„Ich lerne für mich und meine Zukunft“

Das ist Marvin. Er ist 25 Jahre alt und lebt im Westerwald in Rheinland-Pfalz.Marvin 2

Er hat das, wovon viele in seinem Alter noch weit entfernt sind: seinen Traumjob gefunden. Und nicht nur das. Neugierde, Motivation und Ehrgeiz brachten ihm wertvolle Erfahrungen, die ihn nicht nur beruflich, sondern auch persönlich prägten.

 

Aber von vorne.

Schule – und was dann? Etwa die Hälfte aller Schüler hat keine konkreten Vorstellungen, wie es nach der Schule weitergehen soll. Viele Schüler entscheiden sich zu einem allgemeinen Abitur, um danach ein Studium an einer Universität oder Hochschule zu beginnen. Dass jedes Jahr 29% – das belegt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln – der Studenten ihr Studium abbrechen, zeigt, dass dieser Weg nicht der einzige wahre und nicht für jeden der richtige zu sein scheint. Aber: Gibt es den richtigen Weg?  Marvin hat ihn gefunden.
Nach seinem Realschulabschluss im Jahr 2010 beginnt Marvin mit einer Ausbildung zum Mechatroniker. Dass die Firma kurz vor seinem Abschluss Insolvenz anmeldet, bringt ihn nicht aus der Ruhe. Über private Kontakte kann er unproblematisch zu einer Firma nahe seines Wohnortes wechseln und die Ausbildung mit sehr guten Leistungen im Jahr 2013 abschließen.

„Überforderung entwickelte sich schnell in Unterforderung“

Er wird in der Firma übernommen. Nach einiger Zeit der Eingewöhnung, merkt er schnell, dass sich bei ihm die anfängliche Überforderung im neuen Betrieb in Unterforderung entwickelt und der Entschluss eine Weiterbildung an seine Ausbildung dranzuhängen wird gefasst. Mit dieser Entscheidung ist er in Deutschland nicht alleine. Rund 50 % der Ausbildungsabsolventen möchten auf ihren erlernten Fähigkeiten aufbauen und entschließen sich zu diesem Schritt.

Marvin entscheidet sich nach einiger Zeit der Recherche zu einer zweijährigen Vollzeitausbildung zum staatlich geprüften Techniker. Im Jahr 2016 hat er nicht nur diesen erfolgreich absolviert, sondern auch seinen Ausbilderschein erlangt und durch eine Zusatzprüfung sein Fachabitur nachgeholt. „Da ich den staatlich geprüften Techniker ohne Schwierigkeiten bestand, spielte ich mit dem Gedanken ein Studium zu beginnen“. Durch eine Infoveranstaltung an seiner Technikerakademie konnte er sich, gemeinsam mit 2 Kommilitonen, zu einem Auslandsstudium begeistern. Und so saßen sie zu Dritt im Sommer 2016 im Flugzeug nach Wales, um in der Stadt Wrexham ein einjähriges Aufbaustudium zum Bachelor of Engineering zu beginnen.

„Es fühlte sich an wie vor einer Schlacht: entweder ich komme mit einem Titel zurück oder ich versenke eine fünfstellige Summe an Studiengebühren.“

Marvin & Robin 1

Marvin und sein Freund Robin

Im fremden Land angekommen, erwarten ihn anfänglich kleine Hürden – Marvin erinnert sich hier an die ersten Auseinandersetzungen mit komplexen mathematischen Formeln, dem ungewohnten walisischen Akzent und dem regnerischen Wetter. Nach wenigen Wochen wird aus dem Trio ein Duo: Marvin und Robin. Und auch Marvin plagt noch der ein oder andere negative Gedanke. „Sich jeden Morgen aufs Neue zu motivieren und nicht einfach den Heimflug zu buchen…darin lag die wahre Komplexität meines Vorhabens“.  Doch nach der Halbzeit „wendeten sich das Blatt…und Wetter“ und er kann zufrieden auf die ersten Klausuren zurückblicken. Die Laune hebt sich und er genießt seine Zeit in Wales. Gemeinsam mit Robin entdeckt er die schöne Landschaft von Wales mit grünen Wiesen, eingeschlossen der 9 Millionen Schafe, bis hin zu den wunderschönen Berglandschaften. Nach unzähligen Wandertouren wird der ein oder andere Abend in einem der 50 Pubs der Stadt seinen Ausklang finden. Das restliche Jahr vergeht wie im Flug und er entscheidet die Schlacht für sich. Stolz, mit Titel, kehrt er ein Jahr später wieder zur zurück nach Hause.

„Eine gute Grundlage für meine Gehaltsverhandlung war die praktische Erfahrung durch die Ausbildung in Kombination mit der Theorie durch das Studium.“

Marvin & Robin 2

 

Schon bald erhält Marvin positive Rückmeldungen auf seine abgeschickten Bewerbungen und tritt im Sommer 2017 eine Stelle als Entwickler für Elektroprodukte an. Hier entwickelt er komplexe elektronische Produkte, kommuniziert mit Marketing, Vertrieb und Entwicklungspartnern. Er repräsentiert sein Unternehmen auf großen Messen (u.a. EICMA in Mailand) und ist außerdem als Ausbilder für zwei Mechatroniker verantwortlich, denen er „viele praktische Tipps geben kann“.

Dass seine Karriereleiter über den zweiten Bildungsweg führt, bereut Marvin keine Sekunde. Im Gegenteil: „Durch meine Erfahrung aus der Arbeitswelt, konnte ich mir in den späteren theoretischen Vorlesungen den Bezug zu Praxis vorstellen.  Zudem habe ich meinen Beruf von Grund auf gelernt und kenne so viele Fallstricke, die einem keine Vorlesung vermitteln kann.“ Auch wenn er immer Unterstützung und Zuspruch von seinem Umfeld für seine Entscheidungen erhalten hat, war er in seinem Ziel so gefestigt, dass ihn nichts verunsichern konnte. Es gab auch nicht einen Moment, in dem er sich „schämte“ kein allgemeines Abitur mit anschließendem Studium ins Visier genommen zu haben.

Für ihn war eine solide Ausbildung, mit der er seine persönliche Reife und Selbstständigkeit fördern konnte, die richtige Basis, um dann über seine akademische Weiterbildung nachzudenken. Denn im Laufe der Zeit hat er eines begriffen: „Ich lerne für mich und meine Zukunft. Und für niemanden sonst.“

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