„Windpark kann unsere Haubergswirtschaft retten“

Renertec plant fünf statt zwölf Windräder in Rittershausen

DILLENBURG/DIETZHÖLZTAL – Im mittelhessischen Dillkreis werden seit dem Beschluss der Energiewende immer mehr Windparks gebaut. Am Donnerstag, den 21. Januar stellte dazu die Firma Renertec ihren Plan für einen Windpark auf der Haincher Höhe oberhalb des Dietzhölztaler Ortsteils Rittershausen vor. Statt der geplanten zwölf Windräder werden jetzt allerdings nur noch fünf Windenergieanlagen (WEA) gebaut. Als Grund dafür wird angegeben, dass sich ein Teilgebiet in einem Flora-Fauna-Habitat (FFH-Gebiet) befindet und somit nicht zur Verfügung steht.

Trotzdem solle an dem Projekt festgehalten werden, teilte Projektleiter Fritz Gemmer auf einer Veranstaltung der Haubergsgenossenschaft Rittershausen-Langenbach mit. Mit einer Windgeschwindigkeit von 7,3 Metern pro Sekunde im Jahresmittel gehöre das Gebiet zu den besten Standorten Hessens. So könnte eine Anlage jährlich 11 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren und 55.000 Menschen mit Strom versorgen, begründete Gemmer die Entscheidung.

Großen Rückhalt findet das Projekt innerhalb der Gemeinde Dietzhölztal, das Parlament hat sich zudem mehrfach für die Realisierung des Windparks stark gemacht. Auch der Vorsteher der Haubersgenossenschaft befürwortet das Projekt. Er erklärte, dass der Hauberg in der Region zwar eine lange Tradition habe, aber heute sehr hohe Kosten durch teure Maschinen und hohem Wildbestand anfallen würden. Der Windpark sei eine Möglichkeit, zusätzlich Geld zu verdienen und so die Haubergswirtschaft zu retten. Zudem führt er an, dass Windräder sauber seien, weil sie keine Abgase oder Öle produzieren. Die Geographie passe optimal und deswegen stelle er das Gebiet gerne zur Verfügung. Ein Vorteil für die Haubergswirtschaft sei außerdem, dass der mit dem Windpark verbundene Ausbau der Straßen ihnen positiv zugutekomme, weil sie die Wege mit ihren Maschinen kostenlos nutzen dürfen. Ähnlich sehen das auch die anderen Mitglieder der Haubergsgenossenschaft, die sich mit 97 Prozent für den Windpark aussprachen.

Dass es in dem Gebiet einige gute Standorte gibt, zeigt ein weiterer Windpark, der schon gebaut wurde. Auf dem Harzkopf im benachbarten Dillenburger Stadtteil Frohnhausen wurden sechs WEAs gebaut und Ende 2013 fertiggestellt. Seitdem versorgen sie 8000 4-Personen Haushalte mit Strom. Auch hier ist der Rückhalt im Dorf groß. „Die Windräder stehen weit genug vom Dorf entfernt. Außerdem kann man hier oben sehr gut mit Hunden spazieren gehen“, antwortete ein Frohnhäuser auf die Frage, ob ihn die Windräder stören.

Dieser Windpark soll jetzt auf dem Bomberg erweitert werden. Doch die insgesamt fast 200 Meter hohen Windräder stoßen nicht überall auf Begeisterung. Eigentlich sollte der Windpark bestehend aus vier WEAs schon 2014/15 fertiggestellt werden, doch eine Bürgerinitiative kämpft noch gegen das Bauen des Windparks. Wie der Leiter der Bürgerinitiative mitteilte, sei das größte Problem, dass die Windräder so hoch sind. Das Dorf liegt auf 300 Metern über NN, der Bomberg auf 500 Metern. Somit würden die Windräder 400 Meter über dem Dorf ragen und eine „Bedrohnung“ darstellen. Außerdem hätten die meisten Bewohner ihre Wohnzimmer Richtung Westen ausgerichtet und in der Richtung stünden dann auch die WEAs. Durch die notwendige nächtliche Befeuerung der Anlagen sei eine psychische Beeinträchtigung möglich und auch der Wertverlust von 20-30 Prozent der Immobilien nah am Windpark stellt ein Problem dar. Das Ende des Ringens um den Windpark ist also noch nicht in Sicht.

Durch den Beschluss der Energiewende lassen sich Windparks jedoch nicht vermeiden. Vor allem die saubere Energie steht im Vordergrund, doch sie stoßen nicht überall auf Begeisterung.

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