Silvester in der Redaktion

Es sind ein paar Tage seit Silvester vergangen. Tage, die die Redakteure dieser Gruppe allerdings dringend zur Rehabilitation benötigt haben. Nun haben sie wieder einen klaren Kopf und fassen in Form von Kurzgeschichten ihre Silvesternacht zusammen – jeder auf seine Art und Weise.

Marie: Silvester in den Bergen

Die Vorbereitungen für unseren Silvesterabend begannen um 17.30 Uhr. Es sollte für eine Gruppe von 9 Personen Raclette geben. Allesamt hungrig, da der Tag bei bester Laune auf der Skipiste verbracht wurde.

Raclette Silvester - Marie Duda

Um 19.30 Uhr sollte sich im großen Gemeinschaftsraum unserer Ferienwohnung getroffen und mit dem Essen begonnen werden. Schneller als geplant waren meine Freundin, meine Mama, mein Bruder und ich mit den Vorbereitungen fertig und wir kamen alle zusammen. Ein bunter Abend begann und jeder schlug ordentlich zu. Ausschließlich beim Essen. Auf Alkohol hatte keiner so rechten Lust. Die Jungs griffen aus der Gewohnheit heraus zum Bier, aber mehr als 1 bis 2 Flaschen sollten es nicht werden. Wir Mädels blieben bei Wasser. Schließlich rief der Berg am nächsten Morgen wieder nach uns!
Und unter diesem Motto warteten wir alle bis es endlich 00.00 Uhr war. Nach dem Essen wurde gemeinsam aufgeräumt. Immer noch Zeit bis Mitternacht…Kartenspiele verkürzten die Zeit etwas, aber gegen 23.00 Uhr schielten alle bereits müde und gähnend auf die Uhr. Zwei Mitglieder unserer Gruppe verabschiedeten sich an diesem Punkt ins Bett. Ich war neidisch. Aber jetzt habe ich so lange durchgehalten, die Stunde schaffe ich jetzt auch noch! Die letzten 30 Minuten vertrieben wir uns mit dem ZDF-Neujahrcountdown… Und dann war es endlich kurz vor Mitternacht. Die kaltgestellte Alibi-Flasche Sekt wurde von meiner Mama aus dem Kühlschrank geholt und verbrachte den Jahreswechsel mit uns auf der Terrasse unserer Ferienwohnung – ungeöffnet.

seiser alm, gröden - Marie Duda

Neujahr

Der Blick auf die atemberaubenden Dolomiten, umspielt von den buntesten Lichtern der Silvesterknaller, zeigte, dass es sich gelohnt hat, gegen meine Müdigkeit anzukämpfen. Arm in Arm mit meinen Liebsten aus Familie und Freunden startete ich ins neue Jahr und freue mich auf alles was kommt! Denn was uns die Skiwelt Südtirols am nächsten Tag bot, war vielversprechend: Kaiserwetter und leere Pisten. Mein Traum! Gegen keine Party der Welt, wollte ich dieses Glücksgefühl eintauschen.

Und so langweilig, wie das alles klingen mag, für mich war dieses Silvester perfekt.

Info: Verbracht habe ich meinen Skiurlaub in Südtirol, genauer in Val Gardena-Gröden. Die Dolomiten bieten ein einzigartiges Panorama und auf die italienische Sonne ist großer Verlass – Stichwort: Kaiserwetter!

Judith: Silvester im Wohnzimmer 

Ein Tag, an dem zwei Jahre aufeinandertreffen. Ein Tag, an dem man Freunde trifft. Ein Tag zum Feiern.

Dieses Silvester feiere ich mit meinen Freunden was war, was ist und was sein wird. Unsere Interpretation des Wortes „Feiern“ ist dabei zugegeben unspektakulär. Wir sitzen zusammen um zwei Raclettes versammelt. Die Sicherung hat es nicht leicht mit uns und unserem Hunger. Nach einigen elektrischen Umbaumaßnahmen werden doch alle satt. Das ausgiebige Essen bildet das Fundament für den darauffolgenden Alkoholkonsum. Die Stimmung wird durch lustige Gesellschaftsspiele abgerundet. Das Zeitgefühl schwindet. Die Jahre treffen aufeinander. Und unsere Gläser treffen prostend aneinander.

