Irgendwo zwischen Hello Kitty und echtem Pelz

Dort findet man den Traum von jedem Studenten – fürs Lernen bezahlt werden

 „Wir müssen aufhören Brause zu verteilen, es hat schon wieder jemand in den Innenbereich gekotzt.“

Da freut man sich doch, wenn man so auf der Arbeit begrüßt wird. Noch total verschlafen um 6 Uhr die Bahn nach Frankfurt genommen, um dann in der Oper Kotze wegzuwischen. Das Leben als Student ist hart, wenn man Geld braucht.

Beschweren darf ich mich eigentlich nicht. Glücklicherweise habe ich einen Job gefunden, den ich wirklich gerne mache. In der Oper Frankfurt zu arbeiten ist wirklich ein Spaß und man geht jedes Mal mit einem Lächeln auf den Lippen nach Hause. Viele andere Menschen können das von ihren Jobs nicht behaupten. Egal ob in der Oper, im Schauspiel oder in den Kammerspielen, die Atmosphäre ist locker und die Kollegen sehr umgänglich. Das Publikum ist meistens bunt gemischt. Von jung bis alt, von geizig bis sehr großzügig und von höflich bis unhöflich.

Da der Job auf 450 Euro Basis ist, freut man sich natürlich über das ein oder andere Trinkgeld. Da gibt es dann Menschen, die ihre Mäntel aus echtem Pelz bei uns abgeben und dann ganz spendabel 10 Cent über den Tresen schieben und uns zuzwinkern, als hätten sie uns gerade 10 Euro geschenkt. Höflichkeitsfloskeln helfen oftmals nach kurzer Zeit nicht mehr weiter. Wenn nach dem dritten „Könnten Sie bitte Ihr Sandwich nicht mit in die Oper nehmen?“ die Gäste immer noch in der Oper picknicken, muss ein anderer Ton angeschlagen werden.  Auch Telefonate oder Fotos mit Blitz mitten im Stück sind keine Seltenheit mehr.

Als Angestellte in der Oper wird man für alles verantwortlich gemacht:

Das Stück ist zu lang? – wir sind verantwortlich

Die Bahn kommt mal wieder zu spät? – Natürlich sind wir verantwortlich

Das Stück ist nicht nach dem Geschmack des Publikums? – Auch da sind wir dran schuld

Bei diesen Anschuldigungen lernt man hübsch zu lächeln und elegant wegzuhören, damit man den Leuten nicht ordentlich die Meinung geigt. Hilft übrigens auch in vielen anderen Lebenslagen.

Peter Pan im Schauspiel

Peter Pan im Schauspiel

Kinder sind in den meisten Fällen umgänglicher als Erwachsene. Meine absoluten Highlights sind deswegen die Kindervorstellungen jede Woche. Wenn nach und nach die Klassen eintrudeln und man bei jeder aufs Neue anfängt zu erklären, wie das jetzt genau abläuft und dann bei jeder Klasse nochmal zusätzlich erwähnt „Nein, nein. Die Taschen kommen vor den Tresen. Nein die Jacken werden nicht auf den Boden geworfen!“ Aber wenn dann alle auf ihren Plätzen sitzen und auch das letzte Erbrochene weggewischt wurde, beginnt die entspannte Zeit.

In der Gleitzeit erkennt man, wer studiert und wer nicht. Die Vollzeit angestellten gehen erstmal frühstücken und gemütlich eine rauchen. Währenddessen rennen die Studenten zu ihren Rucksäcken und holen Laptop, Texte und Bücher raus. Dann wird im großen Stil gelernt – meistens jedenfalls. Wenn nicht gerade die beste Freundin den selben Dienst hat. Diese anderthalb Stunden freie Zeit müssen so gut wie möglich genutzt werden. Der Traum aller Studenten, wenn man fürs Lernen bezahlt wird.

Wenn dann nach der Vorstellung 600 Kinder auf mich zu gerannt kommen, verfalle ich meistens in eine Schockstarre. Anschließend muss man sich erstmal sammeln, um dann 600 Jacken zu verteilen und verlorene Rucksäcke zu finden.  Oftmals wird dabei die Garderobe von den Kindern erobert. Dann sind sie links, rechts, hinten bei den Jackenstangen, einfach überall. Natürlich nur nicht da wo sie sein sollten – bei ihren Jacken.

Wenn man dann beim Feierabendschoppen sitzt, ist jedes Drama wieder vergessen und alle witzigen Geschichten werden nochmal erzählt. Alles in allem ist das Arbeiten während dem Studium längst nicht so schlimm, wie ich mir das vorgestellt habe. Ein paar Stunden hat man immer übrig und das Geld ist wirklich gut zu gebrauchen, damit man am Ende des Monats nicht nur von Wasser und Brot leben muss.

Also wer einen Job sucht, probiert es doch mal im Theater.

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