Alan Rickman – Ein stoischer Kerl verlässt die Bühne

Alan Rickman (21.02.1946 – 14.01.2016)


Das Jahr 2016 steckt noch in den Kinderschuhen und dennoch hat die Welt der Künste erneut einen herben Verlust zu verbuchen: Der britische Schauspieler Alan Rickman ist tot.
Der heutigen Generation allgemein bekannt als der fiese, wenn auch tragische Professor Severus Snape in den „Harry Potter“-Verfilmungen, bleibt er den 90ern insbesondere als ikonischer „Stirb Langsam“-Bösewicht Hans Gruber oder gemeiner Sheriff von Nottingham in Erinnerung. Alan Rickman, das generationenübergreifende Phänomen mit der einzigartigen Stimme, hat seine letzte Vorstellung gegeben und erlag laut Medienberichten am 14. Januar seinem Krebsleiden. Er wurde 69 Jahre alt.

„Es ist ein menschliches Bedürfnis Geschichten erzählt zu bekommen. Je mehr wir von Idioten beherrscht werden und keine Kontrolle über unsere Schicksale haben, desto mehr müssen wir uns gegenseitig Geschichten erzählen. Darüber wer wir sind, warum wir sind, woher wir kommen und was noch möglich sein kann.“
― Alan Rickman

Vom Grafikdesigner zum shakespearebegeisterten Spätschauspieler

Geboren am 21. Februar 1946 in Hammersmith, London, wuchs Rickman gemeinsam mit drei Geschwistern auf. Als er acht Jahre alt war, verstarb sein Vater an Lungenkrebs, woraufhin er und seine Geschwister allein von der Mutter großgezogen wurden. Schon früh interessierte sich Rickman für die Kunst und erhielt zunächst ein Stipendium an der Latymer Upper Privatschule, ehe er sich anschließend für eine Ausbildung zum Grafikdesigner am Chelsea College of Art and Design entschied. In dieser Zeit lernte er seine Lebensgefährtin und spätere Frau Rima Horton kennen, mit der er bis zu seinem Tod verheiratet war. Nach erfolgreichem Abschluss gründete er mit Freunden das erfolgreiche Grafikunternehmen Graphiti – bis er seine Liebe zum Theater entdeckte. Mit 26 Jahren erhielt er an der renommierten Royal Academy of Dramatic Art (RADA) in London ein Stipendium, was seine knapp 40-jährige Schauspielkarriere in Theater, Film, Fernsehen als Anstoß dienen sollte.
Seine ersten Engagements führten ihn auf diverse Theaterbühnen Londons bis hin zur Royal Shakespeare Company. Für seine Entdeckung sorgte Rickman als verführerischer Vicome de Valmont im Stück Gefährliche Liebschaften, womit er es 1987 sogar nach New York an den Broadway schaffte. Für den begehrten Tony Award nominiert, wurde dem eleganten Briten ein Jahr später die Rolle des Bösewichts Hans Gruber im Actionklassiker Stirb Langsam von Regisseur John McTiernan angeboten. Eine Rolle, mit der er schlagartig internationale Berühmtheit erlangte und bis heute das Figurenbild des intelligenten, wortgewandten und stets gut gekleideten Schurken prägen sollte. Von nun an standen ihm alle Türen offen.

Vom Londoner Theater in die Welt

Obwohl Alan Rickman meist mit der Rolle des Antagonisten in Verbindung gebracht wird, so gelang es ihm dennoch, diesem Typus stets neue Facetten abzugewinnen. Als Sheriff von Nottingham in Robin Hood gleichen seine Wutanfälle manischen Attacken, während denen er lauthals Sprüche wie „I will cut your heart out with a spoon“ herausbrüllt und dem Retter der Armen hinterherjagt. Doch gerade darin bewies der sonst so sensible Herr sein unbändiges Repertoire. Im Science Fiction-Film Galaxy Quest – Planlos durchs Weltall, der nun wirklich nicht zum herausforderndsten Film seiner Art gehört, blüht Rickman als Dr. Lazarus auf. In der Religionssatire Dogma verkörpert er als genitalloser Engel Metatron auf sarkastische Weise das Sprachrohr Gottes und lädt trotz plattem Gallenhumor mit seiner trockenen Attitüde zum herzhaften Schenkelklopfen ein. Doch auch anspruchsvolle Rollen vermochten ihm zu liegen. Ob als Rasputin in der gleichnamigen TV-Verfilmung, in Ang Lees Jane Austen-Adaption Sinn und Sinnlichkeit oder seiner wohl besten Rolle des Alex Hughes im Independentdrama Snow Cake: Ob er nun als kleiner Mann, den man lediglich aus dem Augenwinkel betrachtet erscheint, oder als humorvoller Charmebolzen… als wahnsinniger und manischer Gegenspieler oder völliger Durchschnittstyp wie in der romantischen Komödie Tatsächlich… Liebe: Alan Rickman, ein stoisch anmutender Mann, wusste allein mit seiner Präsenz zu überzeugen. Er nahm jede Rolle die ihn interessierte und füllte sie mit tiefster Begeisterung aus. Auch wenn er in Interviews stets den überlegten Mann gab, so wusste man doch gleich, dass unter der rauen Schale ein sensibles Wesen steckt, das durchaus Spaß versteht. Dazu war Rickman niemand, den es in den Vordergrund drängte. Das oblag stets dem Zuschauer, der vom Talent und der Hingabe dieses Mannes förmlich angezogen wurde. Ein Schauspieler, der nie in die Nähe des begehrten Academy Awards rücken durfte, dafür aber so viele markante Rollen auf unterschiedlichste Weise verkörperte, mit denen er bei seinen zahlreichen Zuschauern stets für Entzückung sorgte. Sein Abgang von den Bühnen dieser Welt schmerzt – und wird dies auch in Zukunft noch eine ganze Weile tun.

Als Abschluss sollen die Abschiedsworte der Schauspielerin Emma Thompson aufgeführt werden, welche mit Rickman mehrfach vor der Kamera zusammenarbeitete und ein enges freundschaftliches Verhältnis zu ihm pflegte:

„Woran ich mich in diesem Moment des schmerzhaften Abschieds erinnere, ist sein Humor, seine Intelligenz, Weisheit und Güte. Seine Fähigkeit, dich mit einem Blick umzuwerfen oder dich mit einem Wort aufzuheitern. Die Unnachgiebigkeit, die ihn zu dem großen Künstler machte, der er war – sein unbeschreiblicher und zynischer Scharfsinn, die Klarheit, mit der er die meisten Dinge betrachtete, mich eingeschlossen, und der Fakt, dass er mir nie den Blick auf die Wirklichkeit versperrte. Ich lernte eine Menge von ihm. […] Er war der ultimative Mitstreiter. […]“

“What I remember most in this moment of painful leave-taking is his humor, intelligence, wisdom and kindness. His capacity to fell you with a look or lift you with a word. The intransigence which made him the great artist he was — his ineffable and cynical wit, the clarity with which he saw most things, including me, and the fact that he never spared me the view. I learned a lot from him. […] He was the ultimate ally. […]”

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