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Vom Koch zum Meme: Wie der Türke Nusret Gökçe viral ging

Nusret Gökçe hat in seinem Leben schon einiges erreicht. Mit 16 Jahren fing der heute neunfache Vater seine Ausbildung zum Metzger an und besitzt heute, 16 Jahre später, sechs noble Restaurants im arabischen Raum.
Seine Leidenschaft zum Fleisch spiegelt sich auch in der Menüführung seiner sogenannten „Nusr-Et Restaurants“ wieder, denn Qualität steht für ihn an oberster Stelle.
Das zeigt er auch gerne in seinen Social Media-Kanälen. Dort gibt er besondere Einblicke in die Zubereitung seiner Gerichte und präsentiert in eleganter Manier seine einzigartige „Würztechnik“.

Vom Koch zum Meme #saltbae

Angefangen hat alles mit einem ganz normalen Video. Auf seiner Instagram Seite veröffentlichte Gökçe ein Video, dass ihn bei der Zubereitung von Spareribs zeigt. Was für Nusret ein ganz normaler Post war, wurde durch die Internetgemeinde zum viralen Hit. Anlass für diesen „Hype“ war nicht die Zubereitung des Fleischs, sondern die elegante Würztechnik. Im Fokus steht dabei seine schwungvolle und grazile Handbewegung. Sein Markenzeichen sind aber nicht nur seine Gesten, sondern auch sein Erscheinungsbild. Seine ernste Miene versteckt der Chefkoch hinter einer runden, schwarzen Sonnenbrille, wohingegen seine langen, zurückgegelten Haare eine „Prise“ Coolness vermitteln.

Genau diese Besonderheiten nutzte die Internetgemeinde aus. Innerhalb von Stunden veröffentlichten weltweit User unter dem „Hashtag“ #saltbae zahlreiche Memes mit einer ganz neuen Interpretation seiner Würztechnik. Ob in Zusammenhang mit alltäglichen, politischen oder schulischen Themen- ihre Kreativität kennt keine Grenzen.

Wie es bei so einem Hit eben ist, gibt es natürlich auch Nachahmer. Ob „vegetarian- saltbae“ oder „Cooking in 2017 be like…“, für alle „Geschmäcker“ ist etwas dabei. Die App „Bitmoji“ nutzte den Hype aus und erstellte das passende Emoji. Weiterlesen

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Zwischen Harmonie und Direktheit- das „WG-Leben“ mit meiner Schwester

Die meisten Studenten leben entweder zu Hause, in einem Wohnheim oder in einer WG. Entweder sind ihnen ihre Mitbewohner schon von Geburt an vertraut, oder sie lernen einander erst richtig kennen, wenn sie schon Küche und Badezimmer miteinander teilen. Bei mir ist das etwas anders. Ich lebe in vollster Vertrautheit in einem neuen Umfeld, denn ich lebe zusammen mit meiner ältesten Schwester.

Die Wohnung hat meine Schwester bereits vor zwei Jahren gemietet und teilte sie zunächst mit meiner zweitältesten Schwester. Diese zog es jedoch aus beruflichen Gründen wieder woanders hin und das Zimmer wurde frei.

Für mich, die ich mich gerade mit dem Thema studieren befasste, war dies das ausschlaggebende Kriterium, mich in Mainz zu bewerben und nachdem ich glücklicherweise an der JGU angenommen wurde, bezog ich das bis dato unbewohnte Zimmer. Das neue Leben und die neue Wohnsituation waren natürlich erst einmal ungewohnt. Es ist auf einmal ganz still. Da ist kein Tumult wie zu Hause, wo „immer was los ist“. Man ist auf einmal auch mal allein: eine Situation, die in meiner Familie nur äußerst selten auftritt. Man hat auf einmal nur einen direkten Ansprechpartner, wenn nicht gerade Besuch da ist. Es ist einfach deutlich stiller. Um diese Stille zu überbrücken, habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, erst einmal das Radio einzuschalten, sobald ich die Wohnung betrete und auch, wenn ich vielleicht nur mit einem Ohr so richtig hinhöre, vermittelt diese kleine Geräuschkulisse doch das Gefühl, da sei noch jemand da.

Aber das ist ja zum Glück nicht immer so, denn meistens ist meine Schwester bereits zu Hause, wenn ich aus der Uni komme. Sie musste und muss vermutlich immer noch einiges aushalten, besonders mein Redebedürfnis. Es ist einfach unheimlich schön, wenn die eigene Schwester die „Mitbewohnerin“ ist. Man kennt sich in- und auswendig, man muss sich nicht verstellen, man hat die gleichen Gewohn- und Gepflogenheiten und (was besonders meine Eltern freuen dürfte) die Familie muss nur in eine Stadt fahren, wenn sie mal zu Besuch kommt.

