„Das Studierendenwerk ist nicht in der Lage, günstigen Wohnraum zu schaffen“

Partywohnheim mit Charme oder Schandfleck auf dem Campus – am Wohnheim Inter I scheiden sich die Geister. Und tatsächlich ist der erste Anblick eher ein trauriger: ein eingerüstetes, 14-stöckiges Hochhaus, Baujahr 1966, das neben seinem neu sanierten Bruder, dem bunten Inter II ziemlich vernachlässigt wirkt und für Gesprächsstoff sorgt. Mal heißt es, das Wohnheim solle abgerissen werden, mal, es solle ein Medienhaus entstehen, dann wieder, es solle geräumt werden. Inter INeumieter werden bereits seit Beginn des Wintersemesters keine mehr zugelassen. Der Verwaltungsratsbeschluss vom 15. Dezember bringt Klarheit: Ende März sollen im ältesten Mainzer Wohnheim die Lichter ausgehen. Grund dafür ist die vom Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung Rheinland-Pfalz (LBB) geforderte Rückgabe des Gebäudes. Der Überlassungsvertrag, der dem Studierendenwerk die Nutzung des Hauses gestattet, lief bereits Ende 2013 aus, wurde aber aufgrund der Verzögerungen beim Bau des Wohnheims Binger Schlag verlängert. Nun plant die LBB in den Räumen des Inter I ein Medienhaus und einen Neubau auf dem Nachbargrundstück.  

Das Studierendenwerk kommt seiner Pflicht nicht nach

Eine Lösung, die dem Studierendenwerk gerade recht käme, meint Tobias Noll, Vorsitzender der Hausverwaltung. Das Inter I werfe pro Jahr 100.000 Euro Gewinn ab, mit denen das Studierendenwerk die Kredite für seine eigenen Wohnheime tilgen möchte. Nun aber müsste der Blitzschutz und die Elektrik des Hauses saniert werden – Kosten, die das Studierendenwerk tragen müsste. Den Forderungen der Studierenden nach bezahlbaren Wohnheimen komme das Studierendenwerk somit nicht nach. „Das Inter I ist das einzige Wohnheim, dessen Miete durch den BAföG-Satz gedeckt ist“, so Noll. „Das Studierendenwerk ist nicht in der Lage, günstigen Wohnraum zu schaffen. Wohnheime seien in erster Linie für weniger betuchte Studierende gedacht. Vor dieser Verantwortung drücke sich das Studierendenwerk mit der Schließung des Inter I allerdings.“ Die Hausverwaltung versucht daher, eine verlängerte Öffnung ihres Wohnheims bis zum Wintersemester zu erwirken. Auch eine Petition, die über 1000 Unterschriften vorweisen konnte, wurde dem Studierendenwerk vorgelegt, jedoch ohne Erfolg. Mit dem Verweis auf den mangelnden Brandschutz würde ab April die Betriebsgenehmigung auslaufen, allerdings ohne dass die Hausverwaltung Einsicht in das Gutachten bekommen hätte. Der Brandschutz sei nur ein Scheinargument, die Mängel einfach zu beheben, so Noll.  

Sanierung zu kostspielig

Matthias Griem, Geschäftsführer des Studierendenwerks, schließt die Möglichkeit einer Sanierung hingegen aus. Ein Gutachten aus dem Jahr 2008 habe gezeigt, dass das Gebäude wirtschaftlich nicht mehr sanierungsfähig sei. Pläne zur Errichtung eines hochschulübergreifenden Medienhauses hätten auch damals schon bestanden, seien jedoch an der mangelnden Finanzierung seitens des Landes gescheitert. Würde man das Inter I umfassend sanieren, beliefen sich die Kosten auf mehrere 100.000 Euro – Kosten, die sich in erhöhten Mieten widerspiegeln würden. Eine Verlängerung der Öffnung um ein Semester lehne er daher ab. Ab April übernähme das Studierendenwerk nicht mehr die Haftung für das Wohnheim, die Verantwortung läge ab diesem Zeitpunkt bei der LBB. Diese wäre gezwungen, dringende Ausbesserungen beim Brandschutz sofort durchzuführen, was auch bei einem einzigen weiteren Semester zu Mieterhöhungen führen würde. Ein Aufwand, der sich laut Griem nicht lohne, insbesondere da bereits im Sommer mit den Bauarbeiten begonnen werden soll.  

Gerüst als Fahrradständer

Die 196 Bewohner des Wohnheims versuchen, das Beste aus ihrer Situation zu machen. Die Dachpartys und die Barabende seien so legendär, dass so mancher ehemalige Student zurück an die Uni käme, um in seinem alten Wohnheim seinen Junggesellenabschied zu feiern. Auch für viele Paare, die sich dort kennengelernt haben, ruft das Gebäude lebendige Erinnerungen hervor. Selbst dem Gerüst um das Wohnheim können die Bewohner etwas abgewinnen. Es eigne sich hervorragend als Fahrradständer. Und tatsächlich haben die Gemeinschaftsküchen, der Fernsehraum im 15.Stock und nicht zuletzt die heimlich errichtete Sauna im Keller ein studentisches Flair, wie man es in den anderen Wohnheimen nicht mehr findet. Als erhaltenswert wurde offiziell indes nur die Architektur befunden. Aufgrund seiner sechseckigen Form steht das Inter I unter Denkmalschutz.

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