„Mein Ziel ist es, die Studenten zum Nachdenken anzuregen.“ – über den Alltag im AStA

Vom Allgemeinen Studierendenausschuss, kurz AStA, hat jeder Student schon einmal gehört. Er vertritt die Studierenden und stellt die ‚Regierung‘ dieser dar. Aber was genau macht der AStA eigentlich? Die Studentin Carla U. bekleidet ein Ehrenamt im Allgemeinen Studierendenausschuss der Hochschule Bingen und berichtet von ihrer Arbeit.

Carla, du bist selbst im AStA der Technischen Hochschule Bingen. Wie genau sehen die Aufgaben des Allgemeinen Studierendenausschusses vor Ort aus?

„Der AStA hat ganz verschiedene Aufgaben. Zum einen sind wir in verschiedene Referate unterteilt, zum Beispiel das Kultur-, Sozial- oder auch Umweltreferat. In dem bin ich auch selbst tätig. Da werden Veranstaltungen geplant und durchgeführt. Weil die Hochschule in Bingen verhältnismäßig klein ist, haben wir hier keine Fachschaften. Der AStA übernimmt deshalb auch die Planung von Partys, dafür gibt es bei uns sogar ein eigenes Referat. Ein internationales Referat gibt es auch, dort wird zum Beispiel ausländischen Studenten die Integration an der Uni erleichtert. Öffentlichkeitsarbeit gehört auch mit dazu, schließlich muss man ja auch für die Veranstaltungen und den AStA selbst werben.“

 

Wie kamst du dazu, Teil des AStAs zu werden? Welche Vorstellungen hattest du von der Arbeit dort?

„Wie meine Vorstellungen aussahen…schwer zu sagen (lacht). Ich habe vor dem Studium ein FÖJ (Freiwilliges ökologisches Jahr) gemacht, dort musste ich auch immer wieder Veranstaltungen organisieren. Das hat mir schon damals Spaß gemacht. Natürlich habe ich mich nicht einfach an einem Tag dazu entschieden, beim AStA zu arbeiten. Die Sitzungen sind ja alle öffentlich, also habe ich mir da ein bisschen was angeschaut und habe mich dann nach und nach dazu entschieden. Durch die Sitzungen und die Erfahrungen aus dem FÖJ hatte ich schon eine ungefähre Vorstellung davon, was mich erwarten könnte. Das stimmte dann letztlich auch.“

 

Du hast vorhin vor allem von den Veranstaltungen des AStA gesprochen – ist das, zusammen mit den Referaten der Hauptteil?

„Im Grunde schon. Ich bin natürlich auch Ansprechpartnerin für Studenten, die sich für den AStA und seine Projekte interessieren und speziell für Umweltfragen, aber da kommen selten Fragen. Die meisten fragen dann doch eher das Internet um Rat.“

 

Hast du ein paar Beispiele für Veranstaltungen, die von dir und dem Umweltreferat organisiert wurden?

„Da wäre zum einen der Fahrradtag, den wir letztens hatten. Dort konnten die Studenten ihre kaputten Fahrräder mitbringen und wir haben ihnen gezeigt, wie man zum Beispiel einen Reifen flickt. Außerdem gab es vor den Ferien einen Do-it-yourself-Abend zum Thema ‚Kosmetik selbst herstellen‘. Eine regelmäßige Veranstaltung sind die Kinoabende mit einer anschließenden Diskussionsrunde. Mir geht es dabei nicht darum, den Leuten zu zeigen wie kaputt die Welt ist – das haben wir sowieso schon alle gesehen. Deshalb versuchen wir, vor allem Lösungsansätze zu zeigen. Mein Ziel ist es, die Studenten mit meiner Arbeit zum Nachdenken anzuregen.

Für die Zukunft planen wir außerdem, die Hochschule zu einem ‚essbaren Campus‘ zu machen. Statt Blumen soll Gemüse gepflanzt werden. Das wird dann von Paten des Projekts gepflegt, aber jeder darf etwas ernten. Auch mit Fairtrade wollen wir in Zukunft an der Uni arbeiten und die Studenten dafür noch mehr sensibilisieren.“

 

Das alles klingt nach einer Menge Arbeit. Wie oft bist du im AStA tätig?

„Das ist sehr unterschiedlich. Manchmal, vor allem wenn eine Veranstaltung ansteht, kann es sein, dass ich jeden Tag im AStA bin. Dann für ein paar Wochen mal wieder gar nicht. Im Durchschnitt würde ich sagen etwa zweimal die Woche für vielleicht 2 Stunden.

Aber wir können uns auch aussuchen, wie viele und welche Veranstaltungen wir planen wollen. Dabei geht es auch darum abzuschätzen, wieviel du neben dem Studium schaffen kannst. Am Anfang muss man natürlich etwas mehr Zeit investieren um sich mit den Abläufen vertraut zu machen. Außerdem muss man ab und zu im Büro arbeiten, dafür kann man sich dann in den Plan schreiben. Weil der AStA leider fast immer unterbesetzt ist, machen wir das auch häufig.“

 

Wie sieht es mit der Bezahlung aus?

„Als klassischer Nebenjob ist die Arbeit eher nicht geeignet. Der AStA besteht aus Ehrenamtlichen, die eine Aufwandsentschädigung bekommen. Das Geld setzt sich dann zusammen aus einer Pauschalen und einem Zusatz je nachdem wie oft man bei Sitzungen anwesend war. Außerdem wird darauf geschaut, wieviel man bei Veranstaltungen gearbeitet hat. Es wird auch berücksichtigt, was für eine Art von Arbeit das war. Zum Beispiel will niemand wirklich gerne nach der Party aufräumen, aber das muss ja auch gemacht werden. Vom Arbeitsaufwand ist er mit einem Nebenjob vergleichbar, allerdings verdient man hier mit etwa 400 Euro im Semester so viel wie bei anderer Arbeit jeden Monat.“

 

Was kann der AStA denn stattdessen bieten? Was nimmst du aus der Arbeit mit?

„Im Gegensatz zu einem Nebenjob der rein körperlich ist, kann man bei dieser Arbeit sehr gut für den späteren Job üben. Wenn man hier plant, organisiert und dann etwas schiefgeht, ist es zwar schade, aber nicht schlimm. Im Beruf würde das nicht so gern gesehen. Außerdem arbeitet man an seiner Teamfähigkeit, gegenseitiger Kommunikation und lernt wie man sich Zeiten richtig einteilen kann. Außerdem übernimmt man Verantwortung, ist in Sitzungen dabei und leitet die ein oder andere Kleingruppe. Und nebenbei bekommt man einen super Kontakt zum Unipersonal und kann hinter die Kulissen des Uni-Alltags schauen. Vom Hausmeister bis zum Präsidenten hat man mit jedem zu tun. Zusammen mit der Mitbestimmung, die man durch die Arbeit im AStA hat, wird der Uni ein sehr persönliches Gesicht gegeben.“

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

Facbook-Seite des AStA Bingen: https://www.facebook.com/AStA.FH.Bingen/

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s