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Denn os Heimeat, die es jo su schien! Traben-Trarbach an der Mittelmosel

„Ich wohne in einer kleinen Stadt an der Mosel zwischen Trier und Koblenz!“ So oder so ähnlich lautet meine Antwort, wenn mich jemand nach meiner Heimatstadt fragt. Traben-Trarbach klingt für die meisten Menschen eher nach einem Sprachfehler, die Wenigsten verbinden damit eine Stadt an der Mittelmosel.

Traben-Trarbach von oben. Links im Bild Trarbach mit der Burgruine Grevenburg, rechts im Bild Traben)

Traben-Trarbach von oben. Links im Bild: Trarbach mit der Burgruine Grevenburg, rechts im Bild: Traben

 

Das kann man auch niemandem verübeln: Mit knapp 6000 Einwohnern zählt die Doppelstadt nicht gerade zu den größten Städten der Mosel, doch dafür vielleicht zu den historisch am meisten geprägten. Im neunten Jahrhundert schenkte Ludwig der Fromme, ein Sohn Karls des Großen mitunter den Stadtteil Traben dem Münster zu Aachen. Dies ist die erste urkundliche Erwähnung des Gebietes.

Die Grevenburg in ihrer Ursprungsform

Die Grevenburg in ihrer Ursprungsform

Ab 1350 diente die auf dem Berg oberhalb des heutigen Stadtteils Trarbach errichtete „Grevenburg“ als Residenz der hinteren Grafschaft Sponheim. 1734 wurde diese Burg jedoch von den Franzosen fast komplett zerstört und prägt heute noch als Ruine das Stadtbild.

Heute ist von der Grevenburg lediglich eine Ruine übrig

Heute ist von der Grevenburg lediglich eine Ruine übrig

 

Die berühmte Jugendstilbrücke, die die beiden Stadtteile einst miteinander verband wurde in den letzten Kriegstagen 1945 gesprengt

Die berühmte Jugendstilbrücke, die die beiden Stadtteile einst miteinander verband wurde in den letzten Kriegstagen 1945 gespreng

1889 wurde die erste Straßenbrücke zwischen Bernkastel und Koblenz zwischen den beiden Stadtteilen von Bruno Möhring, einem der „bedeutendsten“ Architekten des Jugendstils, erbaut. Diese von dort an räumliche Verbindung der beiden Stadtteile war vermutlich auch maßgeblich für die Vereinigung der beiden Stadtteile im Jahr 1904.

 
Jedoch ist Traben-Trarbach nicht nur für Historiker von großem Interesse, denn auch Weinfreunde dürften hier im wahrsten Sinne des Wortes auf ihre Kosten kommen. Nicht nur, dass die Stadt um neunzehnhundert der größte Weinhandelsplatz der Welt nach Bordeaux war, mit ca. 135ha Weinlage ist der Weinbau auch maßgeblich für den Tourismus der Stadt. Im gesamten Mittelmoselbereich wird mit ca. 62% hauptsächlich Riesling angebaut, 17% sind Müller-Thurgau und knapp 10% machen rote Rebsorten aus.

Der

Der „Trarbacher Hühnerberg“ ist ein Beispiel für eine typische Steillage an der Mosel und gilt als Renommierlage

Der größte Teil der Weinberge sind Steillagen, weshalb die Lese überwiegend von Hand erfolgt, denn „zum schaffe sin sich uch die Pänz von der Mussel net zu schad“. Das schmeckt man natürlich auch!

 

 

 

Einer der Keller des Mosel-Wein-Nachts-Marktes

Einer der Keller des Mosel-Wein-Nachts-Marktes

Seit einigen Jahren gibt es in Traben-Trarbach auch jährlich den sogenannten „Mosel-Wein-Nachts-Markt“. Dieser etwas andere Weihnachtsmarkt findet überwiegend unterirdisch in den großen Gewölbekellern unterhalb der Stadt statt und ist nicht nur für viele Touristen, sondern auch für die Einwohner der Gemeinde immer wieder ein Grund zur Freude.  Link zur Seite des Mosel-Wein-Nachts-Marktes: http://www.mosel-wein-nachts-markt.de/keller.html

