Im Interview mit dem Europameister

Für den amtierenden Europameister im Thaiboxen, Timo Seidel, ist die Passion zum Beruf geworden. Wie Seidel zu dem Sport kam, was das Besondere für ihn daran ist und was er in der kommenden Zeit für Ziele verfolgt, erfahren Sie im folgenden Interview.

Wie kamen Sie zum Kampfsport und wie lange üben Sie diese Tätigkeit nun schon aus ?

Mein großer Bruder war Kampfsport Trainer und dann war ich natürlich von klein auf sehr begeistert, was Kampfsport angeht- also damit hat es eigentlich angefangen. Ich bin dann ins Kickboxen gegangen, hatte sehr viel Spaß und bin dann letztendlich auch Trainer geworden. Mit 22 bin ich dann zum Thaiboxen gekommen. Wenn man Kickboxen mit dazu rechnet, mache ich seit 18 Jahren Kampfsport. 11 Jahre davon Thaiboxen.

Haben Sie auch damals schon bei Ihrem jetzigen Trainer Thilo Schneider trainiert ?

Genau. Ich habe bei Thilo in Mainz-Kastell angefangen, habe dort auch als Trainer gearbeitet und bin mit seiner Unterstützung Profi geworden.

Schneider links & Seidel rechts beim Pratzentraining.

Was ist das einzigartige an Muay Thai und wie hebt sich diese Kampfsportart eventuell von Anderen ab ?

Ich persönlich finde diese Art des Kampfsports sehr realistisch. Es gibt im Stand nahezu nichts, was wir nicht dürfen. Wir dürfen mit der Faust und dem Ellenbogen schlagen und mit dem Fuß und dem Knie treten. Das ist einfach eine gewisse Form von Realismus, was mir daran gefällt.

 

Was war Ihre prägendste Erfahrung, die Sie durch den Kampfsport erlebt haben ?

Als ich das erste Mal in Thailand war. Das war schon super, wie die Einheimischen mit dir umgegangen sind. In Deutschland ist es nämlich leider oft so, dass man als Profi Thaiboxer in einem negativen Licht steht, in Thailand ist das anders. Wenn die Einheimischen wissen, dass du als Europäer deren Sportart ausübst, wirst du oft fast angehimmelt. Die zweite große Erfahrung für mich war, als ich das erste Mal in Thailand gekämpft habe und mich mal mit den richtigen Thais messen durfte. Das war schon ganz Groß!

Kann man einen europäischen Profi-Thaiboxer mit einem Profi-Thaiboxer aus Thailand vergleichen, wenn man deren Können und Erfahrung vergleicht ?

Du kannst in Thailand natürlich kämpfen und auch gewinnen. Der Punkt ist einfach, dass die Thailänder Grundsätzlich mehr Erfahrung haben. Dort interessiert sich nämlich niemand dafür, ob sie verletzt sind oder nicht sind, allein schon weil sie müssen- des Geldes wegen. Auf der anderen Seite kann man in Thailand wirklich Profi sein und davon leben, das klappt in Deutschland nicht! Die Kampfgagen die wir bekommen sind ein Witz. Jeder der in Deutschland Profi ist und dies auch lebt, macht das nicht wegen dem Geld, sondern weil er zu 100 Prozent hinter dem Sport steht.

Wie kam es zu der Gründung von Nubia Sports- Bad Kreuznach ?

Ich habe bei Thilo in Mainz-Kastell als Trainer gearbeitet und ich konnte davon auch gut leben, aber ich habe zu diesem Zeitpunkt in die Zukunft geschaut und habe gemerkt, dass für Familie, Kinder und Frau das Geld nicht gereicht hätte. Außerdem wollte ich einfach den nächsten Schritt gehen und mehr Verantwortung übernehmen. Dann habe ich mit Thilo gesprochen und gesagt, dass ich gerne was eigenes machen würde und er hat direkt das ok gegeben und gesagt: „Das ist kein Problem, ich helfe dir dabei“. Im Endeffekt kam es dann zu einer zweiten Gründung von Nubia Sports und da es so etwas in Bad Kreuznach noch nicht gegeben hat, war dies die perfekte Gelegenheiten.

Was für Eigenschaften sollte man mitbringen, um diese Sportart bei Nubia Sports auszuüben ?

Man sollte Lust darauf haben! Der Rest ist eigentlich ziemlich egal. Man muss nicht sportlich sein, denn das wird man bei dem Training von alleine. Das einzige was ich erwarte ist, dass sich die Leute anstrengen und ich das auch sehe. Das schlimmste als Trainer ist es nämlich, wenn man merkt, dass die Leute nicht an ihr Äußerstes gehen.
Ansonsten muss man nichts mitbringen. Blutige Anfänger sind bei uns genau so willkommen, wie Leute mit Erfahrung.

Am 30. September holten Sie sich gegen Ali Haidari den Europameistertitel und auch letzten Samstag in Darmstadt blieben Sie ungeschlagenen. Haben Sie sich schon weitere Ziele gesetzt oder nehmen Sie sich bis Ende diesen Jahres erstmal eine kleine Auszeit ?

Der Europatitel war dieses Jahr schon das wichtigste Ziel. Mir wurde angeboten nächste Woche auf der Hafenkeilerei zu kämpfen, aber ich habe vom letztem Kampf leider eine Platzwunde, die noch verheilen muss, deswegen wird das nichts. Aber ich denke es ist jetzt auch erstmal gut für dieses Jahr. Schön erstmal Weihnachten und Neujahr feiern und im nächsten Jahr muss ich sowieso den Europameistertitel verteidigen und es könnte sein das ich um den WM-Titel kämpfe, aber das weiß man zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

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