¡Viva el Carnaval! – die fünfte Jahreszeit mal anders

Schon bald ist es wieder so weit: die Mainzer Straßen füllen sich mit mehr als einer halben Million Menschen in quietschbunten, albernen Kostümen, nahezu alle sind in schnapsfröhlicher Stimmung, werfen Süßigkeiten durch die Gegend und schreien dabei „Helau“. Mit Büttenreden, Gardetänzen und Umzügen wird in der Mainzer Fastnacht der Winter vertrieben. Am Rosenmontagsumzug findet die Feierei ihren Höhepunkt, wenn man erst die für Mainz typischen „Schwellköpp“, überdimensionale Köpfe aus Pappmaché, die Persönlichkeiten der Stadt Mainz verkörpern, beim Umzug bestaunt und  danach von Kneipe zu Kneipe zieht. Hier werden Schlagerhits wieder rausgekramt, bis zum Umfallen gehört und dazu kräftig geschunkelt.

bunte und aufwändige traditionelle Kleider

Auch in Kolumbien werden bald wieder bunte Röcke gewirbelt, auf dem Carnaval de Barranquilla, dem laut der Zeitschrift „Forbes“ größten Fasching Südamerikas nach Río de Janeiro. Über eine Million Leute aus aller Welt kommen in die karibische Hafenstadt und beobachten staunend die farbenfrohen Kostüme. Mal bestehen diese aus riesigen Tierköpfen, mal aus aufwendig gestalteten, traditionellen Kleidern und mal wird auf kunstvolle Art möglichst viel nackte Haut gezeigt. Zu Cumbia und Salsa bewegen sich die vielen Tänzer rhythmisch durch die Straßen, jeden Tag treten Gruppen zu verschiedenen Themen in den Paraden auf.

zu Cumbia und Salsamusik werden auf den Paraden die Hüften geschwungen

Der erste Tag startet mit dem Höhepunkt des Carnavals, der Batalla de Flores, „Blumenschlacht“. Hier fällt neben den blumigen Tanzoutfits vor allem die Reina del Carnaval auf, die Faschingskönigin, die das ausgefallenste und prächtigste Kostüm von allen trägt. Es folgen die Gran Parada am Sonntag, ein Marsch mit vielen traditionell gestalteten Kostümen, und am Montag die „Parade der Fantasie“, in der sich die einzelnen Tanzgruppen mit ihren bunten und extravaganten Kostümen gegenseitig übertreffen. Doch die Umzüge sind nicht alles: die ganze Stadt besteht aus einem einzigen Fest, überall sieht man Leute voller Lebensfreude auf der Straße tanzen. Und natürlich fließt auch der Alkohol, vor allem kolumbianisches Bier und Aguardiente (kolumbianischer Anisschnaps) in Strömen.

aufwändig und prächtig – die Kostüme der „Parada de la fantasía“

Außerdem trifft man Leute von überallher aus der Welt, die extra gekommen sind, um dieses Event mitzuerleben. Diese kommen zum Übernachten zumeist bei Einheimischen unter, denn die Hotels in dem sonst nicht sehr touristischen Barranquilla können einer solchen Flut an Besuchern kaum standhalten. Doch umso besser, die „Locals“ wissen, an welchem Abend es sich wo am besten feiert und kennen auch einige Hintergrundinfos. Sie helfen zum Beispiel dabei, Tauschbörsen zu finden, wo man sich traditionelle Kostüme ausleihen kann, die denen der Umzüge täuschen ähneln.  Manchen gelingt es so sogar, sich in die Paraden einzuschleichen und eine Weile mitzutanzen, ehe die Sicherheitskräfte sie bemerken und des Platzes verweisen. Hier kommt es allerdings aufs Tanztalent an…

Auch können die Einheimischen Auskunft geben zu dem Kostüm mit phallusförmiger Nase, riesigen Ohren und Krawatte, das man oft sieht und fälschlicherweise leicht mit einem Elefanten verwechselt. Hierbei handelt es sich um die Marimondas. Der Name gehört ursprünglich zu einer amerikanischen Affenart, die durch obszöne Bewegungen auffällt und ihrem Gegenüber häufig die Zunge herausstreckt. Anfang des vorherigen Jahrhunderts kam ein Barranquillero dann auf die Idee, diesen Affen am Carnaval nachzuahmen. Da er kein Geld für teure Seide und ähnliches, was man zu dieser Zeit an Fasching trug, hatte, zog er sich einfach eine Hose und eine Jacke mit den Nähten nach vorne an und bastelte sich aus einem alten Bettbezug zwei Ringe als Augen, einen Mund und eine lange Nase. Dazu kamen die großen Ohren, die an einen Elefanten erinnern, und eine Krawatte. Hiermit wollte er sich über steife Anzugträger und Funktionäre, die seiner Meinung nach nur Geld bezögen, ohne zu arbeiten, lustig machen. Zudem wollte er seine Ablehnung gegenüber der Regierung  zeigen. Sein Kostüm findet bis heute großen Anklang, die Marimondas sind längst zu einem Wahrzeichen des Carnavals in Barranquilla geworden und fester Bestandteil auf jeder Parade.

Zwar nicht auf den Paraden, aber sonst ebenfalls sehr verbreitet, sind Schaumdosen und Mehltüten, Hier bleibt kaum jemand verschont und schon bald ist man über und über von Schaum und staubigem Mehl bedeckt und verbringt seine Zeit ebenfalls damit, andere Leute ordentlich einzuseifen und mit Mehl zu bestäuben.

unheimliche Tierwesen auf der nächtlichen Prozession zu Joselito

Die ganze Feierei findet am Dienstagabend ihr Ende, wenn Joselito zu Grabe getragen wird. Joselito ist die menschliche Verkörperung des Carnavals und wird als betrunkene Faschingsfigur mit einer düsteren Parade beerdigt. Statt fröhlich klingendem Cumbia wirkt die begleitende Musik jetzt bedrohlich, genauso unheimlich wie die dunklen, riesigen Tierköpfe, die Joselito gedenken.

Nach diesem Abschied ist es vorbei – ein letztes Mal eine Schaum- und Mehlschlacht und ausgelassenes Tanzen und schon wird es wieder annähernd ruhig in Barranquilla, bis die Stadt im darauffolgenden Jahr wieder richtig zum Leben erweckt wird.

 

 

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