Für Einheimische ist jedoch besonders die Mentalität der Menschen etwas ganz Besonderes. Die Moselaner „schwätzen“, wie ihnen „die Schnüss“ gewachsen ist. Selbstverständlich nicht in gestochenem Hochdeutsch, sondern „uff (Travener) Platt“. Für Besucher ist diese eigene Art des moselfränkischen Dialektes durchaus nicht immer nachvollziehbar, hat jedoch ihren ganz besonderen Charme. Schnell ist jedoch klar, „mir Moselaner sein der Mundart mächtig!“ Und wie das „uff’m Land“ so üblich ist, kennt Jeder Jeden, grüßt Jeder Jeden und redet Jeder über Jeden- so ist das nun mal. Doch zusammenhalten tun sie trotzdem, sei es gegen die selbstverständlich verfeindeten Einwohner der Nachbardörfer (wobei Moselaner zusammenhalten, wenn es gegen „die Hunsrücker“ geht) oder wenn es um Aussagen gegen den guten Moselwein geht, denn da verstehen Moselaner keinen Spaß.  Im Großen und Ganzen ist es in Traben-Trarbach wie in einer großen Familie. Es wird „dumm Zeuch geschwätzt“ und getratscht aber auch viel gelacht. Aber vor allem, wird dabei immer ein Glas Wein getrunken,
in diesem Sinne: „Prost alle Gare!“

Mein Musselland

Wat kann et wohl Schieneres gewe,
als en Mussellaner ze sein;
gebore em Land der Rewe,
verwehnt vom goldene Wein.

On en däm Land der Rewe,
wu meine Wieje mol stand.
Nor do allän well aich lewe
am herrliche Musselstrand.

Do kenne die Johre vergiehn,
der Herrgott wäs wohl die Zahl,
doch mecht aich von Bergeshiehn
oft noch ronnerblicke ent Dal.

Von do owe dat Glas dann erhewe
wu ringsum die Danne noch stiehn,
on en Prost off dä Fluß on die Rewe,
denn os Heimeat, die es jo su schien!

                                                                     Berthold Mitscher

Alle Jahre wieder: Weihnachten in Deutschland- Eine (schein)heilige Zeit?!

Nächstenliebe, Weihnachtsschmaus,
Alle packen Geschenke aus,
Es wird gefeiert und gelacht
Und der Christbaum strahlt in voller Pracht.

Schon zu Beginn der Weihnachtstage,
Schmücken wir fleißig unsere Fassade,
Backen Plätzchen und feiern Advent,
Und singen Lieder, die ein Jeder kennt.

Ja uns Deutsche muss man loben,
So pflegen wir doch Traditionen,
Und dann wird auch an diesen Tagen,
Selbst der Glaube wieder ausgegraben.

Weihnachten ist das Fest der Liebe,
Da hat man Freunde und Familie,
Um sich versammelt um danke zu sagen,
Für all den Reichtum, den wir haben.

Für die Gläubigen ist es weitaus mehr,
Denn der Gott im Himmel, unser Herr,
Hat uns an diesen Tagen den Heiland gesandt,
Um Frieden zu bringen in unser Land.

Und so wird Jesu Geburt ganz ungeniert,
Mit einem neuen IPhone zelebriert.
Wie könnte man ihn auch sonst loben und preisen,
Wenn nicht mit neuester Technik und teuren Reisen?

Und da geteiltes Leid ja halbes Leid ist
Und man auch die Armen nicht vergisst,
Teilen wir Links und liken Kommentare,
-genug Einsatz für die nächsten Jahre.

Weihnachten ist die Zeit, um Gutes zu tun,
Danach können wir wieder in Frieden ruh‘n,
Dann sind die Freude und der Zauber vergangen
Und wir sind wieder in unserem Alltag gefangen.

Danach müssen wir uns schon überwinden,
Um an kleinen Dingen Freude zu finden,
Und auch die freie Zeit geht uns förmlich verloren,
Ist der Heiland erst einmal geboren.

Darum lasst uns jetzt noch schnell auf Facebook gehen,
Um ein weiteres Unglück im Newsfeed zu sehen,
Wichtig ist es jetzt noch nicht zu ruh’n,
Sondern unseren Unmut kund zu tun.

Denn Mitgefühl kann bekanntlich Berge versetzen,
Man sollte diese Kraft nicht unterschätzen,
Also nutzen wir sie, solange wir sie finden,
Denn nach Weihnachten wird sie wieder verschwinden.

-Ein Like für Weihnachten!