Streamingdienste: Veränderung des eigenen Konsumverhaltens?

Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime Instant Video, Mubi und Co. nehmen heutzutage einen immer größer werdenden Platz in unserer medialen Kultur ein. Das Angebot ist riesig und der Gang zur aussterbenden Videothek wurde schon längst vom bequemen Griff zum Computer ersetzt. Mit nur wenigen Mausklicks ist der Film- oder Serienabend gesichert. Im Gespräch mit der Biologiestudentin Alina Prinzert (21 Jahre, im Folgenden als AP abgekürzt), selbst Nutzerin des Streamingdienstes Amazon Prime Instant Video, soll der Frage auf den Grund gegangen werden, ob die Nutzung dieser legalen Angebote Auswirkungen auf ihr mediales Konsumverhalten hat. 

Hallo Frau Prinzert! Danke dass Sie sich bereit erklärt haben, Auskunft über ihre Erfahrungen mit Streamingdiensten zu geben. Damit erübrigt sich auch schon fast die erste Frage:
Nutzen Sie Streamingdienste?

AP: Ja das tue ich seit ca. ein bis zwei Jahren. Vorrangig Amazon Prime Instant Video. Darüber hinaus nutze ich ebenfalls Amazonstreaming für unbegrenzte Musik. Außerdem denke ich darüber nach, mir womöglich noch Netflix als Ergänzung anzuschaffen.

Und in welchem Umfang nutzen Sie das Angebot?

AP: Wenn ich es nutze bzw. Zeit aufwenden kann, dann durchaus lang. Also zwei bis dreimal die Woche und dann zwischen drei und fünf Stunden pro Tag. Vorzugsweise abends. Es soll sich ja schließlich lohnen! *lacht*

Schauen Sie dabei mehr Serien oder mehr Filme?

AP: Filme kaufe ich mir lieber. Da hänge ich wohl zu sehr an dem Nostalgiegedanken, einen Film der mir gefällt auch besitzen zu wollen. Sammelwut. Kennt man ja… *lacht*
Wohingegen Serien bevorzugt gestreamt werden. Es ist einfach bequemer von Folge zu Folge zu zappen und vor allem günstiger, wenn man es im direkten Verhältnis zu den DVDs betrachtet. Außerdem spielt das Prinzip des Reinschnupperns eine große Rolle. Alles was cool klingt, ich mir aber nicht unbedingt kaufen würde, ist stets auf Abruf verfügbar. So findet man auch immer wieder neue Überraschungen, die positiv ausfallen können.

Also lohnt sich das Streaming?

AP: Für mich auf jeden Fall! Wenn ich mir alles was ich auf diesem Wege schauen würde auch kaufen müsste, dann wäre ich ja arm wie eine Kirchenmaus! So ist das die definitiv günstigere und auch lohnenswertere Alternative. Gerade für einen Studenten wie mich.

Hat das denn Auswirkungen auf ihre Kaufmotivation?

AP: Durchaus, ja. Seitdem kann ich das Geld in andere Serien oder gar andere Dinge investieren. Ich habe sogar das Gefühl, dass ich mittlerweile mehr Geld in Filme und Bücher stecke, als es vorher der Fall war. Es verschiebt sich finanziell betrachtet einfach auf andere Unterhaltungsmedien, da viele Serien als Anschaffung nun quasi überflüssig geworden sind. Auch wenn das nicht heißen soll, dass eine gute Serie nicht in meinem Regal landet!

Vom veränderten Kaufverhalten zum generellen Konsum: Hat sich ihr Film- und Serienkonsum seither verändert?

AP: Ohja! Dank dieser Dienste schaue ich viel mehr Serien. Sehr viel mehr. Gerade auch diejenigen, die ich sonst nicht gucken bzw. beachten würde. Einfach weil man die Möglichkeit dazu hat. Wie ich anfangs schon sagte: Man entdeckt beim stöbern so unglaublich zahlreiche und unbekannte Serien. Teilweise hat man von denen hierzulande noch nicht einmal etwas gehört, und gerade die überraschen dich unter Umständen vollkommen.

Mal allgemein gefragt: Beachten Sie dabei mehr Genres, die Sie vorher nicht beachtet haben?

