Kein One-Way-Ticket für mich!

4.30Uhr, der Wecker klingelt und reißt mich aus dem Schlaf. Noch deutlich benommen tapse ich ins Bad und beginne mich fertig zu machen. 5.15Uhr: Weiter geht’s, die Treppe nach unten und Richtung Kühlschrank. Nächster Punkt: Frühstück. 5.45Uhr: Wieder nach oben, Zähne putzen und Sachen schnappen. Um 6.00Uhr geht’s los. Ich laufe zum Bahnhof um die Bahn um 6.31Uhr zu bekommen.
Das alles, ein festgelegter Ablauf, bei dem ich geistig vermutlich nicht wirklich anwesend bin. Zu früh für mich! Besonders, um klare Gedanken zu fassen.

Ich, 20 Jahre alt und Studentin in Mainz, wohne in Eschborn, bei Frankfurt am Main. Für mich gehört das Pendeln zum täglich Brot. Jeden Tag verbringe ich etwa 3 Stunden in Zügen, Bahnen und Bussen. Die Zeit lässt sich mal mehr und mal weniger gut nutzen. Mein Weg morgens: verbunden mit Hindernissen. Ich laufe etwa 25 Minuten zum Bahnhof, nehme die Bahn zum Hauptbahnhof und steige dort in den Regionalexpress um. Ausstieg in Mainz am Hauptbahnhof und weiter in den Bus zur Uni. Vor allem das Umsteigen macht die Fahrt zur Uni immer wieder unangenehm. Die Bahnen fahren zu, für mich, unmöglichen Zeiten, sodass ich mich sowohl auf dem Hinweg, als auch auf dem Rückweg von der Uni immer hetzen muss. Ich habe nie die Möglichkeit einmal in einem angenehmen Tempo zur Bahn oder zum Bus zu laufen. Weiteres Manko: Das studentische Leben geht weitestgehend an mir vorbei. Also mal abgesehen von lernen, Hausarbeiten, Exzerpten und Co. An den Unipartys, dem Nachtleben und diversen anderen Veranstaltungen kann ich nur unter zwei Bedingungen teilnehmen: Ich finde eine Bekannte, bei der ich übernachten kann oder ich bleibe die ganze Nacht. Denn eine gute Verbindung nach Hause gibt es nicht. Die letzte Bahn fährt schon um 0.27 Uhr, dann aber auch mit viermal Umsteigen und Ankunft um 5.06 Uhr! Nur 7 Minuten später würde ich ankommen, wenn ich die erste Bahn morgens um 4.03 Uhr nehmen würde.

Trotz den schwierigen Bedingungen und auch nachgewiesenen gesundheitlichen Bedenken, vor allem durch den Stress, ist die Zahl der Pendler laut Statistischem Bundesamt in den letzten Jahren stark angestiegen. Täglich pendeln Millionen von Menschen in Deutschland und viele davon nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel. Seit diesem Jahr gehöre ich dazu. Warum ich mir jeden Morgen diesen Stress antue und nicht umziehe? Ganz einfach: die Kosten. Das Semesterticket ist in den Studiengebühren mit enthalten und deckt deutlich mehr als den von mir benötigten Raum ab. Die Mieten in Mainz sind teuer. Eine bezahlbare Wohnung zu finden, wird für Studenten immer schwieriger – und teurer. Das zeigt der Mietpreisindex der Deutschen Real Estate Funds und des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln.

Ich und vor allem meine Eltern sparen ungemein an Kosten, solange ich zu Hause wohne. Noch ist es auch relativ gut möglich. Meine privaten Aktivitäten lassen sich mit den Uni- und Fahrplanzeiten weitestgehend vereinbaren. Warum also sollte ich mir diese zusätzlichen Kosten aufbürden? Deshalb: Kein One-Way-Ticket für mich!

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Ein Gedanke zu „Kein One-Way-Ticket für mich!

  1. elderlyflower

    Interessanter Beitrag! Ich musste früher auch immer gezwungenermaßen vom Dorf in die Stadt zur Schule pendeln und habe es gehasst. Hatte auch immer das Gefühl, dass alles an mir vorbeizieht… Aber echt gut, wenn du damit so klar kommst. :)
    Liebe Grüße und Frohe Weihnachten!

    Antwort

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