholische Träumerei und will er lustig sein, bekommt sich das Publikum vor Lachen kaum wieder ein. Und dabei bleibt er in jedem Moment unvorhersehbar.

Auch handwerklich gibt es nicht das Geringste auszusetzen. Besonders fällt der herausragende, symbiotisch mit der Musik verbundene Schnitt auf, der trotzdem lange, anspruchsvolle Kamerafahrten und ungeschnittene Sequenzen zulässt. Genauso wie Protagonist Sebastian den traditionellen Jazz verehrt, setzt auch Chazelle gekonnt auf altmodische, fast vergessene Elemente wie Überblenden. Tatsächlich lässt sich die Faszination dieses Kunstwerks kaum in Worte fassen.

Vor allela-la-landm die Musik ist geradezu begeisternd! Gosling wirkt am Klavier so sehr in seinem Element, dass man meinen könnte, er habe nie etwas Anderes getan. Abgedeckt wird dabei nicht nur Chazelles Spezialgebiet – der Jazz, allerdings überzeugt er grade dabei doch besonders. So sehr sogar, dass manch ein*e Zuschauer*in womöglich ihre*seine Liebe zum Free Jazz entdecken wird.

Wem also ist dieser Film zu empfehlen? Für jeden Musicalfan ist „La La Land“ auf jeden Fall ein Muss. Genauso für Fans von Emma Stone oder Ryan Gosling. Außerdem für jede*n Jazzliebhaber*in, jede*n, die*en die „City of Stars“ fasziniert, jede*n Schauspielbegeisterte*n und insgesamt jede*n die*er eine Leidenschaft für irgendetwas empfindet. Kurz gesagt: Niemand sollte sich dieses Meisterwerk entgehen lassen! Chazelle hat mit „La La Land“ einen Film für die Ewigkeit geschaffen für das ich nicht weniger als 10 von 10 möglichen Punkten vergeben kann.

Bibi und Tina – Ein Remake für… wen eigentlich?

Die seit 1991 laufende Hörspielserie „Bibi und Tina“ ist für viele mittlerweile Erwachsene eine Kindheitserinnerung. Seit 2014 versucht die Produktionsfirma Kiddinx mit bald vier Kinoabenteuern auch die nächste Generation für die Geschichte rund um Hexe Bibi Blocksberg, ihre Freundin Tina und natürlich die Pferde auf dem Martinshof zu begeistern. Allerdings unterscheiden sich die Filme in ihrer Machart doch deutlich von den Vorgängern und werfen eine Frage auf: Für wen ist dieser Film eigentlich gemacht?

Die Geschichte ist schnell erzählt: Graf von Falkenstein richtet ein großes Pferderennen aus, ein windiger Geschäftsmann namens Kakmann will Fohlen Socke kaufen und schließlich wird auch noch Tinas Beziehung zu ihrem Freund Alexander auf die Probe gestellt als dessen alte Freundin Sophia (Ruby O. Fee) für die Ferien nach Falkenstein kommt. Als Bibi diese Probleme mit ihrer Hexerei zu lösen versucht, gerät dadurch auch die Freundschaft der beiden Mädchen in Gefahr.

Einiges an Detlev Bucks Neuauflage entspricht genau dem alten Muster der Kinderserie: knallbunte Farben, eine einfache Geschichte mit klarem Gut-Böse-Schema und immer wieder seichte Popsongs. Letztere, von den Darsteller*innen selbst eingesungen, sind nötig um den Film überhaupt erst auf Spielfilmlänge zu strecken und stehen dabei teilweise kaum im Zusammenhang mit der Handlung. Fans der Hörspiele werden wohl auch vom bekannten Titelsong eher enttäuscht sein. Castingshowgewinner und Sänger Fabian Buch als Tinas großer Bruder Felix Martin scheint allein hierfür gecastet worden zu sein und liefert hier eine poppige aber vor allem fade und monotone Interpretation.

