Bosman Nova

Bosman Nova: Heinz Müller klagt auf ein unbefristetes Arbeitsverhältnis und bekommt Recht

Heinz Müller

Heinz Müller in der Boxengasse des Hockenheimrings im Rahmen der High Performance Days 2014. Foto: Daniel S. Fröb

MAINZ (dsf). Ein Urteil (AktZ. 3 Ca 1197/14) des Arbeitsgerichts Mainz vom 19.03.2015 lässt die Fußballwelt aufhorchen. Die Folgen dieses Urteils für den Profifußball könnten ähnlich gravierend sein, wie die Resultate der Bosman-Entscheidung von 1995. Der Fußballtorhüter Heinz Müller klagte gegen seinen alten Arbeitgeber, den 1. FSV Mainz 05, auf den Fortbestand seines Kontraktes als unbefristetes Arbeitsverhältnis. Richterin Ruth Lippa gab dem Kläger in der ersten Instanz Recht.

In der Urteilsbegründung heißt es: „Nach Auffassung des Arbeitsgerichts ist die Befristung eines Arbeitsverhältnisses mit einem Spitzensportler nur nach Maßgabe des § 14 TzBfG zulässig“. § 14 (2) TzBfG besagt, dass die Befristung eines Arbeitsvertrages ohne Vorliegen eines sachlichen Grundes nur bis zu einer Dauer von zwei Jahren zulässig ist. Müller jedoch „war bei dem beklagten Bundesligaverein zunächst aufgrund eines auf drei Jahre befristeten Vertrags als Lizenzfußballspieler beschäftigt“. Anschließend unterzeichnete der Profitorwart im Sommer 2012 einen auf weitere zwei Jahre befristeten Vertrag mit Mainz 05. Nachdem Müller in der Hinrunde der Saison 2013/14 unter dem damaligen Trainer Thomas Tuchel seinen Stammplatz verloren hatte, wurde sein Vertrag im Sommer 2014 seitens des Vereins nicht erneut verlängert. Nach dem Ende seines Kontraktes widmete sich Heinz Müller dem Motorsport (siehe Foto) und absolvierte Ende 2014 ein zweimonatiges Praktikum beim FC Bayern München. Nun bekam er vom Arbeitsgericht Mainz das Recht auf eine unbefristete Anstellung bei seinem letzten Arbeitgeber Mainz 05 zugesprochen. Dagegen argumentiert der 1. FSV Mainz 05, dass es aufgrund der Ungewissheit seiner Leistungserwartung zu keinem unbefristeter Vertrag mit dem zu diesem Zeitpunkt bereits 34-jährigen Müller kam. In der nachlassenden Leistungsfähigkeit eines Profisportlers liege auch der, für einen befristeten Vertrag notwendige, Sachgrund. Des Weiteren seien unbefristete Verträge nicht branchenüblich. So verfügt im Moment kein Bundesligaprofi über einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Und genau darin liegt die Bedeutung und die Problematik dieses Falles. Sämtliche Arbeitspapiere wären in der jetzigen, befristeten Form ungültig und müssten neu und unbefristet aufgesetzt werden. Dies läge weder im Interesse der Fußballvereine, noch im Interesse der meisten Fußballprofis, so der Präsident des 1. FSV Mainz 05 Harald Strutz. Der Rechtsanwalt führt weiterhin an, dass, sollte das Urteil rechtskräftig werden, die Vereine „irgendwann 50, 60 Profis im Kader“ hätten. Über die möglichen Auswirkungen lässt sich zurzeit nur spekulieren. Der Fall „Müller contra Mainz 05“ geht jetzt an das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz in Mainz. Dort wird der Verein von der DFL vertreten. Die dritte und letzte nationale Instanz wäre das Bundesarbeitsgericht in Erfurt.

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

WS 2014/15

FB 02: Sozialwissenschaften, Medien und Sport

Fach: Publizistik

Kurs: Nachrichtenproduktion

Beitrag: „Bosman Nova“

Verfasser: Daniel S. Fröb

Dozent: Gregor Mayer

Abgabetermin: 31.03.2015

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