Römisches Mainz: Das Bühnentheater und der Drususstein

Geheimtipp

Am 08.12.06 erhielt der Südbahnhof einen neuen Namen: „Mainz-Römisches Theater“. Grund dafür waren wiederentdeckte Zeugnisse der römischen Vergangenheit in Mainz im Verlauf der vorhergegangenen Jahre. Denn direkt hinter dem Bahnhof erstreckt sich eines der größten und eindrucksvollsten Fundstücke jener Zeit: Das römische Bühnentheater.

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Dieses wird seit 1999 stückweise ausgegraben und erforscht. Das Bühnenhaus des Theaters fiel, Ende des 19. Jahrhunderts, den Baumaßnahmen für die Eisenbahnstrecke zum Opfer und ist für die Nachwelt verloren. Jedoch sind die Zuschauerränge sowie die Bühne übriggeblieben und gut erhalten. Derzeit liegt noch keine genaue Datierung vor. Der römische Schriftsteller Sueton erwähnt ein Theater in Moguntiacum bereits 39 n. Chr. . Wahrscheinlich begann der Bau des Theaters, nach der Gründung eines Legionslagers auf dem Kästrich 13/12 v. Chr., im Zuge der darauffolgenden sich schnell entwickelnden Siedlungsbildung. Möglicherweise hatte das steinerne Monument einen Vorgänger in Holz-Erde-Bauweise.
Mitte des 4. Jh. kam es zu einem Umbau der Stadtmauer. Somit lag das Theater außerhalb des geschützten Bereiches und der Theaterbetrieb wurde eingestellt. Nach und nach wurde Steinmaterial abgetragen und mit dem Bau der Zitadelle im 17. Jahrhundert kam es zur Einebnung des Geländes. So geriet das römische Bühnentheater bis zu seiner Wiederentdeckung in Vergessenheit.
Das Bühnentheater und der Drususkult
Vieles spricht dafür, dass das Theater eine große Rolle bei dem Praktizieren des Drususkults spielte. Nur 340 m entfernt befindet sich der Drususstein.
Ein Ehrenmal für den römischen Feldherren und Politiker Drusus. Er wurde 9 v. Chr. für Nero Claudius Drusus (kurz Drusus) den Schwiegersohn von Augustus als Kenotaph (Scheingrab) errichtet. Drusus war 9 v.Chr. Oberbefehlshaber des römischen Heeres in Germanien. Auf dem Rückweg in sein Winterlager stürzte er von seinem Pferd und starb an den Folgen des Sturzes. Zu Ehren ihres Feldherrn bauten seine Soldaten ein Grabmal in Mainz. Der Leichnam Drusus wurde aber auf Augustus Befehl hin nach Rom überführt und im Augustusmausoleum bestattet. Der Stein wurde jetzt im römischen Mainz zum Zentrum des Kaiserkults. Jährlich fanden hier und in dem etwas unterhalb gelegenen Theater Gedenkfeiern für Drusus statt. Denkbar ist auch, dass das Bühnentheater bei zivilen Gedenkfeiern zu Ehren des Drusus genutzt wurde. Es bot Platz für ca. 10.000 Besucher und war damit das größte seiner Art nördlich der Alpen.

Der Drususstein heute
Sein heutiges Aussehen verdankt der Stein mehreren Faktoren. Zum einen fiel er dem Steinraub im Mittelalter zum Opfer. Zum anderen wurde er im 17. Jahrhundert in die Stadtbefestigung integriert und als Wachturm umfunktioniert und befindet sich seit dem innerhalb der Mauern der Zitadelle. Wie viele weitere römische Hinterlassenschaften führt auch der Drususstein heutzutage ein stiefmütterliches Dasein. Das größte noch oberirdisch erhaltene römische Grabdenkmal nördlich der Alpen steht selten im Fokus von Bürgern oder Touristen.

drusuLediglich einmal im Jahr zum Zitadellenfest (der Termin für dieses Jahr steht noch nicht fest) erfreut er sich größerer Frequentierung.
Die Zukunft der Denkmäler
Es existieren verschiedene Pläne, wie die historischen Denkmäler zukünftig im Mainzer Stadtbild präsentiert werden sollen. Zum Beispiel der einer Teilrekonstruktion eines der Segmente im Zuschauerraum des Theaters.

Wer jetzt Lust hat das Bühnentheater hinter dem Südbahnhof und den 10 Minuten Fußweg entfernten Drususstein zu besichtigen, kann dies jeder Zeit tun. Die Ausgrabungsstätte und die Zitadelle sind (außer die Zitadelle bei Konzerten oder dem OpenOhr) immer frei zugänglich. Eine Besichtigung der Denkmäler bietet tolle Einblicke in das vergangene Moguntiacum und kann auch prima mit dem Besuch im Stadthistorischen Museum (Öffnungszeiten Fr. 14-17 und Sa-So 11-17), das sich ebenfalls innerhalb der Zitadelle befindet, verbunden werden.

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