Auf der anderen Seite ist der Großteil des Humors eher auf ein frühpubertäres Publikum ausgelegt und auch die Besetzung der Hauptdarstellerinnen Lina Larissa Strahl und Lisa-Marie Koroll, beide zum Zeitpunkt des Drehs erst 16 und damit drei Jahre älter als ihre Rollen, soll auch ein junges männliches Publikum anziehen. Insbesondere fällt dies in einer Szene auf, in der Ruby O. Fee alias Sophia ohne jeden weiteren Grund nur in Bademantel und High-Heels auftritt. Der Humor charakterisiert sich sehr anschaulich, als Kakmann (der natürlich regelmäßig für Versprecher sorgt) mit dem Grafen (der alle paar Sekunden sein Monokel verliert) Zusammenarbeit anbietet und dabei von einem „gegenseitigen Befruchten“ spricht.

Insgesamt sind alle Figuren genretypisch extrem überzeichnet. Etwas anstrengend, aber dennoch zur Rolle passend ist Bibis piepsiges Dauergeplapper. Positiv stechen bei den Schauspielern höchstens noch Regisseur Detlev Buck selbst als Tierarzt Dr. Eichhorn und Ruby O. Fee als Sophia heraus, die ihre arrogante, selbstbezogene und erfolgsfixierte Figur überzeugend verkörpert. Inhaltlich kann man immerhin noch eine unterschwellige Kritik an einer übertriebenen Leistungs- und Geldfixierung schon im Kindesalter loben, allerdings fühlt sich der Film trotz grade einmal 101 Minuten erstaunlich lang an.

Wem also soll man „Bibi und Tina“ nun empfehlen? Vielleicht Fans der Originalserie, allerdings mit sehr abgeschwächten Erwartungen. Vielleicht Pferdeliebhaber*innen, Familien oder Kindern? Jein – Pferde spielen eine eher untergeordnete Rolle, die Eltern werden nicht allzu viel Spaß mit dem Film haben und auch für Kinder gibt es bei weitem bessere Filme (mit mehr Botschaft). Am ehesten wäre er wohl Trash-Film-Liebhabern zu empfehlen, am besten mit Freunden und ordentlich Alkohol oder ähnlichem. Zu Lachen hat man dann auf jeden Fall genug, was allerdings kaum an gelungenen Gags liegt. Allen anderen würde ich eher abraten und vergebe auf einer persönlichen Skala 1,5/10 Punkten.

Rechtepoker mit weitreichenden Folgen

Handball-Deutschland kann nun doch live einschalten

Nach zwei Jahren und dem eher ernüchternden siebten Gesamtplatz bei der Weltmeisterschaft 2015 in Katar beginnt heute die 25. IHF Men’s World Championship in Frankreich. Der Europameistertitel der Herren im vergangenen Jahr und die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro lassen Hoffnungen auf weitere Erfolge bei dem bis zum 29. Januar 2017 dauernden Turnier zu.

Diese unproblematisch erscheinende Ausgangssituation verschleiert jedoch die Tatsache, dass es bis zum 05. Januar ganz danach aussah, dass handballbegeisterte Deutsche nicht die Chance gehabt hätten, die Spiele der WM live im Fernsehen anzusehen.
Dies hängt mit einem TV-Rechte Dilemma zusammen, welches schon im Jahr 2013 seine Anfänge hatte. Ursächlich war die Councilsitzung des IHF am 21. Dezember 2013 in Belgrad, bei dem der Fernsehvertrag für die WM 2017 beschlossen werden sollte. Auf das irrationale finanzielle Mächtespiel einiger Größen unter den Rechtehändlern reagierte die Europäische Rundfunkunion (EBU), der ARD und ZDF angehören, mit dem Austritt aus den Verhandlungen. Nicht überraschend war es im Folgenden, dass die damalige Al-Jazeera-Tochterfirma BeIN Sports den Zuschlag bekam und die Rechte für 100 Millionen Franken, also umgerechnet circa 83 Millionen Euro, erhielt.
Die Verhandlungen zwischen der ARD, dem ZDF und dem Rechtehändler blieben erfolglos. Die Forderungen von BeIN, dass TV-Signale für Satelliten-Kunden verschlüsselt werden müssten, stießen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern auf deutliche Abneigung. Damit stand schnell fest, dass sie keine Übertragungsrechte für die Weltmeisterschaft ergattern würden.
Die Nachricht erschütterte weite Teile der deutschen Handball- und Sportereignisfans, zumal die Meldung erst spät öffentlich wurde und ein Großteil der Verhandlungen lange Zeit hinter verschlossenen Türen stattfand.
Gerade noch rechtzeitig können sich die Zuschauer nun aber doch freuen. Die Online-Bank DKB, unter anderem Titelsponsor der Bundesliga, konnte mit dem „Rechte-Riesen“ BeIN eine vertragliche Lösung finden. Die DKB kaufte die Live-Übertragungsrechte für Deutschland, um wenigstens eine Onlineübertragung der Begegnungen zu garantieren. Ausschlaggebend für die Zusage durch BeIN soll hierbei vor allem die Zusammenarbeit mit YouTube als Darstellungsplattform gewesen sein, da online mit einer bis zu 30% stärkeren Quote als im herkömmlichen TV-Format gerechnet wird.
Unabhängig von skeptischen Auffassungen gegenüber dieser Lösung durch die ARD, bezüglich rundfunkrechtlicher und weiterer Fragen, sollten Handballfans nun aber doch auf ihre Kosten kommen. Die Spiele werden online auf der Seite handball.dkb.de zu verfolgen sein.

