Mindestlohn bei Mainzer Taxifahrern: „Der Mindestlohn ist für unser Gewerbe völlig absurd“

FreiMAINZ. Ob Voll-, Teilzeit oder Minijob – seit dem 1. Januar hat jeder in Deutschland tätige Arbeitnehmer (über 18 Jahre) Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 pro Stunde. Doch wie sind die Auswirkungen eines solchen Gesetztes in Mainz spürbar?
In der Taxibranche zeigt der Mindestlohn erste negative Auswirkungen, wie Gaby Heck, Vorsitzende der Allgemeinen Funktaxizentrale Mainz, berichtet.

Schon vor der Einführung des Mindestlohns haben einige Unternehmen ihre Taxifahrer entlassen. Dies führt dazu, dass sich viele der Fahrer selbstständig machen und dabei für weit weniger Stundenlohn arbeiten. „Die Leute werden in eine Selbstständigkeit gedrängt, in die sie nicht möchten.“

„Die Entwicklung sieht düster aus“, sagt Gaby Heck. In den vergangen Monaten sei die Zahl der Taxen, welche an die Funkzentrale angeschlossen sind, von 185 auf 165 gesunken. Dies liegt unter anderem daran, dass sich viele Fahrer die technischen Investitionen, die in den kommenden Monaten anstehen, finanziell nicht leisten wollen. Die Fahrer auf  Teilzeit zu reduzieren, wie es einige Mehrwagenbesitzer machen, stellt hierbei auch keine dauerhafte Lösung dar.
Obwohl Gaby Heck eine Befürworterin des Mindestlohns ist, findet sie diesen in der Taxibranche sinnlos.„Da wird ein gut funktionierendes System kaputt gemacht. Der Mindestlohn ist für unser Gewerbe völlig absurd.“

Die Situation soll sich allerdings mit einer Tariferhöhung entspannen: Die Kurzstrecken sollen in Mainz teurer werden. Die Grundgebühr soll um 60 Cent erhöht werden, außerdem sollen der dritte und vierte Kilometer teurer werden, sodass Fahrten von vier Kilometern insgesamt zwei Euro mehr kosten. Ab dem fünften Kilometer bleibt der Kilometerpreis gleich – sodass auch diese Fahrten insgesamt nur zwei Euro teurer werden.
Laut Gabi Heck liegt dies an der überschaubaren Größe der Stadt Mainz. Viele Fahrten seien Kurzstrecken und man müsste tariflich nachbessern, um die Folgen des Mindestlohns zu regulieren. Es wird noch entschieden, in welcher Höhe der Tarif angepasst werden kann; dabei orientiert sich die Stadt auch an vergleichbaren Städten.

Einen kleinen Trost bieten die jetzigen Benzinpreise: Etwa 100 Euro pro Monat sparen Taxifahrer im Moment im Vergleich zu früheren Preisen. „Angesichts der ansonsten sehr hohen Betriebskosten ist das allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Gaby Heck.

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