Die Mainzelbahn: Nur Denkmal und Prestigeobjekt?

Seit Sonntag tollen die kleinen runden Männchen nicht nur auf dem Mainzer Lerchenberg, sondern auch bis in die Innenstadt: Die Mainzelbahn fährt! Vor allem für Studenten sollte das neue Straßenbahnnetz eine Erleichterung darstellen, da sie nun schneller vom Hauptbahnhof an den Campus gelangen. Doch viele zeigen sich zu Beginn der Woche verärgert:img_0474

Eine Studentin des ersten Semesters der JGU  hatte sich sehr auf die Mainzelbahn gefreut, denn durch die bessere Anbindung durch die Haltestelle Lessingstraße kann sie als Neustädterin nun ohne Umzusteigen zur Universität fahren. Wenn es denn nur mit dem Fahren klappen würde: „Die Linie 51 kommt willkürlich und richtet sich nicht nach dem Fahrplan. Zwanzig Minuten habe ich warten müssen“, klagt die Studentin. „Gerade für Studenten, die ihre Zeit effizient nutzen wollen, ist das ein Problem.“ Gleich zu Beginn so ein Vertrauensverlust sei sehr ärgerlich. Viele Mainzer probieren die Bahn aus, auch, weil es nun weniger Busse gibt. Deshalb ist die Bahn oft überfüllt. Vor allem wünscht sich die junge Studentin eine Übereinstimmung des Fahrplans. „Vielleicht muss man dem Ganzen auch einfach mehr Zeit geben, um sich einzupendeln“, räumt sie ein. Grundsätzlich ist in ihren Augen die Mainzelbahn eine tolle Sache, sie schafft Identität für die Stadt. Außerdem sind die Mainzelmännchen als Maskottchen involviert, wie sie auch schon seit Kurzem auf den Ampeln zu sehen sind. Und es werden weniger Autos fahren und die Öffentlichen Verkehrsmittel besser genutzt, wozu es zu weniger Emissionen kommt.

Eine andere Studentin, Yvonne, kann den Bau der Bahn nicht verstehen. „Für mich stellt die Mainzelbahn eher ein Prestigeobjekt und ein Denkmal dar“, meint sie, „sinnvoll ist sie allerdings nicht.“ Hinzu kommt, dass sie nicht funktioniert: Fünfunddreißig Minuten hat sie am Montag von der Uni zum Hauptbahnhof gebraucht und das nicht mal zur Stoßzeit. Damit hätte sie beinahe ihren Zug verpasst. Das nächste Mal nimmt sie lieber wieder den Bus, wie schon seit Anbeginn ihres Studium. Das hätte schon immer gut funktioniert und die eingesetzten Busse wären völlig ausreichend gewesen. Hinzu käme, dass viele Anwohner sich vom Lärm gestört fühlen und sich beschweren.

So zum Beispiel in Bretzenheim. Draußen bekommt man von dem Lärm nicht mehr mit als auch vom Autoverkehr. Dazu muss man schon in die Häuser der direkten Anwohner gehen. Hier, in einem Blumengeschäft direkt neben einer Haltestelle, sind im Verkaufsraum vor allem die Ansagen der Bahn zu hören, aber auch die Erschütterungen deutlich zu spüren. Direkt in einem Wohngebiet, das vielen Familien ein Zuhause bietet, stellt die Bahnlinie für eine Mitarbeiterin ein Problem dar. Nun hätten sie keinen Ärger mehr mit dem Fluglärm, dafür ist nun die Mainzelbahn gekommen. Gerade für Familien mit lärmempfindlichen, kleinen Kindern ist das kritisch. Aber auch viele Anwohner, die schon seit Langem in Bretzenheim und nun direkt an der Strecke wohnen, sind alles andere als glücklich. Sie haben, wie die Mitarbeiterin, mit dem Bau vermutlich gar nicht mehr gerechnet, schließlich ist dieser Plan schon seit 1973 im Gespräch, als es einen ersten Auftrag für ein Gutachten gab. Generell hätte sie sich mehr Bürgerbeteiligung gewünscht. Die Haltestelle Hildegard-von-Bingen-Straße wäre beispielsweise nur durch Bürgerbeschwerden eingerichtet worden, damit vor allem Senioren besser zum benachbarten Friedhof gelangen. Einen Umzug zurück nach Bretzenheim hatte sie im Frühjahr in Erwägung gezogen, doch durch den Bau der Bahn gleich wieder verworfen. In der Oberstadt wohne sie jetzt wesentlich ruhiger.img_0470

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