„Es war eine gute Entscheidung“

Wie viele andere wusste auch Lena D. zunächst nicht, wie es für sie nach dem Abitur weitergehen sollte. Sie entschied sich dazu, ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) in einer Kita zu verbringen, bei der sie nun seit drei Monaten arbeitet. Hier spricht sie über die Vorteile eines FSJs und ihren Arbeitsalltag.


Wieso haben Sie sich dazu entschieden ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) zu machen?
Lena D.: Ich wusste nach dem Abitur erst einmal nicht, was oder ob ich studieren sollte. Deshalb wollte ich das Jahr als Orientierungsjahr nutzen. Ich wollte etwas Sinnvolles machen und nicht direkt wieder lernen müssen und Prüfungen schreiben, wie in der Schule.

Welche Vorteile hat ein FSJ generell?
L.D.: Man kann ins Arbeitsleben reinschnuppern, aber es ist länger als ein Praktikum. Deshalb kann man sich besser einarbeiten und den Beruf besser kennen lernen. Man hat eine Vollzeitstelle und gewöhnt sich so an lange Arbeitszeiten. Im Kindergarten lernt man außerdem soziale Kompetenz und wird sicherer im Umgang mit Kindern. Teamfähigkeit ist auch wichtig, wichtiger als in der Schule. Diese Fähigkeiten können auch später für den Beruf weiterhelfen. Außerdem wird man sich vielleicht sicherer, was man später machen möchte.

Wie kamen Sie dazu ihr FSJ in einem Kindergarten zu verbringen?
L.D.: Ich hatte ein Beratungsgespräch, bei dem ich festgestellt habe, dass ich gerne mit Kindern arbeiten würde, auch weil ich in diesem Bereich noch nicht so viele Erfahrungen gemacht hatte. Außerdem hat mich die Arbeit mit behinderten Kindern interessiert. In vielen Kitas gibt es Inklusion, so hat man eine Kombination von beiden Bereichen.

Was mussten Sie vor Beginn des freiwilligen sozialen Jahrs noch erledigen? Hatten Sie ein Vorstellungsgespräch?
L.D.: Nach dem Beratungsgespräch habe ich einen Tag lang in der Kita, in der ich jetzt arbeite, hospitiert. Dabei konnte ich die Kita kennenlernen und die Mitarbeiter konnten mich kennenlernen. Dann musste ich zum Beispiel noch zum Arzt, um mich untersuchen und impfen zu lassen und ich musste ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Wie sieht der Alltag in der Kita aus? Welche Arbeitszeiten haben sie? Welche Aufgaben müssen sie erledigen?
L.D.: Ich habe eine Vollzeitstelle, das heißt ich arbeite 39 Stunden pro Woche. Der Arbeitstag beginnt jeden Morgen um 8 Uhr. Vier Mal die Woche arbeite ich bis 17 Uhr und einmal die Woche bis 16 Uhr. Morgens, wenn die Kinder in den Kindergarten kommen, betreue ich sie oder spiele mit ihnen. Manche Kinder müssen auch getröstet werden, wenn ihre Eltern weggehen. Dann helfe ich den anderen Erzieherinnen bei der Vorbereitung des Morgenkreises oder wenn zum Beispiel etwas in der Turnhalle aufgebaut werden muss. Danach bin ich beim Morgenkreis mit dabei und begleite die Kinder auch beim Frühstück. Wenn die Kinder in den Garten gehen wollen, unterstütze ich sie beim An- und Ausziehen. Mittags helfe ich zum Beispiel beim Tischdecken oder in der Küche beim Abspülen. Außerdem muss ich die Kinder wickeln oder die Wäsche, die im Kindergarten gewaschen wird, zusammenlegen. Generell muss man bei Problemen der Kinder helfen oder auch Streit schlichten. Zusätzlich betreue ich ein behindertes Kind und versuche auch zu vermitteln, wenn es Probleme im Umgang zwischen dem behinderten Kind und den anderen Kindern gibt.

Was war bisher für Sie die größte Herausforderung?
L.D.: Für mich waren die langen Arbeitstage erst einmal ungewohnt, vor allem, dass man ununterbrochen als Ansprechperson da sein muss. Natürlich ist es in der Kita auch sehr laut. Daran musste ich mich auch erst einmal gewöhnen. Am Anfang war es aber vor allem am Schwierigsten bei dem Chaos, das manchmal herrscht, nicht die Nerven zu verlieren.

Gibt es etwas, das anders ist, als Sie es erwartet haben?
L.D.: Die Kita ist so, wie ich sie mir vorgestellt habe. Das Wickeln der Kinder und die Namen zu lernen, ist mir leichter gefallen als gedacht. Außerdem fällt mir der Umgang mit Kindern allgemein leichter als ich es erwartet habe. Der Job der Erzieherin ist abwechslungsreicher aber auch anspruchsvoller als erwartet.

Würden Sie sich noch einmal für ein FSJ entscheiden, wenn Sie wüssten, was auf Sie zukommt?
L.D.: Ja, ich würde mich wieder dafür entscheiden. Es hat viele Vorteile und es macht mir Spaß. Wahrscheinlich würde ich mich auch wieder für eine Kita entscheiden, denn es war eine gute Entscheidung. Allerdings kann ich mir jetzt auch Bereiche vorstellen, die vorher nicht für mich infrage kamen, zum Beispiel in einer Krippe zu arbeiten.

Wem würden Sie ein FSJ im Kindergarten empfehlen? Welche Fähigkeiten sollte man ihrer Meinung nach mitbringen?
L.D.: Wenn man in einem sozialen Beruf arbeitet, sollte man kontaktfreudig sein und auch eine soziale Kompetenz haben. Zuverlässigkeit ist auch sehr wichtig. Im Kindergarten darf man auch nicht zimperlich sein, wenn es zum Beispiel darum geht, Windel zu wechseln oder wenn man einem Kind beim Ausziehen der dreckigen Matschhose hilft. Geduld und Durchhaltevermögen sollte man auch haben. Man sollte teamfähig sein und Kindern gegenüber positiv eingestellt. Ich würde ein FSJ jedem empfehlen, der noch Orientierung sucht und nicht genau weiß, was er oder sie später einmal machen möchte. Vor allem, wenn man überlegt, später einmal im sozialen Bereich zu arbeiten, ist das FSJ eine gute Möglichkeit das auszuprobieren. Aber auch wenn man nicht unbedingt im sozialen Bereich arbeiten möchte, ist ein FSJ sinnvoll, denn man macht gute Erfahrungen, die für jeden Beruf wichtig sein können.

Vielen Dank für das Interview.
L.D.: Gern geschehen.

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