Seelen zu Verschenken

Ich langweile mich. Mein Bett ist nicht bequem und ich habe Hunger. Ich rufe schon die ganze Zeit aber keiner kommt. Die anderen rufen auch manchmal und ich kann sie hören, aber ich bin allein. Manchmal kommt jemand und streichelt mich, dann werden Köpfe geschüttelt und einer der anderen wird in eine Box gepackt. Immer wieder kommen neue und andere gehen. Manchmal kommen sie wieder, obwohl sie ausgesucht wurden. Sie sehen dann ganz traurig aus und wollen nichts essen. Sie schreien und vermissen ihre neue Familie, aber sie sind wieder hier – allein. Und hier ist es nicht schön.

Ich hoffe, dass wenn mal jemand nicht den Kopf schüttelt und „sich in mich verliebt“ (so nennen die Menschen das immer), dann werde ich in meinem neuen Zuhause ganz doll glücklich und nie wieder einsam und alleine sein. Ich wünsche mir eine Familie mit Kumpel für mich, die mir viel Aufmerksamkeit schenkt und mich liebt. Und leckeres Essen und Spielzeug!

Endlich bin ich auch ausgesucht worden! Ein Mann kam. Er wirkte nicht so begeistert als ich ihn gerufen habe und die Frau, die sich um uns kümmert, mich vorgestellt hat. Ich glaube er mag keine Katzen. Ich war ganz lieb und hab mich von meiner Schokoladenseite gezeigt. Dann hat er mich mitgenommen- er sagte, dass seine Freundin schon immer ein Kätzchen wollte, und jetzt sei ja Weihnachten da wolle er ihr eine Freude machen. Ich mache gerne jemandem eine Freude! Aber ich hoffe da sind noch andere, ich will nicht mehr länger alleine sein.

Sie hat sich gefreut mich zu sehen. Ich habe leckere Sachen essen dürfen und wir haben gespielt. Aber wo sind die anderen Katzen? Wenn die Menschen auf die Arbeit gehen bin ich laange alleine und mir ist so laaaangweilig. Heute habe ich aber toll gespielt. Ich bin ein bisschen auf dem Sofa geklettert und dann hab ich mit meinem Schatten fangen gespielt. Aber wenn ich rufe kommt keiner und ich bin ganz allein. Meine Familie ist nicht so oft zuhause und ich weiß gar nicht mehr was ich mit mir anfangen soll. Mein Napf ist leer und mir ist langweilig.

Manchmal läuft draußen eine Katze vorbei, dann wirken wir uns aber wir können nicht zusammen spielen. Ich glaube die haben da draußen viel mehr Spaß als ich. Ich bin schon wieder eingesperrt und alleine. Aber wenn meine Mama und mein Papa nach hause kommen freue ich mich immer ganz doll! Aber dann wollen sie nicht spielen weil sie müde sind. Wir kuscheln dann zusammen auf dem Sofa bis sie ins Bett gehen. Und die schlafen sooo lang und mir ist dann langweilig. Dann renne ich ein bisschen rum und klettere von Regal zu Regal. Manche Sachen die da stehen sind im Weg- ich laufe dann Slalom und ab und zu fällt was runter- aber ich bin immer sehr vorsichtig. Ich kann mich gut selbst beschäftigen aber ich habe mir das alles anders vorgestellt. Meine Familie muss mich doch so lieb haben, wie ich sie lieb habe! Langsam glaube ich, dass sie nur Zeit mit mir verbringen wenn es ihnen gefällt. Wenn ich sie wecke, scheuchen sie mich weg und wenn ich sie freudig begrüße, freuen sie sich gar nicht so wie ich.

Ohje! Heute morgen bin ich ganz schlimm geschimpft worden wegen der Sachen die letzte Nacht runtergefallen sind. Anscheinend waren das wichtige Sachen (auch wenn sie nicht besonders gut gesichert waren). Dann haben meine Mama und mein Papa ganz schlimm gestritten und ich bin in die Box gepackt worden. Sie hat zu Papa gesagt sie hat keine Lust mehr auf mich- ich sei so anstrengend und dass ich „eine doofe Idee von ihm war“. Ich bin aber keine Idee. Ich bin eine Katze und ich will glücklich sein. Ich will Teil von einer Familie sein und geliebt werden.

Ich weiß was jetzt passiert, ich habe es oft gesehen: Ich werde zurück gebracht weil ich den Menschen nicht mehr gefalle und  dann werde ich traurig in meinem Käfig sitzen und auf andere Menschen warten. Mein ganzes Leben hängt immer davon ab, was die Menschen wollen und machen und ich kann nur hoffen, dass ich nächstes Mal mehr Glück habe und länger bleiben darf, vielleicht ja für immer. Ich bin nämlich eine Für-Immer-Katze und keine Ausprobierkatze!

Der Vermittlungsstopp in Tierheimen in der Weihnachtszeit hat einen Grund: Nicht selten landen Tiere als Geschenke unter dem Weihnachtsbaum.Die Kinder wünsche sich schon immer ein Häschen, der Partner/die Partnerin findet Welpen und Kätzchen sooo süß. Dann steht Weihnachten vor der Tür und Menschen verschenken Tiere als seien sie Gegenstände.

Tiere fühlen. Sie lieben und sind treu. Sie haben Wünsche, Bedürfnisse und Ängste. Menschen sollten Tiere unterstützen und beschützen und nicht der Grund für ihr Leid sein.

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