AP: Gute Frage. In dem Sinne habe ich darüber noch nicht wirklich nachgedacht. Sagen wir mal so: Serien, die ich ohne die Möglichkeit zu streamen nicht geschaut und auch nicht wirklich beachtet hätte, können schon mit der ersten Folge schwer begeistern. Unter Umständen verliert man dann die Zeit „etwas“ aus den Augen und ist ruckzuck mit einer Staffel oder sogar der kompletten Serie durch. Auch wenn man es sich gar nicht vorgenommen hatte…! Da habe ich Sachen gesehen, von denen ich nie erwartet hätte, dass sie bei mir so gut ankommen und dann habe ich sie in Rekordzeit „durchgesuchtet“. Aber das ist ja das Tolle: Man schaut einfach rein und guckt ob es Spaß macht.

Interessieren Sie sich auch für selbstproduzierte Serien, wie „Transparent“, „Orange is the new Black“ oder „House of Cards“, also den so genannten Original Series (nur um mal eine Auswahl zu nennen)?

AP: Im Moment finde ich das alles noch ganz interessant. Allerdings ist noch nichts dabei, was wirklich meins wäre oder mich vom Hocker haut. Aber… das sind meist auch solche Serien, die man sonst nicht so kennt. Sie sind anders und heben sich von den gewöhnlichen Formaten der TV-Landschaft ab. Sie wirken manchmal deutlich experimentierfreudiger, als es im gängigen (Free-)TV der Fall wäre. Beispielsweise ist „Hand of God“ etwas, was es so, zumindest aus meiner Sicht, noch nicht gab. Das macht das Ganze wieder so spannend!

Glauben Sie, diese Streamingdienste haben Einfluss auf die Film- und Serienlandschaft genommen, bzw. verändert?

AP: In Bezug auf die Popularität von Serien im Allgemeinen, ja. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass sich viel mehr Leute für Serien interessieren, was sich wiederum auch in der Qualität dieses Formats niederschlägt. Das sieht ja alles immer besser aus.
Was ich mir aber selbst so ein bisschen erhoffe ist, dass auch die kleinen Nischengenres, wie zum Beispiel der Anime, so auf mehr Zuspruch hierzulande trifft. Wenn also eine Animeserie von diesen Diensten ins Programm genommen wird, haben viel mehr Leute die Möglichkeit diese Serie zu schauen. Was ja sonst nahezu ein Ding der Unmöglichkeit wäre, da der Weg von Japan hierher doch ein sehr weiter ist. Trotz Internet. Und wenn diese Formate dann auf Zuspruch treffen, sich dann vielleicht sogar ein deutscher Publisher traut die Serie auch hierzulande auf DVD/Blu-ray zu veröffentlichen, um eben in Deutschland diesen Markt zu bedienen. Vielleicht mag das nur Wunschdenken sein, aber wer weiß. Vielleicht hilft das ja etwas.

Kommen wir so langsam zum Ende: Sehen Sie Streamingdienste mittlerweile als Film-/Seriengrundlage oder rein als Ergänzung?

AP: Bei Serien ist das auf jedenfall zur Grundlage geworden. Bei Filmen dienen sie eher der Ergänzung. Wenn Serien im Stream gefallen, dann kaufe ich diese auch. Filme hingegen kaufe ich eher und schaue diese dann. Und wenn ich gerade keine DVD zur Hand habe, dann schaue ich eben auf den Streamingdiensten nach, ob der gesuchte Film womöglich dort läuft.

Letzte Frage: Fühlen Sie sich von der großen Auswahl erschlagen, oder gefällt gerade das zufällige Finden von so manch guter Serie/Film?

AP: Von beidem ein bisschen. Die große Auswahl ist eben klasse und die Tatsache, dass man Sachen findet, welche man so nie geschaut hätte. Da kommt man manchmal gar nicht mehr zum Ende, weil es einfach extrem viel und umfangreich ist und man über zahlreiche Querverweise wieder bei etwas gänzlich neuem landet. Auf der anderen Seite ist allein das schon ein enormer Zeitfresser. Was man in Anbetracht der Vorteile allerdings gerne in Kauf nimmt. Denn man hat viel, auf legale Weise, für umgerechnet wenig Geld. Und die heimischen Regale danken es auch!

Und ich bedanke mich bei ihnen für das umfassende Interview! Vielen Dank!

 

 

Ein Gedanke zu „Streamingdienste: Veränderung des eigenen Konsumverhaltens?

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