Nur noch kurz einen Verein gründen

Deutsche Bürokratie – wer findet sie nicht anstrengend? Ob beim Bafög Antrag oder beim Ummelden eines Wohnsitzes. Das anstrengendste ist häufig der Papierkampf. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, weshalb ich mich freiwillig einer bürokratischen Prozedur unterzogen habe und welche Vorteile ich daraus gewonnen habe.

Der Traum

Am Anfang ist da dieser Traum. Man weiß nicht, wie man ihn erreicht, aber man weiß, dass man ihn hat. In meinem Fall war es einen Verein zu gründen. Ein Jahr, nachdem ich der Kunstinitiative farbel beigetreten bin, wollte ich meine ehrenamtliche Tätigkeit auf die nächste Stufe bringen. Ich hatte das Ziel vor Augen farbel zu einem gemeinnützigen Verein zu machen. Ich träumte von einer soliden Basis für die Zukunft unserer Arbeit. Also machte ich mich an die Arbeit.

Die Wirklichkeit

Dabei stieß ich schnell an meine Grenzen. Informationen über Vereinsgründungen sind querbeet über das Internet verteilt. Einige Quellen widersprechen sich, jedes Bundesland hat spezifische Regelungen – Ich war überfordert und wusste nicht, wo ich anfangen sollte. Den Großteil der Zeit verbrachte ich damit, die gefundenen Informationen zu sortieren und zu überprüfen. Im Anschluss daran hatte ich ein riesiges Dokument vor mir und verschiedenste Vorlagen und Muster. Um euch mein Leid zu ersparen, halte ich hier meine Erkenntnisse fest.

Die grobe Reihenfolge

Der richtige Ablauf der Vereinsgründung ist essentiell für den Erfolg, kann aber tatsächlich auch Geld sparen. Dementsprechend kann ich folgende Reihenfolge empfehlen:

1 – Satzung schreiben

2 – Gründungsversammlung halten

3 – Anmeldung beim Finanzamt

4 – Notarielle Beglaubigungen einholen

5 – Anmeldung beim Amtsgericht

Ein Rezept. Für Vergrößerung draufklicken.

Die Details

  1. Zunächst wird eine Satzung festgelegt. Diese dient als Regelwerk des Vereins und muss sämtliche Interessen rechtskräftig formulieren. Am besten orientiert man sich hierbei an einem Muster und passt dies an den eigenen Verein an.
  2. Bei der Gründungsversammlung treffen sich mindestens sieben Gründungsmitglieder, um die Entstehung des Vereins zu bezeugen. Gemeinsam wird die Satzung besprochen und abgesegnet. Die gesamte Gründungsversammlung muss ordnungsgemäß protokolliert sein. Auch hierfür gibt es nützliche Mustervorlagen.
  3. Die Satzung und das Protokoll der Gründungsversammlung werden dann zum Finanzamt geschickt, um die Gemeinnützigkeit zu überprüfen. Bei erfolgreicher Überprüfung erhält man einen vorläufigen Freistellungsbescheid.
  4. Für die Eintragung ins Vereinsregister muss man sich korrekt anmelden. Dafür muss man ein Anmeldeschreiben aufsetzen und die Unterschriften aus diesem notariell beglaubigen lassen. Hier kann man zu einer Ortsverwaltung gehen und den Freistellungsbescheid des Finanzamts vorzeigen, dann erfolgt die Beglaubigung kostenfrei.
  5. Zu guter Letzt packt man die Satzung, das Protokoll der Gründungsversammlung, den Freistellungsbescheid und die beglaubigte Anmeldung in eine Briefumschlag und schickt diesen zum zuständigen Vereinsregister ans Amtsgericht.

Die Vorteile

Nachdem man einen Verein gegründet hat, hat man das Gefühl, wirklich alles schaffen zu können. Es ist ein Erfolgserlebnis sich nach und nach durch die Papiere und Vorgaben durchzuarbeiten. Außerdem ist die Freude über die erfolgreiche Eintragung ins Vereinsregister ohne Bemängelung der eingereichten Papiere überwältigend. Abseits davon erwirbt man neue Fähigkeiten, die einem in Zukunft sicherlich nützlich sein werden. Zu guter Letzt hat man einen Dienst an der Gesellschaft geleistet und sie aktiv mitgestaltet. Vielleicht kann man damit auch nur noch kurz die Welt retten.


Weiterführende Informationen

Muster zur Vereinsgründung: Satzung, Gründungsprotokoll, Eintragungsantra

Merkblätter des Landes Rheinland-Pfalz (unter Downloads)

 

Bildnachweis

Foto von Pexels, Layoutvorlage von Canva.

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