„Koblenz ist bunt“: Protest gegen AfD-Wahlkampf

KOBLENZ. 21.01.2016. Mehrere Hundert Menschen demonstrierten am Donnerstagabend auf dem Zentralplatz gegen eine Wahlkampfveranstaltung der Alternative für Deutschland (AfD).

Mit Schildern wie diesem wehrten sich die Koblenzer gegen die AfD.

Während die AfD in den Räumen des Forum Confluentes ihr Programm für die kommende Landtagswahl vorstellte, versammelten sich draußen etwa 500 Menschen, um insbesondere gegen die Flüchtlingspolitik der Partei zu demonstrieren. Aufgerufen zum Protest hatten „Die Partei“ sowie Jugendorganisationen der SPD und Linke.

„Menschenrechte statt rechter Menschen“, war etwa auf Schildern zu lesen, oder auch: „Die AfD legt das Feuer – wer ihr nachläuft, reicht das Benzin.“ Trotz eisigen Wetters fanden sich auch zahlreiche Musiker auf dem Zentralplatz ein, so etwa von der Rheinischen Philharmonie. Gemeinsam mit den Demonstranten sangen und spielten sie Beethovens „Ode an die Freude“, die spätestens seit ähnlichen Demonstrationen in Mainz und Dresden als Hymne für Solidarität und gegen rechtes Gedankengut gilt.

Mit Hass und Wut sei keine Politik zu machen, äußerte sich einer der Demonstranten im Interview. „Da bin ich lieber Gutmensch als Wutbürger“, fährt er fort und nimmt damit Bezug auf das Unwort des Jahres. Vor allem gegen die Anti-Asyl-Politik der AfD wolle man ein Zeichen setzen. „Wir alle müssen zeigen, dass die AfD eben nicht das Volk ist, sondern dass unser Volk bunt und weltoffen ist“, sagte eine andere Teilnehmerin. Nur so sei tatsächlich etwas zu bewirken.

"Ode an die Freude": Musiker der Rheinischen Philharmonie und Demonstanten musizieren gemeinsam.

„Ode an die Freude“: Musiker der Rheinischen Philharmonie und Demonstranten musizieren gemeinsam.

Während draußen demonstriert wurde, lauschten im Inneren des Kulturbaus etwa 200 Zuhörer den Reden des rheinland-pfälzischen AfD-Chefs Uwe Junge, der Bundesvorsitzenden Frauke Petry und des NRW-Landesvorsitzenden Marcus Pretzell.

Junge – der fordere, man solle „stolz sein, Deutscher zu sein“ – konzentrierte sich in seiner Rede ebenfalls auf die Flüchtlingsproblematik. Die derzeit „massenhaft einreisenden Analphabeten“ bezeichnete er dabei als „unkalkulierbare Belastung“ für Deutschland. Neben Kanzlerin Merkel (CDU) und ihrer Asylpolitik griff er auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) an, weil diese eine Diskussion mit der AfD in der Elefantenrunde des SWR abgelehnt hatte. Dies zeuge von „mangelndem demokratischen Selbstverständnis und bodenloser Arroganz“. Die Demonstranten vor der Tür beschimpfte er zudem als „von der SPD gemietete Wirrköpfe“.

Auch Petry kritisierte in ihrer Rede die „Willkommenskultur“ von SPD und CDU: Hinter dieser verberge sich nichts als eine „Auflösung unserer Wertegemeinschaft“. Es sei an der AfD, die demokratische Kultur Deutschlands in dieser Situation aufrecht zu erhalten. Des Weiteren beklagte sie die zahlreichen Angriffe auf ihre Partei innerhalb der letzten Monate – immer wieder sei es zu Störungen, Sachbeschädigungen, Diebstählen und Bedrohungen gekommen. Dies wolle man nicht weiter hinnehmen.

Der Protest auf dem Zentralplatz verläuft friedlich.

Der Protest auf dem Zentralplatz verläuft friedlich.

In Koblenz hingegen blieb der Protest friedlich. Die Organisatoren selbst bewerten die Demonstration als vollen Erfolg. „Wir waren sehr zufrieden, alleine schon, weil die AfD wegen uns den Hintereingang nehmen musste“, erklärte „Die Partei“-Mitglied und Veranstalter Johannes Thon. „Es waren über 500 Menschen an einem scheißkalten frühen Donnerstagabend da, wir hatten eine Live-Schalte in die Landesschau, Presse ohne Ende, was will man mehr?“. Der Erfolg zeige, dass man in der Lage sei, solche Veranstaltungen innerhalb kürzester Zeit auf die Beine zu stellen – und dies will man auch in Zukunft tun: „Der Wahlkreis Mayen-Koblenz war zur Reichstagswahl 1933 der einzige Wahlkreis, in dem die NSDAP nicht gewonnen hat – das verpflichtet“.

 

 

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