David: Der Bürgerkrieg

Ich schaue auf mein Handy. Es ist viertel vor zwölf. Zusammen mit meinen Freunden mache ich mich auf den Weg zu den Kupferbergterrassen. „Das ist ein Geheimtipp“, sagte ein Freund zu Beginn des Abends und daher fackelten wir nicht lange. Dass es jedoch kein Geheimtipp war, stellte sich schon am Schillerplatz heraus. Massen an Menschen laufen die steile Straße zu den Terrassen hinauf und weitere Massen befinden sich schon dort. Aber es ist zu spät, um woanders hinzugehen. Also schließen wir uns den Mengen an und wandern die Straße hoch. Wir brauchen länger als alle anderen, denn unsere Bäuche haben das viele Raclette noch nicht verarbeitet. Der Türsteher des Clubs „Red Cat“ winkt uns zu, als wir daran vorbeilaufen. „Wir sollten unseren Partykonsum überdenken“, ruft ein Freund uns zu. Er war der Verlierer eines fiesen Trinkspiels und hat deshalb zusätzlich noch mit dem Alkohol zu kämpfen. „Obwohl, ich habe drüber nachgedacht. Party!“, ruft er kurz darauf. Nach einer halben Ewigkeit sind wir dann endlich oben. Zusammen mit halb Mainz. Zumindest gefühlt. Und kurz darauf ist es so weit: Die Uhr springt auf Null und wir umarmen uns, wünschen uns das Beste und zünden die traditionelle Neujahrszigarre an. Parallel öffne ich meine Flasche „Berliner Luft“ und stoße auf ein neues Jahr an.

Doch dann ereignen sich Szenen, die man nur aus Filmen kennt. Silvesterböller werden durch die Menge geworfen. Es wird geschrien. Die Häuser rund um die Terrassen werden beworfen und Böller schießen quer. „Achtung, David“, ruft ein Freund mir zu. Ein Böller wurde in meiner Nähe gezündet und zu meinen Füßen geworfen. Ich, leicht betrunken, renne ein paar Meter weg und lasse aus Reflex meine Schnapsflasche fallen. Das Glas zerklirrt und der Böller explodiert, sodass er hörbar an mir vorbeischießt. So müssen sich Menschen in Bürgerkriegen fühlen. Denn plötzlich entstehen Streitigkeiten und Menschen bewerfen sich absichtlich mit den Geschossen. Spätestens als Polizeisirenen ertönen, bin ich mir sicher, dass ich hier nicht mehr sein will. Also schnappe ich meine Freunde und wir ziehen los in Richtung Stadt. Hauptsache weg vom Chaos.

Tobi: Silvester in der Heimat – zwischen Tinnitus und Trinkspielen

Es ist der 31.12.2018 gegen 15Uhr. So langsam müsste ich mich dann mal entscheiden wo ich Silvester Feier, sagt eine Stimme in meinem Kopf. Gut dass du mich daran erinnerst erwidere ich. Klar ist bis zu diesem Zeitpunkt nur, dass es bei meiner Mam’ Zuhause um 19 Uhr Raclette gibt und meine Schwester aus Ingolstadt zu Besuch ist. Somit schlage ich mir das Angebot eines Kommilitonen, Silvester in Mainz zu verbringen aus dem Kopf. Ich versuche die letzten Jahre Silvester Revue passieren zu lassen und bemerke, dass ich seit mindestens vier Jahren nicht mehr mit zwei meiner besten Freunde Silvester verbracht habe. Die Familie oder die Freundin hatten Priorität. Somit ist die Entscheidung getroffen.

