Rechtepoker mit weitreichenden Folgen

Handball-Deutschland kann nun doch live einschalten

Nach zwei Jahren und dem eher ernüchternden siebten Gesamtplatz bei der Weltmeisterschaft 2015 in Katar beginnt heute die 25. IHF Men’s World Championship in Frankreich. Der Europameistertitel der Herren im vergangenen Jahr und die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro lassen Hoffnungen auf weitere Erfolge bei dem bis zum 29. Januar 2017 dauernden Turnier zu.

Diese unproblematisch erscheinende Ausgangssituation verschleiert jedoch die Tatsache, dass es bis zum 05. Januar ganz danach aussah, dass handballbegeisterte Deutsche nicht die Chance gehabt hätten, die Spiele der WM live im Fernsehen anzusehen.
Dies hängt mit einem TV-Rechte Dilemma zusammen, welches schon im Jahr 2013 seine Anfänge hatte. Ursächlich war die Councilsitzung des IHF am 21. Dezember 2013 in Belgrad, bei dem der Fernsehvertrag für die WM 2017 beschlossen werden sollte. Auf das irrationale finanzielle Mächtespiel einiger Größen unter den Rechtehändlern reagierte die Europäische Rundfunkunion (EBU), der ARD und ZDF angehören, mit dem Austritt aus den Verhandlungen. Nicht überraschend war es im Folgenden, dass die damalige Al-Jazeera-Tochterfirma BeIN Sports den Zuschlag bekam und die Rechte für 100 Millionen Franken, also umgerechnet circa 83 Millionen Euro, erhielt.
Die Verhandlungen zwischen der ARD, dem ZDF und dem Rechtehändler blieben erfolglos. Die Forderungen von BeIN, dass TV-Signale für Satelliten-Kunden verschlüsselt werden müssten, stießen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern auf deutliche Abneigung. Damit stand schnell fest, dass sie keine Übertragungsrechte für die Weltmeisterschaft ergattern würden.
Die Nachricht erschütterte weite Teile der deutschen Handball- und Sportereignisfans, zumal die Meldung erst spät öffentlich wurde und ein Großteil der Verhandlungen lange Zeit hinter verschlossenen Türen stattfand.
Gerade noch rechtzeitig können sich die Zuschauer nun aber doch freuen. Die Online-Bank DKB, unter anderem Titelsponsor der Bundesliga, konnte mit dem „Rechte-Riesen“ BeIN eine vertragliche Lösung finden. Die DKB kaufte die Live-Übertragungsrechte für Deutschland, um wenigstens eine Onlineübertragung der Begegnungen zu garantieren. Ausschlaggebend für die Zusage durch BeIN soll hierbei vor allem die Zusammenarbeit mit YouTube als Darstellungsplattform gewesen sein, da online mit einer bis zu 30% stärkeren Quote als im herkömmlichen TV-Format gerechnet wird.
Unabhängig von skeptischen Auffassungen gegenüber dieser Lösung durch die ARD, bezüglich rundfunkrechtlicher und weiterer Fragen, sollten Handballfans nun aber doch auf ihre Kosten kommen. Die Spiele werden online auf der Seite handball.dkb.de zu verfolgen sein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s