Dialog der Meisterwerke

Großes Geburtstagstreffen im Städel

Es liegt nahe, den Geburtstag auch im 200. Jahr als Feier zu inszenieren. Das Städelsche Kunstinstitut Frankfurt beendet das Jubiläumsjahr mit einer aufwändigen Ausstellung und lädt dazu internationale Gäste- insgesamt 65 Meisterwerke.

17.12.2015, von Lena Walbrunn

Seite an Seite präsentieren sich Werke internationaler Herkunft mit der hauseigenen Sammlung. So zusammengeführt, vollziehen sie den Dialog und erzählen ihre Geschichten, die Einbeziehung des Betrachters gelingt durch das Zusammenspiel der Werke. Die Schau umfasst den gesamten Ausstellungsbereich des Museums. Goldene Podeste sowie zusätzliche Hinweisschilder ergänzen die Auftritte der Besucherwerke.

In der Sammlung der Alten Meister sind mit Van Eyck und Vermeer die wohl bekanntesten Künstler jener Epoche vertreten.

Neben Botticellis Weibliches Idealbild gesellt sich mit Fazio’s Mistress von Rossetti ein rund 300 Jahre älteres Frauenportrait. Trotz der augenscheinlichen Wandlung von Schönheitsideal und Maltechnik können die ungleichen Schwestern den ‚Altersunterschied‘ vertuschen.

Weiter in der Gegenwartssammlung. Diese gibt Baselitz Raum und dem Besucher die Möglichkeit, in ein bewegtes Künstlerleben zu blicken. In Struths Museumsbildern wird der „Besucher sein eigener Beobachter“, wie es im Digitorial heißt. Mit seinem Format von 5 mal 7 Metern schockiert eine Kopie von Géricaults Floß der Medusa, das die tragische Geschichte eines Schiffsunglücks erzählt. Trotz der eigentlichen Zugehörigkeit zur französischen Romantik hat es hier einen Platz erhalten: Um die Ecke befinden sich Richters großformatige Horde und Dog Planet, von denen ebensolche bestechende Präsenz und Aktualität ausgeht.

Der Coup des Dialogs gelingt

In der Abteilung der Moderne bannt Picasso seine Fernande erst auf Leinwand, dann in Bronze. Sie lebt in der um das Portrait geschaffenen Landschaft und ersteht in der Statue, die das noch frische Spiel mit den Kuben fortführt und sich aus verschiedenen Blickwinkeln auf einmal präsentiert. Die Beschäftigung mit der langen Geschichte des eigenen Hauses wird mit Beckmann und Kirchner und deren Frankfurter Betrachtungen angegangen. Aber auch Degas‘ Tänzerinnen wird die Schau in einer ganzen Bilderserie gerecht. Marcs Liegender Hund im Schnee, daneben mit dem Tiger ein weiterer moderner Klassiker- den Kuratoren gelingt eine beeindruckene Zusammenstellung, die sich durch Vielfalt auszeichnet, dennoch nicht das Interesse an den kleinen Geschichten verliert, die hinter solchen Meisterwerken stehen.

Die 40 Gegenüberstellungen erlauben das Spannen von Fäden, die räumliche, zeitliche und künstlerische Grenzen überschreiten. Mit dem Geburtstagstreffen werden die 700 Jahre an Kunst, die die eigene Sammlung ausmacht, in neuem Glanz gezeigt.

Dialog der Meisterwerke. Städel Museum Frankfurt, bis zum 24. Januar 2016. Ermäßigter Eintritt für Studenten 12 €, Digitorial zum kostenlosen Download. http://meisterwerke.staedelmuseum.de/ 

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