Die Magie der Werbung

Nichts wurde in den vergangen Tagen so sehr diskutiert, wie dieser eine Werbespot. Während diesen 3 Minuten scheinen auf einmal alle anderen Themen, die uns die ganze Zeit beschäftigt haben, so unwichtig zu sein. Das können selbst die Kritiker des Werbespots nicht bestreiten. Ist es ein geschmackloser Marketingtrick der großen Lebensmittelfirma, oder wollen sie damit die heutige Stressgesellschaft aus ihrem Vorweihnachtszeitalbtraum aufwecken?
Zum Hintergrund: Am Anfang ist ein älterer Mann zu sehen, der wie jedes Jahr mit einer Weihnachtskarte und einem Anruf von seiner Familie, dass es leider wieder nicht klappen würde, vertröstet wird. Dann sieht man ihn ganz alleine ein liebevoll zubereitetes Menü zu essen. Szenenwechsel: Die mittlerweile erwachsenen, voll berufstätigen Kinder des Mannes erhalten die Nachricht, dass ihr Vater gestorben sei und machen sich sofort auf den Weg zu ihrem Elternhaus. Dort sehen sie, dass dies nur ein Vorwand des Vaters war, um alle Teile der Familie an Weihnachten zusammenzubringen. Vorbei sind die Zeiten der Einsamkeit, die Freude an der Familie ist jetzt größer denn je.
Soweit so gut, die dramatische Musik im Hintergrund verstärkt natürlich den Effekt und die Message des Werbespots wird deutlich: Jeder sollte seine Familie wertschätzen und auch ruhig mal an Weihnachten besuchen – um das schlechte Gewissen zu beruhigen. Um an Weihnachten „schein“?heilig in der Kirche zu sitzen und zu sagen: Jetzt fühle ich mich gut, jetzt habe ich meinen Vorsatz erfüllt und war dieses Jahr vorbildlich im Gottesdienst.
Aber mal ehrlich- wir alle sehnen uns doch – besonders um die Weihnachtszeit – nach Liebe und Zuneigung. Wirklich Niemand sollte sich in dieser magischen Zeit alleine fühlen. Muss uns dann aber ein Werbespot daran erinnern, wie wichtig die eigene Familie ist? Anscheinend schon. Wie oft beschweren wir uns über die anstrengende Verwandtschaft, über die zahlreichen Pflichtbesuche, über die nervigen Fragen. Doch wenn sie nicht mehr da sind, ist die Trauer immer groß und man macht sich Vorwürfe, die wertvolle Zeit nicht ausreichend genutzt zu haben. Was ist so schlimm daran, wenigstens ein Mal im Jahr zusammen zu kommen und die Zeit zu genießen? Unser Alltag hält uns davon ab. Unser ständiges Rennen, bei dem man merkt, dass die Zeit an einem vorbei zieht. Haltet doch einfach die Zeit an. Es gibt noch 364 weitere Tage im Jahr um die Großeltern zu besuchen.

Viele finden den Werbespot pietätlos- „über den Tod dürfe man nicht scherzen“- so einige User im Internet. Das, was der Lebensmittelkonzern damit erreichen wollte, hat er aber erfolgreich geschafft. Gratulation an die Marketingabteilung, denn diese wird sich freuen und hat durchaus erneut bewiesen, wie gut sie ist. Es wird geredet und fleißig in den sozialen Netzwerken geteilt- etwas Besseres können sie sich gar nicht wünschen. Nur wo man seinen Weihnachtsbraten am dreiundzwanzigsten kauft, bleibt dann doch jedem selbst überlassen. Und wenn auch nur in einigen wenigen Köpfen der Zuschauer etwas bewegt wird- hat der Konzern zusätzlich eine gute Tat erledigt und der Nikolaus lässt dieses Jahr die Rute mit Sicherheit stecken!

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