Später am Abend, gestärkt durch das Raclette und ein Glas Sekt, mache ich mich auf den Weg zu meinen Freunden. Das war allerdings nicht die Endstation, wir zogen gleich weiter und landeten schließlich in einem Vorort von Worms in einem Partykeller. Mit fünfzehn Leuten, einer ganzen Menge Raketen und drei Schreckschusspistolen, dauerte es bis ungefähr halb 11 bis die ersten vor die Tür gingen und sich warm feuerten. Ich persönlich habe in meinem Leben vielleicht zehn Raketen selbst gezündet und werde zum Jahreswechsel normalerweise immer emotional. Doch Feuerzangenbowle, Bier, Pfeffi, Vodka Shots und Whisky Cola sorgten dafür, dass es um 00:00Uhr kein Halten mehr gab. An dieser Stelle möchte ich kurz auf das Bild unten hinweisen, dass die Lage am besten beschreiben kann. Die nächsten Stunden verbrachten wir gut gelaunt mit Trinkspielen, Gesprächen und Musik. Gegen fünf Uhr in der Früh machten wir uns dann auf den Heimweg. Diejenigen, die es allein nicht mehr schafften, wurden mit nach Hause begleitet und es wurde dafür gesorgt, dass sich gefälligst noch draußen übergeben wird. So kenne ich meine Heimat. Hört sich schlimmer an als es im Endeffekt ist. Denn Ehrlichkeit, Zusammenhalt und dem Hang zum Ausarten, machen uns zu dem was wir sind. Zeitgenossen, die sich ihres Daseins erfreuen und die letzten, sowie die kommenden Jahre gemeinsam zelebrieren wollen.

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Simon: Vorbereitung ist alles…

18 Uhr in einer kleinen WG in Karlsruhe. 11 gut gelaunte Studenten machen es sich in der Küche gemütlich, öffnen das erste Bier. Der ramponierte Tisch einer Bierzeltganitur, der für diesen Abend den viel zu kleinen IKEA-Tisch ersetzen soll, steht im krassen Kontrast zuHemd, Fliege und Abendkleid. Schick? – Können wir!

Aus einem kleinen Bluetoothlautsprecher, welcher sich größte Mühe gibt die gewünschte Lautstärke zu erreichen, dröhnt eine bunte Musikmischung die von den Village People über Queen zu Macklemore, zurück zu K.I.Z, Selena Gomez und Casper reicht. Schuld an diesem auditiven Chaos ist eine zuvor erstellte Playlist, in die jeder der Partypeople Musik nach Lust und Laune einfügen konnte. Musik mit der jeder zufrieden ist? – Können wir!

Für vergnügliche Stunden sorgen ab jetzt neben der Musik zahlreiche Spiele. Neben Gesellschaftsspielklassikern wie RageCage und Bierpong, findet auch in diesem Jahr die traditionelle Silvesterolympiade statt. Es wird im Gameshowstil in zwei Gruppen gegeneinander angetreten, und versucht, die einzelnen Spiele für das eigene Team zu gewinnen.  Spaß am Spiel? – Können wir!

Ehe man sich versieht ist es schon kurz vor 12. Die 11 feierwütigen Freunde hasten 10 mal so schnell wie geplant aus der WG denn in weniger als 9 Minuten beginnt das neue Jahr. Achtgeben müssen sie, um ich in dem engen Flur nicht auf die Füße zu treten. Noch 7 Minuten. 6 Stockwerke nach unten und dann so schnell es geht zur vorher ausgesuchten Brücke, von der man eine besonders gute Sicht aufs Feuerwerk haben soll. Bei den 5 letzten Schritten brennen die Muskeln in den Beinen – Egal, Hauptsache rechtzeitig geschafft! Viermal durchzählen ob es alle geschafft haben, 3…2…1… Frohes Neues! Pünktlich? – Können wir!

Mit Bier wird angestoßen, jeder umarmt jeden und wir freuen uns gemeinsam ins neue Jahr zu starten. Das Rennen hat sich nicht gelohnt, denn dank einer sehr hartnäckigen Nebelbank, sieht mach auch von der Brücke kaum was.

-Ab dieser Stelle ist keine genaue Wiedergabe der folgenden Ereignisse mehr möglich-

Der nächste Morgen. Es gibt kein Frühstück, keinen Kaffee, die Vorratsschränke sind leer. Dafür steht der Tisch voll mit leeren Bierdosen und so fühlen sich auch unsere Köpfe an. Bei der Organisation ans Frühstück denken? – Können wir…nicht! Aber dafür war der letzte Abend 2018 gelungen und 2019 kann kommen!

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