Die schwere Kunst der Leichtigkeit

Alberto Pecetto im Gespräch über Ballett und der internationale Beruf des Tänzers.

Alberto Pecetto ist Tänzer in der Delattre Dance Company in Mainz. Der 21-Jährige ist vor Kurzem nach Deutschland gekommen und hat sich für ein Interview bereiterklärt. 

Seit wann bist du in Deutschland und wieso bist du nach Mainz gezogen?

Ich bin in Deutschland seit November letzten Jahres und unter Vertrag bei der Delattre Dance Company hier in Mainz. Ich lernte den Leiter der Kompanie in Italien kennen. Er war auf der Suche nach einem Tänzer und sah mich tanzen. Daraufhin lud er mich zum Vortanzen nach Mainz ein. Ich sollte eigentlich schon im September beginnen, doch ich hatte noch ein Projekt in New York und bin daher erst im November nach Deutschland gekommen. So begann mein „German Adventure“ (lacht)

Du kommst ursprünglich aus Italien und hattest dort auch deinen ersten Ballett Unterricht.
Wie kam es dazu?

Ich bin in Turin im Norden Italiens aufgewachsen und hatte dort auch meine ersten Tanzstunden im Alter von sechs Jahren. Ein Mädchen aus der Nachbarschaft, mit der ich damals befreundet war tanzte bereits und ich wollte das dann auch machen. Als ich meinen Eltern davon erzählte, schlugen diese vor erst einmal eine andere Sportart auszuprobieren. Also ging ich für zwei Jahre in den Schwimmverein und begann danach mit Tanz.

Ist das Nachbarsmädchen auch Tänzerin geworden?

Nein leider nicht! Sie hat mit elf Jahren aufgehört zu Tanzen. Aus meiner ersten Ballett-Gruppe ist niemand außer mir professioneller Tänzer geworden. Es wird natürlich immer schwieriger, je länger man tanzt. Besonders wenn man nebenher noch in die Schule geht oder andere Hobbies hat.

Wann war Zeitpunkt, an dem du dich in mehr in die professionelle Richtung bewegt hast?

Als ich elf war begann ich erstmals an Wettbewerben teilzunehmen. Dadurch lernte ich viele Tänzer aus aller Welt kennen. Ich war ziemlich beeindruckt von der Atmosphäre, die dort herrschte. Das Niveau war dann natürlich auch viel höher. Man kann Stipendien gewinnen, die einem sehr viele Türen öffnen können.
Nach vielen Wettbewerben und Stipendien hatte ich im Alter von 14 Jahren ein Gespräch mit meiner damaligen Lehrerin. Sie empfahl mir auf eine Ballett Akademie zu gehen, damit ich dort sozusagen full-time tanzen kann.
Ich bewarb mich daraufhin für verschiedene Ballett Akademien in Deutschland, Österreich und England. Am Ende hatte ich Zusagen für alle drei –

Oh wow!

–  und entschied mich für die English National Ballet School in London. Ein Vollstipendium erlaubte es mir ohne Unkosten dort zu Studieren und zu Tanzen.

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Alberto Pecetto

Wie sah denn so ein typischer Tag an der Akademie aus?

Der Fokus lag natürlich auf Ballett. Ich hatte einen sehr vollen Stundenplan und es war ziemlich stressig. Es gab verschiedene praktische Fächer wie Ballett, Pas de deux und Contemporary Dance aber auch theoretische Unterrichtsstunden wie Anatomie, Choreologie und Tanzgeschichte. Normalerweise dauerte ein Schultag von 8:30 – 18:30 Uhr. Das war natürlich manchmal ziemlich hart. Anfangs dachte ich viel Training ist gut, da man einfach schneller besser wird. Allerdings habe ich auch gelernt, dass der menschliche Körper keine Maschine ist und jeder seine Grenzen hat.

Wie lange besucht man denn eine Ballett Akademie?

Drei Jahre. Man macht einen Abschluss und ist danach fertig ausgebildeter Tänzer. Aufgrund einer Verletzung am Knie kehrte ich nach Italien zurück. Nach einer Operation und viel Physiotherapie begann ich wieder zu trainieren und nach Stellen Ausschau zu halten.

Nun tanzt du seit November in der Delattre Dance Company in Mainz. An welchen Projekten arbeitet ihr im Moment?

Im Moment führen wir „Das Bildnis des Dorian Gray“ auf und arbeiten an einer Aufführung von „Der Glöckner von Notre-Dame“.  Am 7. Februar ist außerdem die Premiere einer zeitgenössischen Performance namens „Depen Dance“ in den Mainzer Kammerspielen.

Das hört sich ja vielversprechend an. Alberto, vielen Dank für das Interview und ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg!

Nichts zu danken!

 

_

Autor: Moritz Behner

Titelbild: Alberto Pecetto

 

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