Humor altert nicht

Charlie Chaplins „City Lights“ – Eine Rezension

Viele Filme geraten mit der Zeit in Vergessenheit. Nicht so Charlie Chaplins „Lichter der Großstadt“, der auch nach mehr als 85 Jahren nichts von seinem Charme eingebüßt. Das American Film Institute prämierte ihn 2008 sogar als bedeutendste romantische Komödie und führt ihn auf Platz 11 der besten amerikanischen Filme aller Zeiten.
Der Film zeigt das amerikanische Großstadtleben des frühen 20. Jahrhunderts anhand von Chaplins Paraderolle, dem „Tramp“ auf eine ironische, sozialkritische, aber auch optimistische Art – Stets begleitet durch seine typische pantomimische Komik. Dieser verliebt sich in ein blindes Blumenmädchen (gespielt von Virginia Cherrill), die ihn durch einen Zufall für wohlhabend hält. Der Tramp müht sich fortan mit Glück und Anstrengung diese Rolle durchzuhalten und das dafür nötige Geld aufzutreiben. Obwohl Chaplins erster Tonfilm typischerweise vor allem durch die Komik seines Hauptdarstellers begeistert, überzeugt er auch in den ernsten Momenten, ohne dabei jemals den Humor zu verlieren.
Vieles an dem Film wäre heute kaum noch denkbar: So übernahm Chaplin nicht nur Hauptrolle, Regie, Drehbuch, Produktion und Schnitt, sondern komponierte auch erstmals die Filmmusik. Möglicherweise erklärt sich dadurch die lange Produktionsdauer von mehr als drei Jahren. Auch die langen, teils höchst anspruchsvollen Schnittsequenzen findet man heute allenfalls noch bei Alejandro G. Iñárritu. Der Perfektionismus, mit dem der dreifache Oscarpreisträger seine Ideen verfolgte führte dazu, dass einzelne Szenen über 100 Mal gedreht werden mussten, weshalb er sich mit Hauptdarstellerin Cherrill überwarf. Diese Perfektion merkt man dem Film allerdings auch klar an, der mitunter frustrierende Aufwand geht dagegen in der Leichtigkeit und dem Slapstick unter.

chaplin

Charlie Chaplin in seiner Paraderolle als Tramp

Einige der Szenen, insbesondere der Boxkampf, durch den der Protagonist versucht an Geld zu kommen, sind aus gutem Grund zu Klassikern der Filmgeschichte avanciert. Chaplins riskante Entscheidung, einen mit Geräuschen untermalten Stummfilm mitten in den Siegeszug des Tonfilms hineinzuwerfen ging auf und bescherte ihm den bis dato größten Erfolg seiner Karriere. Die Auftaktszene parodiert den „Sprechfilm“ sogar so weit, dass Reden die zwar gezeigt, aber nur als quakende Saxophongeräusche sarkastischvertont werden.

 

Fazit
Auch für ein modernes Publikum bietet der Film Unterhaltung pur und eignet sich wunderbar um Skepsis gegenüber Stummfilmen abzulegen. Lediglich die sehr einfach gestrickte Rolle des Blumenmädchens als bloßes Objekt der Begierde stößt aus heutiger Sicht etwas auf. Dennoch vergebe ich auf einer persönlichen Skala 8/10 Punkten und damit eine absolute Empfehlung.