Humor altert nicht

Charlie Chaplins „City Lights“ – Eine Rezension

Viele Filme geraten mit der Zeit in Vergessenheit. Nicht so Charlie Chaplins „Lichter der Großstadt“, der auch nach mehr als 85 Jahren nichts von seinem Charme eingebüßt. Das American Film Institute prämierte ihn 2008 sogar als bedeutendste romantische Komödie und führt ihn auf Platz 11 der besten amerikanischen Filme aller Zeiten.
Der Film zeigt das amerikanische Großstadtleben des frühen 20. Jahrhunderts anhand von Chaplins Paraderolle, dem „Tramp“ auf eine ironische, sozialkritische, aber auch optimistische Art – Stets begleitet durch seine typische pantomimische Komik. Dieser verliebt sich in ein blindes Blumenmädchen (gespielt von Virginia Cherrill), die ihn durch einen Zufall für wohlhabend hält. Der Tramp müht sich fortan mit Glück und Anstrengung diese Rolle durchzuhalten und das dafür nötige Geld aufzutreiben. Obwohl Chaplins erster Tonfilm typischerweise vor allem durch die Komik seines Hauptdarstellers begeistert, überzeugt er auch in den ernsten Momenten, ohne dabei jemals den Humor zu verlieren.
Vieles an dem Film wäre heute kaum noch denkbar: So übernahm Chaplin nicht nur Hauptrolle, Regie, Drehbuch, Produktion und Schnitt, sondern komponierte auch erstmals die Filmmusik. Möglicherweise erklärt sich dadurch die lange Produktionsdauer von mehr als drei Jahren. Auch die langen, teils höchst anspruchsvollen Schnittsequenzen findet man heute allenfalls noch bei Alejandro G. Iñárritu. Der Perfektionismus, mit dem der dreifache Oscarpreisträger seine Ideen verfolgte führte dazu, dass einzelne Szenen über 100 Mal gedreht werden mussten, weshalb er sich mit Hauptdarstellerin Cherrill überwarf. Diese Perfektion merkt man dem Film allerdings auch klar an, der mitunter frustrierende Aufwand geht dagegen in der Leichtigkeit und dem Slapstick unter.

chaplin

Charlie Chaplin in seiner Paraderolle als Tramp

Einige der Szenen, insbesondere der Boxkampf, durch den der Protagonist versucht an Geld zu kommen, sind aus gutem Grund zu Klassikern der Filmgeschichte avanciert. Chaplins riskante Entscheidung, einen mit Geräuschen untermalten Stummfilm mitten in den Siegeszug des Tonfilms hineinzuwerfen ging auf und bescherte ihm den bis dato größten Erfolg seiner Karriere. Die Auftaktszene parodiert den „Sprechfilm“ sogar so weit, dass Reden die zwar gezeigt, aber nur als quakende Saxophongeräusche sarkastischvertont werden.

 

Fazit
Auch für ein modernes Publikum bietet der Film Unterhaltung pur und eignet sich wunderbar um Skepsis gegenüber Stummfilmen abzulegen. Lediglich die sehr einfach gestrickte Rolle des Blumenmädchens als bloßes Objekt der Begierde stößt aus heutiger Sicht etwas auf. Dennoch vergebe ich auf einer persönlichen Skala 8/10 Punkten und damit eine absolute Empfehlung.

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