Drama auf Tschechisch

Seit der Premiere am 19. Januar 2019 ist Leoš Janáčeks Oper Kátja Kabanová im Staatstheater Mainz zu sehen. Die tschechische Oper in drei Akten basiert auf dem Drama „Gewitter“ von Alexander Ostrowski. Inszeniert von Lydia Steier, baut die Produktion auf der Opernvorstellung des Staatstheaters Oldenburg von 2012 auf.

Handlung

Die heuchlerische Moral einer zwiegespaltenen Gesellschaft und unbarmherzige Menschen umgeben die Protagonistin Kátja Kabanová (Nadja Stefanoff) wie ein Gefängnis. Sie ist eine junge Frau, die mit ihrem willensschwachen Ehemann Tichon (Alexander Spemann) und dessen eifersüchtiger Mutter Marfa (Gundula Hintz) in einem kleinen Städtchen namens Kalinow (fiktiv) an der Wolga lebt. Als ihr Ehemann sich auf Geschäftsreise begibt, trifft sich Kátja heimlich mit Boris (Steven Ebel), einem jungen Mann aus Moskau, und hat eine Affäre mit ihm. Tief geprägt von Religion, Moralvorstellungen und Tradition, ist sie sich ihres Fehltritts bewusst, schon bevor sie ihn überhaupt macht. Dennoch gibt sie sich ihrer Sehnsucht hin. Nachdem Tichon von seiner Reise zurückkehrt, beichtet Kátja, sich ihrer Sünde bewusst, überstürzt ihrem Ehemann und der Mutter über die Affäre. Kátja kann dem Druck, der von der Gesellschaft auf sie ausgewirkt wird, nicht mehr standhalten und endet daraufhin ihr Leben, indem sie sich aus dem Fenster ihres Zimmers stürzt.

Nach diesem tragischen Ende, stellt sich der Zuschauer die berechtigte Frage: Wieso flieht Kátja nicht zusammen mit Boris, um so der konservativen und bigotten Dorfgemeinschaft zu entkommen?

Kátja wirkt weniger radikal und selbstbewusst als andere Frauenfiguren der Opernliteratur. Dennoch darf sie nicht als „schwach“ abgestempelt werden. Sie kann und möchte sich nicht den gesellschaftlichen Anforderungen fügen und gibt sich ihren Sehnsüchten hin. Dennoch hat sie sehr hohe Ansprüche an sich selbst, denen sie letztendlich nicht mehr gerecht werden kann. Selbstmord sieht sie als einzigen Ausweg aus ihrer Situation.

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Inszenierung

Janáčeks Oper ist in Tschechisch geschrieben. Am Mainzer Staatstheater wurde seit 30 Jahren keine Oper mehr auf Tschechisch aufgeführt.  Die Sänger*innen mussten mit Hilfe eines opernerfahrenen Sprachcoaches die Sprache erlernen. Diese Aufgabe stellt natürlich eine große Herausforderung für sämtliche Beteiligten dar. Insbesondere war die funktionierende Zusammenarbeit mit der musikalischen Direktion essenziell. Bei näherer Betrachtung der Musik ist nämlich erkennbar, dass Janáček die Oper am Text entlang komponiert hat. Musik und Sprache sind somit eng miteinander verbunden und jedes Wort muss genau ausgesprochen werden. Zuschauer die kein Tschechisch verstehen, können die Untertitel neben der Bühne mitlesen und so der Handlung folgen.

Insgesamt ist die Oper und die in Mainz realisierte Inszenierung auf jeden Fall zu empfehlen. Die Sopranistin Nadja Stefanoff bannt die Zuschauer in ihrer Rolle als Kátja Kabanova und schafft es so einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Weitere Aufführungen finden am 12.03., 10.04 und 23.04. statt. Ticketpreise beginnen bei 16€. Studenten der JGU kommen über die Studi-Flatrate kostenfrei in die Vorstellung.

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Autor: Moritz Behner

Bilder: Staatstheater Mainz

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