„Lenz“ – einmal anders

Geheimtipp

Rezension des Theaterstückes „Lenz“ nach der Erzählung von Georg Büchner

Mainz. Die Inszenierung von „Lenz“, wie sie seit Ende Oktober am Mainzer Staatstheater aufgeführt wird, ist eher spartanisch – aber genau das ist ihre Stärke. Dem Stück, nach der gleichnamigen Erzählung von Georg Büchner, reichen gerade mal zwei Schauspielern auf der Bühne aus und eine dieser Person kommt in dem Werk selbst nicht einmal vor – der Autor Georg Büchner.

Sein „Lenz“ entstand nach dessen Tod 1839 und beschreibt den geistigen wie körperlichen Verfall des Schriftstellers Jakob Michael Reinhold Lenz, einem bedeutenden Vertreter des Sturm und Drangs.

„Ich habe mir hier allerhand interessante Notizen über einen Freund Goethes, einen unglücklichen Poeten Namens Lenz verschafft, der sich gleichzeitig mit Goethe hier aufhielt und halb verrückt wurde“, so beschreibt Büchner den ihm vorliegenden Stoff.

Statt einer meist originalgetreuen Wiedergabe des Inhalts entschied sich der Mainzer Hausregisseur K.D. Schmidt dafür, den Entstehungsprozess des „Lenz“ zu inszenieren. Der ehemalige Schauspieler ist erst Anfang des Jahres vom Oldenburgischen Staatstheater nach Mainz gewechselt.

Autor und Protagonist liefern sich in der Inszenierung ein packendes Duell. Während Büchner versucht die Gedanken von Lenz nachzuvollziehen, ist dieser stetig bemüht von selbigem Besitz zu ergreifen. Äußerst fesselnd wird der Zuschauer Zeuge, wie Büchner mehr und mehr der Gedankenwelt des Lenz‘ verfällt und sich seinem Wahnsinn nicht mehr entziehen kann.

Clemens Dönicke, als Lenz, und sein Gegenspieler Daniel Friedl, als Büchner, verkörpern eindrucksvoll das Machtspiel zwischen Autor und Romanfigur. Sie ziehen mit ihrem Spiel das Publikum zunehmend in ihren Bann.

Vor Vorstellungsbeginn haben die Zuschauer die Möglichkeit eine Einführung in den „Lenz“ zu erhalten. Dies geschieht meist durch einen Schauspieler des Hauses. Dort werden kurz die Handlung und der Entstehungskontext des Werkes zusammengefasst.

Am 21. Februar 2015 hat man zum letzten Mal die Gelegenheit Zeuge dieses fulminanten wie asketischen Schauspiels am Mainzer StDeniseaatstheater zu werden.

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