Freundschaft auf Distanz

Gedanken über die „long-distance friendship“

Manchmal erscheint es einem paradox. Jeder von uns nutzt oder kennt sie. Eine Reihe von Kommunikationsplattformen geben uns tagtäglich die Möglichkeit, uns über das Wichtige oder Unwichtige im Leben, mit Bekannten oder Unbekannten auszutauschen. Doch wie verhält es sich mit engen Freundschaften, mit in der Schulzeit jahrelang gepflegten Kontakten, wenn das Ausland oder der Umzug in eine neue Stadt anstehen?
Nicht wenige von uns jungen Leuten befinden sich nach Abschluss ihrer Schullaufbahn in einem Dilemma, welches durch Bewahren und Erneuern geprägt ist. Man schwebt zwischen zwei Welten, zwei Idealen, die, wie sich herausstellt, nicht immer ohne Hürden zu vereinbaren sind. Da wäre einerseits der Wunsch nach der ewigen Freundschaft, dem Aufrechterhalten einer Bindung, die einen so manche stressgeladene Phase in der Schule hat durchstehen lassen. Die Schule war eine Zeit, in der man recht selten über den Tellerrand hinausgeschaut hat, meist nur dann, wenn man bei der nächsten Familienfeier gefragt wurde, was man denn nach dem Abitur machen möchte. Doch reflektiert man einmal genauer diese Zeit, dann fällt schnell auf, dass man sich nicht unbedingt bewusste Gedanken über die Auswirkungen auf enge Schulfreundschaften in der Zukunft gemacht hat.
Betrachtet man nun den Aspekt des Erneuerns, folgt die Zeit im Ausland oder das Aufnehmen eines Studiums, einhergehend mit dem Wunsch, neue Kontakte zu knüpfen, seine Reichweite zu vergrößern und das Abenteuer mit Gleichgesinnten zu teilen.
Die Vereinbarkeit beider Vorstellungen ist ohne Frage möglich, es bleibt nur die Überlegung wie. So individuell ein jeder ist, so unterschiedlich fallen auch die Konstellationen aus. Findet ein Umzug in die Ferne statt, so werden der wöchentliche Besuch in der Heimat und das ständige Wiedersehen mit den Freunden unwahrscheinlicher. Oder der Umzug der Freunde, oder die Ausreise ins Ausland, oder.. Die Liste lässt sich relativ lange weiterführen.
Und hier rücken nun die zu Beginn erwähnten Kommunikationsplattformen wie Skype, Whatsapp oder Facebook in den Fokus.
Jeder kennt die Sätze: „Ich schreibe dir dann!“, oder „Halt mich auf dem Laufenden, wir könnten ja mal skypen.“
Das unrealistische Ziel sich über alles und jeden auf dem aktuellen Stand zu halten, lässt sich nur mit den Wenigsten realisieren. Das ist im Grunde auch in Ordnung. Doch sollte es klappen, kann man dies in unserer schnelllebigen Zeit definitiv schätzen, denn mittlerweile scheint die Zeit für eine 2-zeilige Kurznachricht zu fehlen, wohingegen mehrstündige Telefonate früher auf der Tagesordnung standen. Das Paradox kommt also nicht von ungefähr, es scheint uns heute nicht unbedingt leichter, sondern manchmal fast schwerer zu fallen, Kontakte aufrecht zu erhalten. 10 Telefonnummern gegen 100 Whatsapp-Chats: Eigentlich keine faire Gegenüberstellung. Es wird uns so einfach gemacht wie nie zuvor und doch – zu Weihnachten habe ich 5 enge Schulfreundinnen nach über einem Jahr vereint wiedergesehen – haben wir weite Strecken dieser langen Zeit von einander „verpasst“.

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Ein Gedanke zu „Freundschaft auf Distanz

  1. goldenmelancholy

    Wahre Worte! Ich merke auch, wie schnell der Kontakt verloren geht, wenn man sich nicht regelmäßig sieht. Wichtig ist aber, dass man sich gegenseitig genug ins Herz geschlossen hat, dass die Distanz keine Rolle spielt. Liebe Grüße, Julia :)

    Antwort

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