Die Weihnachtszeit mal anders (Artikel – Gruppe 3)

INGELHEIM: Der Tag beginnt für die meisten Mitarbeiter zwischen sechs und sieben Uhr. Aufstehen, frühstücken und dann entweder ins Auto oder in die Bahn, die ganz Harten fahren Fahrrad. Bei Ankunft dann schnell rein in die Arbeitskleidung, die Türen öffnen um neun Uhr und dann muss jeder auf seinem Posten sein. Es ist Weihnachtszeit, soll heißen: Ausnahmezustand.

 

Die Adventszeit stellt für jedes Kaufhaus und deren Belegschaft eine ernst zu nehmende Belastungsprobe dar. Da bildet auch die Kaufhaus-Kette für die ich nebenberuflich arbeite keine Ausnahme. Die Aufgaben und deren Abfolge bleiben zwar im wesentlichen gleich, doch einige signifikante Unterschiede zum restlichen Jahr gibt es.

Es beginnt bei der Kundenzahl. An Wochenenden und vor Feiertagen sind größere Kundenscharen kein seltenes Bild und eine der Belegschaft allseits vertraute Gegebenheit, doch eben etwas was heute stattfindet und morgen wieder vorbei ist und dann geht es normal weiter. Nicht so vor Weihnachten. Jeder Tag ist ein Tag zum Einkaufen, die Flure füllen sich spätestens am Nachmittag mit Berufstätigen, die nach dem Feierabend noch ihre Besorgungen erledigen, nicht selten in Begleitung der Verwandtschaft, die noch nach einer guten Geschenkidee oder eigenen Wünschen Ausschau hält. Wissen die Leute an einem normalen Freitag aber was sie über das Wochenende brauchen und gehen stillschweigend ihren Geschäften nach, so ist vor Weihnachten das genaue Gegenteil der Fall.

 

Als Mitarbeiter wird man mit Fragen überhäuft. Wo findet sich dieser und jener Weihnachtsartikel, findet er sich überhaupt im Sortiment und wenn er zur Zeit vergrffen ist, kann er dann bestellt werden oder wird er noch einmal nachgeliefert, natürlich vor Weihnachten. So stauen sich die Fragen und die Arbeit bleibt in der Regel erst einmal liegen und muss später erledigt werden.

 

Ein weiterer Faktor ist die Ware. Die kommt schon lange vor dem Weihnachtsgeschäft ins Lager und will dann rechtzeitig aufgebaut und präsentiert sein, es ist Umbau angesagt. Ware muss verschoben, Regale geleert und umgestellt, zusätzliche Gondeln und Schütten aufgestellt werden um alles unterzubringen und das ohne, dass das sonstige Geschäft dadurch ins stocken käme.

 

Zur Weihnachtszeit gehört auch Weihnachtsmusik. Wie in jedem Kaufhaus laufen auch in meinem spätestens ab dem ersten Dezember fast nur noch Weihnachtssongs. Klassiker wie „Last Christmas“, „Jingle Bells“ oder „Fairytale of New York“ laufen den ganzen Tag in Dauerschleife und falls es einen der Kollegen nach Abwechslung verlangt liegen da nochmal die gleichen Songs nur von Helene Fischer interpriert und für ganz Verwegene die Weihnachtshits von Wolfgang Petri. Was diese musikalische Körperverletzung mit der Arbeitsmotivation der Kollegen anrichtet liegt auf der Hand. Daher bedarf es besonders bei letzteren Musikstücken besonders starker Nerven.

 

Das Ende eines solchen Arbeitstages erweist sich oft als Erlösung. Die Kunden gehen in aller Regel zufriedengestellt nach Hause, die Regale sind in den letzten zwei Stunden ordentlich aufgeräumt worden und Petri wird abgestellt. Aber am nächsten Tag geht es von vorne los. Die Bereitschaft zu Geduld und Gelassenheit sind dabei das Allerwichtigste. Aber auch die Erfahrung der langgedienten Mitarbeiter im Umgang mit dieser Zeit und die Koordination durch die Vorgesetzten ermöglichen erst den Weihnachtseinkauf, wie wir ihn kennen.

 

Die Weihnachtszeit ist gerade heute mehr denn je eine Zeit des Konsums und die Kaufhausmitarbeiter decken den Bedarf an Beratung und Hilfe so gut es geht und machen ihre Arbeit trotz aller Schwierigkeiten gerne. Das heißt aber nicht, dass wir nicht froh wären wenn es wieder vorbei ist.

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