dscn1188-jpg

Ein Stern zieht durch die kalten Straßen

Draußen ist es nun richtig kalt geworden und nur ein paar Unerschrockene trauen sich bei der Kälte aus dem Haus, um ein paar Besorgungen zu machen und schnell wieder ins Warme zu kommen. Ansonsten ist es doch eher ruhig in den Gassen und man sitzt gemütlich bei Kaffee und Kuchen in der warmen Stube vorm Kamin.

Ein paar lassen sich aber von den Minustemperaturen nicht abschrecken. Dick eingepackt und den Bollerwagen beladen mit Thermoskannen voll Tee, ziehen die kleinen Gestalten durch die Straßen ihres Heimatorts. Schon früh sind sie auf den Beinen, denn sie haben einen langen, anstrengenden Tag vor sich. Wie jedes Jahr sind in der ersten Januarwoche Tausende von Kindern unterwegs, um als Sternsinger den Segen Gottes für das neue Jahr von Haus zu Haus zu überbringen und für arme, kranke Kinder Geld zu sammeln.

Viele laufen seit ihrer Erstkommunion im Alter von acht oder neun Jahren mit, um später selbst einmal die Kleinen zu betreuen und ihre Gruppe zu leiten. Auch ich war bis vor Beginn meines Studiums ein Teil von ihnen und erinnere mich gerne an die Zeit zurück.

Samstag Morgen, 8:30 Uhr: Die Kinder und ihre Gruppenleiter treffen sich im Pfarrzentrum und werden mit etwas Hilfe in Sternenträger und die drei Könige verwandelt. Nach dem Verkleiden und Schminken und dem Besuch eines Gottesdienstes geht’s los: Rund 50 Häuser hat jede Gruppe von circa fünf Kindern vor sich, die alle an einem Tag besucht werden wollen. 50 mal singen, Text aufsagen, Segen überbringen, ihn mit Kreide an die Haustür schreiben und Geld einsammeln. Mittags treffen sich dann alle wieder im Pfarrzentrum, in dem es zur Stärkung Geschnetzeltes und zum Nachtisch Vanilleeis gibt. Und schon geht’s auch wieder bis teils spät in den Abend weiter. Dann wird das das gesammelte Geld abgegeben und als Betthupferl wartet eine heiße Waffel.

Jedes Jahr war es ein aufregender, erlebnisreicher Tag. Ein Tag voll kalter Füße, des dringend aufs Klo müssen und Text stottern. Immer wieder ein „Ich kann nicht mehr!“ und „Hört der Regen bald auf?“. Aber gleichzeitig war es auch immer ein Tag gespickt von Lachen und Singen, strahlender Augen der alten Leute beim Besuch der Sternsinger, Schokolade und heißem Kakao zur Belohnung. Doch das schönste ist der stolze und glückliche Blick der Kleinsten, wenn sie merken, dass sie anderen Kindern helfen können, denen es bestimmt nicht so gut geht wie ihnen.

Und dabei ist es ganz egal, aus welchem Land das andere Kind in der Gruppe kommt oder welche Konfession es hat. So war es auch in einem Jahr, als viele krank geworden sind und die Frage aufkam, wie wir die Aktion an einem Tag mit weniger Gruppen und größeren Routen stemmen wollen. Spontan haben sich zwei Freunde von uns bereit erklärt, einzuspringen und mitzulaufen. Daraus entstand eine bunt gemischte Gruppe: zwei Katholiken, eine Protestantin und ein Moslem. Die Sternsingeraktion beweist damit, wie groß der Tatendrang von Kindern ist, trotz Eis, Schnee oder Regen, ihre Wärme und Freude in jedes Haus zu tragen, anderen zu helfen und die Welt zusammen ein kleines Stückchen besser zu machen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s