Ulla Brede-Hoffmann: „Respekt beinhaltet die Akzeptanz von Vielfalt“

JUSO-Hochschulgruppe der Universität Mainz veranstaltet Diskussionsrunde zum Burka-Verbot

Mainz SPD Landtagsabgeordnete Ulla Brede-Hoffmann war am Donnerstag vergangener Woche von den Jungsozialisten (JUSOs) der Uni Mainz zu einer Diskussionsrunde eingeladen worden, die sich mit der Kernfrage „Burka-Verbot – Ja oder Nein?“ befasste. In einem kleinen, jedoch gut besuchten Hörsaal diskutierten Menschen verschiedenen Alters und unterschiedlicher Herkunft, Studenten und Parteimitglieder über das erst kürzlich wieder aufgekommene Thema.

Denn fast zeitgleich mit der Pegida-Bewegung in Dresden, der alle drei Landtagsfraktionen in Rheinland-Pfalz mit großer Ablehnung begegneten, verlangte CDU-Chefin Julia Klöckner ein Verbot gegen die Vollverschleierung muslimischer Frauen in der Öffentlichkeit. Im Parlament führte man daraufhin eine „leidenschaftliche Debatte“, so Brede-Hoffmann. Seitens der CDU sei die Burka (v.a. in Afghanistan und Pakistan verbreitet) oder auch der Niqab (u.a. Gesichtsverschleierung türkischer Frauen) ein Symbol für die Bevormundung der muslimischen Frau. Das öffentliche Tragen dieser religiösen Bekleidung sollte deswegen in Rheinland-Pfalz verboten werden. Die Debatte brachte es sogar in den Bundesparteitag. Man beriet sich dort über einen entsprechenden Antrag. Ein Gesetzentwurf wurde jedoch abgelehnt.

Brede-Hoffmann eröffnete die Diskussion mit einem kurzen Statement indem sie deutlich machte, dass sie ein solches Verbot strikt ablehne. Ihr sei bewusst, dass einige Frauen zum Tragen der Burka gezwungen würden, doch sei ein solches Verbot die falsche Herangehensweise diese Frauen zu schützen. Der „Job des Staates“ sei es „Rahmenbedingungen zu schaffen“, die „Bildung und wirtschaftliche Unabhängigkeit“ dieser Frauen zum Ziel machen sollten. Andernfalls würde der Staat die bevormundende Rolle einnehmen und zur Folge haben, dass unterdrückte muslimische Frauen „nicht mehr das Haus verlassen dürften um Bildungsangebote überhaupt anzunehmen“.

An der Diskussion beteiligten sich auch zwei junge, politisch engagierte Studentinnen. Sie gehören der muslimischen Glaubensgemeinschaft an und tragen beide Kopftücher – aus freien Stücken wie sie betonten. Fragen wie „Warum wird in Deutschland überhaupt über den Körper muslimischer Frauen diskutiert?“, „Warum liegt der Fokus immer auf dem Islam?“ kamen auf. Auch Nonnen, Mönche und Juden trügen bekanntlich religiöse Bekleidung aus Überzeugung, Glauben und Tradition. Sie prangerten den „Generalverdacht des Zwanges“, dem muslimische Frauen laut Frau Klöckner unterliegen, an. Ebenso den „White Saviour-Komplex“ der Deutschen (engl.: White Saviour, z.dt.: Weißer Retter). Sie bräuchten kein Mitleid und auch keine Hilfe bei der Emanzipation, auch wenn die westliche Bevölkerung immer davon auszugehen scheine.

Ein Mann trat der Diskussion bei und erzählte von einer Begegnung, die er mit zwei verschleierten Frauen hatte. Sie waren in den gleichen Bus gestiegen wie er. „Es war sehr befremdlich. Schon allein weil ich die Gesichter der Frauen nicht sehen konnte. Ich fand das nicht gut“. Über die Unkenntlichkeit der Gesichter verschleierter Frauen wurde lange und heftig diskutiert. Darf man aus einem Gefühl der Befremdlichkeit ein solches Gesetz ableiten?  Letztendlich entspricht es nicht den westlichen Normen. Gerade in den letzten Jahren wurde das öffentliche Zurschaustellen des eigenen Körpers immer weiter auf die Spitze getrieben. Eine Ganzkörperverhüllung widerspricht diesem Körperkult in der westlichen Welt gänzlich.

Vor Jahren gab es ähnliche politische Debatten schon über das Kopftuch. Damit schienen die meisten Befürworter des Burka-Verbots in der Runde kein Problem zu haben. Man habe sich daran gewöhnt. Eine Ganzkörperverschleierung sei jedoch nun mal nicht Teil der deutschen Kultur.

Aber was versteht man heutzutage unter „deutscher Kultur“? Es gehört wohl einiges mehr dazu als deutsches Bier und Bratwurst. Nicht umsonst ist der Döner die Lieblingsspeise der Deutschen für zwischendurch. Deutschland ist vielfältig. Dies ist ein Fakt, den man nicht bestreiten kann. Hier leben Menschen verschiedenster Herkunft, Kultur und Religion miteinander. Soll das funktionieren, muss man sich mit Respekt begegnen. Und „Respekt beinhaltet die Akzeptanz von Vielfalt“, wie Brede-Hoffmann am Ende der Diskussion klarstellte. Obwohl bei einigen der Anwesenden immer noch Redebedarf bestand, wurde die Diskussion nach fast zwei Stunden beendet. Das letzte Wort hatte eine weitere Studentin. Ihre Eltern sind Migranten und stammen ursprünglich aus Afrika. Die junge Frau selbst ist jedoch in Deutschland aufgewachsen und christlich getauft. Auch sie hat schon Ablehnung und Rassismus erfahren, allein aufgrund ihrer Hautfarbe. „Ohne Kommunikation untereinander kommen wir nicht voran“. Es sollte nicht so sein, dass man Dingen, die einem nicht vertraut sind sofort mit Ablehnung begegnet. „Man muss aufeinander zugehen und nicht zumachen“.

Der Mann, der zu Beginn seine Ablehnung gegenüber der Burka kundtat, bedankte sich schließlich auch noch in der Diskussionsrunde: „Es war sehr aufschlussreich, mal alles aus einem anderen Blickwinkel zu sehen“. Weiterer Redebedarf herrscht wohl nicht nur in dieser Diskussionsrunde.

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