Frauen und Technik?

Viele technische Studiengänge werden auch heutzutage noch von Männern dominiert. Doch immer mehr Frauen fangen an, sich für diese Fächer zu interessieren. Doch haben sie dieselben Chancen wie Männer? Eine junge Studentin berichtet in einem Interview von ihren Erfahrungn in einem typischen Männerstudiengang.

 

Guten Tag, Amelie. Vielen Dank, dass Sie sich für das Interview Zeit genommen haben und bereit sind, einige Fragen zu Ihrem Studium zu beantworten. Welches Fach studieren Sie denn?

Amelie R: Hallo. Ich studiere Elektrotechnik an der Technischen Universität in Aachen und bin jetzt im dritten Semester.

 

Würden Sie Ihr Studienfach tendenziell eher für Technik-Interessierte einschätzen und empfehlen und wenn ja, wieso?

Amelie R: Ja, denn die Inhalte sind technisch sehr kompliziert und wenn kein Interesse besteht, ist es schwer die nötige Motivation zum Lernen zu finden.

 

Muss man denn besondere Voraussetzungen erfüllen oder besondere Kenntnisse im Bereich der Informatik oder Mathematik besitzen, oder genügt zu Beginn des Studiums der Kenntnisstand aus der Schule?

Amelie R: Es ist definitiv von Vorteil, aber muss nicht unbedingt sein. Das meiste kann mit viel Lernen ausgeglichen werden. Da man aber sehr schnell aus dem Bereich des Schulischen rauskommt, macht es keinen sehr gr0ßen Unterschied.

 

Wie würden Sie den Anteil von Frauen und Männern in Ihrem Studiengang einschätzen und woran könnte das Ihrer Meinung nach liegen?

Amelie R: Ich würde sagen, ungefähr 1/7 sind Frauen. Woran das liegt kann ich nicht genau einschätzen. Ich würde sagen, dass Frauen einfach kein sehr großes Interesse an technischen Fächern haben.

 

Fühlen Sie sich denn in irgendeiner Weise benachteiligt, z.B. bei Kursen, die technische bzw., handwerkliche Fähigkeiten erfordern oder fühlen Sie sich mindestens genauso qualifiziert?

Amelie R: Ich fühle mich nicht benachteiligt und grundsätzlich auch nicht weniger qualifiziert. Aber es ist tatsächlich so, dass die meisten Jungs und auch andere Frauen schon Mal programmiert haben, ich noch nicht. Deshalb sind in diesem Gebiet einige besser, aber man hat auf jeden Fall die Chance, das alles noch im Studium zu lernen.

 

Sind Sie der Meinung, dass Männer und Frauen auf diesem speziellen Gebiet gleichberechtigt sind oder sollten Frauen mehr gefördert werden, schon in der Schule?

Amelie R: Ich würde sagen in der Schule zu fördern wäre nicht schlecht, damit vielleicht einfach ein bisschen mehr Interesse besteht und damit das Verhältnis ein bisschen ausgeglichener ist. An der Uni wird ziemlich gut gefördert finde ich, nicht speziell in den Vorlesungen aber gerade bei Hiwi-Jobs werden häufig, wenn die Leute gleich gut sind, Frauen bevorzugt.

 

Wie sind Sie persönlich eigentlich auf die Idee gekommen Elektrotechnik zu studieren?

Amelie R: Mir hat Physik und Mathe in der Oberstufe ziemlich viel Spaß gemacht und dann habe ich mir ein paar Infoveranstaltungen angehört zu Physik, Elektrotechnik und Maschinenbau. Ich fand Elektrotechnik sehr interessant und habe dann auf gut Glück damit angefangen und es macht mir sehr viel Spaß.

 

Haben Sie damit gerechnet, dass der Studiengang und auch die Technische Universität so von Männern dominiert werden?

Amelie R: Mir war klar, dass hauptsächlich Männer Elektrotechnik studieren, aber ich hätte nicht damit gerechnet das der Unterschied so deutlich ist. Aber der Unterschied wird ja auch immer kleiner, also vor zehn Jahren war man dann ja teilweise als einzige Frau im Hörsaal, das ist ja heute übe4rhaupt nicht mehr so. Aber ich hatte es mir schon ein bisschen ausgeglichener vorgestellt…

 

Glauben Sie, dass die Geschlechterverteilung ich Ihrem Studienfach und auch in Aachen generell Auswirkungen auf das Leben als Student hat? Wo gäbe es Ihrer Meinung nach Unterschiede bei höherem Frauenanteil?

Amelie R: Man merkt den Unterschied vor allem beim Ausgehen denke ich. Frauen werden in jeden Club reingelassen, bei den Männern wird dann gelegentlich auch schon mal aussortiert. Es ist schwer zu beschreiben, ich glaube Vieles wäre anders wenn das Verhältnis ausgeglichener wäre, aber ich kann nicht genau sagen, was.

 

Haben Sie mit Vorurteilen zu kämpfen? Oder sind auch die Männer davon überzeugt, dass Frauen qualitativ dasselbe Niveau haben?

Amelie R: Mit direkten Vorurteilen der Leistung nicht unbedingt, ich habe nicht das Gefühl mehr leisten zu müssen um wahrgenommen zu werden, ich würde sagen das ist relativ gleich. Aber ich denke schon, dass es Männer gibt die sich denken, wow, du hast als Frau die Klausur im Erstversuch bestanden. Aber das sind nicht viele, die meisten nehmen einen schon sehr ernst und sind nicht überrascht wenn man auch mal eine gute Leistung erbringen kann. Es passiert aber tatsächlich oft, dass Leute verwundert sind, dass ich Elektrotechnik studiere mit der Begründung „ du siehst eigentlich ganz normal aus“. Ein Vorurteil ist eigentlich eher, dass Frauen sowas überhaupt nicht studieren und wenn sie „normal“ aussehen, studieren sie nach allgemeiner Auffassung eher Wirtschaftsingenieur und nicht Elektrotechnik „pur“.

 

Vielen Dank, dass Sie sich für das Interview Zeit genommen haben, Amelie. Ich fand es sehr interessant Ihre Eindrücke zu diesem Thema zu erfahren. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute für Ihr Studium.

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